Am Pfingstsonntag feierte das in der Nordbatschka liegende Dorf Nadwar das 60jährige Gründungsjubiläum der Ungarndeutschen Traditionspflegenden Tanzgruppe. Im Juni 1724 kamen die ersten deutschen Siedler aus dem heutigen Baden-Württemberg nach Nadwar. Hier wird noch heute der rheinisch-fränkische Dialekt gesprochen. Die schweren Zeiten der Geschichte, die Weltkriege, Zwangsarbeit Malenkij Robot in der Sowjetunion, die Verschleppung, Zwangsaussiedlung haben die Dorfbewohner tief getroffen.
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„Besseres kann kein Volk weitergeben, als ererbten Väterbrauch. Wo des Landes Bräuche sterben, stirbt des Volkes Blüte auch" - nach der ungarischen und ungarndeutschen Hymne begrüßte mit diesem Zitat als Gastgeberin Elisabeth Panyik Heltai, Vorsitzende der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung von Nadwar/Nemesnádudvar, im Kulturhaus die damaligen und jetzigen Mitglieder der Tanzgruppe, die Dorfbewohner, die eingeladenen Gäste. Sie schilderte auch ihre persönlichen Erfahrungen: „Die Liebe zum Tanz muß man erleben. Der Tanz hat meine Seele gefärbt, mir Harmonie und Glück geschenkt. Die Liebe zum Tanz kann man mit Worten nicht richtig ausdrücken, das fühlt jeder selbst und ein jeder auf eine andere Weise. Diese Tanzgruppe hat den Zuschauern angenehme Stunden der Zufriedenheit bereitet." Die Gedanken von Gustav Mahler sind sehr zutreffend: „Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers." Mit den Worten von Manfred Becker-Hubertie, „Wer keine Tradition hat, hat keine Zukunft", wünschte die Vorsitzende der Tanzgruppe noch viele angenehme Tanzerlebnisse und Gottes Segen. Nachdem das jubilierende Ensemble Gewerbetänze aus dem 18. Jahrhundert vorgeführt hatte, sprach die Hauptorganisatorin der Veranstaltung Andrea Bakonyi in ihrer wunderschönen Nadwarer Tracht über Geschichte, Leben, Ereignisse der Tanzgruppe, die nach den menschenquälenden Zeiten im Jahre 1951 gegründet wurde. Der Gründer, Leiter, Choreograph und gute Seele der Gruppe war und ist Simon Kishegyi, der unvergängliche Verdienste erworben hat, dessen Tätigkeit seine Familie mit Herz und Seele immer unterstützte. Der musikalische Leiter war Richard Pollak. Eine große Sache war auch die Aufarbeitung des Tanz- und Liedgutes sowie der Bräuche der Gemeinde. Die Nadwarer Tänzerinnen und Tänzer konnten ihr Können zuerst in der direkten Umgebung, später national und international erfolgreich präsentieren, was auch die hervorragenden Qualifikationen beweisen. Nach dem Wolftanz der Gastgebergruppe haben die Laudatoren Josef Manz, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen von Batsch-Kleinkumanien und des Kulturausschusses der LdU, sowie Manfred Mayrhofer vom Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen über die vorbildliche Pflege der Mundart, der ungarndeutschen-schwäbischen Traditionen und Tanzkultur gesprochen. Eine Volksgruppe kann ohne Sprache, ohne Traditionen nicht weiterleben. Die danach folgenden Geschichten in Mundart von Flavia und Sara Schauer in ihrer schicken Tracht bescherten dem Publikum lustige Minuten. Ein tief berührendes, dramatisch beispielhaftes, bisher unbearbeitetes Thema war die Choreographie „Nach meiner Heimat" von Simon Kishegyi jun., die mit einem fröhlichen Tanzfest beginnt und nach der Sturmglocke mit der tragischen Vertreibung der Ungarndeutschen endet. Die Choreographie wurde mit bezaubernden lyrischen Mitteln, jedoch in dramatischer Ausdrucksweise musterhaft auf die Bühne gestellt. Danach folgten die Begrüßungen und Gratulationen des Landesverbandes der Sekler aus der Bukowina, der Tanzgruppen von Bogyiszló, Kokesch, Bedesek, Kalocsa, Miske-Drágszél, Homokmégy sowie der ungarndeutschen Tanzruppen von Hartau, Tschasartet, Waschkut und deren Tanzstücke. Das interessante, lustige, berührende Programm wurde mit dem Finale aller mitwirkenden Tanzgruppen, dem gemeinsamen Marsch, beendet. Liebe gegenwärtige und zukünftige Nadwarer Tänzerinnen und Tänzer: Viel Erfolg für die kommenden 60 Jahre! Josef Gaugesz
Aus dem Inhalt
Entstehung neuer Konzepte für die Nationalitätenschulen
Im Auftrag der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ist vor einem Jahr ein Leitbild für das ungarndeutsche Bildungswesen entwickelt worden. Das Autorenteam bestand aus Experten aller Bildungsbereiche vom Kindergarten bis zur Universität. Da seit Jahrzehnten ein fortgeschrittener Assimilationsprozess zu verzeichnen ist, kommt den Bildungs- und Kultureinrichtungen bei der Sprach- und Identitätsvermittlung eine Schlüsselposition zu. Auch Angesichts sich rapide ändernder bildungs- und kulturpolitischen Entwicklungen in Europa und in Ungarn hat die deutsche Minderheit ihre Rolle und Ziele neu zu formulieren. Daher bestand die Notwendigkeit der Erstellung eines Leitbildes, dem sich das ungarndeutsche Bildungswesen verpflichtet fühlt und an dem sich seine Entwicklung orientiert. Die Interessierten finden das Leitbild auf der Webseite der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen www.ldu.hu/de und des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts www.udpi.hu.
Mini-Spielzeit mit Besuch der Gattin des Staatspräsidenten
Sechs Vorstellungen binnen drei Tagen! Zwischen dem 31. Mai und dem 2. Juni fand an der Deutschen Bühne Ungarn (DBU) in Seksard die sogenannte Mini-Spielzeit statt. Währenddessen wurden alle Stücke der Saison gezeigt. Eine Fachjury aus Kritikern, einem Regisseur und einem Journalisten hat sich diese angesehen und die Schauspielerin des Jahres gewählt.
15 Jahre Partnerschaft bedeutet auch Freundschaft
Angefangen hat es mit der Beziehung zweier Partnerstädte und der Zusammenarbeit der Vereine, doch inzwischen hat sich der Kontakt zwischen dem Tauben- und Zwerghuhnzüchterverein von Eislingen und der Willander Gruppe des 42. Tauben- und Kleintierzüchtervereins zu einer freundschaftlichen Beziehung ausgeweitet. Seit 1993 ist Eislingen/Fils die Partnerstadt der ungarischen Weinstadt und der Kontakt der zwei Züchtervereine blickt nunmehr auf eine 15jährige Vergangenheit zurück. Aus diesem Anlaß lud der Willander Verein unter der Leitung von István Eibel die Freunde aus der Partnerstadt am Pfingstwochenende zum Feiern ein.
„Das authentische Gockelpaprikasch schmeckt doch am besten"
Aus weit entfernten Städten Ungarns reisten mehr als 1000 Touristen nach Nadasch/Mecseknádasd, um einen richtigen schwäbischen Gockelpaprikasch zu kosten oder zu kochen - oder beides! Doch es ist gar nicht so einfach, das Gericht authentisch zuzubereiten. Schon das Wort Paprikasch sorgt bei vielen für Mißverständnisse, denn bei den Ungarn bedeutet dies Sauerrahm zum Pörkölt. Der Paprikasch der Ungarndeutschen aber, welcher auch aus Rindfleisch oder Hühnerfleisch - also nicht nur Gockelfleisch - gemacht werden kann, ist ein Paprikagericht mit Brühe, also fast wie eine Suppe. Um dieses Mahl herum wurde vor zehn Jahren vom Tourismusverein der Ortschaft das Pfingstfest organisiert, seither wuchs das Festival zu einem landesweit bekannten Kochfest heran, mit Kulturprogrammen und Unterhaltung für groß und klein, und lockt immer mehr Gäste ins Dorf.
„Ein emotionaler Preis"
Lena Stamm ist die Schauspielerin des Jahres an der Deutschen Bühne Ungarn (DBU). Eine Fachjury hat die deutsche Künstlerin im Rahmen der Mini-Spielzeit in Seksard zur besten Akteurin der Saison gewählt. Lena Stamm kam 2009 zum Ensemble und kehrt jetzt zurück nach Deutschland. Sie stand in dieser Spielzeit in vier Stücken auf der Bühne. Die NZ sprach nach der Preisübergabe mit der Schauspielerin.
Gehört seit Jahren zur Programmpalette
Ungarndeutsche Volkstänze, deutsche Volkslieder, Kinderreime und ein amüsantes Unterhaltungsprogramm sind das Resümee des diesjährigen Nationalitätenabends in Sásd. Die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung, der örtliche Deutschklub und die Grundschule luden am 7. Juni wieder einmal in die Aula der Schule ein, um die ungarndeutsche Kultur zu pflegen.
Werischwarer Schiller-Gymnasiasten unterwegs: Von der Narrenkappe bis zur Kletterparty
Vom 10. bis zum 21. Mai nahmen die SchülerInnen des Werischwarer Friedrich-Schiller-Gymnasiums an einem Austauschprogramm in Deutschland teil. Die deutschen Lehrer hatten ein schönes Programm zusammengestellt. Darüber berichten die Teilnehmer.
Der Reiz der deutschen Sprache
Rita Szilágyi hat in ihrer BA-Diplomarbeit am Germanistischen Institut der Loránd-Eötvös-Universität Budapest über Frauen- und Männerrollen in Schorokschar (XXIII. Bezirk Budapests) geschrieben. Ihr Ziel war, das Bestehen der traditionellen Frauen- und Männerrollen von heute zu bestätigen. Ihre Forschungsmethoden waren Interviews (Einzel- und Gruppeninterviews) sowie die teilnehmende Beobachtung. NZ befragte sie zu ihrer Diplomarbeit, zu weiteren Zielen und Zukunftsplänen. * Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Über die
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