Am 19. Dezember 2011 hat das ungarische Parlament eine Reihe von
wichtigen Gesetzen beschlossen. Ein neues Selbstverwaltungsgesetz wird
das Wirken der gewählten kommunalen Körperschaften und die Arbeit der
lokalen Verwaltungen grundlegend verändern und somit auch das Leben der
Bürgerinnen und Bürger beeinflussen. Das Gesetz über das nationale
Erziehungswesen sieht die Verstaatlichung der Erziehungs- und
Bildungseinrichtungen vor, Kindergärten und Schulen mit wenigen Kindern
werden geschlossen oder zusammengelegt. Völlig neu strukturiert wird
auch die Berufsausbildung.
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Am 19. Dezember 2011 um 19.32 Uhr ist mit den Stimmen der Abgeordneten der Regierungsparteien auch das neue Gesetz über die Rechte der Nationalitäten verabschiedet und das 1993 mit Konsens beschlossene Minderheitengesetz außer Kraft gesetzt worden. Das Gesetz ist - sicherlich nach sorgfältiger Prüfung - vom Staatspräsidenten unterzeichnet und noch am selben Tag im Gesetzblatt veröffentlicht worden, einige seiner Bestimmungen sind am 20. auch schon in Kraft getreten. (Andere treten am 1. Januar, wieder andere am 31. März, am 1. September 2012, am 1. Januar 2013, am 1. September 2013, schließlich am Tag der Ausschreibung der Wahl der Nationalitätenselbstverwaltungen im Jahr 2014 in Kraft - es wird also leicht und einfach sein, mit dem neuen Gesetz zu arbeiten.) Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hat sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dafür eingesetzt, daß die Gesetzgebung die Interessen unserer Volksgruppe berücksichtigt - wohl wissend, daß die Beschneidung der Kompetenzen der kommunalen Selbstverwaltungen, die Schließung von Bürgermeisterämtern, die Konzentrierung und Verstaatlichung des Schulwesens vor allem die in den Dörfern lebenden Menschen und somit einen großen Teil der Ungarndeutschen nachteilig betreffen. Ich muß ehrlich zugeben, wir konnten nur kleine Teilerfolge erzielen. Gegen eine Politik der Zentralisierung waren unsere Proteste und Argumente meist erfolglos. Gespannt warten wir nun auf das - beim Verfassen dieser Zeilen noch im Parlament diskutierte - neue Wahlgesetz, das den Nationalitäten die seit 20 Jahren versprochene Vertretung im Hohen Hause ermöglichen soll. Die Vorlage der Regierungsparteien - wozu wir nicht gefragt worden sind - sieht eine zumindest für uns Ungarndeutsche nicht unmögliche, aber schwer zu schaffende Lösung vor. Es bleibt zu hoffen, daß wir wenigstens diesbezüglich vorankommen und 2014 einen Abgeordneten ins Parlament werden wählen können.
Liebe Landsleute, 2011 hat die ungarndeutschen Vereine und Selbstverwaltungen vor viele Herausforderungen gestellt. Die staatlichen Förderungen unserer Kulturarbeit, die Unterstützung der Minderheitenselbstverwaltungen sind reduziert worden und sehr spät - häufig erst am Jahresende, wenn überhaupt - an die Betroffenen überwiesen worden. Viele Organisationen haben ihre Aktivitäten nur aus den privaten Mitteln ihrer Mitglieder fortführen können. Ihnen gebührt Dank und Anerkennung, daß sie nicht aufgegeben haben. Dank gebührt auch allen, die an unserer größten Aktion des zurückliegenden Jahres, nämlich an der Volkszählung, mitgearbeitet haben. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, daß landesweit die Wichtigkeit unseres Bekenntnisses zum Ungarndeutschtum erklärt werden konnte. Wir können darauf hoffen, daß wir ein gutes Ergebnis erzielt und somit auch unseren Willen bewiesen haben, Deutsche in Ungarn bleiben und mehr akzeptiert und respektiert werden zu wollen. Auch 2012 werden wir es nicht leicht haben: Die europaweite Wirtschaftskrise und die damit verbundenen - beschlossenen oder noch bevorstehenden Sparmaßnahmen -, der zunehmende Nationalismus stellen uns alle vor neue, heute oft noch gar nicht absehbare Herausforderungen. Für das neue Jahr wünsche ich allen unseren Landsleuten deshalb vor allem Ausdauer, Entschlossenheit, Kraft und Energie! Otto Heinek Vorsitzender der LdU
Aus dem Inhalt
Minderheitenpreis für Franz Erdei „Wir müssen jetzt besonders auf die Qualität achten"
Den Minderheitenpreis des Ministerpräsidenten konnte Franz Erdei am 16. Dezember vom stellvertretenden Ministerpräsidenten Tibor Navracsics übernehmen. Der gebürtige Branauer lebt seit 30 Jahren in Moor und hat dort sein Leben lang für das Ungarndeutschtum gearbeitet. Neue Zeitung befragte ihn kurz nach der Preisübergabe im Parlament.
Wohlverdiente Ehrung Die deutschstämmige Bevölkerung je mehr in die Gemeinschaftsarbeit einzubeziehen
Maria Szilágyi Solymosi, die stolz auf ihre schwäbische Herkunft ist, arbeitet schon über 30 Jahre unermüdlich, um die alten deutschen Sitten und Bräuche in Jula wieder zu entdecken, zu retten und sie neu ins Leben zu rufen, um die deutsche Sprache wieder in den Kreislauf der ungarndeutschen Familien zu bringen. Während der Jahre hat sie nicht nur in ihrer Heimatstadt diese Arbeit gefördert, unterstützt und verbreitet, sondern - im Rahmen des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen im Komitat Bekesch - auch in den übrigen Ortschaften mit deutschstämmiger Bevölkerung. Das um so mehr, da Frau Szilágyi schon seit Jahren nicht nur Mitglied der Deutschen Selbstverwaltung in Jula ist, sondern auch, weil sie als Obfrau des Deutschen Schulvereins der Komitate Bekesch-Tschongrad unermüdlich ihr Bestes tut. Ihre Verdienste wurden auch öffentlich anerkannt, als sie im Dezember am Tag der Minderheiten die Auszeichnung „Für die Minderheiten im Komitat Bekesch" (Foto) bekam. Und als Anerkennung sprachen nicht nur die Urkunde und Bronzeplakette, sondern kollektive und einzelne Geschenke sowie viele Blumen, als wohlverdientes Dankeschön für ihre vielseitige Arbeit.
Franz Schmidt verstorben
Am 25. Dezember ist Franz Schmidt im Alter von 71 Jahren von uns gegangen. Er bekleidete zeit seines Lebens zahlreiche Ämter und Funktionen: Er war Parlamentsabgeordneter, Mitglied des Komitatstages Weißenburg sowie Mitglied des Gemeinderates in Moor und Vorsitzender der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Weißenburg.
Reigöd vum Weidepam
Märchen als literarische Gattung waren schon immer populär. Die wunderbare Art, wie die Märchen die oft harte Wirklichkeit mit zauberhaften Elementen zu zähmen wissen, faszinieren nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen. Eigentlich vermitteln die Märchen nichts anderes als Situationen, die auch im realen Leben vorkommen. Hexen, Königstochter, schlaue Bauernburschen, Räuber, Drachen und die sonstigen gut bekannten Zauberwesen symbolisieren oft menschliche Tugenden bzw. Fehler. Die wichtigste Funktion der Märchen ist wohl die Belehrung.
GJU-Vorsilvester 2011 mit fast 400 Leuten
Mit der Teilnahme von an die 400 Mitgliedern und Freunden veranstaltete die GJU ihr traditionelles Vorsilvester am 29. Dezember. Die Feier wurde dieses Jahr vom GJU-Freundeskreis in Wemend organisiert. Der Abend startete mit einem Abendessen. Nachdem die Köche uns verwöhnt hatten (hier auch nochmal ein Dankeschön dafür) ging es mit dem Kulturprogramm los. Als Gäste konnten wir diesmal die Tanzgruppe aus Harast/Dunaharaszti begrüßen und natürlich durfte auch die Wemender Blaskapelle nicht fehlen.
Juniorensilvester der GJU 2011 Aufregende Sachen wie Bowling, Tanzstunde, Schlittschuhlaufen
Weihnachten ist schon vorbei, aber der Silvesterabend läßt noch auf sich warten! Was macht man nun in der Zwischenzeit? So lautete das Motto des diesjährigen Juniorensilvesters. Es ist schon eine jahrelange Tradition, daß die GJU während der Winterferien der Jugend ein dreitägiges Ferienlager anbietet, wo die Schüler die Möglichkeit haben, unter anderem neue Freundschaften mit Gleichaltrigen aus ganz Ungarn zu schließen, Einblick in die ungarndeutsche Kultur zu gewinnen und nicht zuletzt gemeinsam Spiele zu machen oder Spaß mit den „alten GJUlern" zu haben. Das diesjährige Juniorensilvester fand vom 27. - 29. Dezember in Fünfkirchen im Schülerwohnheim Valeria Koch statt.
„LX" - Retrospektive von György Jovián
Munkácsy-Preisträger György Jovián feierte vor kurzem seinen 60. Geburtstag mit einer atemberaubenden Ausstellung im Budapester Kleinzeller Museum. Die imposante Kirchenhalle verleiht den Werken des Malers und Graphikers Jovián eine andächtige Kulisse, eine transzendentale Stimmung wird somit gestärkt. VUdAK-Mitglied Jovián greift in seinen Kunstwerken oft mythologische Andeutungen, philosophische Inhalte auf, die Detailreichtum und feine Ausarbeitung charakterisieren. Geometrische Formen und naturalistische Elemente sind unverkennbare Zeichen seiner Kunst.
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