„Die Donauschwaben sind in ganz besonderer Weise durch ihr unsichtbares Band der Kultur verbunden" Drucken
6. November 2009
Im Namen von Innenminister Heribert Rech und der Landesregierung Baden- Württemberg hat Ministerialdirektor Günther Benz die zahlreichen Gäste bei der Verleihung des Donauschwäbischen Kulturpreises am 2. November im Haus der Donauschwaben in Sindelfingen begrüßt. Die Donauschwaben seien in ganz besonderer Weise durch ihr unsichtbares Band der Kultur verbunden. In ihrer zweihundertjährigen Siedlungsgeschichte hätten sie die wertvolle Erfahrung gemacht, daß Kultur die Gemeinschaft zusammenhielte. Auch in der neuen Heimat hätten sie erfahren, wie wichtig die Gemeinschaft in kultureller Verbundenheit sei. Und auch mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und nach den schrecklichen Ereignissen von Vertreibung und Flucht pflegten die Donauschwaben ihre Traditionen und Brauchtümer, damit die Kultur erhalten bliebe. Nicht als Selbstzweck, sondern weil die Kulturarbeit immer auch ein Stück alte Heimat zurückbringe.

Günther Benz, Monika Ambach, Stefan Teppert
und Josef Eder, der den Preis für Vladimir Geiger übernahm

Baden-Württemberg fördere die Kultur der Vertriebenen auf vielfältige Art und Weise, zum Beispiel mit eigenen Kultur- und Forschungseinrichtungen. Das Verhältnis des Landes zu Tradition und Geschichte der Donauschwaben sei von sehr enger Natur. Aus diesem Grund habe Baden-Württemberg bereits 1954 die Patenschaft über die Volksgruppe der Donauschwaben und 1998 die Patenschaft über die Landsmannschaft der Banater Schwaben übernommen. „Und als ein zentrales und bedeutendes Element des Bekenntnisses des Landes zu den Donauschwaben hat es bereits im Jahr 1966 den Donauschwäbischen Kulturpreis ins Leben gerufen. Mit dem Preis sollen Kulturschaffende geehrt werden, die sich um die donauschwäbische Kultur besonders verdient gemacht haben", sagte Benz. Es sollten Kulturschaffende geehrt werden, deren Werk zur Verständigung zwischen Donauschwaben und ihren Nachbarn in den Herkunftsgebieten in besonderem Maße beigetragen hätten. Der Preis solle auch ein Anreiz für donauschwäbische Künstler sein, sich weiter ihrer heimatlichen Kultur zu widmen. Im Jahr 2009 wurde der Donauschwäbische Kulturpreis im Bereich Darstellende Kunst: Theater, Film und Medien vergeben. „Ich freue mich sehr, daß wir mit dem Preis anerkannte Persönlichkeiten auszeichnen können, die in diesem wichtigen Bereich herausragende Leistungen für die donauschwäbische Kultur erbracht haben", betonte Benz.
Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis wurde an Monika Ambach, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums in Budapest verliehen. Sie habe sich im ungarndeutschen Kulturleben vielseitig engagiert. Vor allem mit ihren Projekten, die die Geschichte und die Situation der Ungarndeutschen dokumentierten, hätte sie große Breitenwirkung erzielt. Einen mit 2.500 Euro dotierten Förderpreis erhielt Dr. Vladimir Geiger aus Agram. Mit seinen Forschungsarbeiten und seinem mutigen Auftreten für die Wahrheitsfindung über die Geschehnisse vor und nach dem Zweiten Weltkrieg im ehemaligen Jugoslawien habe er Medienwirkung erzielt. Mit seinen Werken sei es ihm gelungen, jahrzehntelange Tabus aufzubrechen und die Gesellschaft für einen offenen und ehrlichen Dialog zwischen den Völkern im Sinne eines freiheitlichen Europas zu öffnen.
Ein weiterer mit 2.500 Euro dotierter Förderpreis wurde an Stefan Teppert für sein Engagement zum Erhalt der donauschwäbischen Kultur verliehen. Besonders erwähnenswert ist seine Arbeit an der Herausgabe einer auf sechs Bände angelegten Donauschwäbischen Anthologie. Vier Bände mit jeweils 1.000 Seiten sind bereits erschienen.


Aus dem Inhalt

55jähriges Jubiläum des Deutschen Volkstanzensembles von Werischwar
Vier Tanzgruppen und mehrere Altersklassen: 80 Mitglieder

Den 55. Geburtstag feierte am 31. Oktober das Ungarndeutsche Volkstanzensemble von Werischwar. Das Fest wurde im Haus der Künste veranstaltet, weil das Kulturhaus noch nicht fertig ist. Gleich vier Tanzgruppen - zwei der Kleinen, die Jugendtanzgruppe(n) und die Erwachsenen - waren der Jubilar. Josef Wenczl, der beim Gründen der Volkstanzgruppe durch Georg Hidas ein junger Tänzer war, ist nun seit Jahren deren Leiter (vor ihm waren es Ágoston Lányi und Sándor Timár). Heute hat das Ensemble etwa 80 Mitglieder verschiedener Altersgruppen. Auf die Frage, wie Wenczl es energiemäßig (er unterrichtet auch in anderen Regionen Volkstanz) schafft, meinte er: "Wenn man die glänzenden Augen sieht, das erfüllt einen mit Freude und gibt einem Energie."
Seite 1-2

„Die Landsleute wieder näher zueinander bringen"

Franz Schmidt aus Moor ist Vorsitzender der deutschen Komitatsselbstverwaltung in Weißenburg. Der 68jährige Parlamentsabgeordnete versucht sich auch im Hohen Haus für die Minderheit einzusetzen. Bei unserer Anfrage zum Interview war er gerade mit der Weinlese und mit dem Stampfen beschäftigt.
Seite 3

Vergessene deutsche Ortschaften im Zentrum der schwäbischen Türkei

Fährt man voller Erwartung rein in die malerisch gelegene Touristenhochburg Orfi/Orfû, fällt einem das Wegkreuz mit deutscher Aufschrift direkt am Ortseingang wohl kaum auf. Und das ist auch schon alles, was an das einst blühende Schwabendörfchen erinnert.
Seite 4

Familien im Porträt
Die Mechles

In Kroisbach/Fertôrákos steht ein schönes Heldendenkmal, das für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen errichtet wurde. Das Denkmal ist von einem Steinmetzmeister namens Mechle geschaffen worden. Magda Mechle stellte alles über die Steinmetzdynastie zur Verfügung und ergänzte das Material durch ihre Erinnerungen. Die Vorfahren der Familie stammten aus Ulm und siedelten sich zur Zeit Maria Theresias in Eisenstadt an. Der erste Steinmetzmeister der Dynastie, Josef Mechle, eröffnete 1790 in der Stadt seine eigene Werkstatt. Er war Mitglied der städtischen Steinmetzzunft. Sein Sohn, Josef Mechle (II.), erlernte den Beruf seines Vaters und zog nach Ödenburg. Den Urkunden nach wurde er im Jahre 1815 in die Zunft der Steinhauer in Ödenburg aufgenommen. Ein Jahr darauf erhielt er von der Stadt das Bürgerrecht.
In Ödenburg gab es damals zahlreiche Steinhauer, die sowohl im In- als auch im Ausland gefragt waren. Mehrere Werkstätten existierten an der Stelle des heutigen Kôfaragó tér (Steinhauerplatz) nebeneinander, die dennoch alle genügend Aufträge bekamen.
Seite 4

Medizinische Geräte für die Ungarndeutschen

Dr. Michael Józan-Jilling, Vorsitzender des Sozialausschusses der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, betreut seit Jahren Sozialprojekte. NZ fragte ihn nach weiteren Plänen in diesem Bereich.
Seite 4

Wann man den Wein von Stöcken nehmen soll?

Der Weinbau in Ungarn blickt auf reiche Traditionen zurück, die in der Fachliteratur auch wissenschaftlich erforscht werden. Der Verfasser des Bandes* András Lichtneckert bewies durch zahlreiche Monographien, die sich mit dem Weinbau in den Gemeinden am Plattensee beschäftigten, seine umfassenden Fachkenntnisse. Die jetzige Quellensammlung stellt als Ergebnis der Forschung in Archiven den Weinbau in der Periode zwischen 1700 und 1871 vor. Der zweisprachige Band befaßt sich mit Weinbüchern, Artikeln der Weinberge, Verzeichnissen der Weinsorten bzw. Weinrebensorten sowie dem Weinbau in der Rebenschule der adeligen Familien in der Plattenseegegend. Neben den meist verbreiteten Weinrebensorten sowie deren Eigenschaften geben die Weinbüchlein wichtige Ratschläge zum Weinbau sowie zur Behandlung des Mostes, bzw. des Weines.
Seite 6

Ein zusammenfassendes wissenschaftliches Werk über die Verschleppung

„Unsere Abstammung war unsere einzige Schuld - Die Deportierung von deutschen und ungarischen Zivilpersonen zu Malenkij Robot in sowjetische Arbeitslager 1944/45 - 1955", diesen Titel trägt das Buch über die Verschleppung der Ungarndeutschen, das am 25. September im Rahmen einer Konferenz in Fünfkirchen vorgestellt wurde. Der Studienband behandelt die Verschleppung von Ungarndeutschen und Ungarn in sowjetische Arbeitslager während und nach dem Zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Perspektiven. Als Grundlage diente eine wissenschaftliche Forschung: Historiker und Studenten haben in Archiven geforscht, Zeitzeugen interviewt und waren auch in den ehemaligen Arbeitslagern in der Ukraine. Das Projekt konnte durch eine europäische Bewerbung verwirklicht werden (NZ 40/2009). Den Verfasser des Buches, den Historiker Dr. Zalán Bognár, hat Neue Zeitung über das Buch und über die Forschung befragt.
Seite 6

Weihbischof Meszlényi (1892-1951) selig gesprochen

In Gran ist der von den Stalinisten ermordete Weihbischof Zoltán Lajos Meszlényi (1892-1951) selig gesprochen worden. Kardinal-Primas Péter Erdô würdigte Meszlényi „als das erste ungarische Opfer des Stalinismus, das zur Ehre der Altäre erhoben wird".
Der Märtyrer-Bischof sei deshalb ins Visier der Stalinisten geraten, weil sie erkennen mußten, daß er in keiner Weise zur Kollaboration bereit war, erinnerte Erdô. Er habe „sein Leben für die Kirche gegeben, für die Gemeinschaft zwischen der Kirche von Esztergom und der Weltkirche, dem Sitz des Petrus". Auch heute würden Menschen getötet, „weil sie Christen sind", so der Primas. Die Kirche sei bis heute Verdächtigungen, Unterstellungen, Fälschungen der Geschichte ausgesetzt, Gläubige und kirchliche Einrichtungen würden an den Rand gedrängt.
Bei der Feier am Samstag in Gran verlas der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Erzbischof Angelo Amato, die Seligsprechungserklärung und eine Botschaft von Papst Benedikt XVI. Meszlényi sei ein „heroischer Zeuge des Evangeliums" gewesen. Die Gestalt des ungarischen Bischofs lade dazu ein, „dem Evangelium des Lebens und der Wahrheit" treu zu bleiben, so der päpstliche Gesandte.
Seite 11

Fachlich anspruchsvolle AGDM setzt neue Akzente
19. Jahrestagung der deutschen Minderheiten in der FUEV in Jula

Spracherhalt und Sprachvermittlung unter den deutschen Minderheiten, bzw. Minderheiten und Tourismus wurden Auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten (AGDM) in der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) vom 22. bis 25. Oktober in Jula/Gyula behandelt. Die AGDM ist eine 1991 in Budapest gegründete informelle Arbeitsgemeinschaft, die alle Organisationen vereint, die in der FUEV, dem Dachverband der nationalen Minderheiten und traditionellen Volksgruppen in Europa, zusammengeschlossen sind und sich als Verbände deutscher Minderheiten betrachten.
Seite 12

Ungarndeutsche Kultur ist cool - erwies sich auch auf der GJU-Fortbildung

Ungarndeutsche Kultur ist cool - lautete das Motto der GJU-Fortbildung am vergangenen Wochenende in Budapest, wo GJUler und GJU-Freunde vom PINK aus Fünfkirchen, aus Budapest und aus Szegedin erfahren konnten und auch selbst bestätigten, daß Kulturarbeit cool ist. Die Fortbildung im Bereich Minderheitenkulturmanagement für Jugendliche wurde von der GJU für die Multiplikatoren und für weitere interessierte Jugendliche organisiert. Die Teilnehmer konnten Basisinformationen im Bereich Projektmanagement bekommen und im Rahmen der Workshoparbeit Projekte gemeinsam planen und präsentieren.
Seite 13


Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung unter
www.neue-zeitung/publikationen

Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen.
Kontakt: neueztg@hu.inter.net