| Ausstellung von Ákos Matzon im ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart | ![]() |
| 14.05.2004 | |
Unter das Motto "Konstruktive Postmoderne - ist das kein Widerspruch?" stellte der Kunsthistoriker Dr. Gábor Ébli seinen Einführungsvortrag bei der Eröffnung der Ausstellung über den ungarndeutschen Maler Ákos Matzon im ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart.![]() |
Ébli wies nach, dass Matzon diese Verbindung tatsächlich gelinge. Matzon verstehe konstruktive Kunst nicht als geschichtliches Phänomen der klassischen Avantgarde, sondern als generelle Denkweise, die zu verschiedenen Zeiten zur Geltung gebracht werden könne. Daher sei Matzon frei, sich auf die Tradition der klassischen Moderne kreativ zu beziehen und gleichzeitig dieses Feld in gegenwärtiger Auffassung neu zu bespielen. Als ehemaliger Architekt und freischaffender Künstler belebe er in seinen Kompositionen Erlebnisse von Raum und Licht, von Tiefe und Dichte. Ébli ergänzte, dass auch die Verwendung von Weiß und Schwarz als Schlüsselfarben auf Matzons konstruktivistische Tendenzen hinwiesen.
Die Herkunft Ákos Matzons aus dem Architektenberuf ist auch in der Stuttgarter Ausstellung in manchen seiner Bilder zu erahnen. Nach einer Ausbildung als Bautechniker besuchte er von 1980 bis 1986 die Budapester Technische Universität und lebt seit 1994 als freischaffender Künstler. Schon, dass er oft die zweidimensionale Ebene verlässt und in Mischformen eher Reliefs denn Gemälde schafft, deutet darauf hin. Man erinnert sich daran, dass er 1997 einige Werke schuf, die ganz bewusst als Hommage an bekannte Architekten betitelt waren. Manche seiner Arbeiten erinnern sogar entfernt an verfremdete Baupläne oder an stilisierte Architekturmodelle. Die Bildreihe "Heimliche Akten" lässt in ihrer Strichkomposition die axonometrische Darstellung eines räumlichen Objekts, vielleicht eines modernen Hauses, assoziieren. Scharfe Kanten und Würfel kann man da entdecken. Allerdings nur auf den ersten Blick, denn bei genauer Betrachtung bemerkt man, dass man sich durch geschickte Linienführung und Betonung in die Irre führen ließ. Auf dieses "täuschende" Element wies auch Gábor Ébli in seinem Vortrag hin: Matzon täusche den Betrachter oft durch bewusst ungenaue Geometrie. So habe er keine Hemmungen, auf die strukturelle Disziplin zu verzichten und es entstehe eine Zweideutigkeit der Bildebenen.
Tatsächlich räumlich ist die Reihe "Pyramide". Durch die Aufschichtung weißer Platten entsteht die Wirkung eines Hügels. Dass das Werk rein weiß ist und Linien und strukturelle Wirkung durch harte Schlagschatten entstehen, ist typisch für Matzon. Die Assoziation an den Grundriss einer Stadt lässt die Reihe "Net" wach werden. Ein striktes Parallelogrammraster ist über die großformatige Platte gezogen. Kleine Elemente beleben (oder stören) dieses System unregelmäßig. Räumliche Elemente kontrastiert Matzon gelegentlich mit scharf und exakt gerade gezogenen Strichen. Nur aus solchen Strichfolgen besteht die Reihe "Apokrif", dabei sind die Striche so geschickt in den Raum gesetzt, dass man schonwieder räumliche Objekte zu sehen meint, die eigentlich gar nicht vorhanden sind. In der Reihe "Umlegung" wird die räumliche Wirkung noch konkreter, indem im Strichsystem röhrenartige Objekte auftauchen. Ob solche Dinge bei Matzon nun tatsächlich räumlich vorhanden, oder als "Augentäuschung" nur gezeichnet sind, lässt sich auf den ersten Blick nicht immer sagen. So ernsthaft die Arbeiten auf den ersten Blick also wirken mögen, irritiert Matzon mit einem Augenzwinkern immer wieder den Betrachter. Bei "Duo" geschieht dies, indem eine der Flächen insofern gar nicht vorhanden ist, als die kreisrunde Fläche schlichtweg ein Loch im Bild ist und man in einem Ausschnitt die hinter dem Bild befindliche Wand sieht.
In neueren Arbeiten kommt ein weiteres Element in den Arbeiten hinzu. Es sind die die Computerwelt symbolisierenden oder sogar konkret vertretenden Leiterplatten, mit denen Matzon in der Reihe "PC Net" spielt und als Object trouvé (Fundstück) einsetzt.
Eugen Christ bedankte sich in seinem Grußwort bei der Ausstellungseröffnung am 30. April bei Institutsdirektor Gyula Kurucz, dass wieder ein ungarndeutscher Künstler ausstellen durfte. Das Institut biete ungarndeutschen Künstlern so regelmäßig die Gelegenheit, sich in Deutschland präsentieren zu können.
Die Ausstellung im ungarischen Kulturinstitut ist bis zum 10. Juni zu sehen.
Klaus J. Loderer
Gyula Kurucz, Eugen Christ, Gábor Ébli bei der Eröffnung