Deutsche Abteilung im Fünfkirchener Wissenszentrum Auch im Bibliotheksbus sind deutsche Regale Drucken
22. Juli 2011

Seit Dezember letzten Jahres wird der Bestand an deutschen Büchern des Fünfkirchener Wissenszentrums katalogisiert, geordnet und den Interessenten zugänglich gemacht. Zwar sind die Bücher noch nicht auf den freien Regalen greifbar, aber auf Anfrage werden die etwa 2000 dokumentierten Ausgaben ausgeliehen. Noch mehrere tausend Bücher warten auf ihren Platz in den Regalen, und der Bestand wird durch private Spenden, durch das Goethe-Institut und durch Einkäufe ständig erweitert. Sach- und Fachbücher, Sprachbücher, schöngeistige Literatur, aber auch ein großer Bestand an ungarndeutscher Literatur befinden sich im Fünfkirchener Wissenszentrum.



Die deutschsprachigen Kinderbücher in der Kinderetage können frei ausgeliehen werden.
Wer aber in einer kleinen Ortschaft wohnt und keine Möglichkeit hat, nach Fünfkirchen zu reisen, der muß nicht verzagen. In der Branau macht sich fast täglich ein hochmoderner Bibliotheksbus auf den Weg, um die Menschen mit Literatur zu beliefern, mit an Bord auch deutschsprachige Bücher. Der Deutsche Kalender, die Neue Zeitung und zahlreiche Klassiker auf deutsch „gehen auf Rundreise", um die Interessenten zu finden, und laut Zsuzsanna Hajdu, Nationalitätenreferentin des Wissenszentrums, ist die Nachfrage groß. Selbst die Atmosphäre des Busses animiert die Gäste zum Lesen. Der Kontakt zu deutschsprachigen Klassen wird in Zukunft weiter ausgebaut, und auch eigene Veranstaltungen in deutscher Sprache plant die Bibliothek.
Christina Arnold

Nationalitätenreferentin Zsuzsanna Hajdu füllt gerade die noch leeren Regale mit deutschen Büchern auf


Aus dem Inhalt

Im Sog der Geschichte

Vertreibung, Umsiedlung, Zwangsaussiedlung, Bevölkerungsaustausch - egal, wie man es auch nennt, die Bearbeitung dieses traurigen Themas - die Bestrafung der Ungarndeutschen, denen die Kollektivschuld angehaftet wurde - erlebt in den letzten Jahren wahrhaft eine Blütezeit. Nach zahlreichen Erinnerungs-, Dokumentar- und Studienbänden, ja sogar Foto-Dokumentar-Ausgaben und Filmaufnahmen und nach örtlichen Ausstellungen in verschiedenen (meist ungarndeutschen) Institutionen und nach der Großausstellung im Haus des Terrors in Budapest wandte sich nun auch das Skanzen (Freilichtmuseum) in Sankt Andrä/Szentendre dem Thema zu.


Blumenpracht und inniges Beten in Schemling

Die Ahnen in Schemling/Vértessomló feierten Fronleichnam noch am Donnerstag. Später dann am darauffolgenden Sonntag. In der ganzen Ortschaft schaffte man Ordnung, Gemeinde und Kirchengemeinde organisierten alles, damit das Fest schön abläuft. Jeder hatte vor dem eigenen Wohnhaus zu fegen, Jugendliche schnitten Äste, man steckte diese an den Wegrand. Mit Heu bestreute man die Route, wo die Prozession entlangmarschierte. Vier Familien bauten ihre Hütten aus Laub und am Sonntagmorgen baute man den Altar, schmückte ihn und stellte auch im Korb die vorher gebundenen Blumenbüschel neben die Hütte.
Auch heute begeht man dieses Fest, nur kommt die Prozession nicht in das Dorf, man feiert auf der großen Wiese neben der Wallfahrtskirche.


Diese Veranstaltung brachte uns einander näher

Für den 10. Juli hatte die Deutsche Selbstverwaltung von Nimmesch/Hímesháza zusammen mit dem Verein „Völkerfreundschaft" ein buntes Kulturprogramm organisiert, in dem die ungarndeutsche Volkskultur im Mittelpunkt stand. Schon früh am Morgen wurden die Einwohner in jeder Straße durch die Blasmusik der Wemender Blaskapelle angenehm geweckt. Um 9.30 Uhr fand der Festgottesdienst statt, gestaltet vom Jugendkirchenchor und Schülern, die am ungarndeutschen Nationalitätenlager vom 4. - 8. Juli in der Grundschule von Nimmesch teilnahmen. Nach der heiligen Messe durften die Kinder auf dem Kirchenplatz die bunten Danksagungs-Luftballons freilassen, derweilen freuten sich die Erwachsenen über die Blasmusik beim Platzkonzert.


"Warum erst jetzt?"

Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen gründet in Werischwar/Pilisvörösvár eine zweisprachige Grundschule - dies beschloß die Vollversammlung am 26. Juni. Der Grund: In der Stadt im Komitat Pesth existiert das zweisprachige Friedrich-Schiller-Gymnasium, das von der LdU getragen wird. Doch es fehlt an Nachwuchs, das Gymnasium braucht Schüler, die besser Deutsch können. Die Grundschulen in Werischwar und die Stadt sind jedoch nicht bereit, einen zweisprachigen Klassenzug zu starten. Zum Thema befragte die NZ Zoltán Guth, den Direktor des Friedrich-Schiller-Gymnasiums.


Digitales und geistig-kulturelles Erbe

Mit gleich zwei wichtigen Aufgaben bombardiert die Gyôzô-Csorba-Komitatsbibliothek derzeit die Ortschaften in der Branau. In einem Digitalen Archiv sollen alle Sammlungen, Aufzeichnungen, Schriften und andere kleinen Büchlein verewigt werden, die von der Geschichte der Ortschaft handeln. Andererseits sucht die Bibliothek besondere Feste, Bräuche und kulturelle Eigenheiten im Komitat, um damit die Region zu vertreten. Etwa in einem Drittel der 301 Ortschaften der Branau leben Ungarndeutsche, die nun die Chance haben, ihre Traditionen auch der breiten Öffentlichkeit zu zeigen.


Gespräche über ungarische und deutsche Minderheitenpolitik

Mit Christoph Bergner, dem Parlamentarischen Staatssekretär und Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Minderheitenfragen, verhandelte Csaba Latorcai, der für Nationalitätenfragen und zivilgesellschaftliche Beziehungen zuständige stellvertretende Staatssekretär des Ministeriums für Justiz und Staatsverwaltung, in Berlin.


Uns hat sich eine andere Weltperspektive eröffnet

Ein internationales Chorlager hat am 3. Juli in den Niederlanden in Engelum seinen Anfang genommen. Unter anderen konnten auch sechs glückliche GJU-Mitglieder an dem Programm teilnehmen. Unter den sechs Personen befand sich Viki Gyenge. Sie gibt einen kleinen Überblick über diese schöne Woche und die unvergeßlichen Erlebnisse.


Hausfrauen und Hausindustrie

Seit Ende des 19. Jahrhunderts sind europaweit Maßnahmen bekannt, um zu ermöglichen, daß Frauen in Dörfern und Städten, die im Hausgewerbe Handarbeiten herstellten, diese auch verkaufen konnten und ihnen mit den Einnahmen daraus geholfen werden konnte. Dafür sind theoretische und praktische Kurse organisiert worden, Ateliers zustandegekommen, Webstühle, Webemaschinen und Musterhefte verteilt, Ausstellungen und Verkaufsbasare eröffnet worden. Diese sozialen und gewerblichen Entwicklungen in der österreichisch-ungarischen Monarchie zeigt jetzt die Ausstellung des Ethnographischen Museums in Budapest aus eigenem Bestand.


Gereschlak - Heimatmuseum und Puppenausstellung

Gereschlak liegt in der Branau, zwischen dem Zengô und der Donau. Ursprünglich waren es zwei selbständige Ortschaften in benachbarten Tälern (Geresch und Lak, letztere hieß später Püspöklak). Bei der Kolonisation im 18. Jahrhundert kamen zuerst drei deutsche Familien nach Geresch, und in den nachfolgenden Jahrzehnten dann in beide Dörfer immer mehr deutsche Ansiedler, die das Bild des Ortes bis heute prägen.
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