Tüke-Preis an Diözesanbischof Michael Mayer Christliche Identität stärken Drucken
6. Feber 2010
Eine der höchsten Auszeichnungen von Fünfkirchen, den sog. Tüke-Preis, erhielt heuer Michael Mayer (Foto), Bischof der Diözese Fünfkirchen. Die Auszeichnung wurde vom Ehrenvorsitzenden der Tüke-Stiftung Georg von Habsburg am 21. Jänner in der Basilika der Stadt überreicht. Seit 2004 bekommen Personen den Tüke-Preis, die Unvergängliches für die Stadt, für ihre Bürger geleistet haben. Die Auszeichnung vergibt die Stiftung seit sieben Jahren. Über die zu ehrende Person entscheiden die Bürger von Fünfkirchen durch eine Abstimmung.

Michael Mayer wurde 1941 in Kleindorog in der Tolnau in einer schwäbischen Familie geboren. Seine theologischen Studien hat er in Raab abgeschlossen. Er war Priester und Abtpfarrer in Simonsturm, Pincehely, Tamaschi, Feldwar und Seksard. Seit 1989 ist er Bischof der Diözese Fünfkirchen. Seit der Wende ist Bischof Mayer bestrebt, in den Komitaten Branau und Tolnau ein Netz der kirchlichen Institutionen auszubauen. Viele ehemalige kirchliche Gebäude hat die Diözese zurückerwerben können, sie ist Trägerin von Bildungs- und Kultureinrichtungen. Die NZ sprach nach der Preisverleihung mit Michael Mayer.

Was bedeutet Ihnen dieser Preis, den Sie eigentlich von den Bürgern der Stadt bekommen haben?

Es ist für mich eine Freude, daß ich die Auszeichnung nicht von einer Partei, nicht von Interessen- und Lobbygruppen bekommen habe. Das zeigt, daß bei der Vergabe nicht der erhoffte Nutzen und Ichsucht wichtig waren, sondern man hat auf die qualitative Arbeit geachtet. Nicht nur ich kann darauf stolz sein, sondern auch die Gläubigen und diejenigen, die mir geholfen haben, denn ohne sie wären die erreichten Ergebnisse der vergangenen 20 Jahre nicht möglich gewesen.

Welche dieser Ergebnisse waren Ihrer Meinung nach die wichtigsten?

Vor allem, daß die Stadt viel erreicht hat und auch seelisch sowie intellektuell reicher geworden ist. Dazu war auch jene institutionelle Struktur nötig, die wir versucht haben auszubauen. Die Diözese hatte ja vor der Wende keine Immobilien und auch kein Geld. Wir tragen jetzt Schulen, Kultureinrichtungen, wir haben auch die finanzielle Not überwinden können. Deswegen denke ich, daß wir das Geld nicht aus dem Fenster geworfen haben, sondern wir haben es gut und klug investiert. Es gab Menschen, denen das nicht gefallen hat. Wir versuchten aber, die Menschen, die Kinder zu erziehen, zu unterrichten. Das größte unserer Probleme ist, daß wir wenig Priester haben. Das haben wir so überwunden, indem wir an unserer theologischen Hochschule auch solche weltlichen Menschen ausgebildet haben, die jetzt im Religionsunterricht tätig sind und auch Aufgaben erfüllen, die früher Priester verrichtet haben.

Sie haben schon ins Gespräch gebracht, daß einige Ihrer Schritte auf Kritik seitens der Stadt und der Glaubensgemeinschaft gestoßen sind. Welche Ziele haben Sie vor Augen gehabt seit 1989?

Meine Leitsätze als Bischof sind von Anfang an, daß ich nicht andere kopieren soll, daß ich nicht eigennützige Interessen verfolgen soll, daß ich nicht zur Musik anderer tanzen soll. Man muß in der Durchsetzung des Glaubens und der Vorstellungen, die den Menschen dienen, oft hartnäckig sein. Dazu hat mir der liebe Gott oft Kraft gegeben. Konflikte und Kritik habe ich nie als Feindseligkeit betrachtet, sondern als eine Form des anderen Denkens. Man muß sich diese Meinungen anhören und bedenken, und man muß sich im klaren darüber sein, daß man nicht alles erreichen und jedem entsprechen kann.

Die Fünfkirchner Diözese ist eine multiethnische Glaubensgemeinschaft, denn in den Komitaten leben viele Minderheiten. Welche Aufgaben hat die Diözese diesbezüglich?

Wir haben deutsche und kroatische Wallfahrten organisiert, es gibt Messen in der Muttersprache. Man muß den Minderheiten die Möglichkeit geben, ihren religiösen Reichtum und ihr religiöses Brauchtum zu zeigen.

Die Diözese hat 2009 ihr 1000jähriges Bestehen gefeiert. Fünfkirchen ist in diesem Jahr Kulturhauptstadt Europas. Welche Rolle hat die Kirche im Jahr 2010 bzw. im 21. Jahrhundert?

Die Kirche hat immer die gleichen Aufgaben, nur die Art der Herangehensweise ist anders. Der Mensch soll edelmütig gemacht werden. Man muß Verantwortung zeigen und den Menschen einen Kompaß in die Hand geben. Die Kirche muß auch im neuen Jahrhundert Kultur zeigen und vermitteln. Die europäische Kultur, so auch die Kultur in Fünfkirchen, hat im Christentum ihre Wurzeln. Wenn wir in der Stadt die Rolle der Kultur stärken wollen, dann muß auch die christliche Identität gestärkt werden. Es ist ein falscher Weg, wenn jemand die Kultur teilt und sagt, daß es eine weltliche und eine christliche Kultur gibt. Das führt zu solchen falschen Ideologien wie zum Beispiel zur Utopie des Kommunismus. Die Kultur, die auf falscher Ideologie beruht, kann nur für eine kurze Zeit bestehen und nur wenig Menschen erreichen. Wir müssen auf die kulturellen Wurzeln bauen, die in Fünfkirchen seit mehr als 1000 Jahren bestehen.
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Aus dem Inhalt

Hat Minderheitenkultur noch eine Zukunft?

Unter diesem Titel stellte Ombudsmann Dr. Ernô Kállai den Minderheitenbericht 2009 der Presse vor. Der parlamentarische Beauftragte für Minderheitenrechte machte keinen Hehl aus seiner Skepsis und bemerkte gleich am Anfang seines Berichts, ohne grundsätzliche Veränderungen werde der Assimilationsprozeß mit Riesenschritten voranschreiten.
Vor allem sei der fehlende Institutionshintergrund, so Kállai, für den Identitätsschwund verantwortlich, da die Minderheitenidentität nur in der Gemeinschaft erlebbar sei, und dazu bedürfe es intakter Institutionen. Diese aber würden den meisten Minderheiten fehlen. Überhaupt sei es heute unmöglich, korrekte Zahlen über jene Einrichtungen zu ermitteln, die einen Minderheitenauftrag hätten.
Seite 1-2

"Wir wollen die Identität neu erwecken"

In idyllischer Umgebung, 30 Kilometer von Budapest entfernt, liegt das 2200 Einwohner zählende Dorf Heiligenkreuz/Pilisszentkereszt. Im 18. Jahrhundert wurden im Ort zahlreiche deutsche und später slowakische Familien angesiedelt, inzwischen überwiegt aber die Zahl der Slowaken, nachdem die Vertreibung nach dem Krieg die Deutschen in der Ortschaft schwer dezimierte. In der Schule erfolgt slowakischer Nationalitätenunterricht und auch die Tanzgruppe hat überwiegend slowakische Tänze im Repertoire. Doch die übriggebliebenen Deutschen wollten der Assimilation entgegenwirken, und der erste Schritt in diese Richtung war die Gründung einer deutschen Minderheitenselbstverwaltung im Jahre 2006.
Seite 1-3

Schwabenball in Tschepele
Als eine "Traditionsschaffende Nacht" hatten wir den Bericht über den ersten Schwabenball im „roten" Tschepele betitelt (NZ 10/1991), zu dem der damals 100 Mitglieder zählende Freie Kulturverein der Tschepeler Schwaben unter der Leitung des Deutschlehrers Franz Katona eingeladen hatte. Der Schwabenball entwickelte sich unter dem Vorsitz von Juci Kaltenecker (Foto) zu einem regionalen kulturellen Ereignis. Beim 20. Schwabenball jetzt am 23. Jänner unterhielten örtliche und befreundete Kulturgruppen die über 700 Ballgäste in der Sporthalle. Die Schirmherrschaft hat seit Beginn Ehrenbürger Karl Lotz, ehemaliger Verkehrsminister, inne, der eine gebürtige Tschepelerin geheiratet hatte. (Über weitere Schwabenbälle berichten wir auf Seite 4.)
Seite 1

Kokesch: Minderheiten pflegen gemeinsam ihre Traditionen

Das 11. Mal haben die örtliche und die Deutsche Selbstverwaltung in Kokesch/Kakasd das Schlachtfest nach seklerisch-schwäbischer Art veranstaltet. Diesmal wurde es sogar - da auch vier oberungarische Familien in Kakasd leben - um die oberungarische Art erweitert.
Seite 2

Wir stehen vor der Wahl
Seite 2

"Wir sind gerichtlich immer noch nicht eingetragen"

Franz Erdei ist Vorsitzender des Verbandes Ungarndeutscher Selbstverwaltungen im Komitat Weißenburg. Der Komitatsverband arbeitet eng mit dem Nachbarkomitat Wesprim zusammen. NZ befragte ihn.
Seite 3

Surgetin - Heimatmuseum

Zur Zeit der Schlacht um Mohatsch (29. August 1526) haben die Türken auch die etwa 15 Kilometer vom Schlachtfeld entfernte Ortschaft Surgetin/Szederkény nicht ungeschoren gelassen. Die Neubesiedlung der menschenleeren Gegend begann im Jahre 1720, als vor allem aus der Fuldaer Region, aus Hessen deutsche Siedler kamen.
Seite 4

Der Bildhauer als Privatmensch

Unter dem Titel "Alajos Stróbl (1856 - 1926) - Der letzte Kavalier der Romantik" ist bis zum 22. Mai im Molnár C. Pál Atelier-Museum eine aus dem Familienbesitz zusammengestellte interessante Ausstellung zu besichtigen.
Seite 5

20 bühnengerechte Texte

Die Anthologie The-Äther/Szín-Gáz, 2009 von der Budapester Deutschen Selbstverwaltung herausgegeben, enthält 20 bühnengerechte Texte, die in der Zeitspanne 2004-2009 im ungarndeutschen Kindertheaterlager entstanden sind. Der Band vereint die Ergebnisse der Zusammenarbeit von Theaterpädagogen, Lehrern und Schülern in 7 Kapiteln mit unterschiedlicher inhaltlicher Schwerpunktsetzung. Zum Buch gehört auch eine Begleit-DVD mit den Inszenierungen der kurzen Stücke.
Die Textsammlung bietet einerseits eine unterhaltende Lektüre, andererseits auch Tipps und Beschreibungen für eine eigene Inszenierung. Da die Texte urheberrechtlich frei und für die Grundschulbühne geeignet sind, können sie als produktive Grundlage für theaterpädagogische Projekte und Aufführungen dienen.
Seite 6

Sensationsfund im Bautzener Domstift

Bautzen, die ehrwürdige Stadt an der Spree, besitzt zahlreiche sakrale Bauwerke, wobei der Dom St. Petri eine der ältesten und größten Simultankirchen Deutschlands ist. Er ist der älteste Kirchenstandort der Oberlausitz (der Bischof von Fünfkirchen Michael Mayer zelebrierte hier schon eine Messe). In seinem Schatten errichtete Anfang des 13. Jahrhunderts Bischof Bruno II. von Meißen den Domstift. Bis 1980 war hier auch der Sitz des Bischofs, welcher dann nach Dresden umgesiedelt wurde. Heute sind hier die Bibliothek, das Archiv, die Domschatzkammer und das bischöfliche Ordinariat untergebracht.
Bei Aufräumungsarbeiten entdeckte die Leiterin des Diözesanarchivs Brigitte Mitzerlich in einer Mauernische einen versteckten Karton. Darin lagerte ein sorgfältig verpacktes Dokument. Es handelt sich dabei um eine päpstliche Nachricht vom 21. Januar 1676.
Seite 12

Anders als bisher
István Sztán, Vorsitzender der Minderheitenkommission des Ungarischen Fußballbundes, zum GJU-Fußballturnier

Die Kommission für Minderheiten des Ungarischen Fußballbundes (MLSZ) wurde vor einem Jahr gegründet, um die Arbeit "anders als bisher" auf einer neuen Grundlage fortzusetzen. Die Zielsetzung ist, über die Landesselbstverwaltungen der 13 Minderheiten die Jugendlichen, die gerne Fußball spielen, zu erreichen. In der Kommission ist GJU-Präsident Emil Koch Mitglied, die Romas, Kroaten, Slowaken und Rumänen sind ebenfalls vertreten. Vorsitzender der Kommission ist István Sztán, der dieses Jahr das GJU-Fußballturnier besucht und unterstützt hat. Wir sprachen mit ihm.
Seite 13

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