Farben, Formen - und die Frage nach der ungarndeutschen Identität Drucken
08.04.2005
ImageWas ist ungarndeutsche Kunst? Gibt es dafür überhaupt typische Merkmale? Oder entzieht sie sich einer Kategorisierung? Dies waren die Fragen, mit denen László Beke, ehemaliger Generaldirektor der Budapester Kunsthalle, bei der Vernissage der Gemeinschaftsausstellung der Künstlersektion des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) am 31.

März im Haus der Ungarndeutschen in Budapest das Publikum direkt an die Crux der Ausstellung heranführte: an die Frage der Identität, die über allen Werken der insgesamt 16 Aussteller schwebt. "Die Debatte darüber fand in 200 Jahren kein Ende und auch ich habe keine Antwort darauf", mußte der Kunsthistoriker zugeben. Immerhin, den Ansatz einer Antwort konnte er dann aber sehr wohl finden: "Allen Künstlern ist jeweils ein gewisser Bezug zum deutschsprachigen Raum gemein", konnte er resümieren.

Nach diesem einführenden "Problemanriß" durch László Beke - im Anschluß an die Begrüßungsworte des VUdAK-Vorsitzenden Johann Schuth und eine kleine musikalische Einstimmung durch das Geigenspiel von Verbandsmitglied Stefan Valentin - sollten sich die Galeriegäste schließlich auf einer kurzen Führung durch die verschiedenen Ausstellungsobjekte ihr ganz eigenes Urteil bilden. Zu sehen sind darin verschiedenste Farb-, Stil- und Materialvarianten, die dem Betrachter

zusammen mit den unterschiedlichen Themenbereichen der Aussteller einen breiten Querschnitt durch zeitgenössische ungarndeutsche Kunst bieten. Auf der einen Seite stehen da die klaren Formen und kräftigen Farben von Géza Szily, "auf Leinwänden, die fast wie vom Sperrmüll geholt wirken", auf der anderen die zarten Pastelltöne auf den Ölgemälden von László Heitler, so etwa in seinem "Doppelregenbogen". Als einer der bedeutendsten Grafiker ist Robert König mit seinen Darstellungen vertreten, Skulpturen-Miniaturen stellt Tibor Budahelyi aus. Die wie in den Boden geschossene Pfeile wirkenden Masten sind konzipiert für Skulpturen in 5 bis 6 Meter Höhe. Das ausgefallenste Material der Ausstellung ist wohl in den Werken von János Wagner zu sehen: handgemachtes, grobstrukturiertes Papier verwebt sich in seinen Bildern mit zahlreichen geschlängelten schwarzen Plastikfasern und ergibt eine dynamische Musterung. "Ich möchte Bewegung darstellen", erklärte dazu der Künstler.

Wer sich ungarndeutscher Kunst in verschiedenen Darstellungsformen annähern möchte, hat dazu noch bis zum 21. April im Haus der Ungarndeutschen, Lendvay Str. 22, die Gelegenheit. Um eine telefonische Terminvereinbarung für eine Ausstellungsbesichtigung wird unter der Rufnummer 2691081 gebeten.

Mei

 

Kunsthistoriker stellt Statuen von Tibor Budahelyi vor

Foto: László Bajtai