Man hört nicht selten die Kritik, daß man solche Sitten und Bräuche pflegen möchte, die nicht mehr existieren, die schon vorbei sind. Besonders hinsichtlich der Bewahrung der religiösen Traditionen gibt es oft solche Meinungen. Der Vierte Wallfahrtstag der Ungarndeutschen im Komitat Pesth nach Weschni/Máriabesnyõ am 29. Mai hat uns darin bestärkt, daß wir unsere deutschen kirchlichen Traditionen noch besitzen, pflegen, daß sie noch lebendig sind. Wir haben einen „Schatz" in unserer Hand, und es hängt von uns ab, was wir damit anfangen, ob wir ihn bewahren, behalten, weitergeben, vererben können.
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Nicht nur Pilger aus dem Komitat Pesth (Berzel, Gedelle, Schorokschar, Weindorf, Sanktiwan bei Ofen, Tekele, Wetschesch, Wudigeß und Schulverein), sondern auch Landsleute aus Naurad und Hewesch haben an der Wallfahrt nach Weschni teilgenommen, an die 250, 300 Gläubige. Nach der Ankunft und Registrierung wurde das schön und sorgfältig zusammengestellte Heft mit den Meßliedertexten und Marienliedern verteilt. Dann folgte die Generalprobe mit dem Ungarndeutschen Chor und dem römisch-katholischen Papst-St.-Pius X.-Chor aus Berzel und der Rosenkranz in deutscher Sprache, wo die Reihenfolge aller aktiv mitwirkenden Siedlungen bestimmt war. Die deutschsprachige heilige Messe wurde von Dr. Béla Káposztássy zelebriert. In erster Linie ist es ihm, den Chören aus Berzel, deren Leiterin Theresia Schäffer Sasvári und dem Kantor Tamás Szász zu verdanken, daß die Messe für uns Teilnehmer ein unvergeßliches Erlebnis war. Pfarrer Béla Káposztássy hat in seiner Predigt über die Wichtigkeit der Traditionen gesprochen. Er betonte, daß die in der deutschen Sprache bewahrten Gebete und Lieder den Glauben unserer Ahnen repräsentieren. Diesen Glauben brauchen wir auch heute noch, um uns in unserer veränderten, globalisierten Welt zurechtfinden zu können. Die Religion ist ein Teil unserer Identität, die dazu gehörenden Werte bereichern uns. Nach der Messe wurden einige gemeinsame Fotos am Kirchplatz gemacht, was wegen der großen Teilnehmerzahl keine einfache Aufgabe war. Das fakultative Programm - die Führung in der Kirche und die Besichtigung des Marienmuseums - bedeutete nicht nur für diejenigen viel Neues, die zum ersten Male in Weschni waren, sondern auch für die „alten" Pilger. Schließlich beteten wir in der Kirche gemeinsam für unsere Familien, für die Daheimgebliebenen, für unsere Nationalität und ihre Erhaltung. Die Marienlieder und die Maiandacht in deutscher Sprache waren ein tiefes seelisches Erlebnis und man spürte das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das wir als „Reiseproviant" bekommen haben. Wir möchten der LdU-Regionalbüroleiterin Ildikó Winhardt Szeltner (Wudersch) und dem Theologen Gergõ Bese (Gedelle) für die Organisation dieser gutgelungenen, schönen Wallfahrt nach Weschni vielen Dank sagen, ebenso wie dem Gemeinnützigen Ungarndeutschen Verein zu Gedelle, der Deutschen Selbstverwaltung des Komitats Pesth und der Gemeinnützigen Stiftung für Nationale und Ethnische Minderheiten in Ungarn, die sie gefördert haben.
Maria Herein Kõrös
Aus dem Inhalt
Der aktuellen Neuen Zeitung ist eine sechszehn Seiten starke Beilage für Deutschpädagogen, BUSCH-Trommel beigelegt.
Weniger Abgeordnete
Im Zuge der Verringerung der Zahl der Abgeordneten in den Selbstverwaltungen sollen auch weniger Minderheitenabgeordnete bei den kommenden Wahlen gewählt werden. Laut einem dem Parlament eingereichten Modifizierungsvorschlag sollen in den lokalen Minderheitenselbstverwaltungen nur noch vier, auf Budapester und Komitatsebene sieben Abgeordnete tätig sein. Auch die Zahl der Mitglieder der Landesselbstverwaltungen soll begrenzt werden, bei den Deutschen würden statt bisher 53 nun 37 Abgeordnete gewählt. Seite 1
Jugendarbeit und Gedenkstätten
Als eine der wichtigsten Aufgaben wurde die Jugendarbeit bezeichnet. Deshalb soll in Südungarn 2011 ein großes Treffen der donauschwäbischen Jugend stattfinden. Dies beschloß das Präsidium des Weltdachverbandes der Donauschwaben auf seiner Sitzung unter der Leitung des Präsidenten Bernhard Krast, der gleichzeitig der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland ist, am 28. Mai im Haus der Donauschwaben in Mosbach. Das zweite große Aufgabengebiet des Weltdachverbandes, dem Vereinigungen aus den USA, Südamerika, Australien, Kroatien, Kanada, Österreich, Deutschland und Ungarn angehören, besteht darin, die Wünsche der Erlebnisgeneration zu erfüllen. Die ist vor allem daran interessiert, daß ihre Spuren in der alten Heimat nicht verschwinden, und daß an die Toten würdig erinnert wird, die nur deshalb gestorben sind und in Massengräbern verscharrt wurden, weil sie Deutsche waren. Dazu dienen die Gedenkstätten in Serbien und Kroatien. Seite 2
Bernát Weiszmüller, ein Herrenschneider mit Leib und Seele
Auf dem Ágoston-Platz in Fünfkirchen, unweit von der Innenstadt, ist eine ganz kleine Werkstatt, wo von morgens bis spät abends die Nähmaschine rattert und die Schere zischt. Seite 3
20 Jahre Partnerschaft zwischen Tarian und Staufenberg Verständnis füreinander und Akzeptanz
Vor 20 Jahren hatten die Bürger der Gemeinden in Tarian und Staufenberg (Hessen) beschlossen, auch offiziell eine Partnerschaft zu schließen. Diese zwei Jahrzehnte währende Freundschaft wurde jetzt zu Pfingsten in Tarian gebührend gefeiert. Zur Jubiläumsfeier sind 200 Gäste aus der Partnerstadt nach Tarian gekommen. Seite 3
Ödenburger Familien im Porträt Die Frühwirths
Heutzutage gibt es viele Haarstylisten, aber nur wenige, die Herren noch selbst rasiert haben. László Frühwirth ist Herren- und Damenfriseurmeister, der über seinen Beruf mit viel Liebe erzählt. Seite 4
Unsere Minderheiten in Bildern Fotos über Feste und Alltag
Tanzgruppen, Musikinstrumente, Handwerker, Gedenkfeier, Feste, Kapellen, Friedhöfe, Genrebilder, Gesichter aus dem Leben der Minderheiten Ungarns dokumentiert der stattliche Fotoband. Feste und Alltag der 13 Minderheiten gehen Hand in Hand und zeigen die Vielfalt und die Pflege des vermittelten Erbes. Das Institut für Bildung und Lektorat für bildende Künste in Ungarn schrieb im Jahre 2009 zum dritten Mal mit dem Titel „Unsere Nationalitäten in Bildern" einen Fotowettbewerb aus. Dieser Fotoband ist das Ergebnis der vielen eingesendeten Fotos guter Qualität, die Auswahl dient jedoch nicht ausschließlich der Schönheit: „Es läuft ein Teil unserer Vergangenheit vor unseren Augen ab, weil die Häuser, die Straßen, die bestimmenden Gebäude einer Gemeinschaft, die die örtliche, spezifische Geschichte der nationalen und ethnischen Minderheiten bewahrten, verewigt werden", heißt es im Vorwort der Hauptdirektorin und Herausgeberin Erika Borbáth. Seite 6
Die Preßburger Zeitung Ausstellung in der Nationalbibliothek Széchényi Budapest
1764 war ein wichtiger Zeitpunkt in der Pressegeschichte des Karpatenbeckens: nämlich der der Gründung der Preßburger Zeitung. Bis 1929, bis zur Einstellung dieser, war sie eine wichtige deutschsprachige Tageszeitung - und ist bis jetzt eine Fundgrube für Kulturhistoriker. Die Ausstellung „Die Preßburger Zeitung. Karl Gottlieb Windisch und Emil Portisch: Zwei prägende Persönlichkeiten in der deutschsprachigen Pressegeschichte" wird nun nach Preßburg und Wien bis zum 16. Juni in der Nationalbibliothek Széchényi in Budapest gezeigt. Seite 6
Sprachrohr gebündelter Interessen "Fórum" liefert in der Slowakei die vielfältigsten Informationen zu nationalen Minderheiten
1996 wurde im südslowakischen Niedermarkt das Fórum-Institut zur Erforschung von Minderheiten gegründet. Seit 2002 ist es in Sommerein unweit von Preßburg ansässig. Die Mitarbeiter des Instituts widmen sich der "sachkundigen Erforschung der in der Slowakei lebenden Minderheiten sowie der Dokumentation der Minderheitenkulturen, -schriftzeugnisse und anderer damit zusammenhängender Erinnerungsstücke", wie sich auf der Fórum-Homepage (www.foruminst.sk) nachlesen läßt. Seite 12
Mittel- und Osteuropa bleibt interessant für deutsche Investoren
Bereits zum fünften Mal haben 2010 die deutschen Auslandshandelskammern in 15 Ländern der Region Mittel- und Osteuropa (MOE) eine gemeinsame Konjunkturumfrage durchgeführt. Ungarn schnitt in diesem Jahr besser ab. Die Meinung der befragten 1000 Manager ist deshalb interessant, weil deutsche Unternehmen bis Ende 2008 bereits mehr als 80 Mrd. Euro in Mittel- und Osteuropa investiert haben, das entspricht knapp 9% aller deutschen Auslandsinvestitionen. An den deutschen Ausfuhren hat die Region MOE sogar einen Anteil von fast 12%. Seite 12
Gespräch mit Mónika Sax, ifa-Kulturassistentin der GJU „Mein Ziel ist, neuen Schwung in die Organisation zu bringen"
Mónika Sax aus Werischwar stärkt seit dem 31. Mai für ein Jahr als ifa-Kulturassistentin der GJU die Arbeit im Büro im Budapester Haus der Ungarndeutschen. Wir sprachen mit Mónika über ihre Vorhaben in der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher. Seite 13
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