Der Deutsche Nationalitätentag des Komitats Weißenburg fand heuer in Atscha/Vértesacsa statt. Außer dem bunten Kulturprogramm fand am 4. Juni auch die Einweihung der Gedenktafel der vertriebenen Deutschen in Atscha vor 65 Jahren statt. Atscha liegt zwischen Bicske und Stuhlweißenburg, zwischen Schildgebirge und Velence-Gebirge. Der Ort hat um die 1800 Einwohner, die Reste der einstigen Bicske-Stuhlweißenburg-Bahnlinie teilen den Ort in zwei Hälfte.
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Als ich in Stuhlweißenburg in den Bus nach Bicske umsteige, treffe ich eine Dame. Wir kommen ins Gespräch, sie ist Chormitglied in der Edelweißgruppe von Ißzimmer/Isztimér, wir haben denselben Zielort. Sie erzählt, wie gerne sie zu solchen Kulturprogrammen zum Auftritt fahren, immer wieder nehmen sie an Qualifikationen teil und bereisen weite Teile des Landes. Wir verabschieden uns in Atscha vor dem Festzelt, wo am Vormittag die Kindergruppen des Komitats ihr Können zeigen konnten. Um Mittag verlasse ich den Schulhof und suche die Kirche - den Platz der Einweihung. Zwei ältere Atschaerinnen zeigen mir den Weg und fragen wohin, zu welcher Kirche ich will. Es gibt ja eine katholische und eine reformierte Kirche. Eine Dame erzählt eifrig: "Ich war jetzt im Festzelt, da ich die Kinder sehen wollte. Ich weiß, wieviel Arbeit und Energie dahinterstecken, ich schaue mir immer gerne ihre Produktionen an." Sie fragt, ob ich gesehen hab, wie wenig Zuschauer am Vormittag im Festzelt waren und meint: "Die Leute können nicht so leicht begeistert werden wie früher, der Zusammenhalt war anders."
Für die Ungarin auch herzzerreißend
Und unausweichlich kommt das Gesprächsthema der Vertreibung auf. Sie erzählt, daß sie mit ihrer Familie aus dem Komitat Szolnok nach Atscha übersiedelt wurden. Sie gehörten zu den ersten Siedlern. Sie hatten eine Tanya und ihre Eltern haben in der schweren Armut gedacht, es wäre doch leichter, wenn sie ein Haus und dazu ein Grundstück bekämen. Als sie in Atscha angekommen sind, war das Haus noch voll: Die deutsche Familie war noch nicht ausgezogen. "Herzzerreißend war es, ich war zehn Jahre alt und habe mich mit den Kindern der deutschen Familie angefreundet. Ihnen gefiel mein ungarischer Dialekt und falls wir hätten längere Zeit miteinander verbringen können, hätten sie mir ihre deutsche Mundart beigebracht." Sie erzählt über die Einwaggonnierung und daß sie eine Woche in Atscha gestanden haben. Ihre Mutter hätte sie jeden Tag mit einer Kanne Milch zu den einwaggonnierten Deutschen geschickt, denn auch sie empfanden die Geschehnisse als eine Greueltat. „Sie taten uns sehr leid!"
Ein dunkles Kapitel
Vor der katholischen Kirche auf dem großen Platz steht die Gedenktafel, die nun eingeweiht wird. Neben der Kirche treffe ich den Festredner der Veranstaltung, Dipl.-Ing. Hans Schmuck, Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Bayern, einst Atschaner. Er ist mit seiner Ehefrau Karin Schmuck gekommen, um der Feier und Enthüllung der Gedenktafel beizuwohnen. "Es ist für mich eine große Ehre und eine Freude, daß ich als Redner eingeladen worden bin", sagt er noch, bevor wir uns auf dem Platz vor der Kirche zum offiziellen Teil der Veranstaltung begeben. "Hier bin ich einst zur Schule gegangen. Ich kann mich noch erinnern, als die Treppe vor der Kirche gebaut wurde." Doch anscheinend ist seitdem nichts an der Treppe gemacht worden, der Beton bröckelt ganz anständig, und man muß beim Besteigen aufpassen, damit man nicht stolpert. Nach den beiden Hymnen spricht der Bürgermeister von Atscha, Zoltán Kovács, mit historischen Daten belegt über die Vertreibung im Komitat Weißenburg. Die ersten ungarischen Ansiedler sind aus Túrkeve (Komitat Szolnok) gekommen. Auf der Vertreibungsliste von Atscha standen 1626 Personen, darunter 511 Männer, 648 Frauen und 467 Kinder. 391 Häuser wurden enteignet. "Ein dunkles Kapitel in der ungarischen Geschichte", so Kovács, "es steht in unserer Verantwortung, aus den Fehlern zu lernen und das auch den kommenden Generationen mitzuteilen." Der Chor des Atschaer Heimatkundekreises sang deutsche Volkslieder, währenddessen wurde die Gedenktafel mit den Namenslisten enthüllt, Kränze wurden niedergelegt. Pfarrer Krisztián Taller segnete die Gedenktafel. "Ich habe über die Vertreibung nur in der Schule gelernt und von Verwandten erzählen gehört, die auch in Deutschland leben. Wir wissen, wieviel sie leiden mußten, wir können mitfühlen", sagt der aus Schaumar stammende junge Pfarrer.
Blick eines Zeitzeugen
Hans Schmuck schildert kurz die Ansiedlung der Deutschen in Ungarn und berichtet als Zeitzeuge über die Vertreibung. Er war 15 Jahre alt, als die Familie nach Deutschland zwangsumgesiedelt wurde. Er betont jedoch auch, daß die ältere Generation viel mehr darunter gelitten hat, die Kinder haben die Landkarte Deutschlands durchstöbert, für sie war es eher abenteuerlich. "Ich bin zweisprachig aufgewachsen, zu Hause haben wir deutsch gesprochen. Als Kind war ich der Meinung, daß die Welt zweisprachig ist." Die große Kiste, die aus einem Schrank gefertigt wurde für die Reise nach Deutschland, wurde 1979 nach dem Tod seiner Mutter weggeschmissen. Eine starke Erinnerung hat er an den Waggon, an den Hund Pici, der eine ganze Weile dem Waggon nachgelaufen ist. In Nürtingen sind sie angekommen und hatten Glück, seinen Onkel und die Schmuck-Großmutter gleich getroffen zu haben, diese waren damals schon in Eßlingen. Er wurde bei einem Weber untergebracht, in einigen Wochen hatte er schon eine Lehrstelle, diesem ist es auch zu verdanken, daß er später Textilingenieur wurde. Ein beispielloser Zusammenhalt ist unter den ausgesiedelten Deutschen in Deutschland festzustellen gewesen sein, vor allem beim Häuserbau in den 50er Jahren, wodurch die tiefe Wunde etwas weniger schmerzte. Hans Schmuck hat in Deutschland geheiratet, hat zwei Töchter und auch Enkelkinder. Doch Ungarn besucht er immer wieder, seinen Heimatort, aber auch andere Gegenden. Durch die Aktivitäten der Landsmannschaft pflegen sie ungarndeutsche Traditionen und legen großen Wert auf Kontakte zu Ungarn.
Eindrücke heute
Nach der feierlichen Einweihung, die bei vielen der Zuschauer Tränen in die Augen lockt, folgt der Festumzug der Kulturgruppen von der katholischen Kirche zum Festzelt in der Grundschule. Das vielfältige Angebot sichert bei guter Stimmung Spaß und Unterhaltung im Festzelt. Hans Schmuck erzählt über seine Eindrücke von seinem einstigen Heimatdorf. Sehr positiv bewertet er den Zusammenhalt, den er bei den Vorbereitungsarbeiten gesehen hat, denn jung und alt hat gleichermaßen daran Anteil gehabt. In Gesprächen mit Dorfbewohnern konnte er feststellen, daß sie sich zu ihren Wurzeln und zu der Abstammung bekennen. Er vermißt die deutschen Straßenschilder und bemängelt auch den Zustand der Kirche, die innen und außen renoviert werden müßte. Dezsô Dóczi, Mitglied im Atschaer deutschen Singkreis, gratuliert Hans Schmuck zu seiner Rede und sagt, daß er, obwohl er kein Ungarndeutscher sei, sehr gerne die schönen deutschen Volkslieder singt. In der Grundschule kann jetzt noch eine Trachtenpuppenausstellung besucht werden, die Puppen wurden von Magdalena Tóth (Tóth Józsefné) gefertigt. Sie erzählt, daß sie ihren Enkeln Trachtenpuppen gemacht hat, die erzählten es der Lehrerin, so wurden die Puppen erstmals ausgestellt. Die in echte Atschaer Tracht gekleideten Puppen sind in schönen Szenen mit Möbelstücken aus einem Bauernhaus zu bewundern. A. K.
Aus dem Inhalt
Muttersprache Deutsch: Was zeigt die Praxis?
Ständig hört man von den verschiedenen Institutionen die Klage, daß leider nur sehr wenige Kinder die deutsche Sprache von zu Hause mitbringen, so haben die Institutionen eigentlich die Aufgabe, die von den Familien nicht mehr tradierte Muttersprache den Kindern als Fremdsprache zu vermitteln. Was geschieht aber, wenn man die in einer Notlage der Assimilation sich behauptenden Institutionen mit einem Kind überrascht, das, dominant zweisprachig sozialisiert, die deutsche Sprache als Muttersprache auf einem hohen Niveau spricht, aber der ungarischen Mehrheitssprache nur zaghaft mächtig ist?
FUEV - Kongress mit deutlicher Botschaft: Minderheiten in Europa wollen gehört werden Eisenstädter Erklärung zur Situation der Roma verabschiedet / Dringender Appell an die Bundesregierung in Wien gerichtet
Rund 180 Gäste aus über 20 europäischen Ländern waren dem Ruf der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) gefolgt und versammelten sich in Eisenstadt im Burgenland zu ihrem 56. Kongreß. Ausgerichtet wurde der Kongreß von den Burgenländischen Kroaten.
Jubiläumsfeier der Pannónia Grundschule im XIII. Bezirk von Budapest
Ein elegantes, weißes Schulgebäude im besten Jahrhundertwendestil, in den letzten drei Jahren von Grund auf erneuert und mit einem imposanten Mehrzweckhallenkomplex erweitert, zweites Heim von mehr als 600 Schülern und ihren Lehrerinnen und Lehrern. Vor hundert Jahren, im Herbst 1911, eröffnete die Pannónia Elemantarschule ihre Tore, um jedes Jahr mehreren hundert Kindern der Neu-Leopoldstadt Wissen, Fertigkeiten und moralische Haltung beizubringen, mit Engagement und modernsten pädagogischen Verfahren. Den guten Ruf hat die Schule heute noch, und das ist wohlbegründet. Über eine Reihe von Programmen berichtet die Ausstellung zur Schulgeschichte auf den breiten Gängen des Gebäudes: ACES für den Zusammenhalt in Mitteleuropa, Ökoschule, Gewaltfreie und gesundheitsbewußte Schule, Integrationsklasse, Kompetenzförderung. Seit fünfzehn Jahren kommt ein Weiteres hinzu: ein Klassenzug mit zweisprachigem deutschen Nationalitätenunterricht, ein fester Bestandteil unseres Minderheitenunterrichts in Budapest.
Gestitz: Schauplatz eindrucksvoller Veranstaltung
31 ungarndeutsche Kulturgruppen mit 520 Teilnehmern aus dem ganzen Komitat Komorn-Gran präsentierten sich beim Festival der Komorn-Graner Kulturgruppen in Gestitz. Zum Aufmarsch auf der Hauptstraße versammelten sich alle am 21. Mai pünktlich um 13.00 Uhr vor dem Dorfhaus. Nur zum Vergleich: Gestitz hat ca. 600 Einwohner.
AkuFF-Treffen in Ofalo
Ein Bus voll Familienforscher aus der Umgebung von Budapest und zahlreiche Hobbykollegen aus dem Süden des Landes trafen sich in Ofalo, um über Stammbäume zu reden. Nach der Begrüßungsrede des Vorsitzenden des Arbeitskreises Ungarndeutscher Familienforscher (AkuFF) Dr. Kornél Pentz konnten die Interessenten das Gastgeberdorf kennenlernen - so läuft ein Familienforschertreffen meistens ab, welches jährlich viermal in verschiedenen Ortschaften veranstaltet wird. Mit Büchern unterm Arm, mit Stammbaumskizzen in der Tasche und mit Fragen im Kopf gehen die Mitglieder aufeinander zu und versuchen, einander zu helfen.
Einweihung von Gedenktafeln in der Kirche von Hetfehel
Auf Initiative der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung in Hetfehel wurden am 5. Juni in der katholischen Kirche zwei Gedenktafeln eingeweiht. Mit der einen gedenkt man wir der zu „malenkij robot" Verschleppten, mit der anderen der Pfarrer, die in Hetfehel gedient haben.
Erstes Kirchenliederfest in Straßsommerein
In der evangelischen Kirche von Straßsommerein/Hegyeshalom fand zum ersten Mal ein Kirchenliederfest statt. Das Gotteshaus faßt ca. 1000 Personen. Früher waren 90 Prozent der Bevölkerung der Gemeinde evangelischen Glaubens. Zum Kirchenliederfest am 28. Mai kamen ungarndeutsche Chöre aus dem Wieselburger Raum und Raab.
Ödenburger Familien im Porträt Roll-Rajnai
In der evangelischen Grundschule in Ödenburg/Sopron wird zweisprachig - auf deutsch und ungarisch - unterrichtet. Der Direktor der Schule, Károly Rajnai-Roll, kommt aus einer deutschstämmigen Familie. Die Rolls sind eine alteingesessene Ödenburger Familie, die 1676 aus der Gegend von Nürnberg nach Ödenburg kam.
freiwillig - jung - motiviert - ungarndeutsch Jugendliche im Freiwilligendienst
In Organisation der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher wurde eine Fortbildung zum Thema Ehrenamt und Öffentlichkeitsarbeit im Budapester Haus der Ungarndeutschen abgehalten. Drei interessante Vorträge zum Thema konnten die Teilnehmer am 26. Mai mitverfolgen, die Fortbildung fügte sich auch schön in das Europäische Jahr des Ehrenamtes. „Ehrenamt als eine Selbstverwirklichung. Freiwillig - jung - motiviert" betitelt hielt der ehemalige GJU-Präsident Dávid László seinen Vortrag.
„Mein pannonisches Erbe"
Unter diesem Titel hat der Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) die Gemäldeausstellung von László Heitler aus Pápa im Budapester Haus der Ungarndeutschen eröffnet.
Wandschoner und Handtücher in Gereschlak zur Schau gestellt „Diesen großen Schatz müssen wir bewahren"
Ein Heimatmuseum und eine Ausstellung von Trachtenpuppen hat das Publikum bis jetzt in Gereschlak besichtigen können. Doch die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung war davon überzeugt, daß es in diesem Dorf noch viel mehr gibt, was man zeigen kann. So fing sie an, sich bei den Familien zu erkundigen und zu sammeln und binnen eines Monats kam im weitesten Sinne des Wortes eine erstaunlich umfangreiche Kollektion an Tüchern zusammen: Kucheltuch, Wandschoner, Polsterüberzüge, Taschentücher und vieles mehr, was zur Kategorie Tuch gezählt werden kann und was mit Stickereien und Sprüchen verziert ist. Das ist seit dem letzten Wochenende im Gemeindehaus zu sehen. * Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Über die
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