Ein Optimist ist von uns gegangen Drucken
4. August 2011
In tiefer Trauer teilt der Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler mit, daß sein Gründungsmitglied Dr. Béla Szende am 31. Juli in Fünfkirchen gestorben ist.
Die ungarndeutschen Autoren und Künstler werden sein Andenken bewahren.
Der Termin einer Trauerfeier wird später bekanntgegeben.

Dr. Béla Szende bei der Übernahme
des Ungarndeutschen Medienpreises 2001

„Ich bin ganz bestimmt etwas übertrieben optimistisch. Ich gehe nämlich nicht davon aus, daß wir hundert Prozent erreichen wollen, sondern wir sollten soviel Prozent erreichen, soviel möglich ist. Ich glaube, mein Optimismus besteht eben darin, daß ich einen Vergleich habe. Welcher Sprachbeherrschungsstand vor vierzig Jahren vorhanden war und welcher heute da ist, mit Sechs-, Zwölf-, Achtzehn- und Dreißigjährigen, die ein exzellentes Deutsch sprechen und schreiben. Das ist natürlich ein Riesenunterschied. Wer hätte das in der Nachkriegszeit gedacht. Wer hätte damals gedacht, daß es einmal in Fünfkirchen noch ein Deutschtum geben wird! Ich glaube, kaum einer. Da diese ganze Entwicklung vorangeht, ist es ein Grund, optimistisch zu sein." Dies sagte in einem NZ-Gespräch Dr. Béla Szende, als er die Auszeichnung „Für das Fünfkirchner Deutschtum" übernahm (NZ 4/2001).
Béla Szende wurde am 15. März 1936 im Branauer Dorf Bawaz geboren. Seine Ahnen seitens der Großmutter väterlicherseits sind seit sieben Generationen Dorf- und Kantorlehrer gewesen. Sein Großvater, Matthias Studer (Szende), Kantorlehrer in Bogdan, Hant und zwischen 1888 und 1918 in Bawaz, gab 1900 das deutsche katholische Gebet- und Gesangbuch „Flammen der Liebe" heraus, das besonders in der Branau weit verbreitet war. Auch der Vater von Béla Szende war Kantorlehrer in Bawaz, 1950 wurde er jedoch nach Magyarsarlós versetzt. Seinen Sohn ließ er die Grundschule und danach die Handelsfachmittelschule Miklós Zrínyi in Fünfkirchen besuchen. Das Interesse von Béla Szende ging aber eher in Richtung der humanen Fächer, so daß er nach Szegedin ging, um Ungarisch und Geschichte zu studieren. Im Jahr 1957 wurden an der Szegediner Universität wieder Studienrichtungen in Fremdsprachen eingeführt, Béla Szende wechselte seine Studienrichtung und legte 1959 in Ungarisch und 1960 im Fach Deutsch sein Diplom ab. Sein goldenes Diplom erhielt er 2010. Seine ihn prägende liberal-urbane Haltung hat Dr. Szende in großem Maße seinem geschätzten Professor in Szegedin, Elôd Halász, zu verdanken, der ihm auch in späteren Jahren hilfreich und freundschaftlich beistand.
Während der Studienzeit lernte Béla Szende Ibolya Rózsa, die ebenfalls einer Lehrerfamilie entstammt, kennen. Sie heirateten 1960. Sie haben drei Töchter. Sie unterrichtete 24 Jahre im Fünfkirchner Gymnasium Lajos Nagy Ungarisch und Latein, später im Arbeitergymnasium acht Jahre Ungarisch.
Nach dem Studium bewarb sich Béla Szende um eine Lehrerstelle in Güns. Da die Stadt jedoch in der damals streng bewachten Grenzzone zu Österreich lag und Béla Szende wegen Aktivitäten beim Volksaufstand 1956 als politisch unzuverlässig galt, wurde ihm diese Stelle verwehrt. Zwischen 1959 und 1961 unterrichtete er im Gymnasium Lajos Nagy. Sich für seine Volksgruppe einzusetzen, war für Béla Szende von Anfang an eine wesentliche Aufgabe. Er übersetzte für die 1956 gegründete deutsche Radiosendung in Fünfkirchen die Moderationstexte aus dem Ungarischen ins Deutsche. 1961, als die Sendung weiter ausgebaut und umstrukturiert wurde, vertraute man ihm die Leitung der Redaktion an. Zusammen mit Anton Reger, später mit Peter Leipold, Lorenz Kerner, Willy Graf, Johann Wolfart und Johann Schuth leistete er Wichtiges beim Ausbau der ungarndeutschen Rundfunksendung. An der Gründung der ungarndeutschen Fernsehsendung „Unser Bildschirm" (1978) war er ebenfalls beteiligt. Für seinen vielseitigen Einsatz im Medienbereich erhielt Dr. Szende 2001 den von der Neue-Zeitung-Stiftung gegründeten Ungarndeutschen Medienpreis.
Ab 1963/64 gab er am deutschen Lehrstuhl der Fünfkirchner Hochschule für Lehrerbildung Stunden, wo er 1968 angestellt wurde. Mit der Leitung des Lehrstuhls wurde er 1975 betraut, nachdem er promoviert hatte. In seiner Dissertation behandelte er die Frage der durch die Musik inspirierten Struktur von Hermann Brochs Werk „Vergils Tod". Die Leitung des Lehrstuhls hatte Dr. Béla Szende bis zum Studienjahr 1989/90 inne. Durch konsequente Prinzipien, durch eine wegweisende Lenkung und Führung ist unter seiner Leitung eine große Zahl landesweit tätiger DeutschlehrerInnen ausgebildet worden. Um den Ausbau des zweisprachigen Bildungswesens hat sich Dr. Béla Szende auch als Vorsitzender des Unterrichtsausschusses des Demokratischen Verbandes der Ungarndeutschen maßgeblich verdient gemacht. Als Vorsitzender des Demokratischen Verbandes der Ungarndeutschen (1983 - 1987) setzte sich Dr. Szende für Qualität im kulturellen und Bildungsbereich ein.
Die Tätigkeit der ungarndeutschen Schriftsteller und Dichter lag ihm sehr am Herzen. Er unterstützte ihre „Reanimierung" seit Ende der 60er Jahre durch Rat und Tat. Er ließ in der Rundfunksendung ungarndeutsche Autoren zu Wort kommen, initiierte literarische Preisausschreiben in der Neuen Zeitung, war Herausgeber oder Mitherausgeber zahlreicher Publikationen, Bände und Anthologien. Die Arbeit der Literatursektion des Demokratischen Verbandes der Deutschen in Ungarn und später des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler, VUdAK, unterstützte er als Lektor, bei den Werkstattgesprächen gab er den Autoren hilfreiche Hinweise und führte mit ihnen Korrespondenz über die literarische Arbeit.
Die einsatzfreudige Tätigkeit von Dr. Béla Szende wurde mehrfach anerkannt. So wurde ihm am 18. Dezember 1996, dem Tag der Minderheiten in Ungarn, im Parlament der Minderheitenpreis überreicht. Die Deutsche Selbstverwaltung von Fünfkirchen verlieh ihm die Auszeichnung "Für das Fünfkirchner Deutschtum" (5. Jänner 2000). Die höchste Auszeichnung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum", wurde ihm am 9. Jänner 2010 in Würdigung seines besonderen Einsatzes im Dienste der deutschen Volksgruppe mehrere Jahrzehnte hindurch zugesprochen. Aus Gesundheitsgründen konnte er die Auszeichnung nicht entgegennehmen, so wurde sie ihm vom Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Otto Heinek, am 18. Jänner zu Hause in Fünfkirchen überreicht. Die Ehrennadel in Gold ehrte eine reiche Lebensbahn, nämlich den Einsatz für seine Volksgruppe, die ihm stets wichtig war und sehr am Herzen lag.
Im erwähnten NZ-Gespräch verriet Dr. Szende, daß er eigentlich nie unterrichten wollte, doch unterrichten mußte. „Als Lehrer habe ich meine - wenn ich das so hochtrabend bezeichnen darf - Sendung darin gesehen, daß ich ein Vermittler bin. Ich habe der Weisheit letzten Schluß nicht erfunden, wohl aber vermittelt. Ich verstand mich als Multiplikator. So wurde es auch von den Studenten positiv aufgenommen. Ich habe es mir also immer so vorgestellt, daß ein Lehrer die Funktion hat, aus dem Schüler oder dem Studenten stets das herauszuholen, was in ihm steckt, also nicht ihn zu impfen, sondern das, was in ihm bereits vorhanden ist, hervorzurufen." Dr. Béla Szende betrachtete sich als einen Deutschen und zwar mit einer Doppelidentität und einer Doppelmuttersprache.



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Der in der Nähe von Baja befindliche Wallfahrtsort der Nordbatschka feiert im September 2011 das Bizentenarium der Einweihung der Kapelle. Die neben der Kapelle stehende Lourdes Maria-Statue wurde im März 2011 von Wandalen völlig zerstört. Es wurde aus Polen eine neue Statue bestellt. Nach dem Abschluß der Renovierungsarbeiten hat am 31. Juli Pfarrer Matthias Schindler im Rahmen einer heiligen Messe die neue Lourdes Maria-Statue eingeweiht.

15. Internationaler Kongreß Renovabis in Freising

In der Domstadt Freising, in unmittelbarer Nachbarschaft des Münchner Flughafens, findet vom 1. bis zum 3. September der 15. Internationale Kongreß Renovabis statt. Das diesjährige Thema lautet: „Ländliche Räume im Umbruch. Herausforderungen in Mittel- und Osteuropa." Dabei stehen strukturelle Veränderungen in ländlichen Räumen Mittel- und Osteuropas und deren Auswirkungen auf die Lebens- und Glaubenswelt der Menschen im Fokus. Der Internationale Kongreß Renovabis, erstmals 1997 von Renovabis durchgeführt, dient der Information und Diskussion über wichtige Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft in Mittel- und Osteuropa, darüber hinaus aber auch über Themen von gesamteuropäischer Bedeutung. Durch die Teilnahme von zahlreichen Gästen aus allen Teilen Europas hat sich der Kongreß zu einem wichtigen Forum des Dialogs zwischen Ost und West entwickelt.

Landestreffen der GJU in Altglashütte

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Diplomarbeiten des Restaurator-Nachwuchses

Im Ungarischen Nationalmuseum ist es seit 15 Jahren Brauch, daß die frisch diplomierten Restauratoren der Universität für bildende Künste ihr Können zeigen, weil die Mehrheit der Dozenten hierher kommt und die meisten Ateliers hier eingerichtet sind. Diesmal präsentieren sich vierzehn Studenten mit den geretteten Kunstschätzen, die aus unterschiedlichsten Epochen, Ländern, Materialien stammen und mit verschiedenen Techniken gefertigt wurden. Wir beschäftigen uns besonders mit einigen deutschen Werken vom Burzenland bis Bayern, die zwischen Mitte des 15. und Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden sind.

Haschad - Heimatstube

Der Name der Ortschaft soll in einem Dokument aus dem Jahr 1068 als „Terra Hashag" zum ersten Mal erwähnt worden sein. Diesen Namen verdankt sie wahrscheinlich den Lindenbäumen. Die deutschen Siedler kamen um 1740 und bauten ihre Häuser hinter der heutigen Kirche (Schwabendorf), dann wurde westlich davon, jenseits des Baches, ein anderer Straßenzug, angelegt (Raizendorf). Ermessungen zufolge war Haschad 1828 ein rein deutsches Dorf, dessen Einwohner sich mit Acker- und Weinbau beschäftigten. Um die Weinplage Philloxera im Weingebirge zu stoppen, errichteten sie 1890 die Heilige Dreifaltigkeitskapelle. Später erbauten sie auf dem höchsten Punkt der Ortschaft gegen die Pest die Kapelle des heiligen Rochus. Auch im Leben dieses Dorfes spielten der Zweite Weltkrieg, die Vertreibung, die Konfiskation des Vermögens eine schicksalhafte Rolle.
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