Weit mehr als 1000 Menschen warteten gespannt auf die Ergebnisse der landesweiten Weinqualifikation in der Nadascher Sporthalle am vergangenen Samstag. 566 Weine waren abgegeben worden, in diesem Jahr schnitten die Weißweine deutlich schlechter ab, denn der Jahrgang 2009 war ungünstig für die weißen Trauben, so die Experten. Trotz der strengen Jury wurden mehr als 460 Medaillen verteilt, etwa ein Viertel der Weinproben kamen in diesem Jahr nur noch aus Nadasch, denn immer mehr Winzer aus dem ganzen Land reisen in die Branauer Ortschaft, um dort ihre Weine kosten zu lassen. (Weiter auf Seite 5.)
Die Sieger: Máté Varga aus Moor (zweiter von links), Johann Wekler aus Nadasch (siebter von links), Johann Markvart aus Seksard (rechts)
|
„Über die Minderheitenselbstverwaltungen haben wir viele Winzer im ganzen Land angesprochen, in den kommenden Jahren wollen wir diese Möglichkeit jedoch noch stärker propagieren, vor allem unter den kleinen Familienwinzereien", so Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Durch diesen Wettbewerb scheint die deutsche Minderheit eine neue Gemeinsamkeit gefunden zu haben, welche die Regionen verbindet und die Menschen einander näherbringt. Die Liebe zum Wein könnte eine gemeinschaftsstärkende Funktion einnehmen, meinten viele an diesem Abend. Die weite Reise der Moorer hat sich an diesem Abend auf jeden Fall gelohnt, denn ein Tausendgut, Jahrgang 2008, der Familienkellerei Varga und Sohn aus Moor bekam die Urkunde für den besten Weißwein der Ungarndeutschen. Ein Seksarder Stierblut, Jahrgang 2006, der Familie Markvart aus Seksard erhielt den begehrten Preis für den besten Rotwein. Der beste Rosé kam aus dem Gastgeberdorf Nadasch, aus dem Keller der Familienwinzerei Wekler, die Flasche barg eine Mischung aus Blaufränkischem und Pinot Noir aus dem Jahre 2008. Zuversichtlich machte die Kenner der Weinbranche die Erkenntnis, daß alle drei Preisträgerkellereien Familienbetriebe sind, wo die junge Generation, um die 30 Jahre, den Betrieb leitet oder demnächst übernehmen will, mit dem festen Vorhaben, das noch lange Zeit nach alten Traditionen weiterzuführen. Winzer aus Bohl, Baja, Willand oder vom Plattenseeoberland nahmen zahlreich an diesem Wettbewerb teil. Doch einige Gebiete stellten sich der Jury nicht, dies soll sich in den nächsten Jahren ändern, Erlau, Ödenburg und noch weitere Regionen sollen zur Teilnahme bewegt werden. Auf das großangelegte Festprogramm waren nicht nur Profiwinzer neugierig, auch Hobbyweinbauern reisten aus Großturwall oder Wetschesch an, um Landsleute kennenzulernen, interessante Gespräche zu führen, sich Tips von den Profis zu holen, und nicht zuletzt, um gute Weine zu verkosten. Und auch wenn nicht jeder mit seiner Bewertung zufrieden war, haben sich alle gut amüsiert und tanzten gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden. Christina Arnold
Aus dem Inhalt
Teufel, Hexen, Wasserelfen 16. Landestheaterfestival der deutschen Gymnasien
Menschen, die von Menschen dargestellt werden, in ihrer Gebrechlichkeit, mit ihren Problemen, Freuden, Sorgen, und das Publikum die Sorgen vergessen lassen. Beim 16. Landestheaterfestival der deutschen Gymnasien konnte sich das Publikum im Deutschen Nationalitätengymnasium zu Budapest vom Können der Amateurwerkstätten der Nationalitätengymnasien vergewissern. Eine ausführliche Einführung gab bei der Begrüßung Martina Litterst-Gabela Munoz in Vertretung der Deutschen Botschaft Budapest. Als Auftakt konnte das Publikum das witzige Szenenspiel „Opas Socke" der Tarianer Theatergruppe sehen, das Organisatorin Eva Mayer-Bajtai wegen dem gelungenen Vortrag beim Ugoder Wettbewerb für Grundschulen gewählt hat. Im Wettbewerbsprogramm waren in diesem Jahr vier Theaterensembles deutscher Nationalitätengymnasien vertreten, die Temeschwarer Gruppe NIL mußte wegen einer wichtigen Premiere leider absagen. Seite 1-14
Geschichte der Ungarndeutschen im 20. Jahrhundert Historikertagung in Fünfkirchen
Als Fortsetzung einer Tagungsreihe, die sich bisher mit der früheren Geschichte des Ungarndeutschtums beschäftigte, fand am 10. April im Schülerwohnheim des Valeria-Koch-Schulzentrums in Fünfkirchen die Konferenz "Geschichte der Ungarndeutschen im 20. Jahrhundert" statt. Die Leitung der Tagung hatten Anna Lafferton, Direktorin des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts, und Prof. Dr. Gerhard Seewann, Leiter des Lehrstuhls für deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa an der Universität Fünfkirchen, inne. Seite 3
Wilhelm-Knabel-Tagung „Erneuerung und Zukunft des ungarndeutschen Unterrichts im Komitat Tolnau"
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der deutschsprachigen Bildung in Ungarn und im engeren Sinne in der Tolnau war das Thema einer zweitägigen Konferenz, die am 8. und 15. April in der Tolnauer Stadt Bonnhard stattfand. Mehr als 30 PädagogInnen aus dem ganzen Komitat reisten zum ersten Konferenztag an, um Ideen zu sammeln und Erfahrungen auszutauschen. In einem einführenden Vortrag referierte Helmut Herman Bechtel, der junge Schulleiter der BONI Mihály Vörösmarty Grundschule in Bonnhard, über die rechtlichen und geschichtlichen Hintergründe des deutschsprachigen Schulwesens. Die Gastgeberschule war zusammen mit dem Ungarndeutschen Pädagogischen Institut Organisator der Veranstaltung. Seite 3
Weindorfer Familiengeschichten Die Szontághs
Das Jahr 1946 war glücklich und unglücklich für die Familie Szontágh. Das Bauernpaar Anna und Anton Berger hatte ein schönes Haus mit Garten und Ackerfelder. Im April wurden sie nach Deutschland, nach Baden-Württemberg, vertrieben. Damals wurden viele Familien so auseinandergerissen, das war eigentlich eine Vermögenskonfiskation. János Szontágh, Annas Bruder, war Fabrikarbeiter in den Elektrowerken Ganz in Budapest und konnte mit seiner Frau und seinem Sohn daheim in Weindorf/Pilisborosjenô bleiben. Der Vater von János - er hieß auch János - wurde ebenfalls vertrieben. So hat die Staatsgewalt die große Familie zerrissen. Seite 4
Hajosch - Heimatmuseum
Dreiviertel der Einwohner von Hajosch bekennen sich als Nachfahren der im 18. Jahrhundert hier angesiedelten Deutschen. Zwischen 1722 und 1770 wurden in zwei größeren Wellen 120 Familien ansässig. Eine Gruppe kam aus dem Gebiet nördlich vom Bodensee, eine andere aus Ortschaften an der Donau. Außer aus dem „Schwabenland" kamen noch welche aus dem Süden von Württemberg, aus dem mittleren Rheingebiet sowie aus Bayern und Österreich. Wegen der holzgeschnitzten Marienstatue, welche die Ansiedler schon aus Offingen am Bussen mitgebracht hatten, wurde die Gemeinde zum Wallfahrtsort. Seite 4
„Im Geschmack wurzelt die Stilistik der Schöpfung" Tibor Budahelyis Ausstellung im Budapester Fészek-Klub
Eine eigene familiäre Stimmung herrschte im Hermann-Saal des Budapester Fészek-Klubs bei der Vernissage der Ausstellung des Bildhauers Tibor Budahelyi. Wegen Verkehrsstau verzögerte sich die Eröffnung ein wenig, diese Zeit wurde jedoch genutzt, um die Werke zu betrachten und intensive Gespräche um und über die Kunst zu führen. Eine Summierung des 65jährigen Künstlers (VUdAK-Mitglied) steht nun im Vordergrund seines Schaffens, die gezeigten Gemälde sind kompakte Abbilder der lyrischen Sprache des vielseitigen Künstlers. Alle von ihm verwendeten Materialien sind zu einer organischen Einheit zusammengefügt: Stahl, Glas, Holz, Fell, Haare verbinden sich in einer Dreieckform zur Ausdrucksquelle Budahelyis. Einerseits ist es das Besingen der ewigen Weiblichkeit, sind es Widerspiegelungen von seelischen Momenten, andererseits Augenblicke der Besinnlichkeit, der Ruhe, die seine Werke prägen. Seite 5
Großen Schatz der Chormusik weiterhegen
Mit einer Feierstunde wurde der Brennberger Barbara-Chor vom Deutschen Kulturklub Ödenburg und Umgebung und von der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung im Ödenburger Kinder- und Jugendzentrum verabschiedet. Das Lebensalter der Chormitglieder ist über 70, deswegen ist verständlich, daß sie weniger flexibel sind und Reisen für sie schon Probleme bedeuten. Also hatte der Chor beim Adventssingen im Vorjahr bekanntgegeben, von nun an nur noch an Abendveranstaltungen im Ort mitzuwirken. Zum Glück löst sich der Chor nicht auf, sie werden regelmäßig proben, und sie werden diesen großen Schatz der Chormusik weiter hegen. Die Lieder sind auch ein herausragender Teil der Bergmannstraditionen, einzigartig pflegt der Chor die deutschen Bergmannsvolkslieder, denn so, wie sie diese bekommen haben, haben sie auch die Verantwortung, sie weiterzugeben. Seite 5
Kommunale Partnerschaften zwischen West und Ost
„Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht die Begegnung möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger beider Gemeinden sowie von kulturellen, kirchlichen und sportlichen Institutionen, Gruppen und Vereinen, um so zu einem besseren Kennenlernen und besseren Verständnis des jeweiligen Partners beizutragen" - so die Zusammenfassung aus einem Partnerschaftsvertrag, die den Sinn einer Partnerschaftsbeziehung erörtert. Die Partnerschaftsbewegung wurde in der Bundesrepublik Deutschland in den 1950er Jahren eingeleitet, als die ersten Partnerschaften mit Gemeinden in Westeuropa geschlossen wurden, es folgten dann in den 1970er Jahren Kontaktaufnahmen mit größeren Städten in Mittel- und Osteuropa. Erst nach der Wende im Jahre 1989 entstanden zahlreiche Partnerschaften zwischen deutschen und ost-mitteleuropäischen Gemeinden. Im Band wurden die Referate der Tagung des Johannes-Künzig-Instituts für ostdeutsche Volkskunde veröffentlicht, die zwischen dem 7. und 9. November 2007 mit dem Titel Kommunale Partnerschaften zwischen West und Ost in Freiburg veranstaltet wurde. Seite 6
GJU aktiv auf europäischer Ebene JEV-Hauptversammlung in Ohrid
Auf der Hauptversammlung der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV) am 31. März in Ohrid, Mazedonien, fand die Wahl des Präsidiums und weiterer Funktionsträger statt, wurden Resolutionen verabschiedet und die Weichen für die Zukunft des Netzwerkes gestellt. Eingebettet war die Hauptversammlung (HV) in das Osterseminar der JEV. Die GJU beteiligte sich aktiv an der Arbeit der JEV. Im Jahr 2009 wurden drei GJU-ler, Dávid László, Sarolta Fogarasi und Sándor Bugyi, in die Arbeitsgruppen gewählt. Das Präsidium der JEV tagte zweimal in Budapest und war Gast in der GJU-Wohnung und im GJU-Büro. Die Gemeinschaft nahm auch an Austauschprogrammen und den JEV-Hauptprogrammen teil. Die GJU organisierte schließlich 2010 das Youth Leader Committee in Wudersch, ist für das Voices in Europe, das im Sommer in Fünfkirchen stattfindet, zuständig und wird auch im Jahr 2010 durch Dávid László in der Arbeitsgruppe Kommunikation vertreten. Die Geschäftsführerin der JEV ist Éva Pénzes von der GJU und vorübergehend, bis eine optimale Lösung gefunden wird, fungiert das GJU-Büro in der Budapester Lendvay-Straße auch als Büro der JEV. Seite 13
*
Wollen Sie mehr erfahren?
Bestellen Sie die Neue Zeitung!
Bestellmöglichkeiten
Über die Neue-Zeitung-Stiftung Budapest, Lendvay u. 22 H-1062 E-Mail: neueztg@hu.inter.net www.neue-zeitung.hu/publikationen
Außerhalb von Budapest: Auf den Postämtern
In Budapest: Levél-és Hírlapüzletági Igazgatóság, Budapesti Hírlap Osztály, Budapest, 1846 Fax 061 303-3440 E-Mail: hirlapelofizetes@posta.hu Telefon: 06-80-444-444
Sie finden die Neue Zeitung in Geschäften von Lapker Zrt.
Einzelpreis: 180 Ft
Jahresabonnement: Ungarn: 7800 Ft Deutschland: 110 Euro Österreich: 100 Euro Schweiz: 170 sfr
Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen. Kontakt: neueztg@hu.inter.net
|