| "Ich fasse die hohe Ehrung auch als Auszeichnung für die Ungarndeutschen auf" | ![]() |
| 21.05.2004 | |
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LdU-Vorsitzender Otto Heinek erhielt Bundesverdienstkreuz Während des Ungarnbesuches von Bundespräsident Johannes Rau erhielt der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Otto Heinek, eine der höchsten deutschen Auszeichnungen, das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland am Bande. NZ sprach mit Otto Heinek kurz nach der Übernahme der hohen Ehrung. |
NZ: Herr Heinek, hört man im Funk und Fernsehen, daß jemand eine hohe staatliche Auszeichnung erhält, dann denkt man immer an ältere Damen und Herren, weniger an junge Menschen, die ihr Lebenswerk noch bei weitem nicht abgeschlossen haben. Mit welchen Gefühlen und Gedanken haben Sie diese hohe Anerkennung aus Deutschland übernommen?
O. H.: So jung bin ich eigentlich auch nicht mehr, mit fast 45 bin ich bereits im mittleren Alter. Es ist übrigens schön, daß in den letzten Jahren ungarndeutsche Persönlichkeiten mit hohen deutschen Auszeichnungen geehrt wurden, die auch noch aktiv sind. Man denke nur an Ombudsmann Dr. Jenô Kaltenbach oder an Frau Dr. Elisabeth Knab. Wenn man eine Auszeichnung bekommt, und ganz besonders wenn es so eine hohe Auszeichnung ist, dann ist man natürlich stolz darauf. Es ist sicherlich auch die Anerkennung meiner persönlichen Arbeit und Biographie, andererseits fasse ich diese Auszeichnung auch als eine Auszeichnung für die Ungarndeutschen auf. Es geht letztendlich darum, daß es hier eine Volksgruppe gibt, die in Ungarn als deutsche Volksgruppe leben möchte, und wir als Landesselbstverwaltung versuchen, dieser Volksgruppe dabei zu helfen. Wenn es uns manchmal gelingt, dann sind wir froh darüber. Die Auszeichnung gilt also vor allem dem Ungarndeutschtum, auch deshalb, weil ich nur dann erfolgreich arbeiten kann, wenn mich viele dabei unterstützen.
NZ: Die Auszeichnungsgeber formulieren intern immer ganz konkret, warum sie die betroffene Person auswählen. Wie würden Sie sich selbst diese Gründe erklären?
O. H.: Ich weiß natürlich nicht, welche Gründe sie dazu veranlaßt hat, gerade mich auszuzeichnen. Ich bin in eine ungarndeutsche Familie hineingeboren worden und dort aufgewachsen. Meine ganze Biographie ist mit dem Ungarndeutschtum verbunden: Am Leôwey-Gymnasium in Fünfkirchen, beim Studium an der Pädagogischen Hochschule, dann bei der Neuen Zeitung. Darauf folgte die Regierungsarbeit auch im Zusammenhang mit der deutschen Minderheit in Ungarn. Seit fünf Jahren bin ich der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, also ich glaube, daß das Ganze gesehen werden muß, wenn man diese Auszeichnung begründen möchte, mein ganzes bisheriges Leben, das eigentlich auf natürliche Weise im Dienste der deutschen Minderheit steht.
NZ: An welchen Abschnitt dieses Lebens denken Sie mit der meisten Zuneigung zurück?
O. H.: Es gibt viele solche kleinen Lebensabschnitte. In der Jugend sicherlich die Schule, wo die Kenntnisse des Hochdeutschen fundiert worden sind, meine Eltern, meine Familie, die mich dabei unterstützt haben. Es gibt auch ganz kleine Momentaufnahmen, wie den Schulfunk im Leôwey-Gymnasium, der der erste deutschsprachige Schulfunk überhaupt war, dann den Deutschklub in Fünfkirchen, die Mitarbeit bei den deutschen Sendungen als Student in Fünfkirchen. Einer der Höhepunkte war auch die Anfangszeit im Minderheitenamt, also von 1990 bis 1993, als wir das Minderheitengesetz vorbereitet haben. Aber auch die Arbeit bei der Landesselbstverwaltung in den letzten fünf Jahren, die mir eigentlich sehr viel Spaß macht und hin und wieder auch mit Erfolgen verbunden ist. Zu diesen Höhepunkten zähle ich auch das Schülerheim in Fünfkirchen, das wir in den letzten Jahren geschaffen haben.
NZ: Wie ist es, kommen bei so einer Auszeichnung tatsächlich die Momente der Muße, in denen man wirklich nachdenkt und diese Bilder vor Augen hat?
O. H.: Ja, das hat man. Als ich die Auszeichnung gesehen habe, die auch optisch sehr schön ist, dann ist in mir auch so ein Film abgelaufen, was alles in den letzten gut drei Jahrzehnten, die ich bewußt erlebt hatte, passiert war.
NZ: Ist so eine Auszeichnung ein Meilenstein im Leben?
O. H.: Es ist ein wichtiger Meilenstein und für mich ist es auch eine Ermunterung, weiterzumachen, so lange es geht und so lange auch die Gemeinschaft der Ungarndeutschen Vertrauen dazu hat, was ich mit meinen Mitarbeitern und den vielen Kollegen in den Selbstverwaltungen und in den Vereinen mache. Es ist ein wichtiger Lebensabschnitt, ich bin knapp 45 und habe noch einige aktive Jahre vor mir, und es spornt auch an, diese Jahre wirklich aktiv zu verbringen.
NZ: Wie wird gefeiert?
O. H.: Groß wird nicht gefeiert. Als ich meinen Kollegen diese Auszeichnung gezeigt haben, haben wir ein Glas Sekt getrunken und natürlich auch privat in der Familie. Das ist jetzt auch sehr neu für mich, vielleicht werden wir doch auch in einem größeren Kreis mit all denjenigen feiern, die mit diesem Preis auch unmittelbar zu tun haben, und mit einigen Freunden auch noch ein Gläschen darauf trinken.
NZ: Herr Heinek, vielen Dank für dieses Gespräch!
char