Im Komitat Borschod-Abaujwar-Semplin gibt es zehn deutsche Minderheitenselbstverwaltungen, die elfte im Verband der Deutschen Selbstverwaltungen ist Rokomas/Rakamaz im Nachbarkomitat Saboltsch-Sathmar-Berg, wo auch Deutsche wohnen. Verbandsvorsitzende ist Emilia Hering, die auch gleichzeitig Bürgermeisterin von Ratka ist. Die 64jährige möchte aber ihr Amt bald an die junge Generation abgeben.
Emilia Hering (stehend) in der Budapester LdU-Geschäftsstelle anläßlich einer Spende des ehemaligen Ministerpräsidenten Miklós Németh an die Gemeinde Rátka
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NZ: Was sind Ihre Aufgaben als Verbandsvorsitzende? EH: Wir halten jährlich viermal Vorstandssitzung, immer in einer anderen Gemeinde, so haben wir die Möglichkeit, die Tätigkeit der Minderheitenselbstverwaltungen an Ort und Stelle kennenzulernen. Zweimal im Jahr haben wir auch Vollversammlung, da wird über das Jahresbudget entschieden. NZ: Sie haben auch andere wichtige Posten in Ihrem Komitat. EH: Ich bin auch die Regionalbüroleiterin und halte es für sehr wichtig, die Informationen weiterzuleiten an die deutschen Selbstverwaltungen. Ich organisiere zum Beispiel auch die Fahrt zur Landesgala in Budapest oder die Fahrten der Kinder zu Wettbewerben. NZ: Wie ist die Zusammenarbeit mit der Komitatsselbstverwaltung? EH: Sehr gut, die Amtsträger der beiden Gremien sind gleich. NZ: Was sind die größten Probleme in Ihrem Komitat? EH: Für das größte Problem halte ich die fehlenden Sprachkenntnisse. Die Gemeinden, wo Deutsche leben, sind fast 30 Kilometer voneinander entfernt, die Einwohner hatten keine Möglichkeit, miteinander deutsch zu reden. Wir hatten Jahrzehnte lang keinen Kontakt zum Mutterland, die Assimilation ist sehr schnell vorangeschritten. NZ: Wie sehen Sie die Zukunft? EH: Mein größtes Ziel ist, die Deutschkenntnisse der nachfolgenden Generation zu entwickeln, für dieses Ziel die Bedingungen zu schaffen, die Arbeit der Selbstverwaltungen zu unterstützen und sie auch anzuspornen, die deutsche Sprache in ihren Schulen als Nationalitätensprache einzuführen. NZ: Was möchten Sie in Ihrem Amt noch erreichen? EH: Die nachfolgende Generation soll die Sprache, die Kultur, die Traditionen kennenlernen, ihr Identitätsbewußtsein stärken. Sie sollen auf ihre Wurzeln, ihre Vorfahren stolz sein. In vier Ortschaften gibt es zur Zeit Deutschunterricht. Ich möchte in der nächsten Legislaturperiode aber nicht mehr kandidieren, sondern nun sollen die Jüngeren an die Reihe kommen. Eines steht aber fest: Diese Arbeit soll, ja muß, Herzenssache eines Menschen sein.
Chr. A.
Aus dem Inhalt
National Geographic Wettbewerb 2010 - Endrunde in der Corvinus-Universität Budapest
,„Tante Heidi, das war schwer, aber interessant". Mit diesen Worten beschreibt die Schülerin einer 7. Klasse ihre Teilnahme am Wettbewerb National Geographic Wissen 2010. 19 Schulen aus allen Teilen Ungarns nahmen im Februar mit insgesamt über 300 Schülerinnen und Schülern an den beiden Schulrunden teil. Die 34 Besten trafen sich schließlich zur Endrunde, die am 12. März in den Räumen der Corvinus-Universität in Budapest durchgeführt wurde. Dieser Wettbewerb wird in Deutschland schon im zehnten Jahr mit jährlich über 200 000 Teilnehmern durchgeführt. In Kooperation mit den Veranstaltern in Deutschland konnte Holger Wendlandt, Fachberater der ZfA in Ungarn, ihn nun auch erstmalig für ungarische Schulen organisieren, an denen deutschsprachiger Geographieunterricht erteilt wird. Seite 1-12
Des Staatssekretärs Kleid
In der Großmanoker Brikettfabrik gab es in den siebziger Jahren eine revolutionäre Veränderung. In dem Betrieb wurde die Ölheizung eingeführt. Die Verantwortlichen und die Betroffenen akzeptierten das einfach und alle taten, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt. Niemand schrie, daß der Kaiser nackt sei. Seite 2
Auszeichnungen
Die ungarische Nation überlebt, wenn ein gemeinsamer Wille, sogar eine Sehnsucht danach besteht, dieses reiche Erbe, das wir geschaffen haben, gemeinsam zu wahren. Viele Bestandteile unseres Erbes schufen wir gemeinsam mit den mit uns lebenden Nationalitäten und Nationen, und dies müssen wir gegenseitig anerkennen. Dies betonte Staatspräsident László Sólyom bei der Übergabe hoher staatlicher Auszeichnungen am 15. März im Parlament. Seite 2
Pomázer Heimatverein Sinsheim-Waldangelloch Ehrenmedaille für Anton Plank
Der Ehrenvorsitzende des Pomázer Heimatvereins Anton Plank wurde mit vier weiteren Ettlinger Bürgern beim Bürgerempfang der Stadt für seinen außergewöhnlichen Einsatz im Ehrenamt mit der Ehrenmedaille der Stadt Ettlingen ausgezeichnet, obwohl er nicht direkt in Ettlingen ehrenamtlich tätig ist. Seit seiner Vertreibung 1946 ist er bis heute in der Erinnerungsarbeit für seine ehemalige Heimatstadt Paumasch mit vollem Einsatz aktiv. Auf seine Anregung wurde die Pomázer Heimatstube „Klein Pomáz" in Sinsheim-Waldangelloch aus privater Sammlerinitiative errichtet. Sie dokumentiert mit ihren vielen Exponaten die Geschichte und Kultur der Ungarndeutschen und trägt zur Erhaltung dieses bedeutenden Kulturgutes bei. Diese Einrichtung ist inzwischen zu einer lebendigen Begegnungsstätte geworden. Seite 3
Ödenburger Familien im Porträt Die Ringhofers
Meine Freunde baten mich, für sie in Ödenburg ein Gästezimmer zu reservieren. Bei einem Spaziergang stieß ich auf das Gästehaus Ringhofer. Ich klopfte an. Die Wirtin, Maria Ringhofer, zeigte mir die Zimmer, dabei sah ich an der Wand das Bildnis eines charakteristischen Ödenburger Pounzichters, das - wie sich herausstellte - den Vater der Wirtin darstellte. Da Mizzi Ringhofer eine äußerst freundliche Person ist, begann sie gleich zu erzählen. Was sie sagte, war so interessant, daß ich es gleich aufzeichnete. Seite 4
Badesek - Heimatmuseum
Im Heimatmuseum von Badesek/Bátaszék, das seit Juni des Jahres 2000 besteht, wird die Sachkultur der drei größten, in der Ortschaft lebenden Volksgruppen vorgestellt. Das deutsche Bauernhaus zeugt vom Wohlstand der ehemaligen Besitzer. Die Brandmauer ist reich mit Stuckaturen verziert, die Türen sind alle original erhaltengebliebene, geschnitzte Meisterwerke. An der Hofseite des Wohnhauses befindet sich ein breiter, mit Fliesen belegter Gang, das Dach stützen runde Säulen. Seite 4
Form und Materie Der Bildhauer Tibor Budahelyi und die Summierung
„Das ist das ganze Glück, daß ich meine Kreativität in diversen Gattungen zeigen kann. Ich verstehe mich auf die Holz-, Metall- und Bronzebearbeitung, verstehe etwas von der Plaketten- und der angewandten Plakettenherstellung, von der Glaskunst und von der Papierkunst." Der Bildhauer Tibor Budahely, Mitglied des Verbandes Ungarndeutscher Autoren und Künstler, Munkácsy- und Béni-Ferenczy-Preisträger, wurde vor kurzem 65. Seite 5
tonwelt ermöglicht die Restaurierung zweier historischer Liszt-Flügel
Das Franz-Liszt-Museum in Budapest gehört für Freunde klassischer Musik bei einem Besuch der ungarischen Hauptstadt zweifelsohne zu den Highlights. Seit kurzem stellt das zur Musikakademie gehörende Museum, das in der rekonstruierten ehemaligen Wohnung des großen Komponisten und Pianisten untergebracht ist, seinen Gästen Audioguides der Firma tonwelt zur Verfügung. Seite 5
Lebendige Sprachinseln
Die deutschen Sprachinseln stehen zwar seit langem im Fokus der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit, doch die meisten Forschungen beschränken sich auf die Sprachinseln in Ost-Mittel-Europa. Doch auch in Italien existiert die deutsche Minderheitensprache und in Südtirol erlebt die deutsche Minderheit eine musterhafte Behandlung im Bereich Kultur, Sprachpflege und Minderheitenrechte. Im Band* wurden Beiträge gesammelt, die zwölf deutschsprachige Gemeinden in Italien behandeln und ihre Sprache, Geschichte und Kultur der breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Seite 6
Papst unter Protestanten
Mehr Einsatz für die Ökumene, aber auch sichtbare Dankbarkeit für bereits Erreichtes - das ist Papst Benedikts Botschaft anläßlich seines Besuches in der lutherischen Gemeinde Roms. Auf den Spuren seines Vorgängers Johannes Paul II. stattete Benedikt XVI. Roms Protestanten am Sonntagabend einen Besuch ab - als Papst war es Benedikts erster Besuch in einem lutherischen Gotteshaus. Feierlich - mit Bibellesungen, Gebeten und Gemeindegesang nach lutherischem Brauch - feierten katholische und evangelische Gläubige einen Wortgottesdienst in der spätwilhelminischen Christuskirche. Das Gotteshaus nahe dem Park Villa Borghese ist geistliches Zentrum für rund 350 deutschsprachige Protestanten in der italienischen Hauptstadt. In seiner Predigt erinnerte Benedikt eindringlich an die Notwendigkeit eines größeren Einsatzes für die Ökumene. Seite 11
Feiern für den guten Zweck in Schambek Wohltätigkeitsball für die Lochberg-Tanzgruppe
Vor sechs Jahren wurde in Schambek/Zsámbék die Lochberg-Tanzgruppe gegründet, seither hatte sie zahlreiche Auftritte im In- und Ausland, doch ihr ganzer Stolz ist die im letzten Jahr ins Leben gerufene Nachwuchstanzgruppe. Für den Sommer ist schon ein großer gemeinsamer Auftritt geplant, wofür aber die neuen Tänzerinnen Trachten brauchen. Ein traditionelles Gewand kostet mindestens 40.000 Forint, und 14 bräuchte die Gruppe davon. Das können sie aus eigener Kraft aber nicht bezahlen, so beschlossen sie, einen Ball für den guten Zweck zu organisieren. Und der fand jetzt auch statt. Seite 12
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