Begegnung mit den Siedlern Drucken
2. September 2011
In der Interpretation von Ildikó Frank von der Deutschen Bühne Seksard und ihrer Truppe waren die Siedler vor fast 300 Jahren recht lustige Leute. Jedenfalls amüsierten sich die Besucher des Freilichtmuseums in Nadasch köstlich, als sie eine Ehefrau beim Waschen und ihren Mann beim Faulenzen beobachteten.

Nadasch 1726

Die Zeitreise in das Jahr 1726 geht auf eine Idee des deutschen Journalisten Uwe Gradwohl zurück, dessen Familie aus Nadasch stammt. An einem kalten Winterabend träumte er von solch einer Begegnung. Er stellte sein Grundstück zur Verfügung und fand auch Sponsoren. Alles andere ergab sich allmählich, nachdem Uwe Gradwohl seine Kenntnisse über diese Zeit in Gesprächen mit Nadaschern erweiterte.
Durch ein Labyrinth gelangten die Gäste aufs Zeitreisegelände, das machte besonders den Kindern großen Spaß. Auf dem Grundstück standen früher alte Lehmhäuser, die zum Teil originalgetreu renoviert wurden. Die Darsteller zeigten während der viertägigen Show auch, wie man richtig mit Lehmziegeln baut. Wagemutige Zuschauer zogen ihre Schuhe aus und stellten sich selbst in die weiche Lehmmasse. In einem kleinen Garten waren Pflanzen zu sehen, die auch schon die Siedler kannten, zum Beispiel Brokkoli. Allerdings hatten sie noch keine Kartoffeln. Dafür bauten sie Topinambur, (csicsóka) an.
Neben dem Garten war eine Wäscheleine, wo die alten Kleidungsstücke hingen. Ein Waschtag wurde nachgestellt, wobei die Besucher auch Kleidungsstücke anprobieren konnten, was sie trotz der Hitze gern taten. In der Küche standen zahlreiche alte Gegenstände, die in der Woche vor der Eröffnung vorbeigebracht worden waren. Besonders lustig fanden es die Besucher, Post aus der Vergangenheit zu bekommen. „Damals soll der Briefverkehr sehr rege gewesen sein", sagte Uwe Gradwohl, der zuletzt viel in deutschen Archiven forschte.
Die Wetterfee meinte es gut mit den Organisatoren, so konnten die Besucher ausgiebig das Gelände erkunden und jede Station gründlich begutachten. Von landwirtschaftlichen Geräten bis hin zu damaligen Pflanzen, jeder Quadratmeter barg Wissen aus der Ansiedlungszeit. Zugleich wurde viel Neues gezeigt. Uwe Gradwohl fand Noten aus dem Jahre 1740; die zugehörige Musik dürfte den Siedlern bekannt gewesen sein. Zur Erfrischung wurde Lakritzwasser kredenzt. Die ersten Gäste kamen aus Frammersbach, der Partnergemeinde von Nadasch. Von dort stammt ein Großteil der Nadascher Ungarndeutschen. Insofern war all das für sie ein ganz besonderes Erlebnis. Die Zeitreise soll im kommenden Jahr erneut organisiert werden, und zwar im Mai, um auch Schulgruppen empfangen zu können.
Christina Arnold

 

Aus dem Inhalt

In dieser Woche erschien eine 32seitige Doppelnummer (34/35) der Neuen Zeitung.

„Das könnte ich mir auch gut in Schomberg vorstellen"

Denkwürdiges geschah im lieblichen Branauer Dorfe Schomberg mit seinen 1.697 Seelen. Am 18. August, sonst ein gewöhnlicher Arbeitstag, fanden eine Tanzgruppe aus dem japanischen Nagano, 1998 Austragungsort der Olympischen Winterspiele, und liebe Gäste aus Baden-Württemberg den Weg nach Schomberg, um hier einer schwäbischen Hochzeit „Wie damals" beizuwohnen. Helga Rittlinger spielte die Braut und Zoltán Berek war der Bräutigam bei dieser schwäbischen Hochzeit. Junge wie betagte Menschen nahmen daran in wunderschönen farbigen Volkstrachten teil und die Bohler Platinkapelle spielte auf.


"Für das Szekszárder Deutschtum - János Klézli-Preis" an Tamás Friedmann

Den diesjährigen Niveaupreis "Für das Szekszárder Deutschtum - János Klézli-Preis" der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung Szekszárd erhielt am 20. August Tamás Friedmann (Foto), Geschäftsführer des Szekszárder Bauunternehmens PLAN-ÉTA GmbH. Das Szekszárder Ungarndeutschtum möchte sich auf diese Art und Weise bei Tamás Friedmann für die korrekte und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Juden sowie für seine persönliche uneigennützige Mitarbeit bedanken.


Nimmescher festigen ihre Partnerschaft mit dem hessischen Rasdorf

Anfang August machte sich eine Besuchergruppe aus Nimmesch/Himesháza auf den langen Weg zur Partnergemeinde Rasdorf im hessischen Landkreis Fulda.  Vor 90 Jahren wurde dort der Männergesangverein Cäcilia 1921 Rasdorf gegründet, und die Partnergemeinde war herzlich eingeladen, diesen runden Jahrestag gemeinsam mit den deutschen Freunden zu begehen.


Ödenburger Familien im Porträt: Die Posch's

In Ödenburg/Sopron leben viele deutsche Familien, doch es gibt nicht mehr viele, die Deutsch als Muttersprache von klein auf wirklich anwenden und praktizieren. Die Familie Posch ist eine dieser Ausnahmen. Paula und Ferenc Posch erzählen von bewegten Zeiten in der Familienchronik.


Eine Reise in das alte Fünfkirchen

Anknüpfend an den Titel „Kulturhauptstadt Europas", sind zahlreiche deutschsprachige Publikationen über das geschichtsträchtige Fünfkirchen erschienen, darunter Bilderbände, historische Skizzen und Belletristik. Die Auswahl wird bereichert durch den von Juliane Brandt und Johann Habel herausgegebenen Band „Eine Reise in das alte Fünfkirchen". Der historische Reiseführer läßt den Facettenreichtum deutschsprachigen Lebens in der Provinzstadt deutlich werden. Außer den eigentlichen Quellen finden sich auch ausführliche Beiträge und Aufsätze zu einzelnen Zeitabschnitten.


Stiftsbibliothek Sankt Gallen: dem Ungarneinfall 926 virtuell auf der Spur

Vor genau 20 Jahren veröffentlichte Johannes Duft, von 1948 bis 1981 Stiftsbibliothekar in Sankt Gallen (Schweiz), gemeinsam mit Tibor Missura-Sipos in Budapest den Band „Die Ungarn in Sankt Gallen. Mittelalterliche Quellen/Magyarok Szent Gallenben: Középkori források". Das wäre für sich genommen nicht weiter erwähnenswert, wäre da nicht der technische Fortschritt. Einige der Quellen, auf die Duft/Missura-Sipos verweisen, lassen sich unter http://www.cesg.unifr.ch nämlich längst online abrufen.


Franz Liszt in Budapest

Franz Liszt, dessen 200. Geburtstag 2011 Anlaß für zahlreiche Würdigungen ist, verbrachte ab 1865 regelmäßig einige Monate des Jahres neben Rom und Weimar auch in Pest und Ofen, der ungarischen Hauptstadt. Pest und Ofen waren damals selbstständige Städte. Sie wurden erst 1873 zusammen mit Altofen zur Stadt Budapest vereinigt. Hier komponierte Liszt, dirigierte Konzerte, erteilte Unterricht, pflegte Kontakte und förderte nachhaltig das Musikleben Ungarns. Zur Krönung von Franz Joseph I. im Jahr 1867 zum ungarischen König in der Matthiaskirche zu Ofen wurde eine für diesen Anlaß von Liszt komponierte Messe uraufgeführt. Franz Liszt selbst hatte zu der Krönung keine Einladung erhalten. Er nahm quasi inkognito an der Uraufführung seiner Krönungsmesse teil. Als er die Kirche verließ, erkannten ihn die zahlreichen Schaulustigen und ließen ihn hochleben.


Deutsch-Kreßtur: Wie ein Dorf in unserer Hauptstadt abgerissen wurde

Den XVII. und zugleich östlichsten Bezirk von Budapest gibt es erst seit 1950. Zuvor befanden sich dort die beiden Dörfer Rákoscsaba und Rákoskeresztúr, die ihre Ursprünge im 13. Jahrhundert hatten und deren Einwohnerzahl nach 1950 stetig zunahm. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten in Rákoskeresztúr Slowaken. Wenig später kamen Deutsche und auch einige Ungarn. In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden auf Beschluß des Hauptstädtischen Rates die deutschen und auch die slowakischen Bauernhäuser abgerissen. Kein einziges Wohnhaus blieb erhalten, Deutsch-Kreßtur wurde damit völlig vernichtet.


Neuss: Das größte Stadtschützenfest im deutschsprachigen Raum

Wie in jedem Jahr übernahmen am letzten Wochenende im August die Neusser Schützen das Regiment in der Quirinusstadt. Fünf Tage lang feierte die Stadt ihr Bürgerschützenfest. Beim größten Stadtschützenfest im deutschsprachigen Raum wurden über 6.000 Schützen bei den Paraden gezählt. Die Königsparade, der Fackelzug und all die anderen Umzüge, das bunte Treiben in der Innenstadt und auf dem Kirmesplatz sowie die Festveranstaltungen auf der Schützenwiese zogen trotz immer wiederkehrender Schauer Hunderttausende von Schaulustigen an.


Bayerns Schönheiten: Schloß Neuschwanstein

Wenn man aus München mit einem Regionalzug nach Füssen fährt, trifft der Reisende im Sommer schon auf einen vollen Zug mit Touristen. Neuschwanstein gehört zu den meistbesuchten Schlössern Europas, rund 1,3 Millionen Menschen sind jährlich an der „Burg des Märchenkönigs" Ludwigs II. interessiert. Vom Bahnhof fahren Busse Richtung Hohenschwangau, zum elterlichen Schloß des sagenumwobenen bayrischen Königs. Neben den Naturschönheiten des Ostallgäus ist die Anziehungskraft des Ortes doch eher dem Schloß zuzuschreiben. Touristen aus Übersee bezeichnen es als „Walt-Disney-Castle", der das Schloß umwobene romantische Charme steht in enger Verbindung mit der Person Ludwigs II.


Die Blütezeit der Eisengusskunst

Seit Anfang Juli ist die nagelneue ständige Ausstellung „Die Blütezeit der Eisengußkunst (1850 - 1914)" im Eisengießereimuseum (Budapest II., Bem József u. 20) zu besichtigen. Eingerichtet in der Zentralhalle der ehemaligen weltberühmten Fabrik für Eisenbahnrad-Produktion von Abraham Ganz sind nach mehrjährigen Bemühungen 33 Eisenöfen und etwa 100 verschiedene, sowohl praktische als auch ästhetische Objekte gesammelt worden.


Hetfehel - Heimatmuseum

Hetfehel liegt an der Grenze des Fünfkirchner Gebirges (Mecsek) und des Schelliz (Zselic). Die renovierte Kirche aus der Arpadenzeit deutet auf den mittelalterlichen Siedlungsort hin. In der visitatio canonica aus dem Jahre 1721 ist der Ort als unbewohnt registriert. Im Besitzregister des Kapitels aus dem Jahre 1733 sind sechs Leibeigene als Einwohner des Ortes eingetragen, alle Angesiedelte, die mit dem Gutsherrn noch keinen Vertrag hatten, da sie sich in demselben Jahr im Dorf niedergelassen hatten. 1792 gab es schon 384 Bewohner, die Pfarrei wurde 1787 selbständig, bis dahin gehörte der Ort zu der Pfarrei in Paligöd/Abaliget.

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