Zur Enthüllung der Harruckern-Büste in Jula Drucken
14. Oktober 2011
In der Harruckern-Mittelschule (seit 1. Juli 2007 Schulzentrum mehrerer integrierter Schulen von sechs Gemeinden) in Jula/Gyula wurde am 29. September ein Johann Georg von Harruckern-Denkmal enthüllt. An der Säule der 90 Zentimeter großen Büste steht es in Ungarisch und Deutsch: „Das Harruckern Denkmal ist eine Botschaft des Zusammschlusses für die ganze Gesellschaft. Auf die Herausforderungen der Zeit können nur Zusammenhalt und Zusammenarbeit den Fortschritt für uns sichern."

Enthüllung der Büste von Harruckern.
Robert Mikulan, Direktor der Harruckern Mittelschule,
Zoltán Farkas, Vorsitzender des Komitatstages und Karl Winkler,
Bürgermeister aus Schenkenfelden.

An welche Zusammenarbeit und Persönlichkeiten dachte ich wohl bei der Enthüllung?
Zuerst an die 50 Schenkenfeldener, die 1997 vor der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft Gyula-Schenkenfelden auf dem Platz zwischen dem Julaer Burgbad und dem Hotel Erkel in ihrer Tracht musizierten und tanzten. Dann an Herrn Weihtrager (Mitglied des Verbandes der oberösterreichischen Volkshochschulen), der mit seiner Frau in Békéscsaba in seiner Tracht Oberösterreich „vertrat". Zufällig sprach ich ihn an und es stellte sich heraus, daß er 300 Meter von mir entfernt in Jula wohnt, eigentlich ein privater Harruckern-Forscher und einer der Initiatoren der Städtepartnerschaft ist. Dann an Klara Gossenreiter und Greti Ecker, die die Schüler und Erwachsenen der Harruckern-Mittelschule 2008 auf der Klassenfahrt nach Schenkenfelden empfingen. An den damaligen Bürgermeister Johann Pötscher, an Greti, an Andreas Wimmer und seine Musikantenfreunde, die beim Renaissance-Karneval 2009 in Jula waren.
Und ich dachte auch an András Zámbó, den ersten Direktor der Harruckern-Mittelschule, der vermutlich den Namen für die Schule wählte, und an den jetzigen Schulleiter Robert Mikulan, der meine Idee, eine Harruckern Büste in Jula aufzustellen, erfüllte. Ich denke an den Bildhauer aus Arad, Ioan Tolan, der kurz vor seinem 80. Geburtstag drei 20 Zentimeter große Harruckern-Büsten und jetzt auch diese schuf. Natürlich dachte ich an die Delegationen aus Schenkenfelden und Arad, aus Elek, Orosháza, Szarvas, usw., die der Enthüllung beiwohnten. Aber in allen Gedanken waren meine Ahnen aus dem Frankenland da, die Johann Georg von Harruckern 1724 in Jula und später in Elek und Sankt Martin ansiedeln ließ.
Ist das ein Zusammenschluß? Der Sohn von Schenkenfelden bekommt eine Büste, geschaffen von einem Arader (wo Harruckern auch tätig war), initiiert von einem Eleker-Julaer, durchgeführt von Leuten aus anderen Gemeinden, finanziell unterstützt von Institutionen des Komitats. Das Schulzentrum bildet fast 3000 Schüler und Erwachsene aus mehreren Komitaten aus.

Hoffentlich wird dieses Denkmal ein Symbol des Zusammenschlusses, des Zusammenhalts, der Zusammenarbeit und des gemeinsamen Lebens in Europa sein.
Adam Reisz



Aus dem Inhalt

Der Deutsche Schulverein zum Erfahrungsaustausch in Schomberg und Ketschinge

Es gehört zum Jahresprogramm des Deutschen Schulvereins (Sitz Budapest), im Herbst eine Region in der ungarndeutschen Bildungslandschaft zu besuchen und in den dortigen Institutionen neue Kenntnisse und Erfahrungen zu sammeln. Diesmal ging es in die östliche Branau, in die deutschen Nationalitätenkindergärten von Ketschinge/Görcsönydoboka und Schomberg/Somberek sowie in die Schule in Schomberg.


Enge Zusammenarbeit und viele Pläne für die Zukunft

Im siebenbürgischen Hermannstadt fand das Jubiläums-Herbsttreffen des internationalen Medienvereins „Funkforum" statt, wo Mitarbeiter von deutschsprachigen Medien aus Mittel- und Osteuropa auch an einer Weiterbildung teilnahmen. Die Idee, länderübergreifend einen Kontakt zwischen den deutschen Medien aufzubauen, schien seinerzeit wegen der großen Entfernungen gar nicht so einfach zu verwirklichen. Doch das Engagement der Mitglieder und die moderne Technik ermöglichen inzwischen monatlich eine gemeinsame Radiosendung und auch eine stets aktuelle Internetplattform. Nicht nur die einzelnen Redaktionen konnten während des Jahrzehnts Ideen und Erfahrungen austauschen, auch die Vertreter der deutschen Minderheiten in Rumänien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Südtirol haben sich gegenseitig besser kennenlernen können. Zu den Radiosendern gesellten sich auch Fernseh- und Zeitungsredaktionen.


Maronifestival in Agendorf

Bereits zum achten Mal fand heuer in Agendorf das Maronifestival statt, bei dem sich wieder alles um die Edelkastanien drehte. Ab Samstagvormittag wurden im Reitklub Vadon laufend frische Maroni gebraten und dazu Glühwein und Honig angeboten. Der Markt mit zahlreichen Verkaufsständen, einer Hüpfburg, einem Trampolin und einem Karussell erwartete die Gäste. Auch der neue Spielplatz im Pfarrgarten wurde eröffnet.


Dem gemeinsamen kulturellen Erbe verpflichtet

Mit dem gemeinsamen kulturellen Erbe in Ost-Mitteleuropa befaßte sich eine Tagung, die vom 23. bis 25. September in der Kleinstadt Reichenbach/Oberlausitz veranstaltet wurde. Organisator war der 2009 gegründete Verein, der sich „Erinnerung und Begegnung" nennt und an die Geschichte und die kulturellen Leistungen der Vertriebenen erinnern will, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen ansässig geworden sind. In Reichenbach, das von 1815 bis 1945 zu Schlesien gehört hat, betreibt der Verein ein „Haus der Heimat". Hier wird seit 2009 Kulturgut der Flüchtlinge und Vertriebenen gesammelt, die sich in Sachsen angesiedelt haben.


„Eine Programmpalette anbieten zu können, die für groß und klein attraktiv sein kann"

Seit Mitte September ist Stefan Szeitz (25) Geschäftsführer im Lenau-Haus in Fünfkirchen. Als Nachfolger von Johann Habel ist er in erster Linie für die Programme und Veranstaltungen des Vereins zuständig. NZ befragte ihn.


„Das Beste kommt noch"

„Kontraste und (Kon)texte" war der Titel einer internationalen sprachwissenschaftlichen Konferenz am Germanistischen Institut der Fünfkirchner Universität, deren Referenten sich in erster Linie mit dem Thema kontrastive Linguistik und Textgrammatik auseinandersetzten. Der Anlaß für die Veranstaltung zwischen dem 30. September und 1. Oktober war der 60. Geburtstag von Dr. Peter Canisius (Foto), dem deutschen Dozenten des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft, der seit 18 Jahren an der Fünfkirchner Universität arbeitet. NZ befragte ihn über seine Erfahrungen in Ungarn.


11. Volksgruppensymposium des VLÖ in Maria Theresiopel in Serbien

Der Verband der volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ) im Haus der Heimat in Wien richtete sein nunmehr schon 11. Volksgruppensymposium der deutschen Volksgruppen aus Ost-, Mittel- und Südosteuropa aus. Es fand in Maria Theresiopel/Subotica in Serbien statt und widmete sich der Erinnerungskultur und den Gedenkstätten, die an das leidvolle Schicksal der Volksdeutschen am Ende und nach dem Zweiten Weltkrieg erinnern.


„Was ist Heimat?" - eine Umfrage

Die Monatsschrift „Echo der Vortragsreihe" des Kultur- und Erwachsenenvereins „Vortragsreihe Reschitza" hatte 2011 eine wirklich interessante Umfrage gestartet. Man war neugierig zu erfahren, was bedeutet Heimat, welche Gedanken erweckt der Begriff, wie kann das Wort definiert werden, welche Inhalte können aus diesem Wort ausgewertet werden. Monate hindurch konnte man in den Spalten der Zeitschrift die verschiedensten Meinungen darüber lesen. Und unglaublich viele Leser griffen zur Feder. Nicht nur Leser aus dem Banater Bergland, sondern aus ganz Rumänien - und nicht nur hiesige Deutsche, auch viele Meinungen aus den deutschsprachigen Ländern trafen ein.


Fundraising - Ein sehr interessantes, sehr konkretes und absolut praktisches Seminar

Im Mai hat die GJU eine neue Programmreihe gestartet. Ziel ist, daß die Jugendlichen zu Informationen kommen, die sie in ihren Vereinen oder später in ihrem Berufsleben nutzen können. Das erste Seminar fand in Budapest statt, wo die Wege der Öffentlichkeitsarbeit diskutiert wurden, und zwar mit der Hilfe von Experten, anschließend auch mit eingeladenen Gästen.
Dieses Event wurde letzte Woche in Fünfkirchen fortgesetzt, mit dem Thema Fundraising. Die Seminarteilnehmer haben nach Möglichkeiten gesucht, wie Zivilorganisationen und Vereine an Fördermittel kommen können. Zu Gast waren zwei Expertinnen: Kinga Szentiványi, Beraterin für Kommunikation, und Szilvia Géczy-Gaál, Kulturreferentin der Stadt Wudersch/Budaörs.


Donau-Fotoausstellung in Budapest

Als Begleitveranstaltung von World Press Photo können wir im Ethnographischen Museum das Resultat des Wettbewerbs der Agentur Herald sehen, welches die Donau-Strategie der EU-Kommission illustriert. Die betroffenen 14 Länder sind an engerer Zusammenarbeit interessiert, um ihre Möglichkeiten besser zu nutzen und damit die ökonomischen, sozialen oder infrastrukturellen Differenzen der Vergangenheit effektiver abzubauen. Besonders die Entwicklung der Schifffahrt und des Naturschutzes kann die Lebensqualitäten der betroffenen 115 Millionen Menschen, die in der Donau-Region leben, verbessern.


Lendl - Volkskundliche Sammlung

Lendl liegt im Komitat Tolnau, nahe an der Grenze zur Branau. Die Gemeinde gehört zu den frühesten Siedlungen in Ungarn. Im 19. Jh. fand der örtliche Pfarrer Mór Wosinszky an der Ortsgrenze die Überreste einer Kolonie aus dem Neolitikum, die als „Kultur in Lengyel" bezeichnet und bekannt wurde. In der Türkenzeit starb die Gegend aus und erst ab den 1720er Jahren wurden katholische deutsche Bauern und Handwerker hier angesiedelt.
Das Andenken an die Ungarndeutschen in Lendl, ihre historischen Dokumente werden im „Deutschen Zimmer" der volkskundlichen Sammlung aufbewahrt.

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