Eine Vereinbarung über strategische Partnerschaft hat das Ministerium für Verwaltung und Justiz mit den Vorsitzenden der Landesselbstverwaltungen der ungarländischen Minderheiten geschlossen. Der Vertrag wurde am Montag dieser Woche in Budapest unterzeichnet. Die Regierung möchte die Nationalitäten mehr konsultieren, sie möchte ihre Vertreter in die Gesetzgebung einbeziehen. Die Vorsitzenden der Landesselbstverwaltungen begrüßen die Vereinbarung, sie sind aber skeptisch in bezug auf die Verwirklichung.
Tibor Navracsics und Otto Heinek unterzeichnen die Vereinbarung über strategische Partnerschaft Foto: Bajtai László
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Ziel der Zusammenarbeit sei laut Regierung, gute Rechtssätze zu erarbeiten, die dazu beitragen können, daß die Minderheiten ihre Identität, Kultur und Sprache erhalten. Der stellvertretende Ministerpräsident Tibor Navracsics sagte, die Regierung fühle sich verpflichtet, sich wie bei den Auslandsungarn für die individuellen und kollektiven Rechte der Minderheiten in Ungarn einzusetzen. „Wir brauchen eine stabile und umfassende juristische Regelung der Nationalitätenfrage. Die neue Verfassung dient als eine gute Grundlage. Das kommende Nationalitätengesetz wird meiner Meinung nach den Minderheiten gute Möglichkeiten geben, nach ihren eigenen Vorstellungen und Wünschen existieren zu können", so Navracsics. Die Nationalitäten halten die Vereinbarung für eine gute Geste. Der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Otto Heinek, zweifelt jedoch an der Verwirklichung. „Ich bin zuversichtlich, daß wir die Entwürfe und Vorlagen von nun an rechtzeitig bekommen werden. Bisher hat die Praxis etwas anderes gezeigt. Jetzt aktuell hat die Regierung im Zusammenhang mit dem neuen Selbstverwaltungsgesetz oder über die Förderung von Theatern uns nicht konsultiert. Ich hoffe, dass sich durch dieses Strategiepapier und durch den Einfluß von Herrn Navracsics in der Regierung etwas ändern wird", erklärte Heinek. Die Minderheiten klagen, oft kaum Zeit gehabt zu haben, einen Standpunkt bezüglich der Gesetzesvorlagen auszuarbeiten. „Entwürfe haben wir oft mit Fristen von ein paar Tagen oder Stunden bekommen. Die Regierung muß akzeptieren, daß wir da sind, daß wir mit Gremien, mit Vollversammlungen arbeiten. Demokratisch gesehen können wir nicht so schnell reagieren. Ich erhoffe mir, daß auch die anderen Ministerien von einer neuen Arbeitsweise Gebrauch machen. Es gibt sehr viele Belange, die uns betreffen, wo wir eine Meinung haben, die eine Minderheitenrelevanz haben, auch wenn einige Beamte das nicht glauben", sagte der LdU-Vorsitzende. Tibor Navracsics räumte ein, daß die Regierung in einem hohen Tempo arbeite, dies werde sich allerdings ändern. „Die Verhandlungen über das Minderheitengesetz zeigen, daß wir nicht mehr so sehr unter Zeitdruck stehen. Wir wollen den Vertretern der Minderheiten mehr Möglichkeiten bieten, ihre Meinung äußern zu können." Auch die Probleme in der Finanzierung wurden angesprochen. Die Vertreter der Minderheiten bemängeln, daß die staatlichen Unterstützungen umstrukturiert und gekürzt worden sind. „Ich glaube, dieses von den Förderungen her betrachtet sehr, sehr schlechte Jahr nicht mehr verbessert werden kann. Das tut mir leid, denn mit mehr Konsultation hätten wir selbst aus dieser Notsituation etwas Besseres herausholen können", so Otto Heinek. Der LdU-Chef sprach auch ein aktuelles Problem an. Beim Alexander-Wekerle-Fonds, der die Projekte und Programme der Minderheiten fördert, wurden 45 Prozent der Bewerbungen aus formellen Gründen zurückgewiesen. „Wenn fast die Hälfte der Anträge wegen Formfehlern der Ausschreibung nicht entspricht, dann liegt es an der Ausschreibung und nicht an den Antragstellern. Das müßte gründlich durchdiskutiert werden. Uns wurde ja versprochen, daß man weniger bürokratische Verfahren einleitet. Das Gegenteil ist geschehen." Minister Navracsics erklärte, wegen der schlechten finanziellen Lage des Landes haben sie sparen müssen. Nur eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung könne an der Lage ändern. „Nur wenn mehr Geld in die Staatskasse fließt, wird das Finanzierungsproblem zu lösen sein. Bisher konnten wir nur unter einer schlechten und einer noch schlechteren Lösung wählen. Wir müssen sparen, aber es gibt Gebiete, wo wir die Kürzungen vermeiden sollen. Solche Bereiche sind die Kultur und der Unterricht der Minderheiten - hier müssen wir die Finanzierung auf dem gleichen Stand halten wie bisher. Wir versuchen, alles dafür zu unternehmen. Ich hoffe, daß diese schweren Zeiten bald vorüber sind." Die Minderheiten wollen sofort von der Vereinbarung Gebrauch machen. Sie baten das Verwaltungsministerium um eine Konsultation. Sie möchten über die Nationalitätensendungen bei öffentlich-rechtlichen Medien, über die Vorbereitung des neuen Minderheitengesetzes und über die finanziellen Angelegenheiten verhandeln. krz
Aus dem Inhalt
25 Jahre zweisprachiger Unterricht in Willand Stabiles und abrufbares Wissen in Deutsch vermitteln
„Die Kinderlieder und die Gedichte, die ich damals als Schülerin gelernt habe, unterrichte ich nun meinen Schulkindern. Ich denke heute noch sehr gern an die Grundschule und die Lehrerinnen und Lehrer. Ich habe ihnen viel zu verdanken", schrieb eine Lehrerin aus Ratzpeter/Újpetre über die Willander Grundschule. Die Besucher des Kulturhauses konnten hier noch zahlreiche weitere persönliche Dankesbriefe, Fotos über Schüleraustausche und außerschulische Programme, Zeitungsartikel über Wettbewerbserfolge, deutschsprachige Schulbücher sowie kreative Werke der Grundschüler sehen. Der Anlaß für die Ausstellung war das 25jährige Jubiläum des zweisprachigen Unterrichts in der örtlichen Grundschule.
Jahreskonferenz des Minderheitenforschungsinstituts Aktuelle Fragen - wissenschaftliche Antworten
„Nationale, regionale und Minderheitengesellschaften in Mitteleuropa" - unter diesem Titel veranstaltete das Minderheitenforschungsinstitut am 24. Mai seine Jahreskonferenz in Budapest, an der Akademie der Wissenschaften Ungarns. Das Thema Nationalitäten wurde aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven behandelt.
Gedenkfeier in Wieselburg - Ungarisch-Altenburg
Zu einer heiligen Messe in deutscher Sprache versammelten sich die Ungarndeutschen der Stadt und die eingeladenen Gäste vor der Wieselburger römisch-katholischen Pfarrkirche, wo am 20. Mai ab 17.00 Uhr die Messe von dem Wieselburger Pfarrer Jenô Kapui gelesen wurde. Danach gab es in der Kirche eine kleine Gedenkfeier.
Jubiläumsweinfest in Ödenburg
Am letzten Maiwochenende fand das XX. Ödenburger Weinfest statt. Bei den Holzpavillons auf dem Hauptplatz konnten die Besucher die Ponzichter treffen und ihre Weine kosten. Auf der Bühne wurden die Anhänger des kultivierten Weinkonsums von Blaskapellen, Tanzgruppen und Chören unterhalten. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder deutsche und österreichische Kapellen eingeladen. Einer der diesjährigen Ehrengäste war der Musikverein Stainz.
Weniger Geisteswissenschaftler sollen staatlich finanziert werden Das heißt auch weniger Germanisten
Jeden Monat kommen neue Schreckensnachrichten über die Umstrukturierung der Hochschulen ans Tageslicht. Laut neuesten Informationen soll man bei der Lehrerausbildung erneut nach dem alten Prinzip fünf Jahre lang studieren, also nicht nach dem Bologna-Programm. „Demnach müßten die Lehrer wieder zwei Fächer belegen und auch eine Aufnahmeprüfung machen", erklärte Dr. Koloman Brenner von der Budapester ELTE und fügte noch hinzu, viele Lehrer seien damit auch einverstanden, obwohl so viel zusätzliche Arbeit auf sie zukäme. Dies sichere aber eine umfangreichere Ausbildung.
Bonnharder beim Bundesschwabenball in Gerlingen
Voller Erwartung machten sich die 19 Tänzerinnen und Tänzer und die Musikanten der „Kränzlein"-Tanzgruppe aus Bonnhard auf den Weg nach Gerlingen, um am dortigen großen Trachtenfest der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn ihre traditionellen Tänze vorzutragen. Zum 56. Bundesschwabenball waren außer den Bonnhardern Kulturgruppen aus der Umgebung eingeladen, zusammen gestalteten sie ein abwechslungsreiches Festprogramm.
Tagung an der Pannonischen Universität Wesprim zum Thema „Interkulturalität in der ungarischen Germanistik"
Der Literaturwissenschaftler László Tarnói (Universität ELTE, Budapest) erhielt heuer die Ehrenmedaille der Gesellschaft ungarischer Germanisten „Pro Germanistica Hungarica". Der Geehrte hielt den ersten Plenarvortrag bei der diesjährigen Tagung der Gesellschaft zum Thema „Deutschsprachige Autoren und Text im Königreich Ungarn im Schnittpunkt interkultureller Germanistik und Hungarologie". Denn im Mittelpunkt der Konferenz am 27. und 28. Mai, ausgerichtet vom Germanistischen Institut der Pannonischen Universität Wesprim, stand das Thema „Interkulturalität in der ungarischen Germanistik".
Slowakei: Recht auf Minderheitensprache nur noch in anerkannten Gemeinden
Das slowakische Parlament hat die in der Regierungskoalition lange umstrittene Novelle des Gesetzes über den Sprachgebrauch nationaler Minderheiten verabschiedet. Der Entwurf wurde von Rudolf Chmel, dem für Menschenrechte und nationale Minderheiten zuständigen Vizepremier, eingebracht. Er hat sich damit bei seinem wichtigsten politischen Anliegen durchgesetzt, wenngleich er bei den Koalitionsverhandlungen Zugeständnisse machen mußte. Das Gesetz tritt, insofern Staatspräsident Ivan Gasparovic es unterzeichnet, am 1. Juli in Kraft. An der bestehenden Situation ändert sich jedoch frühestens im Jahre 2012 etwas. Zurzeit können sich Angehörige nationaler Minderheiten in öffentlichen Einrichtungen einer Kommune der Minderheitensprache dann bedienen, wenn mindestens 20 Prozent der Gemeindeeinwohner nationalen Minderheiten angehören. Chmel hatte diese Vorgabe auf 10 Prozent senken wollen, die Koalition einigte sich schließlich auf 15 Prozent.
Die turnenden Staatsfeinde von der Hasenheide
Wohl nur in den Anfängen des rund 50 Hektar großen Parks im Berliner Ortsteil Neukölln sagten sich auf der Hasenheide Fuchs und Meister Lampe wirklich ungestört gute Nacht. Denn ursprünglich wurde sie als Gehege für die Langohren genutzt. Das historisch einprägsamste Datum ist wohl der 19. Juni 1811. An diesem Tage eröffnete Friedrich Ludwig Jahn den ersten Turnplatz in Preußen. Der 1848 beim 1. Turnertag in Hanau gegründete Deutsche Turner-Bund, der heute rd. 5,1 Mio. Mitglieder hat und dem mehr als 20.000 Vereine angehören, gedenkt heuer dieses Ereignisses unter dem Motto „200 Jahre Turnbewegung - 200 Jahre Soziale Verantwortung". Am 9. Juni erscheint außerdem eine Briefmarke.
Vernissage „ZeiTräume junior" mit Spaß und Spiel
Eine außergewöhnliche Vernissage fand im Haus der Ungarndeutschen statt: Die ausgestellten Bilder, Collagen, phantasiereichen Arbeiten entstanden bei den von Kunststudentin Stefanie Böhnsch geleiteten Workshops von Februar bis April, die parallel zu der VUdAK-Gemeinschaftsausstellung „ZeiTräume" als Rahmen dienten. Ziel war die Bekanntmachung der Tätigkeit des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler unter jungen Leuten sowie ein gutes Beispiel zeigen, wie man in den ungarndeutschen Schulen mit zeitgenössischer Literatur und Kunst umgehen kann. Unter den ausgestellten Arbeiten waren auch einige von KunststudentInnen, Erwachsenen, denn nach der Buchpräsentation des Áts-Bandes im Haus konnten Besucher einfach beim Fertigen einer Collage mitmachen. * Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Über die
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