Deutsche im Burgviertel Drucken
14.05.2004
Nach den bisherigen, die kulturelle und wirtschaftliche Rolle der Deutschen in der Hauptstadt vorstellenden Bänden Deutsche in Budapest und Deutsche in der Innenstadt/Leopoldstadt erschien 2004 das nächste von Wendelin Hambuch redigierte Buch über die deutsche Präsenz im Burgviertel* (eigentlich die Festung). Die zweisprachigen Studien des Bandes verfolgen die historischen Ereignisse, die zu der Ansiedlung der Deutschen in der Festung geführt haben, und stellen thematisch die Bereiche des kulturellen und wirtschaftlichen Lebens dar, in denen die Deutschen einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

Die einführenden Studien von Katalin Szende, István Soós, Zoltán Fónagy u. a.  behandeln die Gründung und Geschichte der Stadt Ofen, wobei auch ausführlich auf das Ofner Stadtrecht eingegangen wird. Erwähnt werden auch die in Ofen stattgefundenen drei Königskrönungen (1792, 1867, 1916) sowie die Rolle der Festung Ofen bzw. Budapest in den Türkenkriegen und im Zweiten Weltkrieg. Kapitel II beschäftigt sich mit den Selbstverwaltungen von Ofen, dabei werden im Beitrag von Zoltán Fónagy alle Stadtrichter und Bürgermeister von deutscher Herkunft aufgezählt, die Liste der Namen umfaßt eine lange Periode, und zwar vom Jahre 1249 bis 1873.
Kapitel III erörtert die Aktivitäten der deutschen Bürger Ofens im kulturellen Bereich: die deutschen Druckereien, die deutschsprachigen Zeitungen, die deutschen Schulen sowie die deutsche Musik hinterließen eine bis zu unseren Tagen spürbare Wirkung. Die Kirchen waren in der Festung nicht nur als Orte des Gebetes und der Gottesandacht relevant, sondern werden heute als Baudenkmäler geschätzt, wie zum Beispiel die Matthiaskirche. Über die deutschsprachige Seelsorge der katholischen und evangelischen Gläubigen findet man Beiträge in Kapitel IV, in Kapitel V eine detaillierte Beschreibung der Kirchen und Kapellen in der Festung und im I. Stadtbezirk.

Interessant ist die Darstellung der Veränderung in der Zusammensetzung der Gesamtbevölkerung in der Festung und den umliegenden Stadtteilen sowie der deutsche Anteil im Spiegel der Einwohnerzahlen in der Christinenstadt und der Wasserstadt, die zu den ältesten Stadtteilen von Ofen zählen.
Die den Band abschließenden "historischen Spaziergänge" führen den Leser unter der "Fremdenführung" von Gizella Szatmári, Christian Resing und Richard Hambuch  durch die Festung und das vor einigen Jahren in die Festung umgesiedelte Gebäude der Deutschen Botschaft, somit entsteht aus den historischen Mosaiks ein abgerundetes Bild über den einst fast völlig deutschen Stadtteil der Metropole.
Karl B. Szabó

*Wendelin Hambuch (Red.): Deutsche im Burgviertel.
Deutscher Kulturverein, Budapest, 2004, S. 355

*Wendelin Hambuch (Red.): Deutsche im Burgviertel.
Deutscher Kulturverein, Budapest, 2004, S. 355