In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der Familienwinzereien drastisch verringert, dies wirkte sich auch deutlich auf den Verkauf der Fässer aus. Die neuen Weinherstellungstechnologien hinterlassen ebenfalls ihre negativen Spuren, die günstigen Kunststoff- und Eisenbehälter übernahmen die Aufgaben der Holzfässer. Unter anderem darüber diskutierte man am vergangenen Wochenende in Boschok/Palotabozsok, beim 12. Landesfaßbindertreffen.
Kristóf Flódung begrüßt die Teilnehmer des Landesfaßbindertreffens
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Mehr als 100 Meister waren gekommen, ihr Durchschnittsalter lag bei über 60, also Grund zur Sorge gibt es ganz sicher. „Noch einige Jahrzehnte und es könnte sein, daß es niemanden mehr gibt, der dieses Handwerk weitergeben kann", seufzte Kristóf Flódung, Organisator des Treffens, der allerdings auch versuchte, Optimismus zu verbreiten, denn qualitativ halten die ungarischen Fässer mit den ausländischen Produkten auf jeden Fall mit. Dies müssen die Winzer im Ausland freilich erst erfahren, meinte Kristóf Flódung aus Boschok. Vor allem die älteren Handwerker, die noch die Glanzzeit der Faßbinderei miterlebten oder aus den Erzählungen der Eltern kennen, sind sehr pessimistisch, denn die Nachfrage läßt in den letzten Jahren deutlich nach. „Von der Faßbinderei alleine kann man einfach nicht mehr leben", sagte Adam Schrott aus Badesek/Bátaszék, der seit 1956 in diesem Handwerk arbeitet, doch eher nebenberuflich, denn nur vom Fässerverkauf kann als Einzelunternehmer keiner mehr sein Brot verdienen. „Man ist daneben Tischler, produziert Fenster, Blumentöpfe, Gartenzäune oder macht einen Axtstiel, wenn es sein muß, um leben zu können." Dieser Meinung waren die meisten Böttcher. Die Stimmung war aber keineswegs getrübt bei diesem Treffen, die Meister aus dem ganzen Land begegneten einander, als wären sie eine große Familie, der Zusammenhalt war deutlich zu spüren. „Wir helfen einander", bestätigten die Handwerker. Neben freundschaftlichen Gesprächen und der Analyse der Situation der Faßbinder wurden auch Fachvorträge gehalten, eine Führung durch die Werkstatt der Firma Europäische Faßbinder in Boschok wurde von Direktor Kristóf Flódung angeboten. Da wurden die neuesten Maschinen vorgestellt, welche die Arbeit eines Faßbinders erheblich erleichtern. Solche Maschinen können sich Einmann-Werkstätten aber niemals leisten. Auch ausländische Faßbinderwerkstätten waren beim Treffen vertreten, unter anderen aus Österreich. Da sorgen sich die alten Meister über die Zukunft des Handwerks ebenso wie in Ungarn, auch dort gibt es kaum noch junge Menschen, die Faßbinder werden möchten. Eine Tatsache läßt alle Faßbinder trotz alledem hoffen: „Für einen guten Wein wird man immer ein Holzfaß brauchen!"
Chr. A.
Aus dem Inhalt
Minderheitenforschungszentrum in Fünfkirchen geplant Bindeglied zwischen Wissenschaft, Politik und Minderheiten
Ein Minderheitenforschungszentrum möchten das Komitat Branau, die Stadt Fünfkirchen, die Minderheitenselbstverwaltungen sowie die Universität Fünfkirchen einrichten. Platz finden würde die Forschungsanstalt im neuen Wissens- und Forschungszentrum, das im Rahmen des Kulturhauptstadtprojektes Pécs 2010 errichtet wird. Ab September könnte die Arbeit in der Zentrale bereits aufgenommen werden, jetzt fundieren die Initiatoren den rechtlichen Rahmen für das Zentrum. Seite 1-3
Brücken in die Herkunftsländer
„Um die Zukunft des Donauschwäbischen Zentralmuseums in Ulm mache ich mir keine Sorgen. Im Gegenteil: Die bedeutende und erfolgreiche Einrichtung hat eine gute Zukunft. Hier werden Kultur und Geschichte der Donauschwaben als Band zu den Herkunftsländern der donauschwäbischen Landsleute erhalten und gepflegt." Das sagte der baden-württembergische Innenminister Heribert Rech zum zehnjährigen Jubiläum des Donauschwäbischen Zentralmuseums am 8. Juli in Ulm. Der Donauraum werde in den nächsten Jahren immer stärker in den Blickpunkt auch der Europäischen Union treten. Die vielen Aktivitäten des Zentralmuseums könnten hier einen wichtigen Beitrag für die Stärkung des Donauraums und damit auch für das weitere Zusammenwachsen Europas leisten. Auch die vielen Jugendveranstaltungen und Schüleraustauschprojekte leisteten einen unverzichtbaren Beitrag im Land und in den Herkunftsgebieten. Rech: „Die jungen Menschen sind unsere Zukunft, von ihnen wird das weitere Zusammenwachsen Europas maßgeblich abhängen. Deshalb ist es sehr wichtig, daß in der jungen Generation das Verständnis füreinander geweckt wird." Seite 1-4
„Jeder sollte wiederbeleben können"
Die Tanzgruppe von Nadasch gastierte vor einigen Tagen in Holland, doch von dieser Reise kam das Ensemble mit einem ganz außergewöhnlichen Gefühl zurück. Stolz verkündeten sie das Erlebte am nächsten Tag im Dorffernsehen: „Unser Musiker Vilmos Keszler hat jemandem das Leben gerettet". Seite 3
Die Experten sind noch ratlos
Seitdem der Jahrhundertniederschlag im ganzen Land große Schäden verursachte, hat auch das ungarndeutsche Dorf Ofalo mit den Auswirkungen des Wassers zu kämpfen. Die einzige Zufahrtsstraße der Ortschaft wurde so schwer beschädigt, daß die Bewohner schon zweimal nicht raus- und reinfahren konnten. Die Straße riß an mehreren Stellen auf, der Asphalt trennte sich und wölbt sich vom Druck der Erde. Das Wasser in der Erde hat den Boden in Bewegung gesetzt, diese Bewegung hält bis heute an. So müssen die Ofaloer tagtäglich mit einem mulmigen Gefühl über die kritische Strecke fahren, denn sie wissen nicht, ob sie am Nachmittag wieder nach Hause können. Seite 3
Kschnarad - Dorfmuseum
Kschnarad/Kisnyárád ist eine malerische, von Hügeln umrahmte Ortschaft. Die Besucher können sich hier eine 1777 erbaute Kirche ansehen, deren Schutzpatronin die heilige Elisabeth aus dem Árpáden-Haus ist, sowie den vor kurzem erneuerten Kalvarienberg und das 1993 eingeweihte Dorfmuseum, wo die Vergangenheit lebendig wird. Nach einem angenehmen Spaziergang kommt man zu einer Kapelle, die an der legendären Wunderquelle (Csodaforrás) steht und zu der die Dorfbewohner zur Kirchweih am Sankt-Iwan-Tag pilgern. Die Mehrheit der Einwohner ist - trotz der Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg - deutscher Abstammung, ihre Identität haben sie mehrere Generationen hindurch bewahrt und ihre Traditionen pflegen sie heute noch. Seite 4
Die Marille - das kulinarische Wahrzeichen der Wachau
Vielleicht hat die UNESCO gleich die ganze Wachau zum Weltkulturerbe erklärt, weil es so viele Natur- und Kulturdenkmäler im Donautal zwischen Melk und Krems gibt, daß man wohl den Überblick verlieren würde. Zwischen den Weinbergen einer atemberaubend schönen Landschaft findet man ein Baujuwel nach dem anderen - und in dem 36 Kilometer langen Flußtal stehen zudem auf einer Fläche von 350 Hektar über 100.000 Marillenbäume, die jährlich zwei Millionen Kilo Früchte bringen. Man kann also mit Fug und Recht sagen: in der Wachau, einer der schönsten Landschaften Europas, sind der Wein und die Marille allgegenwärtig, und es ist kein Wunder, daß sie ihren Weg in Küche und Keller, in Brauchtum und Feste gefunden hat. Seite 6
Albrecht Dürer - der Sohn eines Ungarndeutschen
Der ungarndeutschen Bevölkerung, die bereits vor der Besetzung Ungarns durch die Türken im Land ansässig geworden waren, entstammt ein berühmter Mann, nämlich der Maler Albrecht Dürer. Man schreibt das Jahr 1523, als in den letzten Tagen dieses Jahres Albrecht Dürer in Nürnberg mit der Aufzeichnung seiner Familienchronik beginnt. Er ist jetzt 52 Jahre alt und hält die Zeit für gekommen, sich und seinen Zeitgenossen Rechenschaft über Herkunft und Lebensweg zu geben. Zu Beginn schreibt er: „Ich, Albrecht Dürer der jünger, hab zusammengetragen aus meines Vatters schriften, von wannen er gewesen sei, wie er herkummen und blieben und geendet seeliglich." Seite 11
Augenschmaus am Straßenrand
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kann man heute die Post einem Apfel oder einer Gitarre entnehmen. Vor nicht so langer Zeit fischten die Farmer ihre Briefe aus einem Eimer. Auf den Spuren der Mailbox. Seite 12
DJO-Besuch bei der GJU
Die djo - Deutsche Jugend in Europa veranstaltet vom 23. bis zum 26. September 2011 eine Konferenz für die Jugendorganisationen der in Europa lebenden deutschen Minderheiten. Diese findet in Berlin statt und zielt darauf, die Vernetzung der Jugendorganisationen der deutschen Minderheiten zu stärken. Um die Organisationsarbeiten abzustimmen, besuchten der Bundesvorsitzende Thomas Hoffmann zusammen mit Hermann Kinzel die GJU am 9. Juli im Haus der Ungarndeutschen in Budapest. Gemeinsam wurden die Vorbereitungen der Konferenz durchdacht und der Ablauf der Konferenz geplant. Dieses Vorbereitungstreffen bot eine gute Möglichkeit, die in den 90er Jahren regen Kontakte zwischen DJO und GJU wieder zu beleben. Seite 13
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