Das wichtigste Ereignis der Ungarndeutschen, die 14. Festgala am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen am 9. Januar, fand Zuspruch und Anerkennung von allen Seiten. Das zügige Programm bot einen amüsanten und niveauvollen Querschnitt und Einblick aus der und in die Arbeit der besten Kulturgruppen des Landes. Vorsitzender Otto Heinek bedankte sich bei den Abgeordneten der Deutschen Selbstverwaltungen - da langsam die nächste Wahlperiode eingeleitet wird - für ihren "häufig mit Konflikten verbundenen Einsatz".
Parlamentsabgeordneter Franz Schmidt, Kardinal-Erzbischof Péter Erdõ, Festredner Zoltán Balog und Otto Heinek mit Gattin Foto: Bajtai László
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Zoltán Balog, Vorsitzender des Ausschusses für Menschenrechte, Minderheiten, zivile und religiöse Angelegenheiten des Parlaments, sprach über die Wichtigkeit von Festen, denn der Mensch brauche „elementare Unterbrechungen", wodurch er sich für eine andere Dimension öffnen könne und zwar für „Kultur, Glaube, Religion und Identität". Mit dem Sinnbild Auswanderung der deutschen Vorfahren mit den Ulmer Schachteln sei unser Leben (auch ein Wanderweg) verbunden, doch und man müsse auch mental ankommen, wies er auf die doppelte Zugehörigkeit der Ungarndeutschen hin. „Wenn wir unsere Identität nicht bewußt festmachen, gehen unsere Werte verloren", so Balog. Und mit Blick auf die Jugend betonte der Festredner, daß es von enormer Wichtigkeit wäre, neue Formen der Identitätspflege und der Identitätsfindung zu suchen. Zoltán Balog hat auch für die nächste Wahlperiode das Versprechen abgegeben, falls ein Regierungswechsel stattfinde, würde ein Vorschlag für die parlamentarische Vertretung der Minderheiten eingereicht. Die höchste Auszeichnung der Ungarndeutschen, die „Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum", bekamen 2010 Prof. Dr. Elisabeth Knipf (Loránd-Eötvös-Universität), Theresia Rónai (lesen Sie unser Gespräch mit ihr auf Seite 3), Deutschlehrerin und Chorleiterin aus Ziko und Dr. Béla Szende (pensionierter Lehrstuhlleiter der Fünfkirchner Hochschule) - er konnte leider wegen gesundheitlicher Probleme die Auszeichnung nicht entgegennehmen. Der Valeria-Koch-Preis für hervorragende schulische Leistungen und Tätigkeiten innerhalb der Volksgruppe ging diesmal an vier Gymnasiastinnen: Patrícia Müller (ein Gespräch mit ihr veröffentlichen wir auf Seite 12), Bianka Kaszás, und geteilt an Mariann Molnár und Mariann Schindler. Sehr viel Professionalität charakterisierte das Galaprogramm. Einige Highlights sollen hier herausgehoben werden. Gábor Perlakis Akkordeonspiel verzauberte das Publikum, Antal Fenyvesi (Tubaspieler) war einerseits als Kapellmeister, andererseits als Solist auf die Bühne getreten, sein Solostück untermalte seine Kapelle, die Haraster Dorfmusik. Der Jugendchor des Sándor Petôfi Evangelischen Gymnasiums Bonnhard gab gekonnt drei Stücke zum Besten; das Hexenduo aus Badesek war ein Paradebeispiel dafür, wie zwei Sängerinnen und ein Akkordeonspieler die ganze Bühne bespielen und besingen können. Beeindruckend war die „Verkehrte Hochzeit" der Junior- und Nachwuchstanzgruppe des Kränzlein-Volkstanzvereins Bonnhard, ebenso der Faschingsbeginn des Ungarndeutschen Volkstanzensembles Ujfluch. Sehr zügig und flott rollte das Programm der Besten der ungarndeutschen Kulturszene über die Bühne. Erkennen konnte man auch regionale Eigenheiten und spüren konnte man die starke, verbindende Kraft in der bunten Vielfalt der Darbietungen: die Identität, die verbindet und zusammenbringt. A. K.
Mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet: Deutschlehrerin und Chorleiterin Theresia Rónai Die Mundart kann nur aus der Familie kommen, unterrichten kann man sie nicht
Die Ehrennadel in Gold für das Ungarndeutschtum erhielt Theresia Rónai aus Ziko (Foto). Die 66jährige Deutschlehrerin und Chorleiterin engagiert sich seit mehreren Jahrzehnten in mehreren Bereichen unermüdlich für das Ungarndeutschtum. NZ befragte die Ausgezeichnete im Budapester Kongreßzentrum.
Frau Rónai, wie fühlen Sie sich, jetzt, so kurz nach der Preisverleihung?
Das kann man gar nicht beschreiben, was das für ein Gefühl ist, wenn so viele Leute meinen, daß diese Auszeichnung, diese übergroße Auszeichnung an einen guten Platz gekommen ist. Und das ist für mich mehr als die Ehrennadel in Gold. Die Leute, die da sind und gratulieren, das ist das Beste, das Schönste und das Größte.
Was alles haben Sie denn geleistet in den letzten fast 50 Jahren, wofür Sie diesen Preis erhalten haben?
Am Anfang war ich die erste und einzige Deutschlehrerin sowie Gesangs- und Musiklehrerin an der Vörösmarty-Schule in Bonnhard. Dann wurde die Schule zweisprachig und hat sich schön entwickelt. Inzwischen habe ich immer Kinderchöre in der Grundschule gehabt. Wir hatten zehn Jahre lang auch Musik-Spezialklassen mit einem sehr guten Chor. Über die Kinderstimme geht nichts, muß ich sagen. 1981 habe ich begonnen, mich mit der Folklore der Ungarndeutschen zu beschäftigen. Mit einem kleinen Kammerchor haben wir Kinderspiele gemacht und gesungen, dann entwickelte sich das immer weiter. Musik war immer dabei, dann kam die deutsche Sprache noch dazu. Auch hatte ich jahrelang das deutsche Leselager in Waroli, da haben wir auch sehr viel gesungen und uns mit Traditionspflege beschäftigt. Ich habe eine sehr große Hilfe gehabt, meine liebe Mutter, von der habe ich fast alles gelernt, wenn es um Traditionen ging.
Sie selbst haben mehrere Chöre gegründet. Bei wie vielen Chören machen sie heute noch mit?
Bei drei. Der erste, den ich übernommen habe, das war der Bonnharder Deutschchor. Wir werden dieses Jahr unser 30jähriges Jubiläum feiern. Dann habe ich 15 Jahre lang den Zikoer Singkreis geleitet, jetzt nehmen wir gerade die Kinder in die Gruppe auf, weil die älteren nicht mehr auf die Bühne kommen. In Kleindorog habe ich einen sehr guten Chor, auch sehr viele Ungarn singen im deutschen Chor mit, und mit sehr, sehr viel Liebe machen sie das.
Was ist Ihr Ziel für die Zukunft?
Solange es geht weitermachen, alles, was ich bisher gemacht habe. Wenn auch die Familie dafür ist. Ich habe ja fünf Enkelkinder, wenn die gesund sind, kann ich weitermachen.
Sind Sie zuversichtlich, was die Zukunft der Ungarndeutschen betrifft?
Nicht eindeutig, muß ich ehrlich sagen. Solange unsere Generation noch da ist, die noch Mundart spricht. Wenn die Mundart ausfällt, dann fällt sehr, sehr vieles aus. Wenige Kinder und wenig Jugendliche sprechen noch die Mundart. So bin ich mir nicht mehr so sicher, daß die sprachliche Tradition gepflegt werden kann. Natürlich geht es mit dem Volkstanz, mit der Volksmusik und mit dem Gesang weiter, glaube ich, sehr lange noch.
Was könnte man da tun für die Sprache?
Das kann nur aus der Familie kommen, in der Schule kann man keine Mundart unterrichten. Man kann Sprüche und Lieder und ähnliches unterrichten, damit die Kinder einen Geschmack kriegen von der Mundart, aber wenn es nicht aus der Familie kommt, dann hat es nicht sehr viel Erfolg.
Wieviel Zeit verbringen Sie mit Traditionspflege und Gesang?
In Gedanken Tag und Nacht. Dreimal in der Woche Probe mit den drei Chören, am Wochenende Auftritte, und so weiter. Und wenn nicht, dann kommen meine Enkel, oder ich fahre zu ihnen.
Chr. A. Foto: Bajtai László
Aus dem Inhalt
Fünfkirchen ist Kulturhauptstadt Europas 2010 Spektakuläre Show, viele Besucher bei der Eröffnungsfeier
Mehr als 10 000 Menschen verfolgten am Sonntag die spektakuläre Show bei der Eröffnung auf dem Hauptplatz von Fünfkirchen. Obwohl die meisten Bauprojekte nicht fertig sind, zeigen sich die Leiter der Stadt und die Veranstalter optimistisch, sie glauben an den Erfolg des Kulturprogramms. Auf die Gebäude rund um den Platz wurden Lichtbilder projiziert. Die Moschee badete in einem bunten Lichtermeer. Der Himmel wurde mit Laserstrahlen beleuchtet. Auf der Bühne erschienen 3 bis 4 Meter große lebendige Puppen, über 100 Mitwirkende, Schauspieler, Kulturgruppen der Stadt und Schüler, haben in einem musikalischen Spiel die Geschichte der Stadt dargestellt, von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Seite 1-11
Joseph Petzval wurde geehrt
Neugierig sein wie der aus der Zips stammende Wissenschaftler und Erfinder Joseph Maximilian Petzval (1807 - 1891) empfahl den Schülerinnen und Schülern der zweisprachigen Teleki-Blanka-Grundschule der Vorsitzende der Deutschen Selbstverwaltung in Neuofen (Budapest XI. Bezirk), Johann Schuth. Die Selbstverwaltungen der Slowaken und der Ungarndeutschen von Neuofen halten seit vier Jahren eine gemeinsame Gedenkstunde bei der Gedenktafel des Erfinders der fotografischen Optik in der Petzvál-József-Straße 33, im XI. Bezirk von Budapest. Seite 2
Computer für Raitzpeter
Die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung der Gemeinde Raitzpeter hat im Rahmen der Ausschreibung „Ausstattung von Alteneinrichtungen mit Computern aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern 2009" zwei Computer für die örtliche Altentagesstätte erworben. Seite 2
Fast ein Drittel der Tolnauer Verschleppten starb in Rußland
Zu einer Feierstunde lud das Sándor Petôfi Evangelische Gymnasium in Bonnhard am 5. Januar ein, um der Verschleppten und Vertriebenen zu gedenken. Zusammen mit der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung organisiert die Schule schon seit Beginn der 90er Jahre diese Gedenkveranstaltung im Gymnasiumsgebäude, denn an diesem Ort war einst der Sammelpunkt für den langen Weg nach Rußland. Seite 3
Seerosenring 2010 für Ingo Glass, den Meister der geometrischen Kunst
Dem Bildhauer Ingo Glass wird am 20. Januar für seine Lebensleistung der Seerosenring verliehen. Im historisch renommierten Allotria-Keller des Münchner Künstlerhauses am Lenbachplatz, in dem sich schon immer Künstler von Rang und Namen trafen, wird Dr. Thomas Goppel, bayerischer Kunstminister a. D., die Laudatio für den Preisträger halten und ihm den Seerosenring, diese hohe Auszeichnung des Münchner Seerosenkreises, überreichen. Den aus Künstlerkreisen gestifteten jährlich vom Seerosenkreis vergebenen Wanderring erhält der Preisträger für sein künstlerisches Lebenswerk, den uneigennützigen Einsatz für Kollegen und für die rege Teilnahme am Seerosenkreis, der seit 1948 existiert. Seite 4
Harast - Heimatmuseum des Jahres
Der Verband Ungarischer Heimatmuseen (Magyar Tájházak Szövetsége) vergibt jedes Jahr an eines seiner Mitglieder den Titel: „Heimatmuseum des Jahres". Man muß sich bewerben und bestimmte Kriterien erfüllen, wenn man diesen Preis erhalten möchte. Harast, einem unserer jüngsten ungarndeutschen Heimatmuseen, ist es gelungen: In den zwei Jahren seit der Gründung hat ein kleines Team - im Rahmen und mit finanzieller Unterstützung der Stiftung Heimatland Harast und seit neuem auch der örtlichen Selbstverwaltung - ein renoviertes „deutsches Haus" komplett eingerichtet (Gaben der Ortseinwohner), die Gegenstände restaurieren lassen und sorgt nun dafür, daß dieses Haus auch mit Leben gefüllt wird. Seite 4
Unser Hauskalender 2010 – Jahrbuch der Deutschen aus Ungarn
Der diesjährige Kalender der Deutschen aus Ungarn steht im Zeichen der Vertreibung. Aus diesem Anlaß zeigen die Monatsbilder Fotos von Denkmälern oder Gedenktafeln in ungarndeutschen Ortschaften, die als Memento an die Vertreibung vor über sechzig Jahren erinnern. Diese Darstellungen demonstrieren eindrucksvoll jenes Verbrechen gegen die Humanität, das von manchen leider Gottes immer noch als „Aussiedlung" schöngeredet wird. Des weiteren werden auch in diesem Jahr Aspekte der vielfältigen Kulturleistungen und -beziehungen vorgestellt. Seite 6
Sieben Spiegel meiner Heimat
Am Klara-Leôwey-Gymnasium in Fünfkirchen werden seit vielen Jahren schulische, überschulische und auch internationale Projekte durchgeführt. Zu letzteren zählt ein Comenius-Projekt, an dem das Gymnasium gemeinsam mit dem Gymnasium Icking (Deutschland) und dem BG/BORG Gymnasium Graz-Liebenau (Österreich) arbeitet. Unter dem Titel "Sieben Spiegel meiner Heimat - Kulturelle Vielfalt als Wegweiser zu einem neuen europäischen Bewußtsein" reflektieren die Partnerschulen aus Ungarn, Österreich und Deutschland mit einem fächerübergreifenden Ansatz (Geographie, Sprache, Fremdsprache, Literatur, Brauchtum, Musik, Tanz) über ihre Heimat und tragen ihre Beiträge den Partnern und der Öffentlichkeit bei gemeinsamen Veranstaltungen und Konzerten an den Standorten der Partnerschulen vor. Die Ergebnisse der Projektarbeit sollen in Buchform und auf digitalen Tonträgern zugänglich gemacht werden. Seite 12
"Es ist keine altmodische Sache"
Patricia Müller aus Jerking/Györköny, 18 Jahre alt, erhielt bei der Festgala der Deutschen Selbstverwaltungen in Budapest den Valeria-Koch-Preis für ihr Engagement für das Ungarndeutschtum und für ihre hervorragenden schulischen Leistungen. NZ sprach mit der Schülerin des Ungarndeutschen Bildungszentrums in Baje. Seite 12
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