Vor 67 Jahren wurden sie verschleppt Drucken
13. Jänner 2012
Gedenkveranstaltung in Bonnhard

Die Melodien, die damals in Rußland entstanden sind, rühren die Versammelten jedes Jahr zu Tränen. Auch durch die Tatsache, daß bei der Veranstaltung immer weniger Zeitzeugen erscheinen, wird es einem schwer ums Herz. Doch das Gedenken ist wichtig, und noch wichtiger wäre es, die letzten dieser Zeitzeugen zu interviewen, um die Geschichten der einzelnen festzuhalten. Gerade deswegen hat die Deutsche inderheitenselbstverwaltung von Bonnhard eine Bewerbung ausgeschrieben...


...Malenkij Robot-Geschichten waren gesucht, etwa zehn Arbeiten mit Gesprächen wurden eingereicht und prämiert. Juryvorsitzender Daniel Krähling meint: „Den Betroffenen tut es gut, daß man ihre Geschichte nicht vergißt, daß man sie ehrt und auch, daß man der Verstorbenen gedenkt."

Ende Dezember 1944 wurden die Deutschen der Gegend zusammengetrieben und mußten sich im jetzigen Sándor Petôfi Evangelischen Gymnasium von Bonnhard versammeln. Es hieß, es ginge zu einem zweiwöchigen Arbeitseinsatz. Sie wurden einwaggoniert und in die Sowjetunion gebracht. Bis heute sind die genauen Zahlen der Verschleppten und in Rußland Verstorbenen nicht bekannt, allein in der Tolnau mußten etwa 6000 Menschen bis zu fünf Jahre Zwangsarbeit in der Ferne leisten. Jeder Vierte etwa starb in Rußland.
Eine Gedenktafel an der Wand des Gymnasiums erinnert an die Opfer und an die schreckliche Zeit, dort fand heuer wieder eine Kranzniederlegung statt. Ausgestellt wurden diesmal auch alte Fotos, die Überlebenden erkannten ihre Kameraden aus der Baracke. „Wir sind noch vier Frauen von hier aus Bonnhard, die damals zusammen in Rußland waren, wir sehen uns noch ab und zu", sagen die alten Damen, während sie die Fotos betrachten, „an diesem Tag treffen wir auch andere aus der Gegend, aus Großmanok zum Beispiel." Nicht nur die 90jährigen kämpfen mit ihren Tränen, auch ihre Angehörigen sind tief betroffen - und doch dankbar für das Gedenken. Für die heutige Jugend ist es kaum zu glauben, was die Vorfahren durchmachen mußten. Als Abschluß gab es auch diesmal ein Gruppenfoto und als Abschied das Versprechen auf ein Wiedersehen.

Gestitz gedachte der Verschleppten

Vor 67 Jahren wurden von russischen Soldaten 66 Personen aus Gestitz/Várgesztes verschleppt. Nachdem die Soldaten am 6. Jänner 1945 in das kleine Dorf im Schildgebirge gekommen waren, sammelten sie die Männer zwischen 15 und 55 Jahren ein, um sie zu einer „dreitägigen Zwangsarbeit" - zu „malenki robot" - mitzunehmen. Aus den drei Tagen wurden Monate. Als erste Station mußten die 66 Personen Baja in zwölf Tagen zu Fuß erreichen, um dort einwaggoniert und dann mit Zügen nach Temeswar und von dort weiter in die Sowjetunion gebracht zu werden. Elf von ihnen war eine Wiederkehr nicht mehr vergönnt. Wie jedes Jahr gedachten die Dorfbewohner zusammen mit ihrem Bürgermeister und dem Vorsitzenden der Deutschen Selbstverwaltung auch an diesem Sonntag nach dem Gottesdienst der grausamen Ereignisse der Vergangenheit und bezeugten den Opfern vor dem Denkmal der Gefallenen im Zweiten Weltkrieg ihre Pietät.

Malenki-robot-Buch in Jula

Auch in Jula wurde der seinerzeit zur Zwangsarbeit Verschleppten gedacht. Die Gedenkfeier fand in der Mittelschule Harruckern, bei der Gedenktafel an der Mauer der ehemaligen Husarenkaserne statt. Nach der Kranzniederlegung begrüßte Monika Mittag, Vorsitzende der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung, die Versammelten.
Die Minderheitenselbstverwaltung legt bei ihren Veranstaltungen immer großen Wert darauf, mehrmals im Jahr der Opfer von „malenki robot" zu gedenken, die am 10. Jänner 1945 aus Jula in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt wurden. Anfang November 2011 erschien auch ein Buch mit dem Titel "Malenki robot". Durch die Veranstaltungen und das Buch will die Deutsche Selbstverwaltung auf die Grausamkeiten der Vergangenheit und die Wichtigkeit des Gedenkens aufmerksam machen und in Erinnerung rufen, daß manche der Menschen, die die Leiden der Vergangenheit immer noch mit sich herumtragen, heute noch leben.
Chr. A.

Aus dem Inhalt

Rettung von Grabsteinen mit deutscher Inschrift

Daurog und ist seit 1694 von deutschen Siedlern bewohnt. Die Zahl der Deutschen ging bis 1941 bergauf. Bei der Volkszählung 1941 erwähnten über 20 Prozent von den 8182 Personen, daß sie die deutsche Muttersprache beherrschen. Zwischen 1944 und 1947 sind Hunderte der deutschen Einwohner ausgesiedelt, vertrieben worden oder geflüchtet. 1998 wurde die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung gegründet. Seit diesem Datum wurden viele Pläne verwirklicht, ein Heimatmuseum mit einer ortsgeschichtlichen Sammlung eingerichtet, die alten Traditionen (der Schwabenball, der Dorfkirchtag) wieder belebt, eine Blaskapelle, ein Kinderchor und ein Gemischtchor gegründet. Zur Zeit ist die größte Aufgabe, die alten Grabsteine mit deutscher Inschrift auf dem Dauroger Friedhof zu retten und einen deutschen Friedhofsteil anzulegen.

Neues Nationalitätengesetz

Am 1. Jänner traten die meisten Passagen des neuen Gesetzes über die Nationalitäten in Kraft, das vom Ungarischen Parlament verabschiedet wurde. Ab 2014 dürfen nur in den Gemeinden Nationalitäten-Wahlen abgehalten werden, wo sich laut der letzten Volkszählung mindestens dreißig Personen zu einer Nationalität bekannt haben. Das Hohe Haus hat die Passagen der Gesetzesinitiative, für die eine qualifizierte Parlamentsmehrheit erforderlich ist, mit 294 Stimmen und 58 Gegenstimmen verabschiedet, während die übrigen Teile mit 291 Stimmen und 57 Gegenstimmen angenommen wurden.

Mehrfachbelichtung - ein Versuch, Rumänien und sein rumäniendeutsches Kulturerbe mit neuen Blickweisen in Augenschein zu nehmen

Die Lyrik- und Prosaanthologie Mehrfachbelichtung* ist die literarische Ernte zweier Expeditionen 2009 und 2010 nach Siebenbürgen (Transsilvanien) und dem Buchenland, die Bukowina, wie Helge Pfannenschmidt im Vorwort erläutert. Acht bundesrepublikanische und drei in die Bundesrepublik übersiedelte rumäniendeutsche Autoren erkunden das heutige Rumänien mit tiefen Erinnerungsblicken in seine diktatorische Vergangenheit. Ausgangspunkt sind meist die heutigen von den Siebenbürger Sachsen ganz oder zum großen Teil verlassenen Dörfer.

Eine Stadt kämpft gegen ihr Negativimage

Die 1000jährige Stadt in der Oberlausitz, Bautzen, wird wegen ihres phantastischen Panoramas sehr oft als das „Sächsische Nürnberg" bezeichnet. Dies ist sicherlich ein gerechtes Lob für diese Stadt, denn ihre traditionelle Altstadt hat sich nach der Wende zu einem wahren Augenschmaus gemausert. Dabei sind sich auch alle einig, wenn dieser Umschwung nicht gekommen wäre, wären die geschichtsträchtigen Baudenkmäler dem Verfall preisgegeben worden. So lädt jetzt die Bautzener Innenstadt zu einem erholsamen und auch lehrreichen Bummel ein.
Doch eilt dieser Stadt ein negativer Ruf voraus, denn Bautzen wird durch seine zwei Gefängnisse voreilig als Knaststadt abgestempelt. Dazu trägt auch das Fernsehen bei, denn in Filmen mit politischem Charakter wird Bautzen oft „Heimstätte politischer Gefangener" genannt. Gemeint ist hier der sogenannte Stasiknast, der mitten in der Stadt liegt und einst als Untersuchungsgefängnis entstand, 1956 in die Hände der Staatssicherheit kam und damit direkt dem Minister für Staatssicherheit Erich Mielke, „der alle Menschen liebte", unterstellt war.

Ungarndeutsche Diplomarbeiten im Fokus
Klara Nimmerfroh: Das Deutschtum in Fünfkirchen - Deutsche Meister und Lehrlinge in den Fünfkirchner Zünften in der Zeit von 1686 bis 1790

Klara Nimmerfroh stammt aus Komorn und hat ihre Matura im Reformierten Gymnasium in Pápa abgelegt. 2005 hat sie an der Fünfkirchner Universität als Geschichtslehrerin, 2010 als Germanistin graduiert. Anderthalb Jahre hat sie mit einem Erasmus-Stipendium in Freiburg verbracht. Seit 2003 unterrichtet sie in der Berufsschule József Nádor in Fünfkirchen. Ihre Diplomarbeit schrieb sie unter der Betreuung von Prof. Dr. Gerhard-Dieter Seewann über die Fünfkirchner Zünfte in der Zeit von 1686 bis 1790.

Vom "Verschwinden" der deutschsprachigen Minderheiten: Ein schwieriges Kapitel in der Geschichte Jugoslawiens 1941-1955

Internationale Tagung vom 21. bis 23. März 2012 in Bad Radkersburg (Österreich) Zusammen mit der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung und Partnern aus Deutschland, Österreich, Serbien, Kroatien und Slowenien richtet das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm eine Tagung aus. Sie befasst sich mit der Geschichte der Deutschen im ehemaligen Jugoslawien während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Historiker und Ethnologen aus den beteiligten Ländern sowie aus Bosnien werden ihre aktuellen Forschungsergebnisse präsentieren.
An der Tagung kann auch die interessierte Öffentlichkeit teilnehmen. Allerdings ist eine verbindliche Anmeldung bis 8. Februar 2012 erforderlich, die ausschließlich bei der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung erfolgen muss.

Großnarad – Dorfmuseum

Großnarad ist ein kleines Dorf mit weniger als 800 Einwohnern im südlichen Teil der Branau, am westlichen Rand der Mohatscher Ebene. Zur Zeit von König Stephan dem Heiligen gehörte es zu den königlichen Gütern. 1241 hieß es Narad. Auch in der Türkenzeit blieb es bewohnt, aber bei den Befreiungskämpfen sind die Einwohner wegen der Nähe des Schlachtfeldes bei Mohatsch entweder in den Kriegshandlungen ums Leben gekommen oder geflüchtet. In den 1710er Jahren sind Serben hierhergekommen, dann ließen sich einige Jahre später in zwei Wellen katholische Deutsche aus der Gegend von Fulda nieder. Die heutige Kirche ließ Maria Theresia zu Ehren der seligen Jungfrau Maria erbauen und 1762 einweihen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Großteil der deutschen Einwohner nach Deutschland vertrieben. An ihre Stelle kamen aus verschiedenen Teilen Ungarns und aus der Slowakei ungarische Familien. Über 60 Prozent der Ortsbewohner sind heute deutscher Herkunft.

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