Zwei Tage lang waren die Gassen von Boschok/Palotabozsok vom Feiern laut, von morgens bis abends wurden Gäste und Einheimische mit ganz unterschiedlichen Programmen unterhalten. Sport, leckeres Essen, Musik, Gesang, Traditionelles und Modernes. Ein Gemisch, wo jede Altersgruppe etwas für sich finden konnte. Ein Höhepunkt des alljährlichen Festprogramms ist immer die Ausstellung, denn die Organisatoren lassen sich jedes Jahr etwas Besonderes einfallen. Mal fotografierten sie die Häuser und Gassen der Ortschaft, mal stellten sie die Persönlichkeiten von Boschok vor.
Tisch mit den alten Spielsachen
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Diesmal stand das Thema Kindheit im Mittelpunkt. Die Mitglieder des Boschoker Ungarndeutschen Chors sammelten alles, was mit Kindern zusammenhängt. Von den Tragetüchern bis hin zu Kindertrachtenkleidung, von Spielzeug und Fotos (auch schon vergilbten) gibt es vieles, was man anschauen kann. Die Tragetücher von Boschok sind ganz anders, denn sie sind schwarz-weiß und haben unterschiedliche Muster. Chronologisch richtig zeigt die Ausstellung Wiegen, darin Puppen in Steckkissen, und auch das typische Gebäck zum Tauffest, einen Gugelhupf. Auch Kindertrachten werden präsentiert, vor allem auf zahlreichen alten Fotos. Schmunzelnd betrachten die Enkel ihre Großväter, die einst bis zu ihrem dritten Lebensjahr, genauso wie Mädels, Röcke tragen mußten. Ein besonderer Augenschmaus sind die Trachtenpuppen, die jeder zu Hause selbst fertigte. Elisabeth Obert, eine der Organisatorinnen, erzählt: „Als wir unsere Trachten nicht mehr trugen, haben wir aus einigen Rockstoffen die Puppenkleider genäht." Die Ausstellung soll keinesfalls nur bei einem Fest zu sehen sein, denn die Boschoker haben schon ein Gebäude für ein ständiges Heimatmuseum bekommen. Die Renovierungsarbeiten sind bereits angelaufen, im kommenden Jahr wird das Museum übergeben, wo auch die Kindersachen eine Ecke für sich bekommen. Ein besonders interessanter Abschnitt ist noch der Tisch mit den alten Spielsachen. Elisabeth Obert denkt fröhlich an die Zeiten zurück, als sie aus „Kukruzzape" Häuser gebaut, aus „Scheelap" Pferdchen gebastelt und aus Fetzen Puppen gemacht hatte. Christina Arnold
Aus dem Inhalt
Die aktuelle Nummer der Neuen Zeitung erscheint mit der 16seitigen Beilage für Literatur und Kunst Signale
Ödenburger Liebfrauenkirche neu eingesegnet
Bischof Asztrik Várszegi, Erzabt der Benediktinerabtei Martinsberg/Pannonhalma, hat am Sonntag bei einem feierlichen Gottesdienst die sanierte Ödenburger Liebfrauenkirche neu eingesegnet. Die innere und äußere Rekonstruktion der Kirche kostete zweihundert Millionen Forint, ein Großteil dieses Betrags wurde aus Fördergeldern finanziert, die die Benediktiner-Erzabtei in Martinsberg bei Bewerbungen erhalten hat. Viele Hunderte Gläubige, die keinen Platz mehr in der Kirche gefunden hatten, verfolgten die Ereignisse auf einer großen Leinwand auf dem Hauptplatz.
Positives und Trauriges
Vor 14 Jahren, als zum ersten Mal das Treffen der ehemaligen Metschger veranstaltet wurde, kamen noch viele Leute älterer Generation aus Deutschland, die nach dem 2. Weltkrieg vertrieben worden waren. Heute sind es eher die „Auswanderer", die in die nahegelegenen Städte der Umgebung zogen. Junge Familien mit Kindern spazierten am Samstag vergangener Woche durch die Gassen, suchten die Häuser der verstorbenen Großeltern auf und schwelgten in nostalgischen Erinnerungen. Doch so manche verkommene Häuser stimmten die Gäste traurig, das einst blühende Dorf erholt sich nur langsam, denn immer mehr junge Einwohner suchen woanders ein neues Zuhause für sich und ihre Familien.
Frost und Hagel, Mehltau und Peronospora
Der im Hajoscher Hotter befindliche Weingarten von Johann Várhelyi (Wiedmann) hat eine Fläche von etwa 450 Quadratklaftern. Heuer gab es leider schon Frost und Hagel. Trotz des ungünstigen Wetters entstanden in seinem Weingarten zum Glück bisher keine fatalen Folgen. Wegen dem vielen Regen mußte er heuer oft gegen die Pilzkrankheiten Mehltau und Peronospora spritzen. Er hat Blaufränkischer, Irsai Olivér, Tausendgut. Er und seine Söhne haben bei Weinwettbewerben schon mehrere Urkunden gewonnen. Sein Lieblingswein ist der Blaufränkische. Er hofft trotz aller Schwierigkeiten auf eine gute Weinlese.
Schwäbisch-ungarische Hochzeitsparade in Deutschmarok
Eine besonders anschauliche Form der Traditionspflege haben die Selbstverwaltung und die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung von Deutschmarok/Márok dazu gewählt, den Besuchern der kleinen Ortschaft in der Nähe von Willand eine anziehende Veranstaltung zu bieten. Am 13. August konnten hier Hunderte von Menschen Zeugen der Inszenierung einer originalen schwäbisch-ungarischen Hochzeit sein.
Karpatendeutscher Besuch in der Redaktion
Die Vorbereitungen einer Konferenz anläßlich des 250. Jahrestages der Geburt von Johann Genersich standen im Mittelpunkt eines Gesprächs am 11. August in der Redaktion. Ingenieur Vojtech Wagner aus Käsmark, ein Mitglied des Karpatendeutschen Vereins in der Slowakei, nutzte seinen Urlaub in Budapest und besuchte mit seiner Familie die NZ-Redaktion. Seine Geburtsstadt Käsmark hat ja auch zahlreiche ungarndeutsch-ungarische Bezüge. Eine Partnerstadt ist Hajdúszoboszló, beim traditionellen Begegnungsfest der Karpatendeutschen Kultur in Käsmark gastierten mehrere ungarndeutsche Kulturgruppen.
Über 28 Jahre war Berlin durch die Mauer geteilt
Am 13. August jährte sich zum 50. Mal der Tag des Baus der Berliner Mauer, wodurch die Teilung Deutschlands endgültig besiegelt wurde und Berlin mehr als 28 Jahre lang geteilt war. Auf Weisung der DDR-Regierung errichtet, ergänzte sie ab 1961 die Funktion der 1378 Kilometer langen innerdeutschen Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland, die bereits mehr als neun Jahre vorher „befestigt" worden war, um den Flüchtlingsstrom zu stoppen. In der DDR wurde sie als „antifaschistischer Schutzwall" bezeichnet. Hauptzweck war die Verhinderung der Flucht der DDR-Bürger, die dort als „ungesetzlicher Grenzübertritt" (Republikflucht) unter Strafe stand.
Assimilation, Integration, Segregation
Am 27. Mai 2011 fand im Institut für Ethnische und Nationale Minderheiten der Ungarischen Akademie der Wissenschaften die Konferenz „Parallele Interpretationen und Modelle - Assimilation, Integration, Segregation - in der Minderheitenforschung" statt, die zwei relevante Fragen untersuchte. Die Erörterung der einen Frage erzielte die Festlegung des Inhalts der drei erwähnten Begriffe in der soziologischen Forschung. Bezüglich des zweiten Themenbereiches wurde untersucht, wie die diversen Prozesse in verschiedenen Bereichen der Minderheitenforschung durch diese Kategorien erfaßt werden können. Die Konferenzbeiträge sind nun in einem Band erschienen.
Mariä Himmelfahrt - Kirchweihe in Madarasch
Am Hochfest der römisch-katholischen Kirche, Mariä Himmelfahrt, feierte die Nordbatschkaer Gemeinde Madarasch/Madaras ihre traditionelle Kirchweihe. Die Einweihung der Kirche war 1799, der Ausbau 1903. Ungarns größte Harmonikakapelle, die von Madarasch-Katschmar, hat im Rahmen des Kulturprogramms unter der Leitung von Stefan Geiger dem Publikum ein Konzert gegeben. Nicht nur die Temperatur, sondern auch der Beifall war sehr heiß.
Kulturerbe und Naturschönheiten
Bei einem Spaziergang findet der Münchenbesucher unweit vom Sendlinger Tor einen alten Friedhof. Die Anlage wird von Stadtbewohnern auch als „Park" genutzt, Mütter mit Kinderwagen spazieren bei schönem Wetter auf den Pfaden zwischen den alten Grabsteinen. Viele Persönlichkeiten aus Münchens Vergangenheit, v. a. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, sind an diesem Ort bestattet worden: Bürger, Porträtmaler, Schriftsteller, Hoflieferanten, Geschäftsmänner, Ärzte, Universitätslehrer etc. Ihnen gedachte man mit den Inschriften der Grabsteine. Naturschönheiten und kulturelles Erbe schmiegen sich an diesem Ort aneinander, das Spiel der Eichhörnchen, das Zwitschern der Vögel auf den Bäumen wird ab und zu durch monotone Laufschritte joggender Personen durchbrochen. Und wenn der Interessierte die Geschichte des Friedhofes recherchiert, dann fügt sich diese in das große Weltgeschehen und in die Ereignisse der vielen Jahrhunderte.
Wer will (nicht) ins Ausland?!
Die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher hat das Glück, den Jugendlichen jedes Jahr mehrere Möglichkeiten zu bieten, ins Ausland zu fahren und dort Erfahrungen zu sammeln, neue Leute kennenzulernen und sich weiterzuentwickeln. Dies ist immer wieder eine gute Gelegenheit für jedermann, sehr günstig Europa und andere Minderheiten zu studieren, deshalb besteht jedes Mal eine enorme Anfrage - denkt man sich zumindest. Die Wirklichkeit schaut aber ganz anders aus! Die Jugendlichen nehmen solche Angebote immer weniger in Anspruch und es ist schwer geworden, Leute zu finden, die sich für solche Reisen interessieren.
Kummer der Woche: Das Brot
Kaum wage ich es, die Definition des Brotes zu zitieren: Gebäck aus Mehl, Wasser, etwas Salz und einem Auflockerungsmittel. Denn wenn das so einfach ist, wieso kann man kein gescheites Brot bekommen? Und wieso gab es früher mal, irgendwann in uralten Zeiten, herrliches Brot? Wir, die sich an diese Zeiten erinnern, erzählen uns gegenseitig unsere Erlebnisse mit "unserem" Brot. Wenn uns jüngere Menschen zuhören, wollen sie nicht glauben, daß es Zeiten gab, in denen man sogar zu Kartoffeln Brot gegessen hat, in denen die Kinder statt Schokoriegeln Marmelade- oder Schmalzbrot gekriegt und es mit Genuß vertilgt haben.
Deutsche Vorfahren, österreichisch-ungarische Beziehungen
Karl Markó d. Ä. (1793-1860) war nicht nur ein europaweit anerkannter Maler, sondern auch Gründer einer mehrköpfigen Künstlerdynastie.
Straßsommerein - Heimatmuseum
Die Geschichte der Gemeinde wurde im Laufe der Zeit außer durch politische und wirtschaftliche Faktoren vor allem durch ihre geographische Lage bestimmt. Im Pannonien vor der Landnahme und auch im von Stephan I. gegründeten historischen Ungarn bildete die Ortschaft den nordwestlichen Durchgang über die Grenzlinie. Die Einwohner lebten immer im Tor zum Westen. Die Einwohnerzahl betrug vor der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg 3550 Personen, davon waren 1630 deutschsprachig, 1314 bekannten sich zur deutschen Nationalität. Nach der Vertreibung wurden ungarische Familien aus Oberungarn in die Gemeinde gesiedelt, wo die Nationalitäten auch seitdem friedlich nebeneinander leben. * Wir informieren die Leser, daß die nächste Nummer der Neuen Zeitung (Nr. 34-35) als 32seitige Doppelnummer am 2. September zum Preis von 400 Ft erscheinen wird. * Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Über die
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