"Dadurch werde die Volksgruppe gespalten", hieß es vor zwanzig Jahren, als die ersten deutschen Vereine entstanden sind, darunter am 31. Dezember 1989 die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher. Die Volksgruppe wurde eher um zahlreiche engagierte junge Leute reicher. Durch viele GJU-Ehen wachsen nun Kinder heran, die von ihren Eltern deutschsprachig oder zweisprachig erzogen werden und die vielleicht in einigen Jahren in die Fußstapfen der Gründer treten können. Es war am Silvesterabend vor zwei Jahrzehnten in Fünfkirchen, als ungarndeutsche Jugendliche aus dem ganzen Land einen Traum verwirklichten, nämlich eine Gemeinschaft zu schaffen für Gleichgesinnte.
Foto: I. F.
|
Doch keiner wagte wohl damals daran zu denken, daß nach 20 Jahren dieses Streben nach Gemeinschaft immer noch existiert und noch immer mehrere hundert ungarndeutsche Jugendliche bewegt. Identitätsvermittlung, Sprach- und Brauchtumspflege standen damals und sind bis heute im Mittelpunkt. Doch die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher ist viel mehr. Sie gibt Jugendlichen im Teenageralter eine Orientierung in der Welt, vermittelt Werte, bietet zahlreiche Möglichkeiten sowohl für Unterhaltung als auch im Bereich Bildung. Freundschaften und Ehen sind entstanden und pflichtbewußte Erwachsene herangewachsen, die bis heute für das Ungarndeutschtum viel leisten auf den unterschiedlichsten Ebenen. Erika Ortner-Radnai aus Schaumar war die erste Präsidentin der GJU, die jetzt bei der Jubiläumsfeier im Fünfkirchener Valeria-Koch-Schulzentrum am 29. Dezember einige Worte an die Anwesenden richtete. „Es ist ein sehr sehr schönes Gefühl, daß unser Traum von damals bis heute Bestand hat." Nachwuchs ist das Stichwort bei jeder Gemeinschaft, bei jedem Verein, und für das Ungarndeutschtum leistet die GJU in dieser Hinsicht gute Arbeit, meinte Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, der einst auch mithalf bei der Organisation in Budapest. Jahresprogramme, wie das Fußballturnier, das Landestreffen, die Vorsilvesterfeier, die Weiterbildungen und die Begegnungen mit anderen Minderheiten im In- und Ausland haben die 20 Jahre der GJU geprägt und locken bis heute die Jugend aus dem ganzen Land in die Gemeinschaft. Nicht nur Ungarndeutsche arbeiteten bei diesem Verein mit, auch für Jugendliche ohne deutsche Abstammung war dieser Verein schon immer attraktiv, und durch sie haben auch viele Nicht-Deutsche über das Leben und die Traditionen der Ungarndeutschen erfahren. Doch die Zeiten haben sich auch geändert, die Jugend von heute hat schon viel mehr Möglichkeiten als vor 20 Jahren, und es ist auch schwieriger geworden, die Teenager für die Vereinsarbeit zu gewinnen. „Wir müssen das moderne Kultur- und Freizeitangebot mit den Traditionen vermischt präsentieren, so können wir das Interesse der heutigen Jugendlichen wecken", meint Emil Koch aus Ofalo, derzeitiger Präsident der Gemeinschaft. "Ich bin erst 24 Jahre alt, deswegen ist die 20jährige Geschichte des Vereins etwas sehr Großes in meinen Augen." Es gab Höhen und Tiefen in der Geschichte des Vereins, Generationswechsel mußten überwunden und die ständige Veränderung der Welt mußte ebenfalls einkalkuliert werden. "Einmal GJU-ler, immer GJU-ler" - so hat Zoltán Schmidt, Gründungsmitglied der Gemeinschaft, einmal erklärt. Die meisten einst aktiven Mitglieder empfinden das ebenso, und mit Tränen in den Augen sah man sich die alten Bilder an der Wand an, und man umarmte die alten Freunde, und stundenlang wurden die unvergeßlichen Geschichten erzählt. Die GJU war der erste Minderheiten-Jugendverein des Landes und ist bis heute der größte und aktivste Verein für Minderheitenjugendliche in Ungarn. In diesem Sinne hoffen wohl alle auf noch viele weitere erfolgreiche GJU-Jahrzehnte, damit u. a. auch die Generation der Kinder der einstigen Gründungsmitglieder noch in diesem Verein ihre Freizeit sinnvoll verbringen kann und dabei Traditionspflege betreibt.
Christina Arnold
Aus dem Inhalt
Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Deutschland und Ungarn
Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Dr. Christoph Bergner, Mitglied des Bundestages, übermittelte ein schriftliches Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 14. Festgala am Tag der Ungarndeutschen Selbstverwaltungen am 9. Januar im Budapester Kongreßzentrum, das die Neue Zeitung nachfolgend veröffentlicht. Seite 1-3
Die Welt ein bißchen besser machen
Welttag des Friedens, Hochfest der Gottesmutter Maria - diese zwei Feste feiert die Kirche am 1. Januar zusätzlich zum Neujahrstag. Bei seinem ersten Angelusgebet im Jahr 2010 schickte Papst Benedikt in Rom gute Wünsche in die ganze Welt hinaus: "Ich wünsche allen, daß das neue Jahr ein Zeitraum wird, in dem wir mit Gottes Hilfe dem Herrn entgegengehen und so auch unser gemeinsames Haus, die Welt, ein bißchen besser machen können!" Unter den „unerläßlichen Bedingungen für den Frieden" auf der Welt nannte der Papst den verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung - Kernthema des Weltfriedenstags 2010. Auf dem Klimagipfel von Kopenhagen im Dezember sei von neuem deutlich geworden, wie dringlich gemeinsame Absprachen auf globaler Ebene sind, so Benedikt. Gegen die Folgen des Klimawandels helfe aber auch ein „wirklicher Mentalitätswechsel" der Einzelnen, „der zu neuen Lebensstilen führt". Seite 1-11
167. Krumpiern-Kiritog in Altofen
Feine Bratkartoffeln mit Gänseschmalz und lila Zwiebeln - frei erhältlich!, angenehme Musik von der „Nostalgie"-Kapelle, nette Atmosphäre im vollbesetzten Gasthof Rozmaring am Donauufer - alles war gegeben für einen gelungenen Krumpiern-Kiritog, der am 26. Dezember von 10.00 - 16.00 Uhr in Altofen veranstaltet wurde. Der Krumpiern-Kiritog wird seit 1839 immer am zweiten Weihnachtsfeiertag begangen. In den 80er Jahren wurde das einstige deutsche Volksfest der Ofner Bezirke nach Altofen verlegt und wird nun vom Braunhaxler-Verein organisiert. Seite 2
Der gute Geist von Kokesch
Zwischen den beiden Städten Seksard und Bonnhard liegt an der Straße Nr. 6 das 1600 Seelen zählende Kokesch/Kakasd. Und an dieser Straße liegt mitten im Ort das Autohaus Hilcz. Der 65jährige Besitzer Adam Hilcz, der in Kokesch geboren wurde, kann auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken. Insgeheim hatte er schon immer den Wunsch, einmal ein Autohaus betreiben zu können. So nebenbei betätigte er sich auch als Fahrlehrer. Seine Frau, eine Seklerin, wurde ebenfalls in Kokesch geboren und lernte den Beruf einer Zuckerbäckerin. Sie eröffneten in den siebziger Jahren in Kokesch ein Café, wo allerhand Leckereien angeboten wurden, wobei das Eis eine besondere Spezialität war. Als sich der Niedergang des kommunistischen Systems in Ungarn abzeichnete, begann Adam mit dem Bau seines Autohauses und brachte all seine Erfahrungen, die er bei seinen Auslandsbesuchen mitbekam, in das Vorhaben ein. So erachtete er es als Vorteil, den Standort zwischen zwei Städten zu wählen, der an einer befahrenen Straße liegt. Auch wenn jetzt die Trasse der neuen Autobahn einige Kilometer entfernt vorbei führt, macht er sich keine Gedanken um das Fortbestehen seines Geschäftes, denn sein Name ist in ganz Südungarn bekannt. Seite 3
Ödenburger Familien im Porträt Die Schmidts
Meine Freundin Annamaria Soproni-Schmidt und ich wissen zwar fast alles voneinander, unlängst konnte sie mich dennoch überraschen. Wir waren auf dem evangelischen Friedhof zu Ödenburg/Sopron. In der Aufbahrungskapelle zeigte sie auf die Christusfigur auf dem Altarbild und sagte: Das ist mein Großvater. Ich schaute sie verdutzt an, worauf sie mir mit einem Lächeln versprach, darüber mehr zu erzählen. Dazu kam es dann an einem dunklen Wintertag, an dem ihre Mutter, Magdolna, und sie über die Familie sprachen, deren Schicksal typisch für die Monarchie war. Seite 4
Deutsche in und aus Rumänien - 60 Jahre danach Stalins Deportation der Siebenbürger / Tagung der Kissinger "Akademie Mitteleuropa"
Mit der Öffnung nach Osten und (nicht) zuletzt dem Nobelpreis für die rumäniendeutsche Autorin Herta Müller wächst wieder das lange Zeit nur verdächtige Interesse an den deutschen Siedlern im südosteuropäischen Raum - in den heutigen Ländern: Slowenien, Kroatien, Ungarn, Rumänien, Moldau - in der Zeit vom 9. bis ins 18. Jahrhundert. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten die Deutschen in Mittel- und Osteuropa in starke Bedrängnis. Viele hatten sich mit der politischen Führung des Dritten Reiches identifiziert. Das wurde ihnen nach 1945 zum Verhängnis. Die Alliierten erklärten in Jalta nicht nur die spätere DDR, sondern auch den Südosten Europas zur Einflußsphäre Stalins. Dieser ließ - mit alliierter Zustimmung, jedoch unter Protest der Amerikaner - schon vor Kriegsende 1945 bis 1949 zehntausende Siebenbürger Sachsen (und Banater Schwaben) im Alter von 17-45 (Männer) und 18-30 Jahren (Frauen) aus Rumänien in die Kohlebergwerke des Donezbeckens deportieren. Seite 6
Abschied vom Jahr 2009 - Juniorensilvester der GJU Wir werden 2010 viele wiedersehen
Die GJU hat das alte Jahr 2009 mit ihrem Jugendprogramm, dem Juniorensilvester und dem GJU-Jubiläumsvorsilvester, verabschiedet. Gegen Mittag kamen am 27. Dezember die ersten Teilnehmer des GJU-Juniorensilvesters im Fünfkirchener Valeria-Koch-Schülerwohnheim an, bald danach trafen dann auch die anderen aus unterschiedlichen Windrichtungen wie aus Budapest, Raitzpeter, Baje usw. ein. Das Programm war auf Jugendliche zwischen 14 und 23 Jahren ausgerichtet. Für viele war es die erste Begegnung mit der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher. Seite 13 * Wollen Sie mehr erfahren?
Bestellen Sie die Neue Zeitung!
Bestellmöglichkeiten
Über die Neue-Zeitung-Stiftung Budapest, Lendvay u. 22 H-1062 E-Mail: neueztg@hu.inter.net www.neue-zeitung.hu/publikationen
Auf den Postämtern außerhalb von Budapest:
In Budapest: Levél-és Hírlapüzletági Igazgatóság, Budapesti Hírlap Osztály, Budapest, 1846 Fax 061 303-3440 E-Mail: hirlapelofizetes@posta.hu Telefon: 06-80-444-444
Sie finden die Neue Zeitung in Geschäften von Lapker Zrt.
Einzelpreis: 180 Ft
Jahresabonnement: Ungarn: 7800 Ft Deutschland: 110 Euro Österreich: 100 Euro Schweiz: 170 sfr
Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen. Kontakt: neueztg@hu.inter.net
|