Früchte einer Künstlerfreundschaft Drucken
22.04.2005

"Ich denke, der Grund ihrer Freundschaft ist das ähnliche Schicksal, das die Geschichte des 20. Jahrhunderts ihnen erteilt hat. Die Ähnlichkeit eines der Doppelidentität entstammenden Daseins: die französisch-deutsche, bzw. ungarisch-deutsche Abstammung, das Erleben eines Minderheitendaseins. Die daraus resultierende Öffnung der Sichtweise und das starke Europabewußtsein sind sicherlich gemeinsam in den beiden. Das alles dürfte wesentlich zur Entwicklung der künstlerischen Ansichten der beiden beigetragen haben." Dies betonte Beate Hajdú bei der Eröffnung der gemeinsamen Ausstellung von László Hajdú und Gérard Krimmel am 14. April im Veranstaltungssaal des Ungarischen Kulturinstituts in Stuttgart. 



László Hajdú, Gérard und Linda Krimmel sowie Beate Hajdú im Veranstaltungssaal des Ungarischen Kulturinstitut
Die beiden Künstlerfreunde lernten sich 1989 anläßlich eines vom Kunstverein Böblingen initiierten Künstleraustausches in Sankt Andrä kennen. Weitere Begegnungen folgten. Viele wertvolle künstlerische und menschliche Begegnungen prägten und vertieften ihre Freundschaft. Hajdú konnte in Stuttgart seine Arbeiten präsentieren, die Einführung von Gérard Krimmel wurde ins Ungarische übersetzt und erschien als Artikel in der angesehenen Kunstzeitung Művészet. Die Familien kamen sich durch Gespräche und gemeinsame Arbeitsaufenthalte in Sankt Andrä und am Velence-See näher, deren Stille und Abgeschiedenheit die beiden zu vertieften Gesprächen und zum Gedankenaustausch inspiriert hatten. Erfahrungen, Einschätzungen und Beobachtungen über politische Entwicklungen und gesellschaftliche Strukturen wurden ausgetauscht, soziale Bedingungen und individuelle Verhaltensweisen beleuchtet. Die Ausstellung von Margit Czakó (eine herausragende Textilkünstlerin) und László Hajdú sowie Linda und Gérard Krimmel im Juni/Juli 2000 in der galerie contact (ein bezeichnender Name) in Böblingen bekräftigte auf der persönlichen Ebene den Dialog künstlerischer Ausdrucksweisen. Die Initiative wirkte auch in die Zukunft, hat Früchte getragen.

Wie auf der jetzigen Ausstellung in Stuttgart zu sehen ist, thematisiert Krimmel den menschlichen Körper. In Acrylbildern und überarbeiteten Materialdrucken stilisiert er das sich immer gleichende Erscheinungsbild des Menschen. Durch Überlagerungen und Veränderungen werden einzelne Figuren betont, individuelle Merkmale kennzeichnen ihre Erscheinungsform.

Die neuesten Bilder von Hajdú entstanden nach einem Studienaufenthalt in Rom. Die Bilder bauen sich in typischer Weise aus wenigen, aber wichtigen, dominierenden Motiven zusammen. Das für Rom so charakteristische Bogenmotiv, aus seiner ursprünglichen Funktion in die Welt eines Ausstellungsraumes umgesetzt, bekommt eine neue Bedeutung. Es weist auf die Grundkonstruktion der den Menschen seit dreitausend Jahren begleitenden architektonischen Räume hin, die charakteristisch waren sowohl für die höhlenartigen Katakomben als auch für Paläste, kann aber auch das kosmische Raumgefühl des modernen Menschen ausdrücken. 
Die Ausstellung ist bis zum 19. Mai zu besichtigen.

Bild: László Hajdú, Gérard und Linda Krimmel sowie Beate Hajdú im Veranstaltungssaal des Ungarischen Kulturinstitut