Integration ja - Assimilation nein! Drucken
21. Oktober 2011
Diese Feststellung charakterisierte mehrere Beiträge des 21. Deutsch-Ungarischen Forums (DUF), das am 14. und 15. Oktober in Budapest stattfand. Zum ersten Mal widmete sich das Forum dem Schwerpunktthema "Aspekte der gesellschaftlichen Integration von Minderheiten in Ungarn und Deutschland: Möglichkeiten, Grenzen und europäischer Rahmen" und ermöglichte einen breitgefächerten Erfahrungsaustausch auf diesem Gebiet. Es ging dabei unter anderem um die Roma- und die Donaustrategie der EU, um demographische Entwicklungen, wirtschaftliche Fragen der Integration sowie Aspekte kultureller und nationaler Identität. Mehrfach betont wurde, daß die Multikulturalität in Europa gescheitert sei und zu Parallelgesellschaften in den einzelnen Ländern geführt habe. Deswegen müssen neue Wege der Integration erschlossen werden.

Im Gebäude von Telekom in Budapest tagten
das Deutsch-Ungarische Forum
und das Junge Deutsch-Ungarische Forum am 14.-15. Oktober.
Das Gebäude sollte ursprünglich
die Reichsdeutsche Schule beherbergen,
wurde aber erst 1954 fertiggestellt.
In den 90er Jahren bekam es seine heutige Gestalt.
Foto: I. F.

Außenminister János Martonyi und der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Dr. Werner Hoyer, eröffneten das Forum mit Ansprachen zu aktuellen Fragen der Europapolitik. An den anschließenden Beratungen nahmen rund 200 hochrangige Experten teil. Das DUF ist eine wichtige Plattform für den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beider Länder; die Veranstaltung findet einmal pro Jahr abwechselnd in Deutschland oder Ungarn statt. Organisatoren sind das Institut für Europäische Politik in Berlin sowie die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer in Budapest.

Die Deutsche Bühne Ungarn improvisiert und inspiriert beim Ersten Jungen Deutsch-Ungarischen Forum

„Die Donau ist wie ich - sie hat ihre Schranken, und doch fließt und verbindet sie."
Unter dem Motto „Die Donau - Der internationalste Fluß der Welt", diskutierten die Teilnehmer des ersten Jungen Deutsch-Ungarischen Forums (JDUF) am 15. Oktober Sinn und Möglichkeiten einer „Donauidentität" im Zusammenhang mit der von der EU beschlossenen „Donaustrategie". Das vornehmlich aus jungen Akademikern und Berufstätigen bestehende JDUF fand im Rahmen der 21. Jahrestagung des Deutsch-Ungarischen Forums (DUF) statt und zeichnete sich nicht nur durch lebendige Diskussionen, sondern besonders durch kreative Arbeitsformen aus.
Auf Initiative der Kulturmanagerin Alexandra-Britta Varan (Institut für Auslandsbeziehungen, Stuttgart) nahm die Deutsche Bühne Ungarn (DBU) bei dem JDUF eine besondere Rolle ein, indem sie sich von den Themenschwerpunkten und Fragestellungen der Arbeitsgruppen im Vorfeld inspirieren ließ und mit Hilfe von berühmten ungarndeutschen, deutschen und ungarischen Autoren wie József Attila und Valeria Koch ein eigenes poetisch-philosophisches Potpourri erstellte, das theatral aufgeführt wurde.
Parallel zum Thema des DUF „Aspekte der gesellschaftlichen Integration von Minderheiten in Deutschland und Ungarn: Möglichkeiten, Grenzen und Europäischer Rahmen", machte die Deutsche Bühne Ungarn auf die Rolle der Kultur, insbesondere des Theaters, bei Integrationsprozessen aufmerksam. Als ein „Ort, wo mit Gefühlen gearbeitet wird", stellt die theaterpädagogische Arbeit eine besonders fruchtbare Art der Auseinandersetzung mit Interkulturalität stellt dar. Sie ermöglicht Kindern und Jugendlichen Freiräume für eine fantasievolle und kreative Auseinandersetzung mit ihren Lebenswirklichkeiten.
Durch erweiterte grenzüberschreitende Projektarbeit hat sich die DBU zunehmend ein interkulturelles Profil aufgebaut: am 24. Oktober findet zum Beispiel ein poetisch-musikalischer Abend zum Thema „Zusammenklingen - Zusammenleben" statt, der die Frucht monatelanger Zusammenarbeit von Minderheiten wie Ungarndeutschen und der Roma sowie der Mehrheitsgesellschaft darstellt.
Auf der improvisierten Forumsbühne am Tagungsort, boten die Intendantin und Schauspielerin Ildikó Frank sowie die Schauspieler Katalin Lotz und Tom Pilath ein gut durchdachtes und vor allem inspirierendes Stück dar, bei dem jeder der Darsteller eine - den Arbeitsgruppen des JDUF ungefähr entsprechende - unterschiedliche Perspektive repräsentierte: wie denke und fühle ich, wenn ich mich „nur" mit der eigenen Nation identifiziere, mit einer bestimmten Kultur oder etwa mit der Donau? Oder hinterfrage ich alles, worauf andere ihre Identität gründen? Mit den Worten József Attilas sprechend, gleichzeitig fragend und auffordernd schlossen die Schauspieler ihre inspirierende Darbietung:
„Ich will arbeiten. Es ist Kampf genug
Der eigenen Herkunft offen sich zu stellen.
Geschichte, Gegenwart und Zukunft wie in einem Zug,
Das alles faßt die Donau, ihre weichen Wellen.
Den Kampf, den unsre Ahnen blutig schlugen,
Erinnerung löst ihn, Friede kommt in Sicht,
So findet unser schweres Werk endlich die Fugen,
Das ist zu tun; und wenig, wenig ist es nicht."
varan



Aus dem Inhalt

Rittinger-Gedenktafel

Eine Gedenktafel an den Dichter und Pädagogen Engelbert Rittinger (1929 - 2000) wurde an seinem Geburtstag (17. Oktober) in seiner ehemaligen Wirkungsstätte, in der Grundschule von Ratzpetr, von den Mitgliedern der Deutschen Selbstverwaltung Maria Reisz und Melinda Rittinger enthüllt. Im Namen des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler, dessen Gründungsmitglied Rittinger war, sprach der Vorsitzende der Literatursektion von VUdAK, Robert Becker, über das literarische Werk von Rittinger.


Zehn Jahre Begegnungen zwischen Bockhorn und Schemling

Die erste Einladung erhielt man in Schemling/Vértessomló im Jahre 2000, so fuhr eine vierköpfige Delegation nach Norddeutschland. Man besichtigte eine Erwachsenenbildungsstätte und suchte drei Dörfer auf. Die letzten drei Tage verbrachte man in Hannover und bewunderte die Weltausstellung. Der Bürgermeister von Bockhorn (Niedersachsen) Ewald Spiekermann nahm sich frei und leistete der Delegation Gesellschaft. Eine echt sympathische Geste. Im Jahre 2001 kamen dann schon 40 Bockhorner nach Schemling, die Partnerschaftsurkunde unterzeichnete man erst ein Jahr später.


20 Jahre Verein der Wieselburger Deutschstämmigen

„20 Jahre Verein der Wieselburger Deutschstämmigen - und Unser Erbe" hieß die Ausstellung im Gemeinschaftshaus „Zum Weißen Rössl" in Wieselburg. Viele Besucher aus der Stadt und deren Umgebung - Ungarndeutsche und Angehörige anderer Minderheiten - kamen zur Eröffnung am 12. Oktober um 17 Uhr. Die Deutsche Singrunde „Heideröslein" sang das Lied „Heimat, oh Heimat" zur Einführung, dann sprach Dr. Susanne Varga, Gründungsvorsitzende des Vereins. Mit einer Schweigeminute wurde an die verstorbenen ehemaligen Vereinsmitglieder gedacht. Seit 1991 sind 24 Mitglieder von uns gegangen.


Ödenburger Familien im Porträt
Die Gogers

Das kleine Optikgeschäft auf der Grabenrunde existierte schon immer, ein jeder kannte die Optikerin, Frau Goger, deren Enkelsohn Ákos Szalay jetzt der Eigentümer der Optikfirma ist. Die Firma wurde 1893 gegründet, überstand Kriege und trotzte sogar der Verstaatlichung. Das Optikgeschäft gehört bereits fünf Generationen hindurch der Familie Goger, über deren Schicksal Ákos Szalay vieles erzählen kann.


„Wallenberg": Weltpremiere bei der Deutschen Bühne Ungarn

Zum ersten Mal wurde die Geschichte von Raoul Wallenberg in einem Theaterstück aufgearbeitet. Am 3. Oktober feierte die Deutsche Bühne Ungarn (DBU) eine Weltpremiere. Die DBU in Seksard hat Ernst Pichlers „Wallenberg" gezeigt. Wallenberg war ein schwedischer Diplomat, der während des Zweiten Weltkriegs in Budapest Hunderten von Juden das Leben gerettet hat, dann aber von der Roten Armee festgenommen und in die Sowjetunion verschleppt wurde. Noch immer ist es unklar, was mit ihm geschehen ist.


Die Brzoskas und „Lesen verbindet"

Das Ehepaar Gudrun und Dr. Wolfgang Brzoska bauen richtig kulturelle Brücken. Das Ganze hat gleich nach der Wende begonnen. Chemielehrer Dr. Wolfgang Brzoska wollte als ‚junger' Rentner in den Osten, um an einer deutschen Schule zu unterrichten. Dies tat er zuerst in Rumänien, am Adam-Müller Guttenbrunn-Lyzeum in Arad. Frau Gudrun pendelte in diesen Jahren zwischen Ehingen und Arad, hatte verhältnismäßig viel Freizeit, beschäftigte sich mit Literatur und Buchwesen. Und damals machte sie Bekanntschaft mit den ersten Übersetzungen aus der ungarischen Literatur.


Konferenz zum 250. Geburtstag von Johann Genersich

Das wunderschöne Zipserland konnte auch der deutsche Bundespräsident Christian Wulf erleben, der vor kurzem Ehrenbürger von Käsmark wurde (NZ 40/2011). Hier lebten und leben noch Zipser Sachsen, hier im Evangelischen Lyzeum lehrten Generationen der Genersich-Familie.
Anläßlich des 250. Geburtstages von Johann Generisch (1761 - 1823) fand hier am 7. Oktober eine Konferenz statt, die von Dr. Attila Tankó, Sekretär der Dr. Antal Genersich Stiftung (Budapest), mitorganisiert wurde und an der auch eine kleine Reisegruppe aus Ungarn teilnahm. Sein Enthusiasmus hat familiäre Gründe, er selber ist ein Nachkomme der Genersich-Familie. Das Zipser Schulsystem und sein Niveau waren im 18. und 19. Jahrhundert berühmt. Ein Teil der akademischen Schicht der Monarchie kam von der Zips. Viele junge Akademiker studierten an Universitäten in Rom, Krakau, Wittenberg, Halle, Jena, Prag.


Preßburg soll deutschsprachige Goethe Universität bekommen

Voraussichtlich zum Wintersemester 2012/13 nimmt in Preßburg und Pistyan die Goethe Universität ihren Betrieb auf. Das Projekt wurde im Vorfeld eines feierlichen Empfangs aus Anlaß des Tags der deutschen Einheit in Preßburg erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Goethe Universität soll die erste deutschsprachige Universität der Slowakei werden. Mit der fremdsprachigen Ausrichtung orientieren sich die Gründer beispielsweise an der János-Selye-Universität in Komorn oder der Andrássy-Universität in Budapest. Gleichzeitig soll über die neue Institution die historisch enge Verbundenheit zwischen dem deutschsprachigen Raum und dem Gebiet der heutigen Slowakei zum Ausdruck kommen.


Das Geraser Erdäpfelfest erfreut sich großer Beliebtheit

Seit die Erdäpfel vor etwa 450 Jahren von Südamerika nach Europa kamen, traten sie einen beispiellosen Höhenflug als Grundnahrungsmittel an. Im deutschsprachigen Raum heißen sie je nach Gegend Erdäpfel, Kartoffeln, Grumbira („Grundbirnen") - und im Waldviertel (Österreich) Erpfi. Hier gedeihen sie aufgrund der klimatischen Gegebenheiten besonders gut und haben eine lange Tradition: Um 1740 sind in der Nähe der Stadt Weitra die ersten größeren Erdäpfelkulturen entstanden. Erdäpfel sind so etwas wie das kulinarische Wahrzeichen der Region.


Schüleraustausch zum zweiten Mal in den Kulturhauptstädten 2010
Pécs - Essen-Oberhausen/Ruhrgebiet

Die Klasse 9.A des Valeria-Koch-Schulzentrums in Fünfkirchen hatte im Jahr 2010 die Chance, an einem Schüleraustausch teilzunehmen. Wir dachten, es sei eine tolle Gelegenheit, ins Ausland zu fahren und neue Menschen kennenzulernen. Unsere Lehrer meinten, daß dieser Austausch sehr gut für das Üben der Sprache sei. Die Hauptorganisatorin des Projekts war die Direktorin des Schülerwohnheims Dr. Gabriella David. Unser Geschichtslehrer Miklós Tencz und 32 deutsche und ungarische Schülerinnen und Schüler machten mit. Jetzt sind wir Zehntkläßler. In der letzten Septemberwoche machten wir uns auf den Weg nach Essen.


Auch Schüler aus Ungarn debattieren in Kiew über Atomkraft

Die Sieger des Schülerwettbewerbs Jugend debattiert international aus Ungarn treffen in Kiew mit den besten jungen Debattanten aus Mittel- und Osteuropa zusammen. Eine Woche lang tauschen sich die Landessieger aus acht Ländern über gesellschaftspolitische Themen aus, üben das Debattieren in deutscher Sprache und messen die Kraft ihrer Argumente. Beim feierlichen Finale am 21. Oktober kürt die Jury bei der Debatte zum Thema „Sollen alle Länder Europas gesetzlich festlegen, in absehbarer Zeit aus der Nutzung der Atomenergie auszusteigen?" den internationalen Sieger. Evelin Juhász und Csaba Krümmer aus dem Ungarndeutschen Bildungszentrum Baja haben das erste ungarische Landesfinale gewonnen und sind beim Internationalen Finale in Kiew dabei, wo sie Ungarn zum ersten Mal vor internationalem Publikum vertreten.


Mase - Deutsches Haus

Mase liegt in einem Tal des östlichen Fünfkirchner Gebirges, an der Grenze zwischen der Tolnau und der Branau. Die ersten schriftlichen Erwähnungen stammen aus dem Jahr 1235. Spätere Quellen berufen sich auf Bauern ungarischer bzw. deutscher Muttersprache, von denen die Ungarn die blau-weißen, die Deutschen die tiefblauen Volkstrachten mit Vorliebe trugen. Mase ist auch in der Türkenzeit bewohnt gewesen. 1687 wurde das Dorf unter jenen erwähnt, in denen es Lebenszeichen gab.
Ende des 18. Jahrhunderts siedelten aus den benachbarten Orten deutsche Kolonisten über und übersetzten einige Flur- und Ortsnamen von Mase in ihre eigene Sprache. Die früher traditionell von Ackerbau lebende Gemeinde schloß sich 1826 der Industrialisierung an, als man in der Nähe eine Grube eröffnete. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde das Dorf in den Wirtschaftskreislauf des Landes eingebunden.

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