| Der Samen ist auf guten Boden gefallen Gespräch mit Prof. Dr. Elisabeth Komlósi-Knipf | ![]() |
| 29. Jänner 2010 | ||
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Prof. Dr. Elisabeth Komlósi-Knipf (Foto), Leiterin des Germanistischen Instituts der Loránd-Eötvös-Universität in Budapest, wurde am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen, am 9. Januar, mit der Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum als Anerkennung für ihr Engagement für die Volksgruppe in der Forschung und auch für ihren Einsatz für die Ungarndeutschen ausgezeichnet.
Frau Prof. Knipf, wie fühlt man sich als Ehrennadel-Ausgezeichnete? Ich bin sehr glücklich und freue mich. Ich weiß, daß diese Auszeichnung nicht nur meiner Person gilt, sondern auch meiner Umgebung: meiner Familie, meinen Kollegen, die es ermöglichen, daß ich gut arbeiten kann. Die Unterstützung von zu Hause, von den Kollegen, auf dem Arbeitsplatz weiß ich zu schätzen. Von zu Hause aus sind mir Identität, Selbstbewußtsein in die Wiege gelegt worden. Wie ist es dazu gekommen, daß Sie Sprachwissenschaftlerin geworden sind? Von meiner Kindheit an hatte ich ein reges Interesse für Sprachen. Ich komme aus einem dreisprachigen Dorf (Gara), mein Vater und mein Großvater beherrschten alle drei. Mein Vater hat mit mir auch Hochdeutsch gesprochen, er hat mir auch deutsche Bücher geschenkt, die er mir vorgelesen hat. Erste Impulse habe ich im Elternhaus bekommen. Am Gymnasium hat mich die ungarische Grammatik interessiert, mit dem Deutschen hatte ich kein Problem, ich wollte gut Ungarisch können. In den 70ern hat sich an den Universitäten in Deutschland Soziolinguistik etabliert, die sich mit dem Sprachgebrauch bei Individuen und Gruppen befaßt. Ich hatte damals die Möglichkeit, durch Verwandte nach Deutschland zu kommen. Ein unwiederbringliches Erlebnis war für mich, als ich die Bibliothek in München erkunden konnte. Ein Semester habe ich in Halle an der Saale studiert. Anfang der 70er war es nicht leicht, in die BRD zu kommen. Sehr prägend war, als ich Schillers Briefe zur Erziehung der Menschheit gelesen habe. Die Sprache Schillers hat mich fasziniert! Welche Forschungsgegenstände haben Sie innerhalb der Sprachwissenschaft verfolgt? Als ich in Fünfkirchen am deutschen Lehrstuhl zu unterrichten begann, habe ich grammatische Übungen gehalten und diese Richtung bin ich danach auch gegangen. In den 80ern wurde in Ungarn Soziolinguistik adaptiert, zuerst an der Akademie der Wissenschaft und danach an den Lehrstühlen und Instituten. Minderheitenforschung war damals nicht fortgeschritten, Prof. Hutterer, Prof. Manherz, Prof. Wild und Prof. Mollay haben in diese Richtung geforscht. Sehr viele Forschungsfragen standen aus. Meine Promotion an der Universität in Szegedin habe ich im Thema dialektale Morphologie verteidigt, danach habe ich Sprachgebrauchsforschung (Soziolinguistik) betrieben, danach habe ich mich Wortschatzfragen in den ungarndeutschen Dialekten gewidmet. Eine besondere Freude ist für mich, daß wir eine beachtliche Summe vom Ungarischen Forschungsfonds für das anerkannte Projekt Wörterbuch der Ungarndeutschen Mundarten (WUM) bekommen haben. So viel Glück am Anfang des Jahres zu haben macht mich sehr froh. Alle Forscher des WUM-Projektes sind mundartkundig und ausgewiesene Linguisten, außer mir sind noch Prof. Katharina Wild, Prof. Regina Hessky, Dr. Maria Erb und Dr. Marta Müller im Projekt. Frau Prof. Knipf, Sie sind zur Zeit forschungsfrei und arbeiten an einem Buch. Welches Thema behandeln Sie nun? Ich untersuche Veränderungsprozesse bei den ungarndeutschen Mundarten, der Arbeitstitel lautet in etwa "Dynamik im Wortschatz der Minderheitensprache". Der Wortschatz einer Minderheit verändert sich viel schneller als im Falle einer Nationalsprache, diese Veränderungen möchte ich im Buch behandeln. Es ist ein phantastisches Gefühl. Ich fühle mich wieder als Student, das Lesen bereichert mich sehr. Mein Horizont erweitert sich. Ich möchte die Forschung in eine Form bringen, die einem bestimmten Leserkreis etwas sagt. Sie haben Herta Müllers neuesten Roman "Atemschaukel" gelesen. Wie liest eine Sprachwissenschaftlerin dieses mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Buch? Der Titel Atemschaukel ist ein Kompositum, als Linguist erregt der Titel das Interesse. Man hat zum Thema (malenkij robot) auch eine familiäre Bindung. Ich lese es aus literarischem und kulturellem Interesse. Ich habe mich nicht getäuscht, man macht dabei einen großen Gewinn: die sprachlichen Neubildungen machen den Text sehr eindrucksvoll, es ist, als liefe ein Film vor meinen Augen, nur aufgrund der Versprachlichung. Frau Prof. Knipf, meinen Sie, daß Minderheitenangehörige in literarischen Texten durch kulturelle Erfahrungen innovativ in der Sprachschöpfung sind? Die Erfahrungswelt von Minderheitensprechern ist anders als die bei monolingualen (einsprachigen) Sprechern. Die Sprache ist auch ein Weltbild. Sprache und Kultur sind sehr eng miteinander verbunden. In Müllers Sprache stecken auch Traditionen, Denkweise, Erfahrungen der deutschen Minderheiten in Osteuropa. Dadurch wird man gefangengenommen, es ist ein phantastisches Gefühl. Sie unterrichten auch am Germanistischen Institut in Fünfkirchen. Kann die dortige Germanistik vom Kulturhauptstadttitel profitieren? Meine deutschen Kollegen wissen, daß in Fünfkirchen das Kulturhauptstadtjahr läuft, sie haben vor, nach Fünfkirchen zu kommen. Vom 9. bis 11. September wird eine internationale Tagung am Germanistischen Institut stattfinden, sehr viele Germanisten aus der ganzen Welt werden daran teilnehmen. Ich drücke die Daumen für Fünfkirchen, die Stadt ist ein Kleinod, ein wirkliches Schmuckkästchen. Wichtig ist, daß die bedeutendsten Plätze schön gemacht werden, mir fehlt noch ein bißchen mehr Grünes, aber hoffentlich wird im Frühjahr daran auch mehr getan. Was ist das Schönste am Lehrerberuf? Das höchste Glück ist, egal in welchem Teil des Landes ich in ein kleines Dorf komme, man erkennt mich. Meine ehemaligen Studenten kommen zu mir hin, und man weiß, der Samen ist auf guten Boden gefallen. Man weiß, daß man das Wissen weitergegeben hat. Die Aufgabe einer Germanistin ist es, die Sprachen und die Kultur in Ungarn zu verbreiten. Die Kulturverbundenheit ist ein sehr wichtiger Aspekt. Frau Prof. Knipf, herzlichen Dank für das Interview! angie * Aus dem Inhalt Erfahrungsaustausch unter Institutionen Werte schaffen die etwa 50 Institutionen der Landesselbstverwaltungen der Minderheiten, die im Zuge des Ausbaus der kulturellen Autonomie gegründet oder übernommen wurden. Die meisten Institutionen hat die slowakische Landesselbstverwaltung (12). Das dritte Mal trafen sich Vertreter von Schulen, Kulturzentren oder Museen, die von den Landesselbstverwaltungen betrieben werden, zu einem Erfahrungsaustausch, diesmal im Haus der Bulgaren in Budapest. Die Bulener in Rudabánya Vor allem die Bergwerkstraditionen wollen die Ungarndeutschen in Rudabánya, nördlich von Miskolc, bewahren. Die Nachkommen der vor etwa 130 Jahren aus Dobschau/Dobsina (heute Ostslowakei) eingesiedelten Bulener nennen sich auch Karpatendeutsche. Also die Bulener in Rudabánya haben erst 2006 eine Deutsche Minderheitenselbstverwaltung gegründet. Mit dem vordergründigen Ziel, die Denkmäler aus der einstigen Bergwerkszeit zu pflegen. Auch die evangelische Religion und die Kultur der Bulener sollen nicht in Vergessenheit geraten. Im einschlägigen Plan wurde festgehalten, daß demnächst die evangelische Kirche renoviert und auch der deutsche Sprachunterricht in der Stadt unterstützt werden sollen. Deutsche und kroatische Ortsschilder in Fünfkirchen - ein neuer Versuch Fünfkirchen und Pecuh soll künftig auch auf den Ortsschildern an der Grenze der Stadt Pécs zu lesen sein, dies haben die Deutsche und die Kroatische Selbstverwaltung in der Branauer Stadt beantragt. Auf der letzten Sitzung der Vollversammlung von Fünfkirchen am 21. Jänner hat Bürgermeister Zsolt Páva der Initiative sein Ja-Wort gegeben. Der für die Sache zuständige Ausschuß für Stadtentwicklung weiß von dem Projekt allerdings noch nichts. Hidasch - Heimatmuseum/Landschaftshaus Das Gebäude war zusammen mit dem Nachbarhaus im Besitz eines reichen Bauern, er hieß Johann Lukas. Für die Echtheit der Datierung auf der Fassade „1829" gibt es keinen Beweis. Die bearbeiteten Monolith-Pfeiler des Zaunes auf der Straßenseite sowie die Eisentore mit dem Monogramm J. L. loben das berufliche Können der damaligen Handwerker. Das Haus wurde in mehreren Abschnitten erbaut, seine Besonderheit ist der Dachstuhl mit einem Fachwerkgiebel. Es gibt im Gebäude einen freien Rauchfang, die Fenster und die Türen sind anspruchsvoll und ästhetisch, die Fassade hat einen reich gegliederten Verputz. Dr. Josef Schwing über sakrale Denkmäler in der Schwäbischen Türkei Im Saal 9 der alten Schule in Mutterstadt, der das Zuhause des Ortsverbandes der Donaudeutschen Landsmannschaft in Rheinland-Pfalz ist, hielt Privatdozent Dr. Josef Schwing einen Vortrag. Dr. Schwing, zur Zeit am Lehrstuhl Germanistische Linguistik der Mannheimer Universität tätig, legte in jahrzehntelanger mühsamer Arbeit eine Datenbank an, in der die Mundarten der Deutschen in Südungarn in vielfältiger Weise in Text und Ton archiviert sind. Darüber hinaus sammelte er alte Bilder und machte auch eigene Aufnahmen. Für seine vielfältigen Verdienste um den Erhalt nicht nur des ungarndeutschen, sondern auch des pfälzischen Volksgutes bekam er u. a. vom Johann-Eimann-Kulturrat die Johann-Eimann-Plakette und vom Bundespräsidenten Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er ist Jurymitglied beim pfälzischen Mundartwettbewerb „Dannstadter Höhe" und gilt als einer der besten Kenner der pfälzischen und auch der ungarndeutschen Mundarten. 2009 hat er eine Studie über "Die Namen der Stadt Pécs" herausgegeben, die am 19. Dezember in Fünfkirchen vorgestellt wurde. Holzskulpturen von Anton Dechandt "Vier Männer" lautet der Titel der Ausstellung in der Nádor-Galerie in Fünfkirchen. Das ehemalige Nobelhotel gleicht einer Baustelle, mit kargen Ziegelwänden und herausragenden Eisenstangen in der Decke, doch gerade diese einzigartige Kulisse biete eine besondere Atmosphäre. Privatsammlung vor der Öffentlichkeit Christa Wenzl war zwischen 1994 und 2000 Stellvertretende Direktorin des Österreichischen Kulturinstituts in Budapest und ist seit 2005 im hiesigen Österreichischen Gymnasium tätig. So kam sie in direkte Verbindung mit bildenden Künstlern und begann Mitte der neunziger Jahre, deren Werke zu sammeln. Mit der Zeit weitete sich diese Sammlung zu einer internationalen Kollektion aus, und auf Idee des Malers Károly Klimó - der auch die Rolle des Kurators übernahm - ist jetzt bis 19. Februar im Französischen Institut in Budapest eine Auswahl der Werke von etwa zwei Dutzend zeitgenössischen ungarischen und österreichischen Künstlern zu besichtigen. Vom Kindergarten bis zur Universität "Deutsch revital", für deren Herausgabe die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Zusammenarbeit mit dem Ungarndeutschen Forschungszentrum der ELTE sorgt, wurde vor sieben Jahren mit dem Ziel gegründet, den Erziehern und Lehrern aller Bildungsebenen - angefangen bei den Kindergärten bis hin zur Universität - ein Forum zu schaffen, auf dem man sich über die Veränderungen im ungarndeutschen Bildungswesen, ferner über praxisbezogene Empfehlungen, aber auch über Schwierigkeiten im Unterrichtsalltag austauschen kann. Darüber hinaus nimmt sich "Deutsch revital" der Aufgabe bewußt an, von Jahr zu Jahr alle Gesetzes- und Verordnungsmodifizierungen, die das ungarndeutsche Bildungswesen betreffen, in einer ausgesprochen für diese Zwecke geschaffenen Rubrik zu dokumentieren. Reihe junge Wissenschaft Bäcker, Drechsler, Faßbinder, Fleischhauer, Maurer, Möbeltischler, Schlosser, Schmied, Schneider, Steinmetz, Tapezierer und Zimmermann waren die untersuchten Handwerke, die Dr. Martha Müller in ihrer Dissertation aufgearbeitet hat. Zwischen 2002 und 2004 besuchte Frau Dr. Müller die Handwerker, die ihr bei der Datenerhebung ihrer aufwendigen Arbeit über die Merkmale der ostdonaubairischen Fachwortschätze in Werischwar behilflich waren. Wenn man nur daran denkt, daß die Mundart, die Muttersprache der Deutschen in Ungarn, ein im Verschwinden begriffenes Phänomen, darstellt, dürfte diese Arbeit vielleicht in der letzten Stunde vorgenommen worden sein. Die befragten Handwerker sind fast alle nach 1945 geboren worden. UNESCO-Weltkulturerbe in Fünfkirchen soll ab 2011 im Lichtermeer schwimmen Die urchristlichen Grabmäler in Fünfkirchen sollen ab 2011 in neuem Glanz Besucher anlocken, in das alte Umfeld soll die neueste Technik einbezogen werden. Die GmbH Pécs Örökség (Fünfkirchens Erbe) hat sich in den vergangenen Tagen um europäische Fördermittel in der Höhe von 50 Millionen Forint beworben, die Gesamtkosten des Sanierungsprojektes betragen 150 Millionen Forint. Mit dem Valeria-Koch-Preis ausgezeichnet: Bianka Kaszás Die 17jährige Bianka Kaszás übernahm bei der Landesgala der ungarndeutschen Selbstverwaltungen als einzige Preisträgerin in Tracht ihre Ehrung, den Valeria-Koch-Preis. Bianka Kaszás kommt aus Budapest und lernt dort im Deutschen Nationalitätengymnasium. NZ sprach mit der Preisträgerin. Valeria-Koch-Preisträger: Mariann Schindler und Mariann Molnár Mariann Schindler und Mariann Molnár erhielten bei der Landesgala am 9. Jänner einen geteilten Valeria-Koch-Preis. Sie sind Schülerinnen des László-Lovassy-Gymnasiums in Wesprim. Die beiden sind gute Freundinnen und vertreten die gleiche Wertordnung. Sie sind sehr stolz auf ihre Identität. Beide singen seit fünf Jahren im Nationalitätenchor und im gemischten Chor der Schule. Die zwei Schülerinnen sind in ihren Heimatdörfern (Totwaschon/Tótvázsony und Banda/Bánd) sehr engagiert und aktiv in der Traditionspflege. * Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung! Bestellmöglichkeiten Über die Neue-Zeitung-Stiftung Außerhalb von Budapest: In Budapest: Sie finden die Neue Zeitung in Geschäften von Lapker Zrt. Einzelpreis: 180 Ft Jahresabonnement: Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen. | ||