„Ohne Wurzeln wäre keine Zukunft möglich"
15jähriges Jubiläum des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen
Drucken
19. September 2011
Mit der Teilnahme von etwa 1400 - 1500 ungarndeutschen Tänzern, Musikern und Chormitgliedern sowie der Elite der ungarndeutschen Politik und Kultur feierte die deutsche Minderheit in Ungarn das 15jährige Bestehen des Landesrates der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen. Veranstaltungsorte des „Landesschwabenfestes" vom 9. bis zum 11. September waren Willand/Villány und Gowisch/Villánykövesd.

Festakt vor dem Rathaus in Willand

Der Landesrat der deutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen in Ungarn wurde im Jahre 1996 mit dem Ziel gegründet, die Traditionen der Ungarndeutschen zu pflegen und zu fördern sowie landesweite Präsentationsmöglichkeiten für die Kulturgruppen zu sichern. Darüber hinaus sorgte und sorgt die Organisation bis heute für Weiterbildungen der Kulturgruppenleiter, Kontaktpflege mit Deutschen Selbstverwaltungen und für den Aufbau von Auslandskontakten und gründete Preise als Anerkennung für Verdienste um die Pflege der ungarndeutschen Tanz-, Musik- und Gesangskultur.
„Eine so enorm starke Basis hat kaum eine andere Minderheit in Ungarn" - mit diesen Worten eröffnete Vorsitzender Franz Heilig - nach dem Festzug der ungarndeutschen Kulturgruppen und einer Andacht - das offizielle Jubiläumsfest am 10. September auf der Freilichtbühne vor dem Rathaus in Willand. Heilig hob die Wichtigkeit der Pflege der ungarndeutschen Traditionen hervor und ermutigte die Ungarndeutschen dazu, sich auch in Zukunft zur deutschen Herkunft und Muttersprache zu bekennen. Lorenz Kerner, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen zu der Zeit, als der Landesrat ins Leben gerufen wurde, lobte die Arbeit der Gründerväter. Otto Heinek, LdU-Vorsitzender, sprach erfreut über die harmonische Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen zwischen der Landesselbstverwaltung und dem Landesrat. Er äußerte sich anerkennend über die Arbeit des Landesrates und betonte, daß ohne diese starken Wurzeln keine Zukunft möglich wäre und daß die deutsche Minderheit besonders heute Stärke zeigen müsse. Grußworte sprachen der österreichische Botschafter Dr. Michael Zimmermann und der Gesandte der deutschen Botschaft Klaus Riedel.
Nach den Festreden bedankte sich der Landesrat bei seinen leitenden Mitgliedern sowie den Vertretungen des österreichischen Konsulats, der deutschen Botschaft und seinen Unterstützern mit der Überreichung einer Urkunde. Unter anderen wurden Lorenz Kerner für seine kulturelle und politische Tätigkeit und Gründungsvorsitzender Josef Báling für seinen Beitrag zur Bewahrung der deutschen Muttersprache geehrt.
Nach dem offiziellen Part der Jubiläumsfeier zogen die zahlreichen ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen aus den verschiedenen Ortschaften Ungarns zur Fülemüle-Tscharda in Gowisch, wo - ähnlich zum Vortag - eine Vorstellung der Kulturgruppen und ein Schwabenball stattfanden. Am Sonntag endete das Landesschwabenfest mit dem VI. schwäbischen Landesschönheitswettbewerb und einer Stimmungsparade.
Mónika Óbert


Aus dem Inhalt

Ungarndeutsch. Steh dazu!

Auf Zivilinitiative wurde eine Kampagne zur Informierung der 17 Minderheiten Ungarns über die Volkszählung im Oktober 2011 gestartet. Der Leser mag sich vielleicht über diese magische Zahl 17 wundern, da laut Minderheitengesetz in Ungarn 13 ethnische und nationale Minderheiten anerkannt sind. Das Logo der Kampagne beinhaltet die zusätzlichen vier Gruppen: Chinesen, Araber, Russen, Vietnamesen.
Eszter Virágh, Sprecherin des Statistischen Amtes, erklärte, daß diese vier Gruppen in der Kampagne unter die 13 Minderheiten aufgenommen worden seien, da es sich bei diesen um die meisten Einwanderer in Ungarn handle. „Die Daten der Volkszählung sind die bekanntesten Beweise für die bunte Vielfalt Ungarns", sagte Virágh. Bei der Volkszählung 2011 wird nach Muttersprache und sprachlicher Bindung gefragt, nach kultureller Bindung jedoch nicht.

V. Wallfahrtstag der Ungarndeutschen im Komitat Pesth nach Weschni

Bei schönem frühherbstlichen Wetter trafen die Sonderbusse und PKW-s am 10. September zum V. Wallfahrtstag der Ungarndeutschen in Weschni/Máriabesnyô ein. Unsere Ahnen pilgerten sehr gern, oft zu Fuß oder mit Pferdewagen. Unter den Ungarndeutschen waren Pilgerfahrten ein beliebtes Zeugnis der Religiosität. Diese Wallfahrten waren für viele die einzige Möglichkeit, ihre Dörfer für kurze Zeit zu verlassen und andere Siedlungen, ferne Landschaften kennenzulernen. Die Wallfahrtsorte, deren Geschichte mehrere Jahrhunderte zurückreicht - Mariazell, Mariatrost, Maria Eichel, Maria Einsiedler, Heiligenkreuz -, waren sehr populär und wurden regelmäßig besucht. Unsere Vorfahren sind mit kleinen Reisemitbringseln - die sie ein Leben lang behalten haben - und im Glauben gestärkt zurückgekehrt. Die Wachsarbeiten, Glasbilder mit Überschriften, später Andenken aus Porzellan und Gips, enthalten wichtige Hinweise darauf, wohin sie pilgerten.

„Wahrheit und Dialog - Schlüssel zur Verständigung"

„...Wie in vielen Städten und Gemeinden im Land Baden-Württemberg, haben auch in unserer Mitte viele Heimatvertriebene nach dem 2. Weltkrieg eine neue Heimat gefunden. Mit ihrem starken Willen zu einem Neuanfang haben sie maßgeblich zu der beeindruckenden Verbesserung der hiesigen Lebensverhältnisse beigetragen. Wahrheit und Dialog, Schlüssel zur Verständigung - dieser Grundgedanke des Tages der Heimat 2011 ist auch das Motto für die Partnerschaft zwischen Leutenbach und der Gemeinde Dunabogdány am malerischen Donauknie vor den Toren Budapests. Von dort wurden nach dem Zweiten Weltkrieg viele Donauschwaben vertrieben. Heute ermöglicht das gemeinsame Wissen und Akzeptieren der Wahrheit einen unbefangenen und partnerschaftlichen Dialog im gegenseitigen Verständnis." Dies stellte Bürgermeister Jürgen Kiesl in seinem Grußwort zum „Tag der Heimat 2011" fest, die am 11. September in der Rems-Murr-Halle in Leutenbach stattfand.

Durch Kunst erziehen

„Schulgalerien finde ich sehr gut, einerseits wird so den Schülern die visuelle Kunst erfolgreich nähergebracht, andererseits haben die Vernissagen auch ein zahlreiches Publikum", meinte VUdAK-Mitglied, Bildhauer Tibor Budahelyi zu der Vernissage seiner Ausstellung in der Péter-Mansfeld-Galerie in der Fachmittelschule für Technik in Tschepele am 8. September. Der Munkácsy- und Béni-Ferenczy-Preisträger ist vielfach mit Tschepele verbunden, in dieser Fachmittelschule, die einst eine Gewerbeschule war, hat er 1959/60 ein Jahr als Maschinenschlosser gelernt, seine Skulptur, ein Denkmal an bei Arbeitsunfällen Verunglückte wurde letztes Jahr auf dem Gelände der ehemaligen Tschepeler Werke eingeweiht.

Jung, progressiv und ausdrucksstark

János Wagner feierte seinen 75. Geburtstag mit der Vernissage einer repräsentativen Ausstellung in der Csepel-Galerie und Haus der Künste (CSEGART) in Tschepele. Nach den Grußworten des Art-Direktors István Sárkány las der Vorsitzende der Gesellschaft der Ungarischen Maler, Albert Kovács, den Vernissagetext Tibor Wehnerts vor. Der Kunsthistoriker kuratierte gerade eine Ausstellung in Temeswar. VUdAK-Mitglied und Munkácsy-Preisträger János Wagner ist seit 50 Jahren Repräsentant der Kunstszene Ungarns, statt einer Summierung hat er jedoch Kunstwerke der letzten Jahre und sein aktuelles Werk in den stattlichen Räumen der Tschepele-Galerie ausgestellt.

200jähriges Einweihungsjubiläum der Wallfahrtskapelle der Batschkaer Völker

Seit vielen, vielen Generationen pilgern Kinder und Jugendliche, Frauen und Männer nach Prindl, Vodica, ungarisch auch Máriakönnye (Marias Träne) genannt. Sie suchen in der südlich von Baja befindlichen Wallfahrtskapelle der Batschkaer Völker ihren Trost und Schutz. Den Bau der Kapelle haben Adalbert Schmidt und seine Gattin 1810 in Auftrag gegeben, 1811 wurde sie eingeweiht. Der Wallfahrtsort liegt in der Nähe der Donau bzw. des Franz-Kanals und gehört zur Erzdiözese Kalocsa-Kecskemét, Bajaer Pfarramt heiliger Antonius von Padua. Zum mystischen Anziehungskreis der Kapelle und der heiligen Doppel-Wasserquelle gehören nicht nur die römisch-katholischen Ungarn, Deutschen, Bunjewazen und Schokatzen, sondern auch die griechisch-orthodoxen Serben.

Menschen, Länder und Völker der Monarchie

Unter diesem Titel ist im barocken Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien - der schon alleine eine Reise wert ist - eine repräsentative Ausstellung zu sehen. In einer Zeitspanne, die von 1790, dem Regierungsantritt Kaiser Leopolds II., bis 1916, dem Todesjahr Kaiser Franz Josephs, reicht, dokumentiert sie Alltagsleben und Feste, Religion und Brauchtum, zeigt Orts- und Landschaftsbilder, aber auch Wirtschaft, technische Entwicklung und Verkehr im ehemaligen multinationalen Staatsgebilde.

Ismi - Heimatmuseum

Das kleine Dorf Ismi/Izmény in der Tolnauer Hügellandschaft war nach der Türkenzeit fast ausgestorben. 1722 kamen deutsche Kolonisten an, die meisten aus Hessen, aus der Ortschaft Sin. Sie bestiegen in Regensburg die Schiffe. In der Gemeinde Sin wird auch heute noch so gesprochen, wie der Isminer Dialekt ist. Bis zu den 1760er Jahren ist die Einwanderung beendet worden und es bildete sich die Dorfgemeinschaft heraus.
Die Kolonisten waren alle evangelisch, so haben bis 1945, bis zur Vertreibung, nur evangelische Familien im Ort gelebt. 1784 wurde auf dem schönsten Aussichtspunkt des Dorfes eine evangelische Kirche in barockem Stil erbaut, die bereits 1785 eingeweiht wurde. Die monumentale, würdevolle Fassade verkündet bis heute vom Selbstbewußtsein der einstigen hiesigen evangelischen Gemeinde.

Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Über die

Neue-Zeitung-Stiftung
Budapest, Lendvay u. 22 H-1062
E-Mail: neueztg@hu.inter.net
www.neue-zeitung.hu/publikationen

Sie finden die Neue Zeitung in Geschäften von Lapker Zrt.

Einzelpreis: 200 Ft

Jahresabonnement:
Ungarn: 7800 Ft
Europa: 110 Euro

Sie können die Neue Zeitung und/oder gesondert auch NZjunior als pdf-Datei abonnieren, wir schicken sie per E-Mail zu.
Kontakt: neueztg@hu.inter.net