Heimatstube der Ungarndeutschen von Kaposvár eingeweiht Drucken
21.05.2004
Aktives Miteinander erleben

Im Haus der Minderheitenselbstverwaltungen und der Parteien in der St. Emmerich-Straße von Kaposvár kann man nunmehr auch ein Stück ungarndeutsche Kultur besichtigen. Denn am 14. Mai kam es zu der feierlichen Einweihung der ungarndeutschen Heimatstube, einem innigen Fest der Deutschen in Kaposvár und ihrer Freunde aus nah und fern.

Nach dem herzlichen Willkommensgruß von Ilona Virányi und den ganz persönlichen Grußworten von Maria Bauer (beide Mitglieder der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung) präsentierten SchülerInnen der Grundschulen in der Béla-Bartók- und der Kisfaludy-Straße sowie der Toponári-Grundschule, des weiteren der Chor des Rentnerklubs im geräumigen Beratungssaal ein reiches Kulturprogramm von Gedichten, kleinen Szenen, Märchen, Duetten und einem Liederstrauß. Anschließend konnte das stattliche Publikum die Ausstellung besichtigen, die in einem vom Büroraum der deutschen Körperschaft abgesonderten kleinen Zimmer eingerichtet wurde. Gebrauchsgegenstände, Möbelstücke, schöne Handarbeiten, Bettzeug, Volkstrachten, Trachtenpuppen und sogar ein die Braut von Etschi darstellendes Gemälde von Elisabeth Szirmay-Bayer beschwören die Atmosphäre eines schwäbischen Bauernhauses in früheren Zeiten herauf, in dem auch manches geistige Material aufzufinden ist. Alles Gaben von Privatleuten, die einiges aus der Vergangenheit verwahrt haben, sowie Anschaffungen der Minderheitenselbstverwaltung, die sich von Jahr zu Jahr um Gelder bewirbt, damit die vorgenommenen Programme durchgeführt werden können.
Über diese berichtete gerne die Vorsitzende der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung von Kaposvár, Elisabeth Knoll Hidasi, die zusammen mit ihren eifrigen Mithelfern bemüht ist, die mehreren hundert Ungarndeutschen in der Komitatshauptstadt der Schomodei zusammenzuführen, ihnen und den Interessenten aus der Umgebung niveauvolle Programme zu bieten. Traditionell beteiligen sich die Kaposvárer Ungarndeutschen am Nationalitätentreffen Ende Juni in Etschi/Ecseny, wo die eigenen Spezialitäten im Kochen, Tanzen und Singen gezeigt werden. Im Herbst wiederum erwartet man die Fans der deutschen Kultur in Kaposvár zur eigenen Veranstaltung mit Gastensembles. Zu den Schulen mit Deutschunterricht pflegt man gute Kontakte, deren Kulturgruppen nach Möglichkeit auch finanziell unterstützt werden. Unter den vielen Programmen nimmt die Einweihung der Heimatstube einen besonders vornehmen Platz ein, kann man doch dadurch auch jüngeren Generationen ein Stück Kultur der Ahnen vor Augen führen.

Mit der Heimatstube ging ein langgehegter Wunsch von Frau Maria Bauer in Erfüllung, die als aktive Traditionspflegerin und Heimatdichterin bereits früher in ihrem Geburtsort Schomberg immer für die anderen im Einsatz war und sich dadurch Verdienste erwarb. Wie sie in einem Gespräch erzählte, war es  für sie vor sieben Jahren ziemlich schwer, den Wohnort zu wechseln, zu den Kindern zu ziehen. Doch die Aktivitäten für die Entstehung einer ungarndeutschen Gemeinschaft in Kaposvár linderten nicht nur ihr Heimweh, sondern brachten ihr auch zahlreiche Freunde, mit denen man nun vieles auf die Beine stellen kann. Man gründete einen deutschen Rentnerklub, der auch einen Chor hat, wo man sich jede Woche trifft, sich im Gesang übt, Neues ins Repertoire aufnimmt und gemütliche Stunden im Freundeskreis erlebt. Natürlich tritt er auch vor Publikum auf. Musikalischer Leiter ist der Harmonikaspieler László Harsányi.
Dabei hat sich eine echte Gemeinschaft geschmiedet, deren 25 Mitglieder aus den umliegenden Dörfern von Kaposvár (aus Harsche, Solemon, Senglasl oder gar aus der Branau, aus Tuwoke und Schomberg) stammen. Frau Elisabeth Nemes Stickl denkt oft an ihre schöne Kindheit in Etschi zurück, der dann die Vertreibung und Enteignung ein trauriges Ende setzte. Nicht anders war es bei Frau Ani Treszler, die ihre Wurzeln in Harsche/Somogyhárságy hat. Sie beide sowie auch die Tuwokerin Maria Bayer Hengl sind auch Mundartsprecherinnen, und in ihrem Deutschklub und Chor können sie sich auch in diesem Bereich entfalten.

Dr. Johann Rumszauer, den Diplom-Förster (auch Mitglied der Minderheitenselbstverwaltung), verschlug es schon Ende der 50er Jahre von Surgetin nach Kaposvár, das sein neuer Heimatort  wurde und wo er als Inspektor und Amtsleiter der Forstwirtschaft für die Erhaltung der Naturschätze, die Bereicherung der Parkanlagen und überhaupt für Baumpflanzungen besonders viel getan hat. Erst die letzten Jahre, als es die Freizeit erlaubte, führten ihn zum öffentlichen Leben der Ungarndeutschen. Vom Nullpunkt sei man bei der Zusammenführung der Ungarndeutschen und ihrer Sprach- und Traditionspflege gestartet, und jetzt verfüge man auch über ein Heimatmuseum, meinte er freudevoll und schilderte auch seine weiteren Vorhaben, um die Herkunftsorte der nach Kaposvár eingewanderten Deutschen zu erforschen und künftig je mehr Menschen in das Gemeinschaftsleben einzubeziehen.

Das aktive Miteinander konnte man auch beim Einweihungsfest der Kaposvárer Heimatstube miterleben, zu dem auch viele Freunde und Verwandte auch aus weit entfernten Dörfern kamen.

Árpád Hergenröder