Der aus dem Seklerland stammende Miklós Barabás (1810 - 1898) studierte ab 1825 im Zentrum der Siebenbürgener Sachsen - in Hermannstadt - im Atelier des Malers Franz Neuhauser, dessen Porträt er aus Dankbarkeit fertigte. 1829 ging er an die Akademie nach Wien und ließ sich dort bei dem berühmten Künstler Professor Johann Ender einschreiben. Nach einem Intermezzo in Klausenburg und Bukarest machte er eine Italienreise.
Miklós Barabás: Das Segelschiff von Adam Clark (ohne Datum), Aquarell
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Ab Mitte der 1830er Jahre blieb er mit kurzen Unterbrechungen endgültig in Pesth und wurde ein so erfolgreicher Porträtist, daß er als erster ungarischer Maler allein von seiner künstlerischen Tätigkeit leben konnte. Anläßlich seines Bizentenariums widmet ihm das Budapester Museum für Geschichte eine Kammerausstellung, die bis 18. April zu besichtigen ist.
Hier können wir am Eingang seine originale Malstaffelei mit einer Vedute seiner - in der Mitte eines einladenden Parks heute noch als Gedenkhaus existierenden - Villa im Stadtmeierhof (Városmajor) bewundern. Dieses frische Aquarell stammt aus 1853, aber Mitte der 1850-er Jahre malte er in seiner unmittelbaren Umgebung eine ganze Reihe von Genrebildern über die dort ansässigen Schwaben. Diese Szenen aus dem alltäglichen Leben zeigen die einfachen Repräsentanten der damaligen Bevölkerung dieser Vorstadt mit ihren gewohnten Beschäftigungen: Warenkörbe auf dem Rücken tragend, über die Brücke laufend, zum Wochenmarkt eilend oder vom Einkauf kommend, aber an Wochenenden oder an den Festtagen auch festliche Volkstracht tragend und am Bachufer, unter den alten Bäumen der Promenade spazierend, auf dem Stadtwäldchensee mit Freunden oder Familienmitgliedern rudernd. Die weiteren, urbanen Szenen der Hauptstadt zeigen Korn transportierende Schiffe auf der Donau oder am Ufer des Flusses Lebensmittelverkäufer ebenso wie Pferdekutschen mit Bauern und schaulustigen bürgerlichen Familien, die festliche Grundsteinlegung der Kettenbrücke mit Prominenten, die Baracken der Bauarbeiter und die Lagerräume der monumentalen Baustelle, aus der Ferne das malerische Panorama der Zitadelle, des weiteren die miserablen Hütten der armen Leute an der Seite des Bocksbergs und schließlich auch das infolge des „großen Hochwassers" im Frühling des Jahres 1838 eingestürzte Derra-Haus. Die Reihe der Porträts der berühmten Intellektuellen als Aquarelle auf Elfenbein oder Papier bzw. in Ölfarben auf Leinwand gemalt ist ebenso lang und vielseitig. So kann man z. B. den eleganten und nach der letzten bürgerlichen Mode gekleideten Verleger August Walzel (1840) im bequemen Sessel sitzend und eine Zigarre rauchend treffen. Die Schauspielerin Kornelia Prielle (1846) wiederum ist im Schwung der Unabhängigkeitsbewegung von den Habsburgern in stilisierter nationaler Abendkleidung verewigt. Der vielseitige Komponist und Dirigent Karl Huber (1850) hat seine Geige auf den Konsoltisch gelegt, als er für den Maler posierte. Der Entwerfer der Kettenbrücke, William Tierney Clark, stand ebenso Modell wie der Leiter der Bauarbeiten, Adam Clark, und die sonnige Seite ihres Freizeitlebens ist durch das flotte Segelschiff der Familie repräsentiert. Aus Privatbesitz kann man in den Vitrinen die Tinten-Reisegarnitur des Malers sehen, auch eigenhändige Notizen und Skizzenbücher unterschiedlicher Größe aus verschiedenen Jahren entdecken und so den gefeierten Maler aus Menschennähe kennenlernen. István Wagner
Aus dem Inhalt
Angespannter LdU-Haushalt 2010
Sparen - dieser Leitsatz gilt auch für die Ungarndeutschen im Jahr 2010. Die Vollversammlung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen hat am 13. Februar ihr Budget einstimmig verabschiedet. Es sei „ein angespannter Haushalt", sagte LdU-Vorsitzender Otto Heinek. Vor allem wegen der Kürzung der Minderheitennormativen und staatlichen Gelder für die von der LdU getragenen Bildungs- und Kultureinrichtungen muß die Landesselbstverwaltung ihre Reserven mobilisieren. Drastische Sparmaßnahmen, d. h. Stellen abzubauen, sind jedoch nicht geplant. Die LdU versucht, mit ihren Ersparnissen über die Runden zu kommen. Dies sei aber eine vorübergehende Lösung, langfristig könne man nicht von Reserven leben, da die ja irgendwann aufgebraucht seien, erklärte Heinek. Seite 1
Aus Traum wird Wirklichkeit
In den letzten Monaten gibt es immer mehr Informationen über das Vorhaben, daß den 1946 aus Ödenburg/Sopron Vertriebenen ein Denkmal errichtet wird. Initiatorin ist die Vorsitzende des Deutschen Kulturklubs, Magdolna Krisch. Von der Idee bis zur Verwirklichung liegt ein langer Weg mit Stolpersteinen. Die Idee, den Vertriebenen ein Denkmal zu setzen, gefiel vielen. Den Plan aber in die Wirklichkeit umzusetzen, kostet viel Geld und erfordert noch mehr organisatorische Arbeit. Bald stellte sich jedoch heraus, daß viele bereit sind, sich für dieses Unterfangen einzusetzen, man muß sie bloß daraufhin ansprechen. Diese Arbeit hat Magdolna Krisch übernommen. Nachdem unter mehreren Künstlern der Bildhauer László Kutas mit der Anfertigung des Denkmals beauftragt worden war, mußten eine Million Forint aufgebracht werden. Seite 1-2
Deutscher Nationalitätentag in Saka: „Mit Sprache und Tracht ein Vorbild für die Kinder sein"
Die 580 Einwohner zählende Gemeinde Saka/Szálka in der Tolnau liegt in malerischer Umgebung an einem herrlichen kleinen See. Einst wohnten hier viele Deutsche, ihre Zahl wurde durch die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich reduziert. Natürlich hat Saka auch eine Deutsche Minderheitenselbstverwaltung, die zusammen mit einigen engagierten Sakaern so viel wie möglich von den alten Traditionen bewahren will. So wird immer in der Faschingszeit ein deutscher Tag organisiert. Am 5. Februar lud die Deutsche Selbstverwaltung zum Fest ein, wo die zwei wichtigsten örtlichen Institutionen ihr Können zeigten, nämlich der hiesige Kindergarten und der deutsche Chor. Seite 1-3
Das Gesetz der Sprache
Die Ungarn in der Slowakei kämpfen zur Zeit mit allen Mitteln gegen das slowakische Sprachgesetz, das nach ihrer Sicht den Gebrauch ihrer Muttersprache stark begrenzt. Alle öffentlichen Veranstaltungen und Aufschriften müssen zweisprachig sein. Sie empfinden dies als eine Verletzung ihrer Rechte und Identität. Ihr Gegner ist der slowakische Nationalismus, der sich im Gesetz des Staates verkörpert. Denn die Ungarn wissen es genau: Die Sprache ist eine unerläßliche Trägerin der Identität. Wir müssen nicht mit dem ungarischen Staat um unsere Sprache kämpfen. Unser größter Gegner in dieser Hinsicht sind wir selbst. Seite 2
Ehrennadel-Träger 2010 - Dr. Béla Szende
Die höchste Auszeichnung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum", wurde am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen Dr. Béla Szende aus Fünfkirchen in Würdigung seines besonderen Einsatzes im Dienste seiner deutschen Volksgruppe mehrere Jahrzehnte hindurch zugesprochen. Außer ihm erhielten noch Prof. Dr. Elisabeth Komlósi-Knipf (5/2010) und Theresia Rónai (3/2010) die Ehrennadel. Aus Gesundheitsgründen konnte Dr. Szende die Auszeichnung auf der Landesgala im Budapester Kongreßzentrum am 9. Jänner nicht entgegennehmen, so wurde sie ihm vom Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Otto Heinek, am 18. Jänner zu Hause in Fünfkirchen überreicht. Seite 3
Tanzgala des Saarer Tanzensembles - zwölfte Leistungsschau
Die Saarer Tanzgruppe wurde im Jahre 1998 gegründet. Ihr vorrangiges Anliegen war es, die berühmte Saarer Stimmung und die schwäbische Volkskultur nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, sie weiterzugeben sowie die aktive Dorfgemeinschaft zu fördern. Sie trat öfters in Ungarn und in Deutschland auf und nahm schon an sechs Europeade-Festivals teil. Heute tanzen 138 Jugendliche in fünf Altersklassen. Die Ältesten sind schon junge Erwachsene, die seit zwölf Jahren dabei sind. 2008 hat das Ensemble beim Landeswettbewerb der ungarndeutschen Volkstanzgruppen die „Goldene Qualifizierung" gewonnen. Künstlerisch werden die Altersgruppen eins und zwei von Josef Wenczl und die anderen drei von Peter Schweininger geleitet. Er ist auch der organisatorische Leiter der Tanzgruppen. Seite 4
„Rierdi", „Tuetwas" oder „Tumüti"?
Was sagte wohl einst die Großmutter schwäbisch zu ihrem Enkel, wenn sie befahl: Beeil dich! Als alteingesessener Wuderscher sollte man schon wissen, welches von den obigen Worten es war: „Tumüti" sagte sie dann. Diese drei Begriffe standen nämlich auch im ortsgeschichtlichen Toto, welches all jene, die vergangenen Sonntag zum Binklball ins Wuderscher Kulturhaus gekommen waren, ausfüllen und bei allen 13 richtigen Antworten mit etwas Glück eine deftige Schlachtplatte gewinnen konnten. Da gab's auch Fragen wie: Was wurde nicht in Wudersch hergestellt? Bier, Bitterwasser oder Sekt? Bier natürlich. Und wie werden ungezogene Kinder schwäbisch genannt? „Paungad!" Seite 4
Wiener Erfindung aus dem Jahr 1829 veränderte weltweit die Volksmusik
Das 11. Akkordeon-Festival findet heuer zwischen dem 20. Feber und 22. März an 20 Orten in ganz Wien statt. Wien spielt bei der Entwicklung des Akkordeons die Geburtsrolle: Am 23. Mai 1829 meldete der auf der Mariahilfer Straße wohnende Instrumentenbauer Cyrill Demian ein zweijähriges Patent auf das von ihm und seinen Söhnen entwickelte "Accordion" an. "Dieses Instrument hat die Gestalt eines kleinen Kästchens mit einem Blasebalg", heißt es in den Patentunterlagen. Im Unterschied zu anderen Modellen - 1821 meldete der Wiener Klavierbauer Anton Haeckl ein Patent auf seine entworfene "Physharmonika" an - hatte Demians Entwurf statt eines doppelten Balges nur einen einfachen, der von Hand aufgezogen und zugedrückt werden konnte. Im Technischen Museum befindet sich das älteste Accordeon von Joseph Müller aus dem Jahr 1839. In den nächsten Jahren eroberte das "Wiener Accordeon" die Welt. Seite 5
„Die Volksarchitektur im multiethnischen Südungarn"
Der Schutz, die Instandhaltung und die Renovierung der alten Bauten waren das Thema einer öffentlichen Tagung im Lenau-Haus am 11. Februar. Aus mehreren Blickwinkeln wurde der Erhalt dieser traditionellen Bauten diskutiert, Architekten, Volkskundler und andere Fachleute trugen ihre Forschungsergebnisse vor. Seite 12
Sitzung des Minderheitenrates in Fünfkirchen: Keine zusätzlichen Gelder für die Minderheiten in Fünfkirchen im Kulturhauptstadtjahr Seite 12
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