„Wenn sie kein Interesse haben, dann wollen sie auch nicht lernen" Drucken
29. Juli 2011.
Viktória Gárdonyi (Foto) stammt aus Ratot/Gyulafirátót und hat die Schule in Ratot und dann das Lovassy-Gymnasium in Wesprim besucht. Sie erforschte in ihrer BA-Diplomarbeit an der ELTE die Motivation und Identität der Schüler und Eltern in der László-Gyulaffy-Grundschule Ratot und im László-Lovassy-Gymnasium Wesprim. Im Gymnasium wurde ihr Interesse für das Deutschtum in Ungarn geweckt, so hat sie auch ihre Studien in diesem Bereich weitergeführt.


Das Thema ergab sich, da sie viele Gespräche mit Freunden und Kommilitonen über die Zukunft der Ungarndeutschen geführt hat. Viktória Gárdonyi würde später gerne als Lehrerin im deutschen Minderheitenunterricht arbeiten. „Ich wollte wissen, ob ich überhaupt noch einige Schüler haben werde, die ich unterrichten kann", meint sie. Und durch die Ergebnisse ihrer Forschung hat sie auch einige Fragen beantwortet bekommen: „Mein Fazit war, daß im allgemeinen die Kommunikation unter den Kindern und Eltern ziemlich schlecht ist, also die Kinder wissen sehr wenig über ihre Wurzeln. Überhaupt nicht alle Schüler wußten, ob sie deutsche Vorfahren haben. Das kann schon ein Problem sein, da die Kinder dann kein oder wenig Interesse für die Ungarndeutschen haben. Bei den Schülern ist es so: Wenn sie kein Interesse haben, dann wollen sie auch nicht lernen. Bei der Auswertung der Fragebögen stellte sich auch heraus, daß sehr wenig Schüler ihr Studium in diese Richtung fortsetzen möchten, obwohl sie in der Grundschule oder im Gymnasium in eine deutsche Minderheitenklasse gingen. Zweitens, da ich auch das Schulsystem und die Minderheitenklassen unter die Lupe genommen habe, machte ich die Erfahrung, daß die Minderheitenklassen finanziell nicht genug unterstützt werden." Die junge Akademikerin möchte ihr Studium weiterhin auf MA-Ebene in diese Richtung weiterführen, die Schule als Forschungsthema ist für sie sehr wichtig, weil sie später den Lehrerberuf wählen will. „Ich möchte unbedingt Lehrerin werden. Wenn es geht, dann für die Fächer Deutsch und Englisch. Schon lange träume ich davon, Kinder zu unterrichten."
Viktória Gárdonyi ist Mitglied des Vereins deutscher Hochschüler zu Budapest. „Das ist eine kleine, aber sehr tolle Gruppe, die als Ziel die Pflege der deutschen Sprache und Kultur hat." Und in dieser Gruppe hat sie auch immer die Gelegenheit, ihrem Motto über Sprachen nachzugehen: „Ich denke, daß ein Mensch mit allen Sprachen, die er spricht, immer mehr wird. Eine Sprache auf hohem Niveau zu sprechen ist natürlich stets ein großer Vorteil. Als ich in Deutschland und in Österreich war, habe ich mich nicht verloren gefühlt. Mit einer Person, die Deutsch als Muttersprache hat, deutsch zu sprechen, ist immer sehr gut - sowohl als Übung als auch als Erweiterung unseres Weltbildes." In ihrer Freizeit hört Viktória Gárdonyi gerne Musik oder liest Zeitung, Lyrik oder Blogs im Netz. Sie lernt leidenschaftlich gern Menschen kennen, der Lehrerberuf kommt ihr dabei sehr gelegen, weil sie sich gerne mit Menschen beschäftigt: „Ich werde dann gleich die Psychologin, eine zweite Mutter der Kinder und ihre Lehrerin..."
A. K.


Aus dem Inhalt

Hilfe für die Boschoker Schule - die Oberstufe mußte trotzdem aufgegeben werden

Ab September geht in der Boschoker Schule nur noch die Unterstufe mit 24 Schülern weiter. Seit Jahren steht die Zukunft der Bildungseinrichtung auf der Kippe, schon vor drei Jahren war die Selbstverwaltung entschlossen, die Schule zu schließen, doch der Widerstand der Eltern ließ das nicht zu, der damalige Bürgermeister dankte sogar ab. Weil aber für die acht Klassen ab September nur noch 42 Schüler eingeschrieben wurden, entschloß sich die Selbstverwaltung, die Oberstufe nicht mehr zu starten.


„Europa gemeinsam bauen - zu Gast bei Freunden"

Völkerverbindende Partnerschaften sind sehr wichtig, darum sollte sich jeder Bürgermeister, jeder Politiker kümmern. Die Verbundenheit mit unserem ehemaligen Heimatland verpflichtet uns, diese Freundschaften zu bewahren und zu pflegen. Während der 20 Jahre Partnerschaft zwischen Tarian und Staufenberg ist schon eine Generation herangewachsen, die wie nach Hause nach Staufenberg oder eben nach Tarian kommt. Die Schüleraustausche, die Sport- und kulturellen Treffen, die Vereinsbesuche, das Begegnen der Abgeordneten und vor allem die Zusammenkünfte der Familien haben die Partnerschaft verstärkt. Damit aber das große Werk am Laufen bleibt, braucht es gute Antriebe.


Sorben bei der LdU in Budapest

In der sorbischen Lausitz hat sich unter der Leitung von Dr. Martin Walde eine Initiativgruppe gegründet, die ein sorbisches Parlament ins Leben rufen will. Da sie erfahren hatten, daß es in Ungarn Minderheitenselbstverwaltungen gibt, machten sich einige Mitglieder dieser Gruppe auf den Weg und informierten sich vor Ort über das ungarische Modell.


Erfahrungsaustausch im Kindergarten

Neunzehn Kindergartenpädagogen aus Ödenburgs finnischer Partnerstadt Sejnajoki besuchten letzte Woche mehrere Einrichtungen in Ödenburg, unter anderem auch den Kindergarten in Wandorf. Sie haben sich dort über die Arbeit und die Erziehungsaufgaben im Kindergarten informiert. Die fachlichen Beziehungen, die erst auf wenige Jahre zurückblicken, sind sehr erfolgreich. Die Leiterin des Kindergartens in Wandorf, Dr. Vera Führer, erzählte den Besuchern gern über kreative Spielleitungsmethoden, Erziehungsfragen, alternative Methoden der frühkindlichen Erziehung und auch über die Programme im Jahresablauf.


Ödenburger Familien im Porträt: Die Leyrers

Vor 85 Jahren wurde Gisela Leyrer in der evangelischen Kirche zu Ödenburg/Sopron konfirmiert. Dieses Jahr zu Pfingsten konnte Gizi néni unter den jungen Konfirmanden ihr Gelübde erneut ablegen: "Ewig im Glauben und in Liebe".
Gisela Leyrer erblickte 1914 in der Schlippergasse in Ödenburg das Licht der Welt. Ihr Vater, Michael Leyrer, und ihre Mutter Elisabeth, geb. Max, waren gutsituierte Weinbauern, die mehrere Weingärten bewirtschafteten. Die beiden konnten den Wein sogar an Weinhändler verkaufen. Gizi néni erinnert sich besonders gut an einen beleibten Mann, der eine Taschenuhr mit goldener Kette trug und der mehrere Faß Wein von der Familie kaufte.


Ein Batschkaer Dorf Anfang der 60er Jahre

Die älteren schwäbischen Männer in der Batschka beherrschten meistens Schwäbisch, Ungarisch und Bunjewazisch. Bei den bejahrten Frauen war das nicht der Fall. Nicht deshalb, weil sie etwa weniger sprachbegabt gewesen wären. Der Grund dafür war ihr alltägliches Leben. Sie waren meistens Hausfrauen und deshalb weniger mobil. Sie konnten in ihrer direkten Umgebung schwäbisch kommunizieren. Deshalb haben ihnen die anderen Sprachen nicht so sehr gefehlt.


Eine agile Nachzüglerin

Anni Fink geb. Korn bezeichnet sich selbst als Nachzüglerin, denn sie ist das dritte Kind der Familie Korn, die 1948 aus Deutschhütten im Bakonyer Wald vertrieben wurde. Das Licht der Welt erblickte sie im Juni 1950 in Königswartha, denn in diesem Dorf im Norden des Landkreises Bautzen fand die Familie zunächst eine Bleibe. So hat sie vom unsagbar schweren Schicksal ihrer Eltern relativ wenig mitbekommen.


Ákos Matzon - Gemälde und Objekte

In Esslingen sind Werke des ungarndeutschen Künstlers Ákos Matzon bis zum 10. September in der Galerie der KünstlerGilde zu sehen. Bei der Ausstellungseröffnung am 22. Juli begrüßte deren Vorsitzender Dr. Wolfgang Schulz die Gäste. Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn und Unsere-Post-Chefredakteur Klaus J. Loderer informierte zu Leben und Werk des Künstlers. Die Neue Zeitung veröffentlicht seine Einführungsrede.


In weiter Ferne und doch so nah

Die Jugendveranstaltungsreihe „In weiter Ferne und doch so nah" findet seit 2002 regelmäßig statt. Sie war bereits zu Gast in Ungarn, Rumänien und Serbien, lud die Jugendlichen aber auch ins malerische Ulm an der Donau ein. Alle zwei Jahre begleitet sie mit einem Jugendcamp im größeren Umfang das Ulmer Donaufest. Die Veranstalter haben sich zum Ziel gesetzt, in spielerischer Weise historische Kenntnisse zu vermitteln, um kreative Zusammenarbeit zu ermutigen und das Wissen der Jugendlichen um die gemeinsamen geschichtlichen Wurzeln zu fördern.
Vom 8.-10. Juli folgten über siebzig Jugendliche der Einladung von Dr. Swantje Volkmann (Kulturreferentin für Südosteuropa am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm), Sven Wisser (Theater an der Donau, Ulm) und ihrer kroatischen Partner zur Jugendveranstaltung „In weiter Ferne und doch so nah" nach Essegg/Osijek, Kroatien. Die 16- bis 20jährigen Teilnehmer stammten aus Deutschland, Ungarn, Kroatien, Serbien und Rumänien und lernten in drei intensiven Tagen nicht nur das schöne, aber kriegsversehrte Essegg wie auch das umliegende Slawonien kennen, sondern fanden in vielfältigen Workshops über Kultur und Geschichte des Donauraums zu einer gemeinschaftlichen, hoffentlich auch zukunftsweisenden Zusammenarbeit.

Der Jurist antwortet

Ein NZ-Leser aus dem Komitat Tolnau möchte wissen, in welcher Form er seinen letzten Willen erklären könnte. Er hat keine Kinder und möchte sein Vermögen den Kindern seines Bruders vermachen. Der Jurist Dr. Attila Buzál beantwortet zweiwöchentlich juristische Fragen.

Feked - Heimatmuseum

Feked ist ein winziges Dorf mit 200 Einwohnern im Nordosten der Branau, in der Gereschder Hügellandschaft. Die erste schriftliche Erwähnung der Siedlung stammt aus dem Jahr 1372, in einem Register der Zisterzienser Ländereien wird es als Feketh erwähnt. Nach der 150jährigen Türkenherrschaft brachte der Besitzer Jakab Ferdinánd Jány auf seine entvölkerten Güter zuerst slawische Siedler, dann in den 1720er Jahren deutsche Familien aus der Fuldaer Gegend.
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