Litowr/Liptód in der Branau zählt um die 250 Einwohner - davon sind 60 - 70 Prozent Ungarndeutsche. Das Dorf liegt abseits der Hauptverkehrsstraßen, diesen Fakt trachtet man hier jedoch als Ausgangspunkt positiver Möglichkeiten zu nutzen. Da man in Litowr zahlreiche alte Bräuche der Deutschen noch immer pflegt bzw. neu belebt hat, bietet sich die Ortschaft als gewisser Schauplatz einer Zeitreise, die in ein hier noch erlebbares, sonst meist längst vergessenes Milieu einer alten Lebensform führt.
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Gerade am Samstag, den 20. Februar, lodern hier wieder die Hutzelfeuer auf den umliegenden Hügeln auf (das Fest wird in Litowr „Hutzlkretje"genannt), zu Ostern fliegen hier die Glocken noch nach Rom, und die Kinder ratschen zu entsprechender Zeit, aber sie gehen auch von Haus zu Haus, um Eier zu sammeln. Zu Pfingsten gibt's das Pfingstreiten, mit der Pfingstkatz, zu Maria Würzweih' werden in vielen Häusern noch Weihbüschel aus mehreren Dutzend verschiedenen Blumen und Kräutern gemacht, durch die ein Schutz für Haus, Hof und besonders auch für das Vieh gewährt werden soll. Seit Jahren kommen auch Schulgruppen aus nah und fern nach Litowr, um die Weinlese in ihrer traditionellen Art zu erleben. Aus den dabei gelesenen Trauben entsteht der Dorfwein, der in Flaschen abgefüllt Gästen der Gemeinde als eine schöne Erinnerung mitgegeben wird. Es besteht auch die Möglichkeit, im Winter an einem Schweineschlachten teilzunehmen. Von den Schülern können aber auch andere Sitten und Bräuche an Ort und Stelle erforscht werden; so die traditionelle deutsche Bauweise oder zum Beispiel die deutschsprachigen Grabinschriften. Das Dorf Litowr liegt in einer naturnahen Umgebung. Die Selbstverwaltung der Gemeinde ist Eigentümer größerer Waldgebiete, die man nicht abholzen möchte, sondern man hat zum Beispiel aus der Lókút-Wiese, der Pferdetränke, einen Ausflugsort mit ausgebauter Feuerstelle, mit Leitungswasser und mit Bänken und Tischen gemacht, um Dorfbewohnern wie wanderlustigen Gästen einen wildromantischen Ort der Entspannung zu bieten. Hier wird jedes Jahr auch ein Dorffest veranstaltet, in dessen Rahmen man seitens der Gemeindeleitung besonders für die Einsätze und die Aktivitäten für Litowr dankt. Das wachsende Interesse für das Dorf und seine Bräuche verlangten auch danach, für eine entsprechende Unterkunft der Besucher zu sorgen. So hat man in Litowr eine Jugendherberge eingerichtet, die etwa 40 Kindern und Erwachsenen eine gepflegte Unterkunft bietet. Hier veranstaltet man auch nun bereits traditionell ein Sommerlager für die Kinder gebürtiger Litowener, die hier mehrere Tage mit der einheimischen Jugend verbringen, und dabei auch so manche Mundartkenntnisse mitbekommen können. Der Sinn und Zweck dieser Begegnungen ist jedoch, das Gefühl der Zusammengehörigkeit ehemaliger und heutiger Dorfbewohner zu stärken. Dieser Zusammenhalt ist ohnehin sehr stark, ein klarer Beweis dafür sind die vielen Leute, die zum Dorftag am Pfingstsonntag den Ort besuchen. Da erweist sich nämlich das Kulturhaus stets als viel zu kein, also muß ein Festzelt aufgestellt werden. In Litowr haben während der vergangenen Jahre auch viele Ausländer Immobilien gekauft. Unter ihnen gibt es auch Künstler, wie Helmut Gallina, der in einer leerstehenden Produktionsstätte, die der Selbstverwaltung gehört, eine Ausstellung seiner surrealistischen Gemälde und Skulpturen eingerichtet hat. Diese kann nach vorheriger Absprache besichtigt werden. Das längerfristige Ziel ist aber, daß man jungen Künstlern die Möglichkeit für eine Ausstellung anbietet, und daß in Litowr eine Art Künstlerkolonie entsteht. Bei der Veranstaltung von Programmen wird die örtliche Deutsche Selbstverwaltung vom Traditionspflegeverein unterstützt, dem auch der Litowener Gemischtchor angehört. Dieser veranstaltet im Jahr zwei Chortreffen: jeweils zur Zeit der Weinlese und eines im Advent. An Programmen mangelt es in Litowr im Jahreskreislauf nicht, denn neben den bereits erwähnten Anlässen werden auch noch der Kindertag, ein Seniorentag und ein gemeinsames Weihnachtsfest gefeiert. Die Dorfbibliothek, die sich im Gebäudekomplex um die Kirche befindet, zu dem auch das Kulturhaus, die Selbstverwaltung, der Computersaal und das Haus der Jugend gehören, zählt zu den am besten genützten Ortsbüchereien der Branau. Die Aktivitäten in Litowr hat auch das Bundesministerium des Innern der Bundesrepublik Deutschland (BMI) unterstützt, denn das Dorf war bereits durch Bewerbungen im Zusammenhang mit dem Computersaal, dem Haus der Jugend und dem Schulbus beim BMI erfolgreich. Litowr ist ein Dorf, wo der deutsche Alltag von einst noch recht gut nachvollziehbar ist. Allein die Mundart, wie leider auch die deutsche Sprache, ist am Verschwinden. Diese Tendenz verlangsamt wohl das Interesse an der Volkskultur von außen, aber wie es gegenwärtig aussieht, kann man nicht zur Genüge entgegenwirken... Jedenfalls ist aber allen ein Besuch in Litowr zu raten; sei es ein Ausflug an einem Wochenende oder auch ein gut geplanter Aufenthalt mit einer Schülergruppe. Diesbezüglich steht die örtliche Selbstverwaltung oder zum Beispiel auch der Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung von Litowr, Stefan Markesz, gern zur Verfügung.
rb
Aus dem Inhalt
Deutsche Minderheitenselbstverwaltung in Borschod „Besonders stolz sind wir auf unsere deutsche Kindertanzgruppe"
Bis zum Jahre 2006 konnten die Borschoder nur an den Nationalitätenveranstaltungen der Nachbargemeinden teilnehmen, weil aber auch in Bácsborsód Deutsche leben, wollten diese ebenfalls eine eigene Interessenvertretung gründen. Eine Handvoll Ungarndeutsche und die nach Borschod gezogenen deutschen Staatsbürger machen sich seither für die deutsche Kultur stark. Nachdem in der Schule der Nationalitätenunterricht eingeführt wurde, engagierten sich die Einwohner in Borschod und gründeten die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung, um selbst aktiv für die Pflege der Traditionen und der Sprache etwas tun zu können. Seither organisieren sie regelmäßige Programme wie den Nationalitätenkulturabend, wo verschiedene ungarndeutsche Kulturgruppen auftreten. Seite 1-4
ZeiTräume im Lenau-Haus
Bis zum 10. Mai ist die Gemeinschaftsausstellung der VUdAK-Künstlersektion „ZeiTräume" im Fünfkirchner Lenau-Haus zu sehen. Bei der Vernissage am 25. Feber sprach Kunsthistorikerin Borbála Cseh. Wir veröffentlichen ihre Eröffnungsrede auf Seite 5. Seite 1
Bücher im Netz Bisher etwa hundert Publikationen über die Ungarndeutschen erreichbar
Während im traditionellen Buchdruck jede Veröffentlichung viele hunderttausend, wenn nicht viele Millionen Forint kostet, so kann im Internet jedes Werk für einige zehntausend Forint an den Leser gebracht werden. Auch jene Publikationen, die sich mit den Minderheiten beschäftigen. Die Möglichkeit ist bereits gegeben. Darüber informierte Gábor Barna, der verantwortliche Redakteur von „Örökségtár", im Rahmen einer Veranstaltung, die am 26. Februar im Gebäude der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Budapest stattfand. Seite 1-2
Wir sind alle Puskás
Natürlich nicht deshalb, weil wir alle so gut Fußball spielen könnten. Es ist eher der Platz, der uns im öffentlichen Denken zugewiesen wird und den wir oft selbst ohne weiteres übernehmen, ob wir Fußballstars werden oder eben Busfahrer. Seite 2
Haushalt der LdU 2010 Heinek: „Es wird wehtun"
Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hat am 13. Februar auf ihrer Vollversammlung den Jahreshaushalt 2010 verabschiedet. Es sei ein angespannter Haushalt, sagte LdU-Vorsitzender Otto Heinek auf der Sitzung (NZ 8/2010). Vor allem wegen der Kürzung der Minderheitennormativen und Staatsgelder in den von der LdU getragenen Bildungs- und Kultureinrichtungen muß die Landesselbstverwaltung ihre Reserven mobilisieren. Wie will die LdU über die Runden kommen und wie lange werden die Reserven reichen? NZ hat mit dem LdU-Vorsitzenden gesprochen. Seite 3
Kokesch - Dorfmuseum
Die Ahnen der in Kokesch/Kakasd lebenden deutschen Bevölkerung sind nach der Türkenherrschaft, ab dem Jahre 1724, aus Deutschland angesiedelt worden. Damals gab es da zwei selbstständige Dörfer, Kakasd und Belac, hier kamen insgesamt 84 deutsche Familien an. In der Hoffnung auf eine sichere Existenz schufen sie sich bald ein schönes Zuhause und vermehrten ihr Vermögen, aber auch die Zahl der Bevölkerung nahm zu. So sind 1935 die zwei Dörfer unter dem Namen Kakasd vereint worden. Seite 4
Ball in Wandorf
Beim 20. traditionellen deutschen Ball, auch heuer, wie seit zwei Jahrzehnten, in und von der Deutschen Nationalitätengrundschule Ödenburg veranstaltet, herrschte wieder eine super Stimmung. Anwesend waren auch Rezsô Hirschler, Vorsitzender der Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung Ödenburgs, Dr. Koloman Brenner, Mitglied der Ödenburger Deutschen Nationalitätenselbstverwaltung und der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Nándor Graf, Mitglied der örtlichen Nationalitätenselbstverwaltung, sowie Lehrer österreichischer und ungarischer Partnerschulen. Seite 4
Die Erinnerung bleibt
Mit dem gleichen Titel startete im Jahre 1995 die Anthologie der Donauschwäbischen Literatur (bisher drei Bände erschienen), somit ist die Titelwahl wohl kein Zufall, da dieser Geburtstagsband einen Querschnitt des Werkes von Ludwig Fischer darstellt. Anlaß zur Herausgabe des Bandes gab der 80. Geburtstag des Schriftstellers im Jahre 2009, zu dem die Gemeinde Nadwar/Nemesnádudvar ihrem ehemaligen Lehrer Fischer mit diesem Buch gratulierte. Leben und Werk des aus der unteren Branau stammenden Schriftstellers, der vor der serbischen Vergeltung an den Volksdeutschen nach Ungarn flüchtete, wurden wie bei vielen Autoren, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Feder gegriffen haben, von den Erinnerungen an die Vertreibung und an den Krieg geprägt. Schmerz, Verlust, verlorene Heimat auf der einen Seite und Vergangenheitsbewältigung auf der anderen Seite, die in ein reiches künstlerisches Werk mündeten. Seite 6
Medizinische Ausbildung in Fünfkirchen hochbegehrt bei Deutschen und Norwegern
Verhältnismäßig günstige Unterkunftsmöglichkeiten, niedrige Nebenkosten, gute Ausbildung und ein Diplom, das in der EU anerkannt wird - mit diesen Vorzügen locken ungarische Universitäten Medizinstudenten aus Westeuropa ins Land. Besonders beliebt sind Städte in der Provinz. In der südungarischen Stadt Fünfkirchen kommt die Hälfte der Medizinstudenten aus dem Ausland, vor allem aus Skandinavien und Deutschland. Auf Textilsesseln und auf Treppen sitzen und unterhalten sich Studenten in der großen Aula der Medizinischen Fakultät der Universität. Außer Ungarisch hört man immer mehr Worte in Deutsch, Norwegisch oder Englisch. Seite 12
Kulturassistent-Stipendiat/in gesucht
Das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) vergibt in Kooperation mit der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher (GJU) für den Zeitraum vom 1. April 2010 bis zum 1. April 2011 ein Kulturassistent-Stipendium. Seite 13
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