Die Budapester Deutsche Selbstverwaltung existiert seit 1995 und war bis zu den Wahlen 2006 die einzige sogenannte Komitatsselbstverwaltung. Eva Mayer Bajtai (Foto) ist seit 1998 die Vorsitzende dieses Gremiums. NZ sprach mit ihr.
Foto: Bajtai László
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Wie funktioniert die Deutsche Selbstverwaltung Budapest?
Es gibt 23 Stadtbezirke in Budapest, mit von 60 000 bis 150.000 Einwohnern, diese wählen die örtlichen, d. h. die Bezirksselbstverwaltungen. Zur Zeit gibt es 22 Bezirksselbstverwaltungen sowie die Hauptstadt. Die Mitglieder der Bezirksselbstverwaltungen wählten die Budapester Deutsche Selbstverwaltung.
Wie ist Ihrer Meinung nach die Lage in Budapest?
Der Sprachverlust ist in Budapest enorm groß gewesen. Die Familien kamen entweder vom Lande, wie auch ich, ich stamme aus Badesek, oder leben hier, wie z. B. in Schorokschar, bis heute in einer deutschen Gemeinschaft. Altofen, Franzstadt, Josefstadt, Neuofen, Neupest usw. sind früh städtisch, bürgerlich geworden. Und hier fragt niemand den Nachbarn, welcher Nationalität er ist. So was fällt niemandem ein. Existent ist aber der Anspruch auf den deutschen Nationalitätenunterricht. Es war klar, daß, um die deutsche Sprache lebendig zu halten, die Kindergärten die Rolle der Familien übernehmen müssen, was den Sprachgebrauch betrifft, und die Kinder so für den schulischen Unterricht vorbereiten.
Was konnten Sie in diesem Bereich unternehmen?
Unsere wichtigste Aufgabe war es, deutsche Nationalitäten-Kindergärtnerinnen auszubilden. Weil dies in Budapest nicht erfolgte, hat die Budapester Deutsche Selbstverwaltung in Zusammenarbeit mit der Ödenburger Benedek-Elek-Hochschule für Kindergartenpädagogik eine Filiale in der Akademia-Straße, wo sich unser Sitz befindet, eingerichtet. In zehn Jahren erwarben 143 deutsche Nationalitäten-Kindergärtnerinnen ihr Diplom. Wichtig ist unser Unterrichtsprojekt. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten begann in der Hauptstadt der deutsche Nationalitätenunterricht in 23 Grundschulen, die Erziehung in über 20 Kindergärten. Also wenn mich jemand mit der Bitte anruft - und das kommt oft vor - behilflich zu sein, da man eine Schule mit deutschem Nationalitätenunterricht sucht, frage ich sofort, wo wohnen Sie, und dann kann ich zwei-drei Schulen in der Nähe nennen.
Arbeiten die Budapester Deutsche Selbstverwaltung und die Bezirke aktiv zusammen?
Ja, schon, obwohl die Situation sehr unterschiedlich ist. Wir koordinieren die Tätigkeit in den Bezirken, dabei hilft das Regionalbüro in Budapest. Wir haben Programme wie den Europatag der Deutschen in Budapest, die Adventsfeier, den deutschen Rezitationswettbewerb. Oder wir laden zusammen mit den Bezirken die Seksarder Deutsche Bühne mit Kinderaufführungen ein
Wie sieht es finanziell aus, denn ich kann mir vorstellen, daß in Budapest alles mehr kostet?
Eine Budapester Bezirksselbstverwaltung finanziert meistens 10 oder 12 verschiedene Minderheitenselbstverwaltungen. Anfangs waren die finanzielle und die moralische Unterstützung größer, heute ist die moralische Unterstützung geblieben, vor allem, weil die deutschen Schulen und Kindergärten bewiesen haben, wie wichtig sie sind. In den Bezirken gibt es über 15 eingetragene ungarndeutsche Vereine und Stiftungen. Um die finanzielle Unterstützung müssen wir uns bewerben. Der Erfolg ist unterschiedlich. Ich habe im letzten Jahr in der Hauptstadt 22 Bewerbungen bzw. Anträge gestellt, dadurch konnten wir unseren Jahresplan verwirklichen. Wir müssen mehrere zehntausend Forint pro Stunde bezahlen, wenn wir einen Saal mieten. Auch die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen fördert unsere Arbeit. Budapest muß aber seine Vertretung in der LdU verbessern, dies ist eigentlich seit mehreren Legislaturperioden ungelöst. Wir sind zur Zeit durch drei Abgeordnete in der Vollversammlung vertreten.
Was ist Ihr wichtigstes Ziel in diesem Amt?
Mein größtes Ziel war und ist bis heute, den deutschen Nationalitätenunterricht in Budapest zu stabilisieren. Das ist, in Zusammenarbeit mit den Bezirken, gelungen. Das Budapester Deutsche Nationalitätengymnasium unterstützen wir seit 15 Jahren auf vielfältige Art. Jeweils zehn Schüler erhalten von uns ein Jahresstipendium, jedes Jahr veranstalten wir unser Landestreffen der Theatergruppen in der Mehrzweckhalle des Gymnasiums, wir fördern die Unterrichts- und Kulturtätigkeit, organisieren regelmäßig Weiterbildungen für Pädagogen. Auch unsere Verlagstätigkeit halte ich für sehr wichtig. Wir haben für die Schulen und Kindergärten verschiedene Publikationen herausgegeben. Natürlich sind wir bestrebt, junge Leute in unsere Arbeit einzubeziehen, die mit neuen Ideen und Engagement unsere Tätigkeit bereichern. Das Angebot an kulturellen und gesellschaftlichen Programmen in einer europäischen Metropole ist groß, unsere Nationalitätenprogramme sind einige von diesen, auch wenn sie für uns am wichtigsten sind. Wir haben uns in der Hauptstadt gefunden, pflegen die deutsche Sprache und die Traditionen und tragen zum Entstehen von neuen Werten der ungarndeutschen Kultur - beispielsweise durch Förderung der zeitgenössischen Literatur und der Kunst - bei. Chr. A.
Aus dem Inhalt
Rezitationswettbewerbe
Am 12. März findet in Altenburg der regionale Entscheid des Rezitationswettbewerbes für ungarndeutsche Grundschulen statt. In Vorbereitung kam es zu Entscheiden im Komitat Raab-Ödenburg-Wieselburg und in der Hauptstadt. Eingehend über diese beiden Wettbewerbe berichten wir in NZjunior. Seite 1
Groß-Sigeth: „Die Schwaben der Gegend zogen in die Stadt"
Etwa ein Prozent der Einwohner von Groß-Sigeth/Szigetvár sind deutscher Abstammung, doch bis jetzt war diese Minderheit eher unbedeutend im Leben der Stadt. Dies sollte sich durch die Gründung der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung im Jahre 2006 ändern. „Es war ein selbstverständlicher Bedarf, dieses Gremium zu gründen", so Frau Andrea Szilber-Vásárosi, Mitglied der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung. Seite 1
Deutsches Sprachdiplom Schule in Bonnhard
Die BONI Mihály Vörösmarty Grundschule funktioniert seit Januar 2010 als Deutsches Sprachdiplom Schule, teilte Schulleiter Helmut Herman Bechtel mit. Die Schule hat im Schuljahr 2008/2009 eine Bewerbung eingereicht, um den Titel DSD-Schule zu erwerben. Das Deutsche Sprachdiplom der deutschen Kultusministerkonferenz wurde von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen (Köln) entwickelt. Die Achtkläßler der Schule können das Deutsche Sprachdiplom dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen entsprechend auf den Niveaustufen A2 - B2 ablegen. Seite 1
Wie sicher ist die Rente?
Wie immer in der Kampagnenzeit, entdecken die politischen Kräfte die Rentner als wichtige Wählerbasis. Um ihre Stimme wird mit positiven und negativen Botschaften gerungen. Positiv ist, was man selbst verspricht, negativ sind immer die angeblichen Pläne der Konkurrenten. Sie können Ihre Meinung zu diesem Beitrag an folgende E-Mail-Adresse senden: nzmeinung@yahoo.de Seite 2
Wo kommt Ihr her?
Der Titel könnte auf viele Schichten der Gesellschaft zutreffen. Zum Beispiel auf Menschen mit einer anderen Hautfarbe als die Mehrheit in einer Gesellschaft, auf Behinderte, auf Homosexuelle, auf Leute, die irgendeiner Minderheit angehören. Aber auch auf diejenigen, die Tätowierungen oder Piercings haben, die ausgefallen, auffallend gekleidet rumlaufen, oder auf die etwas Dickeren. Wir leben im 21. Jahrhundert, doch an der Toleranz sieht man das nicht so richtig. Einige Leute können zum Beispiel akzeptieren, daß in naher Zukunft vielleicht Menschen geklont werden, aber gleichgeschlechtliche Liebe können sie nicht billigen. Wir können dieses „Nicht-akzeptiert-Werden" Tag für Tag beobachten. Seite 3
Bohl - Ortsgeschichtliche Ausstellung
Die Ausstellung wurde am 15. März 2001 in dem 1752 erbauten ehemaligen Kornspeicher des Batthyány-Herrschaftsgutes eröffnet. Im Erdgeschoß des Gebäudes befindet sich die städtische Bibliothek, im ersten Stock kann man die ortsgeschichtliche und Volkskundeausstellung besichtigen. Nach der Vorstellung der ersten schriftlichen Dokumente, die den Namen von Bohl erwähnen, kann man einen Einblick in die Geschichte und in das Leben der Menschen vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis 1946, als der Bevölkerungsaustausch stattfand, gewinnen. Der Besucher kann neben dem reichhaltigen Stoff des Batthyány-Archivs viele Dokumente und Fotografien aus dem Leben des katholischen Vereins, über die Geschichte der Kirchengemeinschaft sowie über das Gemeinschaftsleben der aus dem Oberland angesiedelten reformierten Ungarn betrachten. Seite 4
Krapfen und gute Laune
Schon am Mittag versammelten sich die Frauen aus dem Deutschklub der Branauer Stadt Kumlau/Komló, denn Faschingskrapfen aus sechs Kilo Mehl zu backen, das braucht viel Zeit. Seite 4
Landschaften von Volker Schwarz Eine Bildausstellung im Budapester Haus der Ungarndeutschen
Anläßlich des 50. Geburtstages des Malers in diesem Jahr organisierte der Verband Ungarndeutscher Autoren und Künstler (VUdAK) eine Kunstausstellung des aus Ulm stammenden Kunstmalers Volker Schwarz. Der Maler hatte zuerst noch in den 80er Jahren in Tübingen ein Philosophiestudium begonnen, zog aber 1990 nach Ungarn und studierte an der Budapester Kunstakademie unter Professor Zoltán Tölg-Molnár die Malerei. Sein anderer Lehrmeister war Adam Misch. Seite 5
„Archiv der Deutschen aus Ungarn" 2008
Im Mittelpunkt des Archivs der Deutschen aus Ungarn 2008 steht das religiöse Leben der Ungarndeutschen, das auf vielfältige Weise durch breitgefächerte Themenbereiche beleuchtet wird. Seite 6
Friedrich-Schiller-Gymnasium seit fünf Jahren
2009 war für das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Werischwar/Pilisvörösvár ein zweifaches Jubiläumsjahr. Seite 6
Bauhaus-Tagung: „Fünfkirchen soll der Welt zeigen, was für berühmte Söhne es hat"
Der Bauhausstil ist in Ungarn weniger bekannt, obwohl bedeutende Vertreter dieses Bau- und Designstils aus deutschsprachigen Familien in Fünfkirchen stammen. Das Lebenswerk von Marcell Breuer, Farkas Molnár und Andor Weininger kennen aber auch die Fünfkirchener kaum. Daran etwas zu ändern war das Ziel der Bauhaus-Tagung, die am 26. Januar im Fünfkirchner Haus der Künste stattgefunden hat. Auch aus dem Ausland kamen Architekten. Es sei wichtig zu zeigen, wieviel Fünfkirchen Europa gegeben habe, die Künstler der Stadt seien bedeutende Akteure der europäischen Kultur, betonte Ferenc Csák, Staatssekretär im Kultusministerium, bei der Eröffnung der Konferenz. Dies beziehe sich nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die heutige Zeit. „Kunst und Kultur geben einer Stadt nicht nur einen Rang, sondern zeigen auch die Richtung der Entwicklung. Fünfkirchen wird sich in den kommenden Jahren sehr verändern", so Csák. Seite 11
Fünfkirchner Spaziergänge
Seit dem 10. Januar ist Fünfkirchen eine der drei Kulturhauptstädte Europas in diesem Jahr. Wenn man jedoch durch die Straßen Fünfkirchens spaziert, ist diese Tatsache rein äußerlich nicht wahrzunehmen. Von der Rákóczi-Straße Richtung Theaterplatz laufend sieht man den versperrten Kossuth-Platz. Unter dem Platz wurde eine Tiefgarage eingerichtet, die schon benutzbar ist, jedoch mit sehr hohen Parkgebühren. Sehen kann man soviel, daß die Kossuth-Statue umgestellt wurde: sein Blick richtet sich nun nicht nach Westen, sondern nach Süden und er steht nun in der Mitte des Platzes. Vielleicht ist dieser Wandel konzeptionell damit zu begründen, daß die Balkan-Veranstaltungen im Programm dieses Jahres einen hohen Stellenwert einnehmen werden? Seite 11
Treffpunkt Naschmarkt - Wege durch Wiens kulinarisches Herz
Nur einige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt, zwischen Linker- und Rechter Wienzeile entlang des Wienflusses, hat sich der Wiener Naschmarkt auf 23.000 Quadratmetern zum größten Markt Österreichs und über seine Rolle als Nahversorger hinaus zu einem multi-ethnischen Treffpunkt entwickelt. An 120 fixen und 90 temporären „Standln" findet sich alles, was das Herz des Genießers an Eßbarem begehrt: Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch, Backwaren und Lebensmittel, Gewürze und Kräuter, Käse und Wein, Tees und Kaffee, Süßes und Saures, Scharfes und Mildes, Blumen oder etwa Naturseifen - nach alter Markttradition frisch vom Block geschnitten und nach Gewicht verkauft. Seite 12
Die Geschichte der deutschen Spielkarten ist spannender als jeder Krimi
Vorbemerkung: Die Verfasserin dieses Artikels, heute 38, hat die Leidenschaft fürs Kartenspielen gewissermaßen schon mit der Muttermilch eingesogen. Erinnerungen ans elterliche Haus gründen bei ihr vor allem auf endlos-vergnügliche Doppelkopfabende. Die Begeisterung am Spielen ist ihr über knapp vier Lebensjahrzehnte geblieben. Das Spielgerät aber war all die Zeit Nebensache. Erst beim diesjährigen Weihnachtsurlaub in Stralsund fiel ihr auf, daß sie über die Karten bisher nichts wußte. Dabei ist die wechselhafte Geschichte der Spielkartenherstellung in Deutschland eindeutig packender als jede noch so hart umkämpfte Doppelkopf-Partie. Seite 12
Wir möchten all das machen, worin wir gut sind Offener Brief an den Präsidenten der GJU und seine Antwort
Beim traditionellen GJU-Hallenfußballturnier im Fünfkirchner Valeria-Koch-Schulzentrum am Wochenende vom 29.-31. Jänner wurde die Schomberger Fußballmannschaft von der Teilnahme ausgeschlossen. In diesem Zusammenhang schrieb Zsolt Jordán aus Schomberg einen offenen Brief an den Präsidenten der GJU, Emil Koch, und möchte einige Antworten bekommen. Wir veröffentlichen den Brief und die Antwort des GJU-Präsidenten. Seite 13
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