"Advent, Advent, ein Kerzlein brennt" wie wahrscheinlich vielerorts ist das auch in Schemling/Vértessomló seit dem ersten Adventssonntag so. Unsere Ahnen kamen vor 275 Jahren aus Deutschland an, 2009 gedachte man dieses Jubiläums gebührend. Sie konnten in dieser Inselsituation ihre Sprache, Kleidung, Lieder und Tänze bewahren. So manche Sitten und Bräuche blieben ebenfalls erhalten. Aber über die Herbergssuche hört man nur noch aus Erzählungen. In den achtziger Jahren besuchten noch ältere Frauen die Köchin des Pfarrers, bauten ihren kleinen Altar auf. Nach dem Herbergssuchelied gewannen sie Einlaß und sangen und beteten schön. Die alte Frau starb, niemand öffnete seine Haustür und empfing die Gläubigen, die sich mit ihrer Sitte an die Herbergssuche von Maria und Josef erinnerten.
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Vor sieben Jahren kam ein Lokalpatriot auf den Gedanken, Geld zu spenden und auch andere dazu zu bringen. Er suchte so lange, bis er in Wesprim einen Künstler fand, der im ersten Jahr die Heilige Familie, einen Hirten und einen Engel aus Holz schnitzte. Ein Jahr später standen auch die drei Könige in unserer Krippe. Eine Kuh, ein Esel sowie ein Lamm kamen ebenfalls in das kleine Haus. Daneben befindet sich ein großer Adventskranz mit viel Tannengrün ringsherum. Man pflanzte sogar Tannen um die kleine Dorfkapelle herum, so hat man in einigen Jahren im Dorfzentrum eine noch schönere Umgebung für die Krippe.
Seit sieben Jahren trifft man sich am ersten Adventssonntag genau um Viertel fünf im Dorfzentrum. Unser Pfarrer Bedy segnet die Krippe, der Lehrerchor singt Lieder, auch der Nationalitätenchor tut das. Die Kulturhausleiterin und ihre Mutter üben lange mit kleinen Kindern und zaubern immer ein süßes Programm auf die Bühne. Diesmal sang uns Maria Maczkó eine gute halbe Stunde zum Anlaß passende Lieder. Es war ein Erlebnis! Wir waren wieder stolz, Schemlinger zu sein, man trank Glühwein und plauderte noch lange vor dem Zelt, im schön beleuchteten Dorfzentrum, wo wir reich bewirtet wurden. Der Künstler meinte vor einigen Jahren, er nehme schweren Herzens Abschied von solchen Statuen, aber er könne sehen, sie seien in die richtige Gemeinde gekommen. Man pilgert zu dem kleinen Haus und bewundert sie Jahr für Jahr.
Die Krippe steht bis zum 6. Jänner, man trifft dort immer innig betende Leute, oder Eltern, Großeltern, die mit den Kindern hinspazieren. Es ist auch gut zu wissen, daß wir mit unserer Idee etwas Gutes geschaffen haben, da in der Umgebung von Schemling viele Gemeinden auch schon ihre Krippe aufbauen. Péter Pfiszterer
Aus dem Inhalt Mit einer zweiunddreißigseitigen Doppelnummer - darin acht Seiten für die Kinder - erscheint die Neue Zeitung zum Jahresende.
Mit einer Weihnachsgrußbotschaft wendet sich Heribert Rech, Innenminister des Landes Baden-Württemberg und Landesbeauftragter für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler an die heimatverbliebenen und heimatvertriebenen Deutschen.
Fest des Daseins - Gala aller Minderheiten Ein monumentaler Festakt ist jedes Jahr die Gala der Minderheiten, organisiert vom Ungarischen Kulturinstitut und Lektorat für Bildende Kunst (MMIKL) im Haus der Traditionen in Budapest. Unter dem Motto Kultur, Traditionen, Alltage stellten Chöre, Tanzgruppen, Solisten, Musiker die Kultur ihrer Minderheit vor. Die Preisträger des Kulturpreises bekamen die Auszeichnung für Herausragendes auf ihrem jeweiligen Gebiet, ungarndeutscherseits war es das Volkstanzensemble Ujfluch, das auch im Galaprogramm das Publikum von seinem Können überzeugen konnte. Seite 1-3
Weihnachtskonzert und Straßenbau Seit 1992 veranstaltet der Chor Morgenröte in Agendorf/Ágfalva das Weihnachtskonzert. Dabei sind auch Chöre der österreichischen Nachbardörfer gerngesehen. Das trägt sicher dazu bei, daß auch zwischen Agendorf und Schattendorf etwas zusammenzuwachsen beginnt, was zusammengehört. Im Transborder-Projekt wollen die beiden Nachbargemeinden, die jahrzehntelang getrennt waren, die Straße für Autos und Fahrradfahrer von Agendorf bis zur Grenze ausbauen. Seite 2
Das erste Winterfest in Nadasch Zum ersten Winterfest der Ortschaft Nadasch/Mecseknádasd kehrte auch der erste richtige kalte Wintertag ein, und sogar einige Schneeflocken fielen vom Himmel. Mehr als 200 Personen waren neugierig auf das neue Programm. Die Kulturgruppen der Ortschaft, die Tänzer und Musikanten aus allen Generationen zogen ihre Trachten an und boten dem Publikum ein schwungvolles Repertoire. Seite 3
Wohltätiger Weihnachtsmarkt in Hetting Eine idyllisch gelegene alte Mühle, verborgen in einem Tal von Hetting/Hosszúhetény, war der Schauplatz eines außergewöhnlichen Adventsmarktes elf Tage vor Heiligabend. Feine Weihnachtsgerüche, stimmungsvolle Musik und romantische Weihnachtslichter versetzten die Besucher in Weihnachtsstimmung. An den Ständen wurden von der Gruppe K und K besondere Waren verkauft. Vor kurzem in Ungarn seßhaft gewordene Ausländer, Österreicher, Deutsche, Holländer und Italiener, sind Mitglieder der Gruppe Kochen und Kultur. Seite 3
Parlamentarische Vertretung wieder vom Tisch gefegt Das Parlament ist weiterhin nicht bereit, sich mit der Frage der parlamentarischen Vertretung der Minderheiten zu beschäftigen. Die Mehrheit der Abgeordneten hat am 7. Dezember den Antrag von der Tagesordnung gestrichen, in dem die Regierung beauftragt werden sollte, eine Gesetzesvorlage über die parlamentarische Vertretung der Minderheiten zu erarbeiten und diese dem Parlament bis Ende 2012 einzureichen. Seite 3
Häuser, die uns erzählen: Waschludt - Heimatmuseum Das Gebäude besteht aus zwei Wohneinheiten. In der ersten befinden sich eine sog. Räucherküche mit herkömmlichem Backofen und zwei Wohnstuben, in denen die innere Gestaltung einer Wohnung in Waschludt/Városlôd vom Ende des 19. Jahrhunderts sowie die zeitgemäße örtliche Volkstracht vorgestellt werden. Seite 4
Die erzählen können In jedem Dorf, in jeder größeren Gemeinschaft und auch in den Freundeskreisen gibt es immer ein, zwei Personen, die eine Gesellschaft mit lustigen Geschichten, Storys erheitern, gute Stimmung machen können. Oft erkundigt man sich auf Reportagenreisen in unbekannten Dörfern nach diesem und jenem, dann wird einem gleich empfohlen, bei dieser Frau oder jenem Mann anzuklopfen, denn „sie wissen alles". Und bei manchen der Alleswisser geht es nicht nur um Informationen über ihren Wohnort, dessen Einwohner, Ereignisse und die Aktualitäten, sondern um Geschichten, die halt so erzählt wurden: bei fröhlichen Begegnungen, bei der Arbeit auf dem Feld, in der Werkstatt, beim Kukuruzschälen, Schweineschlachten und im Familienkreis. Seite 4
Ödenburger Familien im Porträt Die Schneiders Einst bekam man zur Matura die erste schöne Uhr, die man auch stolz trug und herumzeigte. Heutzutage sind billige Zeitmesser fast in jeder Trafik zu kaufen, und wenn diese den Geist aufgeben, entsorgt man sie einfach. Es ist also fast schon eine Rarität, daß sich jemand mit der Reparatur von Uhren beschäftigt. István Schneider ist Uhrmachermeister und hat in Ödenburg/Sopron ein Geschäft. Es ist eine Herausforderung für ihn, der er sich gerne stellt, alte, wunderschöne Uhren wieder zum Leben zu erwecken. Je älter die Uhr, desto lieber tüftelt er daran. Die Familie Schneider siedelte sich um 1800 in Ödenburg an und damit begann die Geschichte einer Familie, deren Mitglieder Generationen hindurch Handwerker und Kaufleute waren. Seite 5
"Der Nationalitätenunterricht steht in unserem Komitat noch ganz am Anfang" Erst vor einem Jahr übernahm Maria Hack den Vorsitz des Verbandes der Deutschen Selbstverwaltungen im Komitat Bekesch. Die frühere Vorsitzende, Olga Ambrus, geborene Ferenczi, ist aus dem Komitat weggezogen und deshalb zurückgetreten. Maria Hack wurde von der Vollversammlung mit entscheidender Mehrheit zur Vorsitzenden gewählt und sie hat sich klare Ziele gesetzt, vor allem auf dem Gebiet des Unterrichts. Seite 5
Beeindruckt vom Zusammenleben - Engagement für die Erforschung der Geschichte der Minderheiten in Ostmitteleuropa – NZ-Gespräch mit Prof. Dr. Gerhard Seewann Professor Dr. Gerhard Seewann leitet seit Anfang 2007 an der Universität Fünfkirchen die Stiftungsprofessur für Deutsche Geschichte und Kultur im südöstlichen Mitteleuropa des Historischen Instituts in Fünfkirchen. Lehrveranstaltungen werden nicht nur für Geschichtsstudenten, sondern auch für Germanistikstudenten gehalten, pro Semester unterrichtet Prof. Seewann an die 300 Studenten. Am 6. November fand die Festveranstaltung zur Ehrung von Professor Dr. Gerhard Seewann anläßlich seines 65. Geburtstages statt. NZ sprach mit dem Jubilar. Seite 6
Neujahrswünschen in Sawer Das Neujahrswünschen hatte auch schon in den früheren Zeiten seinen Platz im Brauchtum der Ungarndeutschen. Dieses gehörte auch zum Winterfestkreis der Sawener Deutschen, welcher vom Andreastag (30. November) bis zum Dreikönigstag (6. Januar) dauerte. Es war ein beliebter Brauch, wie auch heute noch, daß Kinder und Erwachsene die Verwandtschaft besuchten und mit kleinen Reimen, Gedichten das neue Jahr begrüßten. Vor allem besuchten die Kinder die Großeltern und die Paten (Pettr und Tet), wo sie auch kleine Geschenke erhielten. Das waren Dörrobst, Nüsse, Süßigkeiten oder an manchen Orten auch ein bißchen Geld. In einigen Ortschaften galten vor allem Buben als besondere Glücksbringer, so durften die Mädchen erst nach den Burschen Neujahrswünschen gehen. Seite 22
Schülerwettbewerb „Pésstanbul" der 8. Klassen im Komitat Baranya „Pésstanbul - Drei Kulturhauptstädte - In Vielfalt geeint" so lautete das Motto des Wettbewerbs, den das Apáczai-Gymnasium in Fünfkirchen für alle achten Klassen der Region Branau ausgeschrieben hatte. In ihren Arbeiten setzten sich die Schüler mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den Bereichen Geschichte, Geographie und Kultur der drei Städte in Wort und Bild auseinander. Seite 25
Alpenrock aus Ungarn - BayeRock Band Attila Bayer, Sänger, Gitarrist und Trompeter sowie Gründungsmitglied der Band BayeRock, war acht Jahre hindurch Dirigent der Jugendblaskapelle Großmanok, er war Mitglied im Bergmannsorchester Masa und im Eisenbahnerorchester Fünfkirchens. Der in Saswar aufgewachsene Musiker unterrichtet zur Zeit in der (Ersten) Wuderscher Grundschule. Die Branauer Ballgänger kennen ihn auch aus der Band Wery-Take, mit der er schon seit über zwanzig Jahren unterwegs ist. Seit zwei Jahren tourt Bayer mit einer Alpenrockband durch die Branau. Bei der Gründung haben die Zillertaler Schürzenjäger (traditionelle Musik mit modernem Instrumentarium, vom volkstümlichen Schlager über Pop bis Rock) und deren Musik eine wesentliche Rolle gespielt. NZ befragte Attila Bayer. Seite 27
Auslandsprogramme der Leôwey-Tanzgruppe im Jahr 2009 Reisen, gemeinsame Erlebnisse, Lachen und Gespräche schweißen zusammen Die Leôwey-Tanzgruppe, die unter der Leitung von Helmut Heil im letzten Jahr ihr 35jähriges Jubiläum gefeiert hat, versucht, alle Auftrittsmöglichkeiten und Einladungen wahrzunehmen. Neben den vielen Vorstellungen in Ungarn versuchen wir jedes Jahr, unser Tanzkönnen auch im Ausland zu zeigen. Wir waren schon in der Türkei, in Spanien, Finnland, Rumänien, Dänemark, Litauen und Südtirol, um nur die letzteren zu erwähnen. Auch 2009 brachte uns Erlebnisse, die wir nie in unserem Leben vergessen werden. In diesem Jahr reisten wir nach Rumänien, Montenegro und Österreich. Seite 28
Traditionen aufrechterhalten und neu schaffen Die Wemender GJU ist eine Gemeinschaft, die Traditionen aufrechterhält und auch neu schafft, schaffen will. Im letzten Jahr haben wir an allen Programmen der GJU teilgenommen und auch eigene verwirklicht. Das größte Projekt für uns im Jahre 2009 war, daß wir das jährliche Fußballturnier der GJU, in dem Fall das 17., vom 30. Januar bis 1. Februar in Wemend veranstalten durften. Es kostete uns sehr viel Energie und Nachdenken, weil sich im Leben der Wemender GJU zwei Generationen gerade jetzt abgewechselt hatten. Natürlich halfen die älteren Mitglieder uns, das Projekt mitzugestalten, und unterstützen uns immer noch, bei allem, was wir verwirklichen wollen. Seite 28
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