Eine Wurstspritze und ein Weinheber, Zsolnay-Porzellan und Milchtöpfe, bemalte Möbel und Trachten aus Südungarn - all das ist zur Zeit in einer Ausstellung im westsächsischen Zwickau zu sehen. Die Stadt besitzt mit den „Priesterhäusern", die vom 13. bis 15. Jahrhundert errichtet worden sind, eine der ältesten erhaltenen Wohnanlagen in Sachsen. Heute gehören die Gebäude zu den Städtischen Museen Zwickau. Seit dem 22. Mai wird hier die Ausstellung „Deutsche in/aus Ungarn. Geschichte und Lebenswelt" gezeigt - konzipiert als Teil einer Reihe mit dem Titel „Einblicke".
Blick in die "Paradestube"
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Die Initiative zu der Ausstellung von vertriebenen Ungarndeutschen ist ausgegangen, insbesondere von Josef Hell, der seit vielen Jahren die Zwickauer Regionalgruppe der Deutschen aus Ungarn leitet. Josef Hell sagte, es habe in Sachsen bisher kaum Informationen über die Ungarndeutschen gegeben. Deshalb sei die Idee entstanden, die Geschichte und Kultur der Ungarndeutschen in einer Ausstellung optisch zu veranschaulichen. Die Ausstellung zeige „Erinnerungsstücke", so zum Beispiel Möbel aus Harta an der Donau, die nur dort so angefertigt worden sind. Hell erinnerte daran, daß die Ungarndeutschen, die 1947/48 nach Sachsen gekommen sind, sich schnell integriert haben, jedoch keine Möglichkeit hatten, ihre Kultur zu pflegen. Ende 1948 hielten sich von den 50 000 Ungarndeutschen, die in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) vertrieben worden waren, nur noch 40 000 in dieser Zone auf, die anderen waren innerhalb kurzer Zeit nach Westdeutschland gegangen. 500 Vertriebene wollten nach Ungarn zurück, was nicht genehmigt wurde. Als in den 1990er Jahren in den neuen Bundesländern eine „Vertriebenenzuwendung" in Höhe von 4 000 DM ausgezahlt wurde, gab es in Sachsen noch 8 000 Vertriebene aus Ungarn, die diese Entschädigungsleistung entgegennehmen konnten. Den Besuchern der Exposition werden drei reich ausgestattete „Stuben" der Ungarndeutschen präsentiert: eine Handwerksstube, eine Küche und eine „Paradestube". Zu den Gegenständen, die gezeigt werden, gehören ein Schweineschmalzbehälter („Schmalzteese") und ein Passiersieb („Paradeis-Passierer"), aber auch Milchtöpfe („Milchhafen") und ein Kochtopf („Raindl"), und auch die aus Schafwolle gestrickten „Patschker" fehlen nicht. Ergänzt werden die Exponate durch Tafeln mit Informationen zu den Themen „Besiedlung", „Leben in Ungarn" und „Vertreibung". Darüber hinaus wird eine kleine „Ausstellung in der Ausstellung" gezeigt: Bildtafeln, welche die „Schwäbische Türkei" vorstellen. Sie wurden von der Kulturreferentin für Südosteuropa, Dr. Swantje Volkmann, und vom Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm gestaltet. Am 14. Mai 2011 wurden sie beim 56. Bundesschwabenball in Gerlingen präsentiert und sind jetzt erstmals auswärts zu sehen. Bei der Vorbereitung der Ausstellung bekam Josef Hell viel Unterstützung von Alexandra Hortenbach, der jungen Leiterin des Museums Priesterhäuser. Hell strebt an, daß die Ausstellung auch in anderen sächsischen Orten gezeigt wird. Dann soll auch das besondere Schicksal der Ungarndeutschen veranschaulicht werden, die in die SBZ gekommen sind. In Zwickau war dies aus Zeitgründen nicht möglich, nur am Eröffnungstag lagen einige Dokumente zur Einsicht aus. Die Ausstellung im Museum Priesterhäuser Zwickau, Domhof 5 - 8, kann bis zum 24. Juli von Dienstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr besichtigt werden. Peter Bien
* Aus dem Inhalt
Abschied vom Lyzeum
Am Sonntagnachmittag fand in Ödenburg im Anschluß an den Gottesdienst in der evangelischen Kirche die Jahresabschlußfeier des Berzsenyi Dániel Evangelischen Lyzeums statt. Schuldirektor Balázs Tölli würdigte die Ergebnisse des vergangenen Schuljahres. Er lobte die Leistung der vier Abiturklassen, darunter auch die Erfolge der 26 Schüler der deutschsprachigen Klasse IV/c unter der Leitung des Klassenlehrers Gábor Szabó Bakos. Die besten Schülerleistungen wurden prämiert. Dann wurden die 728 Schüler in die wohlverdienten Ferien entlassen.
Das kleinste Dorf der Tolnau war in Feierlaune
Zählte man alle Auftretenden zusammen an diesem Nachmittag, ergab das sofort das Mehrfache der Einwohnerzahl von Murgau/Murga. In der Ortschaft wohnen nämlich nur noch 70 Menschen. Doch haben sie im letzten Jahr sogar eine Deutsche Minderheitenselbstverwaltung gegründet. Einst war Murgau ein blühendes schwäbisches Dorf mit fast 1000 Einwohnern, die von der Viehzucht gut leben konnten.
Bewerbungen, Volkszählung, schwäbische Hochzeit Klausurtagung der LdU in Fünfkirchen
Ihre jährliche Klausurtagung hielt die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen am Wochenende (zwischen dem 24. und 26. Juni) im Fünfkirchner Valeria-Koch-Schülerheim. Informationsveranstaltungen über Bewerbungen beim Wekerle-Fonds, über die Volkszählung 2011, eine Vollversammlung, sowie ein Ausflug nach Schomberg standen auf dem Programm.
Volkszählung 2011: Manche Notäre wollen keine Minderheitenangehörigen als Zähler
Im Oktober ist in Ungarn Volkszählung. Einen wichtigen Teil des Fragebogens bilden die Fragen über die Nationalitätenzugehörigkeit und die Muttersprache. Auf diesem Gebiet gibt es wichtige Veränderungen im Gegensatz zu der Volkszählung vor zehn Jahren. Die Vorbereitungen laufen übrigens auf Hochtouren, die Zähler werden bis zum 7. Juli von den Notären ausgewählt. Und genau hier gibt es Probleme.
Nadascher Hochzeit zu Gast in Sektschi
Die Gemeinde Sektschi/Kaposszekcsô liegt im Branau-Tolnauer Hügelland an der Bahnstrecke Dombóvár-Sásd und hat 1560 Einwohner. In diesem Jahr organisierte die örtliche Deutsche Minderheitenselbstverwaltung den Deutschen Nationalitätentag und hatte ein Juwel eingeladen. Vor dem bunten Kulturprogramm im Hof der schön renovierten Grundschule wurden beim Denkmal der Vertriebenen Kränze niedergelegt.
Hajosch und Nadwar bieten nicht nur schöne Kellerreihen Reise des Patenschaftsrats der Stadt Gerlingen nach Ungarn
In Gerlingen (Baden-Württemberg) koordiniert der Patenschaftsrat der Stadt die Arbeit der Patenschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Dazu gehören auch die Pflege der Kontakte nach Ungarn und die Information über Geschichte und Leben der Ungarndeutschen heute. Die Reise führte in das Gebiet zwischen Donau und Theiß.
Konferenz „Kulturelle Vielfalt - Europäischer Wert" Viele neue Ideen angeregt und Perspektiven aufgezeigt
Zahlreiche Strategien, Projekte und Pläne wurden bei der Internationalen Konferenz „Kulturelle Vielfalt - Europäischer Wert" in Kimling/Dunakömlôd am Montag dieser Woche vorgestellt. Damit wurden viele neue Ideen bei den Teilnehmern angeregt und auch Perspektiven aufgezeigt. Im Mittelpunkt stand der traditionsreiche Donauraum, seit jeher Wohnort von zahlreichen Völkern.
Eine Dokumentation der Vergangenheit
Akribisch sammelten die Autoren Gabriella Schmidt und Ádám Hetényi Zeitdokumente von der Ansiedlung der Ungarndeutschen im 18. Jahrhundert im Dorf Seetsche/Dunaszekcsô (Komitat Branau) bis zu ihrer Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg. Beide Autoren sind in Seetsche ansässig und mit ihrer Heimat fest verbunden.
Die Lage der Minderheit in Rumänien ist stabil Gespräch mit Klaus Johannis, Vorsitzender des Demokratischen Forums in Rumänien und Bürgermeister von Hermannstadt
Die Banater Schwaben in Rumänien haben einen Siebenbürger Sachsen geehrt. Denn den Preis der Banater Stiftung „Banatia" erhielt am 18. Juni Klaus Johannis, der Vorsitzende des Demokratischen Forums in Rumänien und Bürgermeister von Hermannstadt. Johannis war bei den Wahlen vor zwei Jahren in Rumänien sogar Ministerpräsidentenkandidat. Die NZ hat mit ihm über seine Auszeichnung sowie über die politische Lage der Rumäniendeutschen gesprochen.
„In die Kultur der Ungarndeutschen eingebunden zu sein..."
Magdolna Palotai wurde 1989 in Budapest geboren. Aufgewachsen ist sie in Ödenburg, ihre deutschen Sprachkenntnisse hat sie überwiegend ihren Großeltern zu verdanken. Sie besuchte das Ödenburger evangelische Lyzeum „Dániel Berzsenyi", zur Zeit ist sie Studentin der Loránd-Eötvös-Universität in Budapest, wo sie Deutsch als Minderheitenfach studiert. Ihren BA-Abschluß machte sie vor kurzem, in ihrer Diplomarbeit verglich und interpretierte sie Agendorfer und Ödenburger Kinderreime. Sie macht auch bei Vereinen mit: Magdolna Palotai ist Mitglied im Verein Deutscher Hochschüler Budapest und Mitglied der Literatursektion des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler. NZ befragte sie zu ihrer Diplomarbeit, über Ziele, Tätigkeiten.
Studenten vermessen Fachwerkbauten „Viele Häuser sind schon einsturzgefährdet"
Staub, Spinngewebe und eine große Hitze. Die jungen Leute nahmen viele Unannehmlichkeiten auf sich, um auf den Dachböden der Fachwerkhäuser die traditionelle Holzstruktur der alten Bauten zu dokumentieren. In Sawed/Závod und in Ratznanne/Alsónána haben 15 Studenten zahlreiche alte schwäbische Bauernhäuser samt Nebengebäuden und auch religiöse Denkmäler und Statuen vermessen, fotografiert und skizziert. Die Budapester Architekturstudenten aus dem zweiten Studienjahr verbrachten im Rahmen eines Übungscamps eine Woche in den zwei Ortschaften.
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