Die älteste kulturbildende Kommunikationsform der Menschen ist das Erzählen. Es entspricht dem Bedürfnis, Erfahrungen zu teilen und an künftige Generationen weiterzugeben, es befördert das Erinnern, regt die Phantasie an, macht den Menschen kreativ und drückt sein Streben nach Lebenssinn aus. Seit ungefähr 20 Jahren erlebt das mündliche Erzählen in der westlichen Welt einen neuen Aufschwung.
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Damit diese Tradition nicht verlorengeht, hat die Deutsche Gesellschaft
in den Jahren 2010 und 2011 ein Erzählprojekt in Ungarn, Polen und
Rumänien durchgeführt. Dabei wurden Angehörige der deutschen
Minderheiten durch Berufserzähler aus Deutschland mit der Kunst des
Erzählens vertraut gemacht.
In Ungarn, Polen und Rumänien trat ein Erzählerteam aus zwei
Berufserzählern von der Erzählakademie München auf, um Erzählabende,
Workshops und Erzählfestivals zu veranstalten. In Schulen,
Kindertagesstätten, Universitäten, Verbänden der deutschen Minderheit,
Bibliotheken und sonstigen Einrichtungen präsentierten sie ihre Kunst
und brachten einer breiten Öffentlichkeit die Unmittelbarkeit des
Erzählens nahe.
Ziel war es, an den drei Standorten, in Fünfkirchen, Oppeln und
Klausenburg, Studenten und Schüler sowie Lehrer, Erzieher und Pädagogen
für die Erzählkunst zu begeistern, um die Erzähltradition weiterzutragen
sowie Erzähltalente zu fördern und auszubilden.
Zu diesem Thema wurde am 20. September um 18.30 Uhr im Europasaal der
Deutschen Gesellschaft in Berlin eine Lesung und Podiumsdiskussion
veranstaltet. Dr. Andreas H. Apelt (Deutsche Gesellschaft e. V.) und
Ministerialdirigent i.R. Winfried Smaczny (Vorstandsvorsitzender des
Deutschen Kulturforums östliches Europa e. V.) haben die Anwesenden
begrüßt. Die beiden „fahrenden Mundwerker" Helga Gruschka und Dr.
Norbert Kober von der Erzählakademie München haben ihre Kunst
präsentiert.
Dr. Ingeborg Szöllösi, Moderatorin (Deutsche Gesellschaft e. V.), hat
mit Vertretern der drei Länder - Prof. Dr. András Balogh
(Babes-Bolyai-Universität Klausenburg, Rumänien), Monika Wittek (Verband
der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften, Oppeln, Polen) und Dr.
Gabriella Dávid (Valeria-Koch-Schulzentrum, Fünfkirchen, Ungarn) - über
die Frage diskutiert, was das Erzählen konkret bewirkt hat.
Das Gesamtprojekt steht unter der Schirmherrschaft des Schweizer Schriftstellers und Literaturwissenschaftlers Adolf Muschg.
g. d.
Podiumsdiskussion in der Deutschen Gesellschaft in Berlin
Aus dem Inhalt
Europatag der Deutschen und Schuljahreseröffnung im Deutschen Nationalitätengymnasium
Am Europatag der Deutschen in Budapest fand im Budapester Deutschen Nationalitätengymnasium die feierliche Schuljahreseröffnung 2011/12 der Schulen und Kindergärten mit Nationalitätenunterricht in Budapest und der Region Nord statt. Nach der ungarndeutschen Volkshymne begann die Veranstaltung am 23. September mit einer Schweigeminute an Theresia Lunczer aus Tarian, die ehemalige stellvertretende Direktorin des Deutschen Nationalitätengymnasiums, die Mitte September verstarb.
20 Jahre Partnerschaft Ödenburg und Bad-Wimpfen
Ödenburg war in Ungarn nach dem Abschluß des Friedensvertrages von Trianon die größte Stadt mit deutscher Bevölkerung. 1947 wurde der Großteil der Deutschen aus der Stadt und ihrer Umgebung vertrieben. In Ödenburg wurden mehr als 7000 Menschen einwaggoniert. Die meisten von ihnen fanden im baden-württembergischen Bad-Wimpfen eine neue Heimat und mußten ein neues Leben beginnen. Parallel zur Abschwächung des Kalten Krieges durften immer mehr Vertriebene Kontakt zu den Heimatverbliebenen aufnehmen und konnten dann immer öfter Besuche in Ungarn machen.
VUdAK-Werkstattgespräche in Tarian
Jedes Jahr treffen sich ungarndeutsche Autoren und Künstler - die Mitglieder des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler - in einer ungarndeutschen Gemeinde und nutzen die Gelegenheit, den Verband und die Früchte der schöpferischen Arbeit bekannter zu machen. Tarian war schon einmal Schauplatz der Werkstattgespräche, nun sind die Mitglieder des Vereins wieder an jenen Ort zurückgekehrt, in die Heimatgemeinde von Josef Mikonya. Der Autor des Bandes "Krähen auf dem Essigbaum", Schriftsteller, Chronist, Sammler von Liedern und Erzählungen ist vor fünf Jahren aus dem Leben geschieden. Die VUdAK-Werkstattgespräche dienen neben der internen Werkstattarbeit dazu, daß die Mitglieder sich in den einzelnen Gemeinden vorstellen. Eine Lesung in der örtlichen Grundschule und eine Vernissage, verbunden mit einer weiteren Lesung unter Mitwirkung von örtlichen Kulturgruppen, sind feste Programme des Ablaufs.
55. Bácsalmáser Heimattreffen mit Tanzgruppe aus der Heimat
Gäste aus Ungarn brachten heimatliches Flair in das Bácsalmáser Heimattreffen, das am 25. September im Backnanger Bürgerhaus (Baden-Württemberg) stattfand. Der Patenschaftsausschuß hatte die Veranstaltung vom Samstagabend auf den Sonntagnachmittag verlegt, um den älteren Gästen aus Freiburg im Breisgau, Ludwigshafen oder Wetzlar die nächtliche Heimfahrt zu ersparen. So traf man sich nun zum „Tanzkaffee", zu dem die Ungarndeutsche Heimatblaskapelle aufspielte, und man konnte den Darbietungen der Tanzgruppe aus Almasch/Bácsalmás zuschauen. Für die Almascher sei das Gefühl der Heimat mit zwei Orten verbunden, betonte der Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, nämlich mit den beiden befreundeten Städten Almasch und Backnang.
Ungarndeutsch. Steh dazu!
Als Begleitprogramm der Kampagne "Sokszínû Magyarország" luden die Organisatoren am 25. September Kulturgruppen und Bands der Minderheiten ein: Ziel war, die Aufmerksamkeit auf die sensitiven Fragen der bevorstehenden Volkszählung zu Nationalität und Muttersprache zu lenken. Eine bunte Vielfalt ergab sich durch die Kulturgruppen der einzelnen nationalen, ethnischen Minderheiten und der in den letzten Jahrzehnten massenweise nach Ungarn gekommenen Migrationsgruppen. Zu letzteren gehören Chinesen, Russen, Araber und Vietnamesen. Die deutsche Minderheit wurde durch die ungarndeutsche Tanzgruppe aus Sankt Martin mit einigen Choreographien vertreten, danach hatten alle die Möglichkeit, beim Tanzhaus einige Schritte zu lernen.
Historisches Drama über György Dózsa
"Das Trauerspiel 'Die Feuerkrone' entspricht in vielen Hinsichten den Anforderungen eines historischen Dramas. Im Mittelpunkt steht die geschichtlich belegte Gestalt des Szeklers Dózsa György, der um 1470 in Dálnok (...), in Siebenbürgen geboren und aller Wahrscheinlichkeit nach am 20. Juli 1514 in Temeswar hingerichtet wurde. Auch werden historisch nachweisbare Fakten dichterisch verarbeitet, die sich vor dem Hintergrund der Bedrohung Europas durch die türkische Expansion sowie der kirchlichen und weltlichen Machtkämpfe in Ungarn und der zunehmenden sozialen Spannungen an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit zu Beginn des 16. Jahrhunderts abspielten" - heißt es in der ausführlichen Einleitung Herbert Bockels zu Rudolf Hollingers Stück zum Dózsa-Bauernaufstand.
Alle Garaer Kreuze strahlen in neuem Glanz
Die Kreuze wurden von der Bevölkerung als Zeichen ihres Glaubens errichtet. Ein Wegkreuz, wie der Name besagt, ist ein Kreuz an einer Wegkreuzung, an einem Weg oder einer Straße, am Feldrand oder im Wald. Die Restaurierungsarbeiten an den Garaer Kreuzen waren überfällig. Als Abschluß der etwa sechsjährigen Arbeiten lud die Garaer Stiftung für den Erhalt des architektonischen Erbes am 25. September die Bewohner aus der Umgebung zur Einweihung der renovierten Kreuze ein. Bei traumhaftem Altweibersommer - stabiles Wetter und ein warmes Ausklingen des Sommers - kamen viele heutige und ehemalige Dorfbewohner zur Kreuzeinsegnung, die durch die katholischen Pfarrer Zoltán Kiss und Imre Polyák vorgenommen wurde. Dank der gemeinsamen Arbeit der Mithelfer, der zahlreichen Spenden der jetzigen und ehemaligen Bewohner der Gemeinde aus dem In- und Ausland wurden insgesamt 23 Kreuze renoviert, sie erstrahlen wieder in neuem Glanz.
Zusammenarbeit der Jugendlichen der deutschen Minderheiten verstärken
Zu einem Planungstreffen lud das Institut für Auslandsbeziehungen (Stuttgart) die Vertreter der Jugendorganisationen der deutschen Minderheiten in Mittel-Ost-Europa nach Berlin ein, um gemeinsam einen Plan auszuarbeiten für einen Antrag an die EU. Der Antrag hieß Jugend in Aktion. Das Ziel ist es, den Jugendlichen eine Plattform zu bieten, wo sie Erfahrungen austauschen sowie Gelder für Weiterbildungen bekommen können. Jugendvertreter aus Lettland, Serbien, Polen und Ungarn waren beim Treffen anwesend und konnten gemeinsam zu diesem Thema diskutieren.
Ofener und Pester Ansichten aus dem 18. - 20. Jahrhundert
Die erste echte Stadtansicht - sogenannte „Vedute" - in Ungarn ist den realistischen Strebungen der Renaissance zu verdanken und unter König Matthias zustandegekommen. Die 150 Jahre türkische Herrschaft blockierten diese Entwicklung völlig. Erst die Befreiungskriege brachten einen neuen Schwung, nicht zuletzt unter Mitwirkung der beteiligten Militäringenieure. Ein unbekannter Meister verewigte die Belagerung der Festung von Ofen im Jahre 1686: am Bergfuß kämpfen die detailliert gemalten Regimente und die Gebäude verschwinden in der Höhe unter den Rauchwolken. Nach der Pestepidemie brachte ein barocker Altarbildmaler, der im Auftrag der Familie Sôtér arbeitete, unter den Füßen des heiligen Sebastian im Hintergrund das Panorama von Pest und Ofen unter. Obwohl diese doppelte Stadtsilhouette aus den 1700er Jahren stammt, kann man statt Kirchtürmen - als Erbe des Osmanenreiches - fast nur Minaretts entdecken. Teilansichten tauchen auch auf einigen Porträts oder Zunfttafeln und Firmenschildern auf, aber weiterhin nur als irgendein „Bühnenbild" im Hintergrund.
Kalas - Heimatstube
Kalas/Kalaznó liegt in der Mitte des Komitats Tolna im Tal zwischen Kapos und Sió in der hügeligen Landschaft des Talbodengebietes. Das Dorf ist von der Landstraße Siófok - Szekszárd erreichbar. Nach der Türkenherrschaft wurde das entvölkerte Kalas 1722 von Graf Claudius Mercy mit evangelischen Deutschen aus Nordhessen neu besiedelt und erlebte dann einen schnellen Aufschwung. Im Jahre 1890 betrug die Einwohnerzahl 1030. Bereits 1787 bis 1790 wurde die spätbarocke Kirche gebaut, die heute unter Denkmalschutz steht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Deutschen bis auf 57 Bewohner vertrieben, die jedoch das Dorf später auch verließen.
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