Im Herzen der Branau, inmitten von mit Ackerfeldern und Wiesen bedeckten Hügeln, liegt die 166-Seelengemeinde Prader/Barátúr. Noch gibt es dort deutsche Einwohner, die sogar Mundart sprechen und untereinander den schwäbischen Dorfnamen Prader benutzen, doch in die Zukunft sehen die meisten pessimistisch. Die meisten Schwaben hier sind schon alt, die Kinder können kaum Deutsch, und die Einwohnerzahl sinkt fortwährend. Doch zwischen den klagenden Sätzen gibt es auch Lichtblicke, denn 2006 konnte die Ortschaft zum ersten Mal eine deutsche Minderheitenselbstverwaltung wählen.
Das Büro der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung und des Deutschklubs in Prader
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Prader tat sich vor drei Jahren mit dem Nachbarort Hertlen/Magyarhertelend zusammen und sie wählten die gemeinsame deutsche Minderheitenselbstverwaltung. Dreiviertel der Ungarndeutschen wohnen im viel kleineren Barátúr. Kurz nach der erfolgreichen Wahl erhielten der Deutschklub und die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung von Prader einen eigenen, frisch renovierten Raum in einem alten schwäbischen Haus am Eingang der Ortschaft, der unter anderem für Zusammenkünfte aller Art genutzt wird. Das schön hergerichtete Haus hat aber auch seine Schönheitsfehler, denn unlängst brach ein Wasserrohr, und dadurch wurde die Einrichtung beschädigt. Der Computer kann nur teilweise genutzt werden, denn seit vielen Monaten kämpft die Selbstverwaltung vergeblich um einen Internetanschluß. Um das Leben im kleinen Ort bunter zu gestalten, lädt der Deutschklub öfters im Jahr befreundete deutsche Vereine ein, die Ungarischseker, die Schomberger und die Schaschder traten schon vors Prader Publikum, zuletzt hatten die Prader bei ihrer Kirchweih Gäste. An die Zeit der einst reichen Prader Schwaben, die riesige Ställe für die großen Viehbestände hatten, erinnern die alten Gebäude und die oft schon bröckelnden Ornamente an den schönen Häusern. Auch die kleine Kirche von Barátúr, die 1912 errichtet wurde, ist der Arbeit der Ungarndeutschen zu verdanken. Die vor kurzem von der Minderheitenselbstverwaltung eingeweihten Denkmäler erinnern an die schreckliche Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo sehr viele Prader Deutsche vertrieben wurden. János Szentes, Vorsitzender der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung, will aber durchhalten und alles für das Dorf tun. „Ich bin schon alt, aber wenn ich kann, möchte ich diese Arbeit weitermachen", sagt er in gebrochener Mundart, „seit langer Zeit habe ich nicht mehr deutsch geredet." Christina Arnold
Aus dem Inhalt
Ein Fest der Freiheit
Am 9. November 1989 öffnete die DDR ihre Grenzen - tausende DDR-Bürger strömen daraufhin über die Bornholmer Brücke in den Westteil Berlins. Berlin feierte am Montag den zwanzigsten Jahrestag der Maueröffnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel überquerte mit Michail Gorbatschow, Lech Walesa und DDR-Bürgerrechtlern am Nachmittag die Brücke, auf der alles begann. Die heutigen Gymnasiasten haben die Wende nicht erlebt, für sie ist sie Geschichte und oft wissen sie auch wenig darüber. Daran zu ändern sowie die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen deutschen und ungarndeutschen Schülern zu fördern, war Ziel des Projektes: wende.de&.hu. Das Projekt wurde am 4. November im Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baja präsentiert. Im Klara-Leôwey-Gymnasium in Fünfkirchen gedachten mehr als 200 Schülerinnen und Schüler des 20. Jahrestages des Berliner Mauerfalls. Die Gedenkstunde war aber etwas anders, als die Gymnasiasten es sonst gewohnt sind. Auf einer riesigen Leinwand wurden bewegende Filmausschnitte gezeigt, Zeitzeugen kamen zu Wort und Vergleiche wurden gezogen zwischen damals und heute. Rock- und Popmusik aus der Epoche sollte den Kindern auch das Gefühlsleben der jungen Generation von damals näherbringen. Seite 1-2
Gedenkstein in Katschmar eingeweiht „Damit die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät"
Mit einer deutschsprachigen heiligen Messe begann die Gedenkveranstaltung zu Ehren der vertriebenen, verschleppten und ausgesiedelten Katschmarer am 7. November. Die Kirche in diesem Dorf in der Südbatschka füllte sich vor allem mit älteren Menschen, einige unter ihnen erinnern sich noch genau an den 10. Oktober 1944, als die Katschmarer ihre Heimat verlassen mußten. „Ein Stein soll die kommenden Generationen daran erinnern, was Landsleuten einst angetan wurde, damit die Vergangenheit nicht in Vergessenheit gerät", so die Organisatoren der Veranstaltung, die Mitglieder der Deutschen Minderheitenselbstverwaltung in Katschmar/Katymár. Seite 1
Minderheitenfernsehprogramme in Gefahr
MTV gab bekannt, ein Plan des Managements würde darauf hinweisen, die drastischen Kürzungen des Parlaments würden auf dem Rücken der Minderheitensendungen ausgetragen werden. Bei einer Konferenz in Fünfkirchen diskutierten Vertreter des Fernsehens und der Minderheiten über die Lage. Otto Heinek war seitens der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen dabei. Seite 3
III. Treffen der Schwabenkapellen in Taks Wer Musik treibt ist ein ganzer Mensch
Die Großgemeinde Taks/Taksony hat ein reiches kulturelles Leben. Tanzgruppen, angefangen von den Kleinsten bis zu den Erwachsenen, Chöre und Kapellen repräsentieren die ungarndeutsche Kultur und Traditionen, die sie mit großem Engagement seit vielen Jahren pflegen. Die Kapelle Takser Inselbuam feierte 2005 ihr zwanzigjähriges Bestehen. Ladislaus Kreisz hegte schon seit vielen Jahren die Idee, auch mal die Schrammelkapellen zum gemeinsamen Musizieren zusammenzurufen. Nun ist die Idee in Taks schon zum dritten Mal Wirklichkeit geworden. Seite 4
Brückenkopf Gerlingen
In Gerlingen gaben bzw. geben im Jahre 2009 mehrere Ereignisse Anlaß zum Feiern. Vor 40 Jahren hat nämlich die Stadt Gerlingen auf Anregung von Dr. Ludwig Leber die Patenschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn übernommen. Die Übernahme erfolgte nicht nur formell, sondern hatte relevante Folgen für die deutsch-ungarischen Kontakte. Im Gerlinger Stadtmuseum wurde eine ungarndeutsche Abteilung eingerichtet, seit 1976 werden als größte Kulturveranstaltungen der Deutschen aus Ungarn die Bundesschwabenbälle organisiert, und 2009 wurde bereits die 30. Kulturtagung durchgeführt. Außerdem hat auch die Stadt Totis/Tata im Jahre 1987 eine Partnerschaft mit Gerlingen abgeschlossen. Oft wird gesagt, daß die heimatvertriebenen und heimatverbliebenen Ungarndeutschen eine Brücke zwischen Deutschland und Ungarn bilden. Gerlingen ist dann - die Grußworte des Botschafters Dr. Sándor Peisch zitiert - der Brückenkopf auf dieser Brücke. Seite 6
„Die Schiff' stehn schon bereit"
Die Stadt Ulm gilt im historischen Bewußtsein der durch die Auswanderungswellen im 18. Jahrhundert betroffenen Deutschen bzw. ihrer Nachkommen als Symbol für die Reisen in ein besseres Leben verheißende Unbekannte. Doch Ulm war bereits im 17. Jahrhundert Schauplatz einer Emigrationswelle, als eine Auswanderung aus Oberschwaben nach Böhmen und Österreich erfolgte. Der Band* sammelt Beiträge der am 12. Juli 2008 im Donauschwäbischen Zentralmuseum veranstalteten Tagung, auf der die Geschichte der Stadt sowie die Auswanderungen im 17. und 18. Jahrhundert im Mittelpunkt standen. Seite 6
Integrierende Persönlichkeit Festveranstaltung zur Ehrung von Professor Dr. Gerhard Seewann
Der 3. November 1825 war der Tag der Akademiegründung in Ungarn und wurde somit zum Tag der Wissenschaft in Ungarn. Daß die Festveranstaltung zur Ehrung von Prof. Dr. Gerhard Seewann anläßlich seines 65. Geburtstages am 6. November stattfand, war ein bewußt gewählter Zeitpunkt, verbunden mit dem Tag der Wissenschaft. Dr. Zsolt Vitári, Mitarbeiter der Stiftungsprofessur für Deutsche Geschichte und Kultur des Historischen Instituts der Universität Fünfkirchen, moderierte die Feier im Gebäude der Ungarischen Akademie der Wissenschaften in Fünfkirchen. Über die Bewerbung und das Auswahlverfahren um die Person des Stiftungsprofessors sprach Ferenc Fischer, Dekan und Direktor des Historischen Instituts Fünfkirchen. Er bezeichnete die Anfang 2007 gegründete Stiftungsprofessur als sehr erfolgreich. „Unser Kollege Gerhard Seewann hat einen neuen Blickwinkel in die Forschung gebracht" - war sein Fazit. Seewanns Lebensbahn habe ihn für seine Forschungen sensibilisiert. Mit seiner systematischen Arbeit habe Seewann in Fünfkirchen ein interdisziplinäres Zentrum mit dem Vernetzen West- und Mitteleuropas geschaffen. Seite 11
Ifa-Impulstagung zur Jugendarbeit in Vereinen und Verbänden
Neunzehn Jugendliche von Verbänden der deutschen Minderheit in Mittelosteuropa, aus Polen, Rumänien und Ungarn, kamen in Stuttgart zusammen, um im Rahmen einer Impulstagung über die Herausforderungen der Jugendarbeit zu diskutieren und darauf zu reflektieren. Seite 13
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