„Kraft und Ansporn zur Interessenvertretungsarbeit geben"
16. Festgala der Ungarndeutschen
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20. Jänner 2012
Am Jahrestag der Gründung der 1994 das erste Mal gewählten ungarndeutschen Selbstverwaltungen findet jedes Jahr die Festgala der Ungarndeutschen statt. Heuer war der Austragungsort von Budapest nach Fünfkirchen, in die Branauer „Hauptstadt", verlegt worden. Der neue imposante Konzertsaal des Kodály-Zentrums im frisch renovierten Zsolnay-Viertel war eine würdige Kulisse des erlesenen Kulturprogramms. Schirmherr der Gala der Ungarndeutschen am 14. Januar war Dr. Matei I. Hoffmann, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland…

Mundartprogramm von SchülerInnen
Foto: Bajtai László

…Nach dem schwungvollen Auftakt der Jugendblaskapelle Boschok-Mohatsch-Schomberg unter dem Dirigenten Josef Dobos begrüßte Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, die Gäste. In seinem Neujahrsgruß hob der Vorsitzende hervor, daß sich die vielen gesetzlichen Veränderungen (oft unüberlegte und nicht konsultierte Änderungen) auf die bisherige Rechtssituation der Minderheiten auswirken. Viele Gemeinden könnten in eine unsichere Lage geraten. Die LdU plane eine Fortbildungsreihe, um die neuen rechtlichen Regelungen bekanntzumachen. In seiner Festrede unterstrich Klaus Riedel, Gesandter der Deutschen Botschaft in Budapest, daß die Perspektive des neuen Wahlgesetzes, die Möglichkeit der Vertretung der Minderheiten im Parlament, als positiv zu werten sei. Er betonte auch, die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland werde die deutsche Minderheit in Ungarn weiterhin unterstützen. Denn das Geleistete verdiene ein großes Lob, die vielfältigen Aktivitäten der Ungarndeutschen könne man als Leser der Neuen Zeitung jedesmal mitverfolgen.
Im Rahmen der Gala wird jedes Jahr die höchste Auszeichnung der Ungarndeutschen, die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum", überreicht, 2012 wurden Dr. Maria Erb, Dr. Wendelin Albert und Géza Hambuch geehrt. Die Laudationes veröffentlichen wir weiter unten.
Zum neunten Mal wurde der Valeria-Koch-Preis an ungarndeutsche Gymnasiasten für ihr Engagement für das Ungarndeutschtum und an eine junge Akademikerin für ihre Diplomarbeit über ein ungarndeutsches Thema verliehen. Die Auszeichnung erhielten Balázs Kiss (Lajos-Tolnai-Gymnasium, Jink), Brigitta Peller (Friedrich-Schiller-Gymnasium, Werischwar) und Dániel Tósoki (László-Lovassy-Gymnasium, Wesprim) sowie Réka Miskei (ELTE Budapest). Die Valeria-Koch-PreisträgerInnen werden wir in späteren Nummern würdigen.
Im Rahmen des Festprogramms konnten die besten Kulturgruppen des Landes auftreten: Der Intermelody-Sängerchor aus Surgetin unter der Leitung von Anett Balogh gab einen deutschen Liederstrauß zum Besten, während das Németh-Gallusz-Duo aus Großmanok wie von ihm gewohnt authentische Liederinterpretationen mit Zitherbegleitung bot. Die Schaumarer Musikanten und die Jugendblaskapelle Boschok-Mohatsch-Schomberg sorgten für schwungvolle Blasmusik und danach zeigte die Siebenschritt-Tanzgruppe Schaumar mit ihrem Programm „Erinnerungsfetzen", einer Choreographie von Peter Geringer und Gergely Illés, Tänze der Ungarndeutschen aus der Umgebung von Budapest. Die Kindertanzgruppe „Talpacskák" aus Mohatsch brachte den „Großnarader Frühling" auf die Bühne: das volle Bühnenbild mit ca. 40 Kindern war sehr beeindruckend. Dank dem Akkordeon-Trio aus Fünfkirchen - Gábor Perlaki, Ervin Umstädter und Gábor Schulteisz - gibt es nun ganz sicher noch mehr Akkordeonmusikfans. Aus musikbegeisterten Enkelkindern und Großvater Stefan Czehmann besteht das gleichnamige Nadascher Quartett, verstärkt durch Stefan Kerner auf der Klarinette. Jetzt bei der Neujahrsgala brachten sie auch Stefan Czehmanns „Nadascher Polka" zu Gehör. Ildikó Frank, Intendantin der Deutschen Bühne Ungarn in Seksard, trug mit Klavierbegleitung Friedrich Holländers Song „Kleptomanin" vor. Ein besonderes Highlight war das Mundart-Programm der SchülerInnen Anna Müller (Fünfkirchen), Henrik Heil (Fünfkirchen), Henriette Ritzl (Schomberg), Magdolna Lichtmesz (Boschok) und Szilvia Bede (Maza). In den Pausen spielte die Fünfkirchner Schnaps-Kapelle auf, den Schwabenball im Anschluß an die Gala gestalteten die Musiker der Band UnterRock.

Ausgezeichnet mit der Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum

Dr. Wendelin Albert wurde 1936 in Waschludt geboren, als Jugendlicher war er Mitglied des Gemischtchores im Ort. Im Jahre 1970 gründete er den ersten deutschsprachigen Klub in seinem damaligen Wohnort Großwaschon, dem auch Leute aus den umliegenden Schwabengemeinden angehörten. Ab 1972 war er Delegierter, später Vorsitzender der Komitatsorganisation des Verbandes der Ungarndeutschen im Komitat Wesprim. Er wollte erreichen, daß Wesprim kein weißer Fleck auf der Karte der auch von Ungarndeutschen bewohnt Komitate sein soll, und für dieses Ziel hat er immer konsequent und hart gearbeitet.
Nach den Minderheiten-Selbstverwaltungswahlen wurde er auf Grund seiner langjährigen, bekannten Tätigkeit und auf Grund seiner Erfahrungen zum Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung der Stadt Wesprim und der Komitatsgemeinschaft der Ungarndeutschen in Wesprim gewählt. Er ist auch noch heute Vorsitzender der Komitatsgemeinschaft und der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats.
Dr. Albert war lange Jahre Mitglied der Vollversammlung der LdU und war Leiter der Kontrollkommission. Er vertrat und vertritt die Interessen der Deutschen sachlich, leise, aber beharrlich. Dr. Wendelin Albert war immer ein bedeutender Vertreter der kulturellen Autonomie der Ungarndeutschen. Er hat viel dazu beigetragen, daß in den Schulen der ungarndeutschen Gemeinden im Komitat Wesprim der Nationalitätenunterricht eingeführt wurde. Er hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, daß in Wesprim am László-Lovassy-Gymnasium 1993 der Deutsche Nationalitätenklassenzug starten konnte.
Er war Mitbegründer der ersten Zivilorganisation, des Deutschklubs in der Stadt Wesprim im Jahre 1991, sowie des Wesprim-Passau Freundeskreises im Jahre 2000.
Herzlichen Glückwunsch zur Ehrennadel!


Dr. Maria Erb, Leiterin des Ungarndeutschen Forschungs- und Lehrerbildungszentrums an der Budapester ELTE-Universität, wurde in Wemend geborene und wuchs dort auf. Sie verfügt über hervorragende Mundartkompetenzen, maturierte am Deutschen Nationalitätenklassenzug des Klara-Leôwey-Gymnasiums in Fünfkirchen. Sie studierte an der Budapester Eötvös-Loránd-Universität Germanistik und Geschichte, und zwar bei hervorragenden Lehrerpersönlichkeiten, die bei ihr schon frühzeitig ihre Affinität und Sensibilität für die philologische Arbeit entdeckt und gefördert haben. Ihre Laufbahn lief einen geraden Weg: 1997 wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ungarndeutschen Forschungszentrums am Germanistischen Institut der ELTE in Budapest und seit 2006 arbeitet sie als Leiterin des Ungarndeutschen Forschungszentrums am Germanistischen Institut.
Als Leiterin des Forschungszentrums ist sie zugleich Verantwortliche, Koordinatorin und Verfasserin der Curricula der Ausbildung Deutsch als Minderheitensprache am Germanistischen Institut auf der BA- und MA-Ebene. Unter ihrer Leitung laufen mehrere großangelegte Forschungsprojekte - wie zum Beispiel der Ungarndeutsche Sprachatlas. Die Mitarbeit am Wörterbuchprojekt der Ungarndeutschen Mundarten liegt ihr ebenfalls sehr am Herzen. Von ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit zeugen eine ganze Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen in deutscher und ungarischer Sprache und Vorträge auf vielen Kongressen. Sie ist auf dem Gebiet der Lehre und Bildung, im beruflichen wie öffentlichen Leben für das Ungarndeutschtum da.
Wir gratulieren herzlich zur Auszeichnung und wünschen noch viele gesunde und erfolgreiche Jahre!


Géza Hambuch stammt aus einer Bauernfamilie in Mutsching in der Tolnau, er wurde 1931 geboren. In seiner Heimatgemeinde ist er in die Grundschule gegangen, in Budapest besuchte er das Gymnasium. Seine Matura hat er 1952 abgelegt. Er studierte an der Eötvös-Loránd-Universität zu Budapest Deutsch und Ungarisch. 1956 erwarb er sein Diplom als Gymnasiallehrer. Ein Jahr später unterrichtete er an einem Fünfkirchner Gymnasium. Gleichzeitig gestaltete er als Reporter und Redakteur um die Jahreswende 1956/57 die deutschsprachigen Radiosendungen aus dem Funkhaus Fünfkirchen. 1957 zog er nach Budapest und wurde Mitarbeiter, Chefredakteur (1963-65) später Ressortleiter der Neuen Zeitung, des Wochenblattes der Ungarndeutschen, wo er 13 Jahre lang tätig war.
Er moderierte „Gruß und Kuß", die beliebte deutschsprachige Sendung von Radio Budapest. Mit dem Mikrofon in der Hand besuchte er an Wochenenden zwei Jahrzehnte hindurch praktisch alle ungarndeutschen Siedlungen und befragte die Leute vor Ort über ihre Sorgen und Freuden.
Im Oktober 1963 wurde gegen Hambuch wegen der geplanten Veröffentlichung eines kritischen Artikels in Bezug auf Probleme des Deutschunterrichts in der Gemeinde Totwaschon ein Disziplinverfahren eingeleitet. Seine Strafe war sieben Jahre Ausreiseverbot, und er wurde als Chefredakteur abgesetzt. Géza Hambuch arbeitete 40 Jahre lang im Verband der Ungarndeutschen mit und war zuletzt dessen geschäftsführender Vorsitzender.
1994 regte er im XIII. Bezirk der Hauptstadt die Gründung einer deutschen Selbstverwaltung an. Den Posten als deren Vorsitzender bekleidete er bis 2010. Seit 17 Jahren redigiert er das vierteljährlich erscheinende Sonntagsblatt.
Wir wünschen ihm gute Gesundheit und viel Schaffenskraft!



Aus dem Inhalt

Vogelhochzeit in der Lausitz

In der sorbischen Lausitz wird die Vogelhochzeit am 25. Januar gefeiert. Am Vorabend stellen die Kinder Teller auf das Fensterbrett und am Morgen sind sie voller Süßigkeiten oder prachtvollen Gebäcks in Vogelform und mit köstlichem Zuckerguß. Beliebt sind die Kremnester, die aus einem Keksboden mit einer Butterkremschicht darauf bestehen, die Form von Vogelnestern haben und mit bunten Eiern gefüllt sind, oder die Schätzl aus Zuckerschaum, die eine Elster darstellen. Diese Leckereien werden dem Brauch nach von den Vögeln als Dank für die Fütterung im Winter gebracht.
Damit beschäftigt sich auch die Geschichte von Heinrich Oppermann „Niklas' Vogelhochzeit"

Ein Dorf im Fokus der lokalen Machtverhältnisse und der Nationalitätenpolitik, Hartau 1920 - 1989

Wie es bei mehreren ungarndeutschen Gemeinden der Fall war, wurde auch die Geschichte von Hartau/Harta von örtlichen Machtverhältnissen sowie von den Ereignissen der Großpolitik geprägt, infolgedessen das Dorf zwischen 1920 und 1989 einen Prozeß durchgemacht hat, der unter anderen die ethnische Zusammensetzung der Gemeinde veränderte.
Der Historiker Ferenc Eiler verfolgt im Band* die Veränderung der deutschen Dorfgemeinschaft, wobei die Wechselwirkung der Nationalitätenpolitik in Ungarn sowie der lokalen Bestrebungen der Ungarndeutschen untersucht werden. Die Forschung des Autors stützt sich vor allem auf die Quellen der Archive sowie auf die sich mit der Geschichte von Hartau beschäftigenden Arbeiten, auf Monographien von Edit Fél, Gerhard Seewann, Norbert Spannenberger, Márta Fata u. a.

Ungarndeutsche Diplomarbeiten im Fokus: Gabriella Sós: Das religiöse Leben der Nadascher am Beispiel ihres Gebetschatzes

Gabriella Sós aus Nadasch/Mecseknádasd stammt aus einer ungarndeutschen Familie und macht an der Universität Fünfkirchen gerade ihr Diplom im Fach Deutsch als Minderheitensprache. Ihre Diplomarbeit über „Das religiöse Leben der Nadascher am Beispiel ihres Gebetschatzes" schrieb sie unter der Betreuung von Andrea Kiszt.

Licht der Kerze

Am 12. Januar zündete man Kerzen an und betete für die Opfer, die vor 69 Jahren am Fluß Don sinnlos kämpfen mußten. Die Geschichtsbücher schreiben über sie nur als Soldaten, doch für viele von uns sind sie Familienangehörige: Väter, Großväter, Urgroßväter. Nach so vielen Jahren tauchen noch immer neue Dokumente, noch nicht gesehene Fotos auf, es öffnen sich immer wieder neue Schubladen, obwohl die Augenzeugen immer weniger werden. Von Jahr zu Jahr erinnert man sich in der Kirche von Tarian still an sie, von denen nur wenige gepflegte Gräber haben, die meisten ruhen irgendwo unbekannt in der Ferne.

„Lerne, um einen Job zu finden"

Das Jugendforum der Vojvodina organisiert im Rahmen des EU-Programms Jugend in Aktion einen Lernkurs, einen Jugendaustausch, mit dem Titel „Learn it and get a job", wo man sich - auf englisch! - viele praktische Erfahrungen im Thema erfolgreiche Arbeitssuche aneignen kann.

Saka - Heimatstube

Saka ist eine fast tausendjährige Gemeinde im südlichen Teil des Seksarder Hügellandes. Die Einwohner waren Ungarn und nach der Türkenherrschaft auch Serben. Die Entwicklung des Dorfes begann mit der Ansiedlung der Deutschen. Die ersten deutschen Siedler kamen im Jahre 1776 an, und nachdem die ungarischen und serbischen Familien das Dorf nach und nach verließen, wurde Saka bis 1945 eine reine deutsche Gemeinde.

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