Jubilate! - Eiserne Hochzeit des Ehepaares Lux Drucken
29.04.2005

Image"Eure Traurigkeit soll in Freude verkehret werden" liest man unter dem Titel der Bach-Kantate "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen", die beim Festgottesdienst am 17. April in der evangelischen Kirche am Deák-Platz in Budapest ertönte. Der zitierte Satz könnte auch als Motto über dem Leben des Ehepaares Lux aus Hedjeß stehen, denn an diesem Aprilsonntag feierten Elisabeth und Heinrich Lux samt ihrer beiden Töchter und der ganzen Familie ihre eiserne Hochzeit. Weil die beiden Töchter, Elisabeth und Margarete, mit ihren Familien in Budapest wohnen, wurde der 65. Hochzeitstag der Eltern im Rahmen des Gottesdienstes in der Kirche auf dem Deák-Platz begangen.



Der dritte Sonntag nach Ostern heißt Jubilate, d. h. freut euch, und an diesem Tag gab es genug Grund zum Freuen und Feiern. Das war aber nicht immer so. Elisabeth Ábel und Heinrich Lux, die aus dem kleinen Tolnauer Dorf Kalas/Kalaznó stammen, heirateten am 16. April 1940. Die Hochzeit des jungen Bräutigams, der damals 20, und seiner Braut, die 16 Jahre alt war, wurde groß gefeiert, denn der Bruder der Braut führte seine Liebste an dem gleichen Tag zum Traualtar. Man kochte für mehrere hundert Gäste. Damit jeder satt wird, schlachtete man vorher drei Rinder, sechs Schweine und unzählige Hühner. Ihr Glück war aber von kurzer Dauer, und hierher paßt der Titel der zitierten Kantate: Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen, denn bereits 1941 mußte Heinrich Lux zum Militär und wurde sofort an die Front geschickt. 1944 geriet er in sowjetische Gefangenschaft, aus der erst nach vier Jahren zurückkehrte.
Im Heimatdorf fand er aber niemanden mehr von seiner Familie, denn seine Frau wurde im März 1948 mit dem letzten Aussiedlerzug nach Deutschland geschickt, also ausgesiedelt. Nach sechs Monaten floh sie aber zusammen mit dreißig anderen ungarndeutschen Frauen zu Fuß zurück nach Ungarn. Unterwegs wurden sie aber festgenommen, und Frau Lux mußte einen Monat in einem Budapester Gefängnis verbringen, bevor sie wiederum in den Westen abtransportiert wurde. Sie gab aber nicht auf, bei einem weiteren Fluchtversuch in die Heimat traf sie in Wieselburg-Ungarisch-Altenburg/Mosonmagyaróvár zufällig ihren Mann, der gerade nach Deutschland wollte, um seine Frau zu finden. Es dauerte noch lange und kostete viel Mühe, bis Elisabeth und Heinrich wieder legal in Ungarn ihr neues Leben anfangen konnten, ihre Ausdauer und ihr fester Glaube schmiedete sie aber fest zusammen und ließ sie in der schwersten Zeit nicht untergehen.

An seinem 65. Hochzeitstag wurde das Ehepaar von Pfarrer Ferenc Cselovszky gesegnet, den sie noch aus Jink/Gyönk kannten, als er in der dortigen Gemeinde diente. Pfarrer Cselovszky begrüßte die beiden Jubilare mit der stärkenden Nachricht von Jesaja: Fürchte dich nicht, ich stehe dir bei! Hab keine Angst, ich bin dein Gott! Ich mache dich stark, ich helfe dir, ich schütze dich mit meiner siegreichen Hand! (Jes 41,10) In seiner Predigt betonte der Pfarrer, das Ehepaar Lux konnte sicher die schützende, siegreiche Hand Gottes spüren, indem er ihnen die helfende Hand voneinander gab.

Während des Festgottesdienstes sang der Kirchenchor Lutherania, die oben zitierte Bach-Kantate, deren Text auch den festen Glauben an Gott ausdrückt, der das Ehepaar ein ganzes Leben lang begleitete: Was Gott tut, das ist wohlgetan,/Dabei will ich verbleiben,/Es mag mich auf die raue Bahn/Not, Tod und Elend treiben,/So wird Gott mich/Ganz väterlich/In seinen Armen halten:/Drum laß ich ihn nur walten.
Klara Tarr Cselovszky