Ungarn hat für Österreich allein schon historisch eine ganz besondere Stellung Drucken
22.04.2005
ImageGespräch mit dem neuen österreichischen Botschafter in Ungarn

Seit Januar diesen Jahres vertritt Dr. Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel (60) als Botschafter die Republik Österreich in Budapest. Zeit für ein erstes Zwischenfazit: Die "Neue Zeitung" sprach mit dem gebürtigen Kärntner über seine ersten Eindrücke von der Arbeit im Nachbarland.


Vor seinem Amtsantritt in Budapest konnte Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel schon in Slowenien Erfahrungen als Botschafter sammeln. Nach dem Jurastudium besuchte er zunächst die Wiener Diplomatische Akademie, danach zog er in die Welt hinaus: Verschiedene leitende Posten bei den Vereinten Nationen führten ihn unter anderem nach New York und Genf. Ab 1997 war der Vater von fünf Kindern Direktor für Ressourcen bei der OSZE, bevor er als Botschafter erst nach Ljubljana und dann nach Budapest kam.Herr Mayrhofer-Grünbühel, seit dem 13. Jänner sind Sie hier bei uns. Was sind Ihre ersten Eindrücke?

 

Meine erste Zeit hier war durchwegs positiv - bis auf ein Problem, mit dem ich schon vor meinem Antritt gerechnet hatte: die Sprache. Für die klassischen Botschaftsaufgaben braucht man zwar kaum Kenntnisse in der Landessprache, aber man hat dadurch natürlich schon einen besseren Zugang zu Land und  Leuten, wenn man ihre Sprache beherrscht. Ich lerne zwar jeden Tag ein wenig, wofür ich mir auch extra ein teueres Computerprogramm gegönnt habe, aber Ungarisch fliegt einem nicht gerade zu...

 

Wahrscheinlich haben Sie auch gar nicht allzuviel Zeit zum Ungarischlernen.

 

Das stimmt, wir sind wegen der politischen und geographischen Nähe zu Österreich wahrlich eine sehr beschäftigte Botschaft. Neben den zahlreichen  Antrittsbesuchen bei diversen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, unter anderen bei Regierungsmitgliedern und Oppositionsführern, aber auch z.B. beim Kardinal, habe ich der bilateralen politischen Zusammenarbeit, der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und der Organisation der Botschaft viel Zeit  gewidmet. Österreich feiert ja außerdem in diesem Jahr gleich drei Jubiläen: 60 Jahre II. Republik, 50 Jahre Staatsvertrag und 10 Jahre EU-Mitgliedschaft, da gibt es natürlich so einiges zu tun.

 

Was würden Sie als Ihre Arbeitsschwerpunkte bezeichnen?

 

Eine allgemeine Aufgabe sehe ich selbstverständlich darin, Österreich in den Köpfen der Menschen möglichst präsent zu machen. Ansonsten bin ich noch dabei, meine Schwerpunkte hier für mich herauszuarbeiten. Dazu muß ich sagen, daß Ungarn für Österreich allein schon historisch eine ganz besondere Stellung hat, die natürlich auch meine Arbeit prägt. Schon vor der Wende unterhielten die beiden Länder ausgezeichnete Beziehungen zueinander, die sich nun im Rahmen der EU-Erweiterung noch fortentwickeln können. Gleichzeitig wird dadurch z. B. nun auch die Sicherheitszusammenarbeit immer wichtiger: Alles, was die Integration vorantreibt, erleichtert ja leider auch die kriminelle Vernetzung. In Zusammenarbeit mit der Ukraine versuchen wird deshalb, Konzepte zu entwickeln, um vor allem den Menschenschmuggel und den Drogenhandel zu unterbinden. Das nächste Treffen zur Sicherheitszusammenarbeit wird übrigens im Rahmen der Salzburger Gruppe, also zusätzlich mit Polen, der Slowakei, Slowenien und Tschechien, stattfinden.

 

Welchen Einfluß hat Ihrer Meinung nach der EU-Beitritt Ungarns auf die Beziehungen zwischen Ungarn und Österreich?

 

Der Beitritt war enorm wichtig, da dadurch eine riesige psychologische Barriere gebrochen ist. Leider gab es vor der Osterweiterung oftmals doch noch Vorbehalte in den Köpfen der Menschen. Heute ist das anders, es gibt praktisch keine Grenzen mehr, und die Akzeptanz und das Interesse meiner Landsleute an den ungarischen Nachbarn sind stark gewachsen. Die Ziffern sprechen da für sich.

 

Sowohl in Ihrem Heimatland als auch in Slowenien und hier in Ungarn leben Minderheiten. Welche Bedeutung messen Sie den Minderheiten für die Beziehungen der jeweiligen Länder bei?

 

Viele Politiker sagen gerne, daß Minderheiten Brücken sind..., aber das sind oft Sonntagsreden. Ich bin absolut überzeugt davon, daß Minderheiten wertvolle Brücken sein und den Beziehungen der betreffenden Länder einen nicht zu unterschätzenden Pluswert verschaffen können. De facto aber ist das, zumindest in der überwiegenden Zahl der Fälle, leider nicht so. Das liegt viel weniger in der Natur der Dinge, als in der Natur der  Menschen.
Die starke wirtschaftliche Position Österreichs in Slowenien ist nicht zuletzt auch durch die Einbindung der slowenischen Minderheit zustande gekommen, in Österreich gibt es auch das eine oder andere slowenische Unternehmen. Obwohl Kärnten seit Jahrhunderten Fremdenverkehrsland ist und eben mit Ausländern viel Kontakt hat, gibt es trotzdem Menschen, die ein Problem damit haben, daß die Ortsschilder auch die slowenischen Ortsnamen anzeigen. Das ist nur aus der Geschichte erklärbar... Die ungarische Minderheit in Slowenien ist mit unter achttausend Menschen sehr klein und zeichnet sich durch ihren enorm hohen Rechtsstatus aus - trotzdem nimmt sie immer mehr ab. Das zeigt mir, daß nicht allein die Rechte einer Minderheit ausschlaggebend für die Situation und Zufriedenheit im Land sind. Das Verhältnis zur Mehrheitsbevölkerung spielt ebenso eine Rolle wie die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Minderheit sowie zahlreiche andere Faktoren. Meines Erachtens wird das Minderheitenthema oftmals sehr vereinfacht dargestellt.

 

Abschließende Worte?

 

Ich halte es für ein Privileg, Österreich hier in Ungarn vertreten zu können. Man kann sich hier natürlich ganz anderen Aufgaben widmen als in Ländern, in denen es mehr Probleme gibt. Die Stimmung gegenüber den Österreichern ist im allgemeinen sehr gut! Ich bin als überzeugter Mitteleuropäer froh, die Chance zu haben, Ungarn kennenzulernen!

 

Meike Strüber