Es gab immer wohlhabende und zugleich großzügige Menschen. So einer war in Ödenburg Ignaz Flandorffer, dessen die Stadt unlängst anläßlich seines 195. Geburtstages sowie seines 120. Todestages mit einer Büste gedachte.
Mit der Büste gedenkt die Stadt ihres großen Sohnes Ignaz Flandorffer
|
Über sein Leben erzählten mir seine Urenkelkinder, Magda und Géza Flandorffer. Ignaz Flandorffer wurde am 27. August 1816 in Ödenburg geboren. Sein Vater war Weinhändler und es lag auf der Hand, daß der Bub einmal das Geschäft übernehmen würde. Mit zwölf schickte ihn seine Familie nach Wien in die Schule. Nach dem Schulabschluß wollte er die europäische Weinwirtschaft eingehend studieren, so bereiste er Italien, einschließlich Sizilien. Mit 21 kehrte er nach Ödenburg zurück und begann im Familiengeschäft zu arbeiten. Er heiratete die Tochter eines der reichsten Geschäftsmänner der Stadt, Amalia Hofer. Bald brachte er die Weinwirtschaft zum Florieren. Sein Vermögen war sowohl in seinem Geschäft als auch in Stiftungen angelegt. Er liebte seine Stadt, war sozial sehr engagiert, was die Stadt dazu veranlaßte, ihm noch zu seinen Lebzeiten dadurch zu danken, daß eine Straße nach ihm benannt wurde. Er hat zwar sein Vermögen stets vermehrt, doch er war ein richtiger Mäzen, versuchte für seine Stadt, für ihre Bewohner Nützliches zu tun. Ignaz Flandorffers Weinwirtschaft lief prächtig, er lieferte seine Weine aus der Gegend von Ödenburg und Rust (heute Burgenland) sogar nach Übersee. Er nahm mit seinen Weinen an diversen Weltausstellungen teil, diese wurden 1888 und 1889 in Melbourne mit je einer Goldmedaille gekrönt. Wie in der Familienchronik festgehalten wurde, besuchte 1884 sogar Kaiser Franz Joseph die Flandorfferschen Betriebe. Flandorffer war in Ödenburg eine äußerst beliebte Persönlichkeit und ein geschätzter Bürger der Stadt. Er gründete die Ödenburger Sparkasse, die er eine Zeit auch leitete. Er wollte mit dieser Sparkasse den Wucherzinsen den Kampf ansagen. Sein Verdienst war es, daß 1846 die erste Eisenbahnlinie im Ödenburger Komitat zwischen Ödenburg und Wiener Neustadt bis Katzelsdorf ausgebaut werden konnte. Es lag ihm am Herzen, daß die Straßen der Stadt eine Gasbeleuchtung bekamen: So legte er 1856 den Grundstein für die Gasfabrik der Stadt und ließ sie innerhalb eines Jahres erbauen. 1866 war es dann soweit: am Silvesterabend gingen die Lichter auf den Straßen an und beleuchteten hell die Stadt. 1869 gründete er den ersten „Stadtverschönerungsverein" im Lande, der bis heute existiert. Dessen Ziel war, die Stadt schöner zu gestalten. Er ließ in den Straßen Bäume setzen, um die grüne Lunge der Stadt zu fördern. Auch ließ er für Alte und Bedürftige ein Heim bauen, das bis heute als Seniorenheim funktioniert. Die Armen konnten außerdem in einer von ihm eingerichteten „Volksküche" jederzeit eine warme Mahlzeit bekommen. Für seine Selbstlosigkeit wurde er 1862 zum Mitglied des St. Gregor Ritterordens gewählt und 1881 vom Kaiser geadelt. Er starb am 11. Februar 1891 in seinem 75. Lebensjahr. Magda erzählte mir, daß sein Großvater gleichen Vornamens Maria Bezerédj heiratete, mit der er zwei Söhne hatte. Thomas betrieb in Budapest die Trabrennbahn, Andor, der 1912 geboren wurde, war der Vater meiner beiden Gesprächspartner. Er bewirtschaftete seine Güter, betrieb Viehzucht und erzog seine Kinder, Peter, Kinga, Imre, Géza und Magda, mit viel Liebe. Nachdem der Eiserne Vorhang Ost und West getrennt hatte, verhalf Andor Flandorffer vielen zur Flucht in den Westen, denn seine Güter lagen an der Grenze. Das blieb aber nicht geheim, und bald wurden er und seine Frau inhaftiert. Sie wurden im Gefängnis geschlagen, die Ehefrau starb an den Folgen. Andor Flandorffer gelang es, aus dem Gefängnis auszubrechen. Er versteckte sich eine Weile, doch 1949 packte er vier seiner Kinder und verließ das Land. Im österreichischen Auffanglager wurde er nach seinem weiteren Ziel gefragt. Er antwortete, daß es ihm egal sei, aber die Weiterreise sollte möglichst schnell erfolgen. So kam die Familie nach Argentinien, später nach Kolumbien, wo der Vater mit seinem Fachwissen Mitorganisator bei der Gründung einiger Universitäten war. Er unterrichtete an einer Universität. Von den Kindern studierte Géza, mein Gesprächspartner, in Deutschland Viehzucht und unterrichtete ebenfalls in Kolumbien. Magda, die in Ödenburg lebt und Eigentümerin eines Fischgeschäftes ist, mußte in der Kindheit lange auf ein Treffen mit ihrer Familie warten. Andor Flandorffer schrieb seiner daheimgebliebenen Tochter Magda einen Brief, der drei Jahre unterwegs war. Er kam nach 25 Jahren nach Ödenburg zurück, doch unter falschem Namen, denn er hatte immer noch Angst vor seinen ehemaligen Peinigern. Magda und Géza haben sich jetzt anläßlich des Jubiläums des Urgroßvaters wiedergefunden und Géza, der seine Muttersprache noch immer fließend spricht, nahm sich vor, in Zukunft öfters „nach Hause" zu kommen. Judit Bertalan
Aus dem Inhalt
Tarianer Wein - ein beständiger Teil der ungarndeutschen Gastfreundschaft
Tarian ist wegen der geographischen Lage seit langer Zeit Weinbaugebiet, auf den die Ortschaft umgebenden Hügeln gab es schon immer Reben. Als die Deutschen das Gebiet besiedelten, wurden die früheren ungarischen Flurnamen in die Mundart übertragen. Das älteste Gebiet heißt Alter Berg oder Großer Berg, das jüngste Weingebiet ist der Stockacker mit dem Kosenamen Stocki, die Benennung spielt darauf an, daß dieses Gebiet zur Zeit der Ansiedlung urbar gemacht wurde. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hat die Reblaus (Phylloxera) auch in Tarian mächtigen Schaden angerichtet, danach wurden reblausresistente Sorten angebaut wie beispielsweise Noah (Nova). Diese Weingärten wurden zur Zeit der LPG-Wirtschaft nicht verstaatlicht, da diese Gebiete nicht als zusammenhängendes Territorium bearbeitet werden konnten.
Oktoberfest im Haus der Ungarndeutschen
Brezeln, Weißwurst und süßer Senf und natürlich das Weißbier sind feste Bestandteile des Münchner Oktoberfestes. Diese durften auch beim Oktoberfest im Budapester Haus der Ungarndeutschen natürlich nicht fehlen - allerdings fanden auch das dunkle und das Weizenbier regen Zuspruch. Für gute Stimmung und Tanzmusik sorgte mit Polka, Walzer oder Tango die Band Werischwarer Burschen, die für ihre Vortragsweise viel Anerkennung unter den Oktoberfestgästen im HdU erntete. Die jungen Burschen spielen seit 2006 zusammen, in der gegenwärtigen Aufstellung seit 2009. Sie vertraten Ungarn beim größten Folklorefest von Europa, der Europeade in Litauen (2009), und spielten bereits in Deutschland, Österreich und Südtirol.
Kulturverein in Ratzpeter 20 Jahre alt
Im festlichen Rahmen wurde das 20jährige Bestehen des Traditionspflegenden Kulturvereins in Ratzpeter/Újpetre begangen. Zahlreiche ehemalige und derzeitige Vereinsmitglieder, Tänzer und Tänzerinnen, Mitglieder der Begleitkapelle, des Handarbeitskreises „Fleißige Hände", des Jugendvereins und interessierte Gäste wohnten dem von der örtlichen Deutschen Minderheitenselbstverwaltung mitveranstalteten musikalischen Programm am 15. Oktober im Kulturhaus bei. In den Begrüßungsreden hat man die Tätigkeit der Gründerväter - Attila Czinczár, Csaba Jávorka, Engelbert Rittinger - und die heutige Leitung - Teodora Erdei-Csütörtök, Gábor Agárdi, Renáta Fekete-Goron - gewürdigt. Am Abend stieg ein lustiger Ball, gestaltet vom Wemender Sextett.
Auf dem Fahrrad erkundet: Hajosch
Das zwischen Baja und Kalocsa liegende Hajosch ist eines der Zentren des Weintourismus - ein Teil der Weingegend Hajós-Baja. 1722 begründete der Erzbischof von Kalocsa mit der Unterstützung deutscher Einwanderer aus Württemberg, aus der Gegend von Bussen, das Dorf. Aus der Urheimat sollen die Kolonisten auch die Bussen-Madonna mitgebracht haben, die den Altar in der Gnadenkirche schmückt. Dem Ort wurde 1756 das Marktrecht verliehen. Seit 1982 besteht eine Partnerschaft mit der deutschen Gemeinde Hirrlingen.
Ungarndeutsche Diplomarbeiten im Fokus Andrea Verebély: Bauernhäuser in Harast
Andrea Verebély (Foto) ist eine waschechte Ungarin, die allerdings in einer Grundschule in Dunavarsány Geschichte, Deutsch und Deutsch als Minderheitensprache unterrichtet. Trotz ihrer ungarischen Abstammung fühlt sie sich der deutschen Sprache sehr verbunden und wird nach ihrer Lehrerausbildung (Deutsch und Geschichte) an der Eötvös-Lórand-Universität in Budapest nun ihr Lehramtstudium in Deutsch als Minderheitenfach an der Fünfkirchner Universität absolvieren. Ihre Diplomarbeit schrieb sie unter der fachlichen Leitung von Prof. em. Dr. Katharina Wild am Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft über „Bauernhäuser in Harast/Dunaharaszti". Neue Zeitung sprach mit ihr über ihr Studium und ihren Bezug zum Ungarndeutschtum:
Herbstseminar der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV) in Bautzen
Zum diesjährigen Youth Leader Seminar vom 14. bis zum 20. Oktober war die JEV zu Gast bei den Sorben in Bautzen. Über 60 junge Vertreter von verschiedenen Minderheiten Europas hatten die Möglichkeit, sich mit dem Thema „Ehrenamt und Minderheiten" auseinanderzusetzen und sich im Bereich der Freiwilligentätigkeit weiterzubilden. Auch die Gemeinschaft Junger Ungarndeutschen (GJU) war zu Gast beim Sorbischen Jugendverein (PAWK) und wirkte am Herbstseminar der JEV aktiv mit.
Kemend - Heimatstube
Kemend ist eine sehr alte Siedlung, in deren Nähe Funde aus der Urzeit und aus der römischen Zeit ausgegraben wurden. Schriftliche Erwähnungen gibt es aus dem Jahr 1015, als das Gebiet dem Stift in Petschwar/Pécsvárad gehörte. In der Nähe stand auch eine Burg aus dem 13. Jahrhundert. In der Türkenzeit war das Dorf bewohnt, aber bei den Kriegshandlungen um die Vertreibung der Türken ist es ausgestorben. Die deutschen Einwohner kamen 1725 aus Fulda nach Kemend, wo sich damals schon Kroaten niedergelassen hatten. Bei der Ankunft der Kolonisten standen an der Stelle des ehemaligen Dorfes nur noch die Ruinen der ehemaligen St. Nikolaikirche. Die Deutschen erbauten ihre erste Kapelle (noch aus Holz) zu Ehren des heiligen Martini. Zum Wallfahrtsort wurde das Dorf wegen einer, sich 1740 ereigneten, wunderbaren Erscheinung.
Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Über die
Neue-Zeitung-Stiftung Budapest, Lendvay u. 22 H-1062 E-Mail: neueztg@hu.inter.net www.neue-zeitung.hu/publikationen
Sie finden die Neue Zeitung in Geschäften von Lapker Zrt.
Einzelpreis: 200 Ft
Jahresabonnement: Ungarn: 7800 Ft Europa: 110 Euro
Sie können die Neue Zeitung und/oder gesondert auch NZjunior als pdf-Datei abonnieren, wir schicken sie per E-Mail zu. Kontakt: neueztg@hu.inter.net
|