Prematurer Blasmusik lebt weiter
Zwanzig Jahre Südofen-Blaskapelle aus Budafok
Drucken
2. Juli 2010
„Musikanten spielt auf! Seid ihr parat! Stefan-Vetter, hebe den Taktstock, dirigiere die Promontorer! Denn wir hatten eine hervorragende Blasmusik. Großeltern hatten ein ledergebundenes altes Fotoalbum, am Einbanddeckel flog eine Schwalbe. Innerlich gab es Rahmen für das Einsetzen der Fotos. Ein solches möchte ich haben und es vollstopfen mit Erinnerungsbildern der verschiedenen Bälle, wo du aufgespielt hast, Stefan-Vetter! Von 1954 bis 1963." In seiner Erzählung von 1972 „Musikanten spielt auf" setzte der Chronist des deutschen Promontor, Georg Wittmann (der heuer seinen 80. Geburtstag feiern würde), der Blasmusik seiner Heimatstadt ein würdiges literarisches Denkmal, trug sie allerdings auch zu Grabe. Tote oder Totgeglaubte können auferstehen. So feierte die neue „Prematurer" Musikformation, die Südofen-Blaskapelle aus Budafok, am vergangenen Sonntag ihr 20jähriges Bestehen.

Die zwanzigjährige Südofen-Blaskapelle
wird gegenwärtig von Wilhelm Gmeiling dirigiert
Foto: I. F.

Ein Auftritt beim Sekt- und Weinfestival in Promontor war vor 20 Jahren der Anlaß zur Gründung der Blaskapelle. Kapellmeister Tivadar Schantz und seine neun Mannen sind mit dem Ziel angetreten, traditionelle ungarndeutsche Blasmusik zu spielen. Diesem Vorhaben sind sie bis heute treugeblieben. Und damit sind sie auch gut gefahren, denn letztes Jahr erhielten sie die Qualifizierung Gold.
Jeden Monat einmal spielt die Südofen-Blaskapelle im Szelmann-Haus in Großteting/Nagytétény, das vom hiesigen Bürgerverein saniert wurde und betrieben wird. Initiator war der aus der Branau stammende Anton Graf, der der erste Vorsitzende der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung in Promontor-Teting (XXII. Bezirk der Hauptstadt) war. Die 1994 gewählte Deutsche Minderheitenselbstverwaltung unterstützt die Südofen-Kapelle und lud zusammen mit dem Bürgerverein zur Geburtstagsfeier am Sonntag ins Szelmann-Haus ein, wo das 4. Tetinger Bläsertreffen stattfand. Die gegenwärtige Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung, Edit Szirtes, übergab Urkunden und Geschenke an die Mitwirkenden und die Mitglieder der jubilierenden Blaskapelle. Aus dem Bezirk und aus den umliegenden Gemeinden kamen viele Freunde der Blasmusik, um sich an den Klängen der Musikanten aus Werischwar, Wetschesch, Taks und den Sängern aus Hanselbek zu erfreuen. Die Muttersprache ist weitgehend in Vergessenheit geraten - Hoffnung läßt aufkommen, daß ein Kindergarten deutschsprachige Beschäftigungen anbietet. Jedenfalls schweißt das Interesse an der Herkunft, an den kulturellen Traditionen, am geselligen Beisammensein und am gesellschaftlichen Engagement zusammen. Noch lange nach dem Konzert tanzte und unterhielt man sich im Szelmann-Haus.









Aus dem Inhalt

Gemeindeentwicklung in Lipowitz
Im Interesse eines guten Lebensgefühls

Die Gemeinde Lipowitz/Kislippó in der Nähe der kroatischen Grenze hat im Jahre 2009 eine Bewerbung für das Gemeindeentwicklungsprogramm Neues Ungarn eingereicht und gewonnen. Das ermöglichte der Gemeinde, eine Summe von fast 11 Millionen Forint für die Entwicklung zu verwenden. Im Rahmen der Investition wurde vor dem Gemeindehaus - das gleichzeitig auch als Gemeindezentrum dient - ein neuer Parkplatz errichtet und mit Belag versehen. Damit sind die Parkschwierigkeiten in der Ortschaft gelöst. Die Umgebung wurde mit Bäumen und Blumen verschönert, also ein Park angelegt, und der Spielplatz aus Sicherheitsgründen umzäunt. Den Mittelpunkt des neuen Parks bildet ein kleiner Springbrunnen.
Seite 1

Kleinmarosch im Donauknie
Die schreckliche Geschichte und die schönen Traditionen nicht vergessen

Schwäbische Veranstaltungen gab es in Kleinmarosch/Kismaros auch schon früher, doch als vor vier Jahren die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung gegründet wurde, erhielt die Traditionspflege neuen Schwung. Eines der wichtigsten Themen, die von dem neuen Gremium aufgegriffen wurden, war die Zwangsarbeit seinerzeit in Rußland. Ein Denkmal wurde errichtet und auch ein Buch herausgegeben mit Gesprächen, die mit den Opfern geführt wurden. Diese Art der Vergangenheitsbewältigung gestaltete Orsolya Varga, die Vizevorsitzende der örtlichen Deutschen Minderheitenselbstverwaltung mit. Sie vertritt die junge Generation, die 24jährige Studentin schrieb das Buch über Malenkij Robot der Kleinmaroscher in der Ukraine.
Seite 3

Ödenburger Familien im Porträt
Die Grabners

Ödenburg/Sopron ist eine Stadt der Kunstmaler, so wird man immer wieder zu Vernissagen eingeladen. Unlängst fand eine interessante Ausstellung statt, in der zwei Generationen ihre Werke vorstellten: Josef Grabner, der bekannte Aquarellmaler, und sein Enkel, Ádám Katyi, der sich der geometrischen Kunst verschrieben hat.
Seite 4

Elek - Leimen-Haus

In Elek hat nach dem Abzug der Türken Johann Georg Harruckern im Jahre 1724 deutsche Siedler seßhaft gemacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch das hiesige Deutschtum von der Ungerechtigkeit der Kollektivschuld getroffen: es wurde zur Zwangsarbeit verschleppt bzw. nach Deutschland vertrieben und an ihre Stelle wurden neue Siedler gebracht. In Elek hat man die schlimmsten Statistiken der Vertreibung geschrieben: Es wurden 5619 deutsche Bürger vertrieben, mehr als die Einwohnerzahl der Stadt heute ausmacht.
Seite 4

Aus Almasch nach Backnang

Wenn man die Berichte über die traurigen Ereignisse liest, die die Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg betroffen haben, hat man das Gefühl, als würde man über das Schicksal einer einzigen Familie lesen. Die Orte, die Personen mögen verschieden sein, doch die Erlebnisse, die das spätere Leben der Vertriebenen geprägt haben, scheinen sich kaum voneinander zu unterscheiden - sie sind wohl im kollektiven Gedächtnis gespeichert. Aus diesem Gedächtnis hat auch die Autorin des Buches Elisabeth Knödler geschöpft, als sie den Wunsch ihrer Enkelkinder erfüllt und ihre persönlichen Erinnerungen in einem Buch veröffentlicht hat.
Seite 6

Leben und Brauchtum in Sopok

Dank dem vorliegenden Band steht eine weitere Ortschaft, und zwar Sopok/Mecsekfalu, auf der Liste der Dörfer, deren Sprache und Brauchtum ausführlich aus ethnographischem Gesichtspunkt untersucht wurden. Die in den letzten Jahrzehnten erschienenen Monographien wurden oft durch die Bindung der Autoren an ihr Heimatdorf angeregt und trugen viel zur Beschreibung des Zusammenlebens von verschiedenen Nationalitäten in den einzelnen ungarndeutschen Gemeinden in der Branau bei, wie das auch beim vorliegenden Buch der Fall ist. In der Region lebten Ungarn, Deutsche, Juden, Slowaken, Kroaten, Schokazen und Zigeuner, die verschiedenen Nationalitäten hatten ein friedliches Nachbarverhältnis und respektierten die Sprache und die Kultur der anderen.
Seite 6

Jagdhornfestival in Fünfkirchen
„Wir spielen auch bei Wind und Wetter"

Endlich hatte man am letzten Juniwochenende in Fünfkirchen das Gefühl, jetzt passiert etwas! Die Stadt war voller Menschen, voller Musik, und alle Gassen in der Innenstadt strahlten eine außergewöhnliche Stimmung aus. Der internationale Jagdhornwettbewerb und Jagdhornkonzert schenkte den Interessenten an diesem Wochenende ein einmaliges Erlebnis. Trotz des Regens war die Stadt sehr belebt, was für die Jäger gilt, nämlich, „daß sie auch bei Wind und Wetter spielen", schien an diesem Tag auch für Touristen zu gelten. Sie applaudierten begeistert, auch wenn es gerade wieder anfing zu regnen.
Seite 11

Sonnenschein, Bier und Rock&Roll

Vier Rock- und Popbands aus Deutschland, Rumänien, Südtirol und Ungarn gaben am 24. Juni ein Konzert auf dem Domplatz von Fünfkirchen. Der Clou an der Sache: die meisten Musiker gehören der deutschen Minderheit in den jeweiligen Ländern an. Fünfkirchen war eine Station der viertägigen Tournee durch Rumänien, Ungarn und Kroatien.
Sonnenschein, Bier und Rock&Roll - diese konnte man erleben. Rockmusik, Pop, Soul, Reggae und Heavy Metal waren zu hören. Es gab aber auch Überraschungen. Die Südtiroler Gruppe „Vino Rosso" hat sogar Tiroler Jodler-Musik mit Reggae verbunden. Laut dem Sänger Simon Staffler ist gerade die Kavalkade der Stilrichtungen maßgebend. „Es geht uns nicht nur darum, eine gezielte Gruppe mit unserer Musik anzusprechen. Die Leute sollen tanzen und Spaß haben, das ist das Wesentliche. Jeden Tag der Tournee genießen wir, wir haben viel Spaß, kommen mit den anderen Gruppen super aus und machen auch viel Blödsinn."
Seite 11

Jakob Prandtauer -
St. Pölten feiert den 350. Geburtstag des berühmten Barockbaumeisters

Geboren wurde Jakob Prandtauer 1660 als Sohn des Maurerhandwerkers Simon Prandtauer und seiner Frau Maria in Stanz in Tirol, achtzig Kilometer westlich von Innsbruck. 1692 kam er nach St. Pölten - er war also in Niederösterreich ein zugewanderter Tiroler. Von der ältesten Stadt und heute jüngsten Hauptstadt Österreichs aus schuf er seine größten Werke, hier genoß er höchstes Ansehen - und das ist ihm bis zum heutigen Tag erhalten geblieben, wie auch St. Pöltens Beiname „Prandtauerstadt" zeigt.
In beispielhafter Zusammenarbeit hat man in St. Pölten drei Ausstellungen mit drei verschiedenen Schwerpunkten gestaltet und inhaltlich aufeinander abgestimmt. Das Niederösterreichische Landesmuseum hat das Thema „Jakob Prandtauer und das Leben im Barock" aufgegriffen, das St. Pöltner Diözesanmuseum hat den Schwerpunkt auf „Planen und bauen im Dienst der Kirche" gelegt, und das Stadtmuseum St. Pölten zeigt „Jakob Prandtauer - der Profanbaumeister".
Seite 12

Medienseminar 2010 - eine kreative und fleißige Frauentruppe

Ein richtiges Rundfunkgebäude von innen zu sehen ist schon interessant, aber auch mal auszuprobieren, wie man Radio macht, das ist noch aufregender. Diese Möglichkeit nutzten die Teilnehmerinnen des alljährlichen Medienseminars des Funkhauses Fünfkirchen und produzierten eine aufwendige Sendung sowie zahlreiche Beiträge.
Seite 14

Schwäbische Freunde: „Unser Leben ist Musik"

Die Kapelle Schwäbische Freunde wurde im Juli 2006 in Niklo/Dunaszentmiklós gegründet und stellt ihr Bühnenprogramm aus schwäbischen Melodien, traditioneller Blasmusik und Tanz- bzw. Unterhaltungsmusik zusammen, die sowohl Jugendliche als auch ältere Generationen begeistern kann.
Seite 14

*

Wollen Sie mehr erfahren?

Bestellen Sie die Neue Zeitung!

Bestellmöglichkeiten

Über die Neue-Zeitung-Stiftung
Budapest, Lendvay u. 22 H-1062
E-Mail: neueztg@hu.inter.net
www.neue-zeitung.hu/publikationen

Außerhalb von Budapest:
Auf den Postämtern

In Budapest:
Levél-és Hírlapüzletági Igazgatóság,
Budapesti Hírlap Osztály,
Budapest, 1846
Fax 061 303-3440
E-Mail: hirlapelofizetes@posta.hu
Telefon: 06-80-444-444

Sie finden die Neue Zeitung in Geschäften von Lapker Zrt.

Einzelpreis: 180 Ft

Jahresabonnement:
Ungarn: 7800 Ft
Deutschland: 110 Euro
Österreich: 100 Euro
Schweiz: 170 sfr

Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen.
Kontakt: neueztg@hu.inter.net