„Vielen Dank für die Einladung zur 30. Kulturtagung der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Die Kulturtagung ist ein fester Bestandteil im Kalender der landsmannschaftlichen Veranstaltungen in unserem Land, sie ist schon Tradition geworden. Zugleich ist sie ein beeindruckendes Bekenntnis zu Ihrer Herkunft, Ihren Wurzeln, Ihrer Heimat und Ihren Traditionen." Das sagte der baden-württembergische Landesbeauftragte für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler, Innenminister Heribert Rech, am 17. Oktober bei der Kulturtagung der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn in Gerlingen.
Innenminister Heribert Rech hielt den Festvortrag im Rathaus von Gerlingen Foto: I. F.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Ungarndeutsche ihre Heimat verlassen müssen und damit ihr Hab und Gut, ihre Wurzeln und ihren Halt verloren. Der überwiegende Teil von ihnen sei nach Baden-Württemberg gekommen, viele davon nach Gerlingen. Der Anfang in der neuen Heimat sei schwer gewesen. Die Neubürger seien nicht überall mit offenen Armen aufgenommen worden. Aber mit der ihnen eigenen Schaffenskraft, ihrem Erfindungsreichtum, ihrem Fleiß und ihrem ungebrochenen Willen hätten sie die Herausforderung angepackt und sich eine neue Existenz geschaffen. In der neuen Heimat hätten sie sich früh organisiert und bereits 1949 die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn gegründet. Sie leiste ihren Landsleuten eine große Hilfe bei der Eingliederung. Trotz der eigenen Schwierigkeiten hätten die Heimatvertriebenen nie ihre in Ungarn verbliebenen Landsleute und ihre alte Heimat vergessen. „Die Deutschen aus Ungarn wurden so zu Brückenbauern, die sich auch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs nicht von den Barrieren zwischen den politischen Blöcken abschrecken ließen", so der Minister. Nach der politischen Wende sei es wieder möglich geworden, über die Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Ein ganz wichtiger Punkt seien die Patenschaften gewesen, aus denen schließlich Partnerschaften entstanden seien. „Partnerschaften basieren auf dem Versöhnungsgedanken. Sie helfen dabei, alte Feindbilder aufzubrechen und abzubauen. Durch persönliche Begegnungen der Menschen über alle politischen und geographischen Grenzen hinweg leisten sie einen Beitrag zur internationalen Entspannung", sagte Rech. Die Ungarndeutschen seien im zusammenwachsenden Europa wichtige Mittler zwischen den Ländern. Die Ungarndeutschen spannten Brücken, die in eine gemeinsame Zukunft in Europa weisen würden und die ihre Wurzeln in der gemeinsamen Geschichte habe. „Wenn ich an unser Europa denke, kann ich das nicht, ohne an die Charta der Heimatvertriebenen aus dem Jahr 1950 zu denken. Mit der Charta haben Sie einen ersten Stein der Brücke in ein gemeinsames Europa gesetzt", betonte Rech. Die Heimatvertriebenen und mit ihnen die Ungarndeutschen seien nicht nur Europäer der ersten Stunde, sondern auch die Brückenbauer der ersten Stunde. „Alte Heimat - Neues Zuhause", heißt die Broschüre, die die Stadt Gerlingen zu 40 Jahre Patenschaft über die Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn herausgegeben hat. Patenonkel Georg Brenner, Bürgermeister der „heimlichen Hauptstadt der Ungarndeutschen in Süddeutschland", konnte über vielfältige Aktivitäten des Patenschaftsrates berichten. Er erinnerte an die Männer der ersten Stunde, an die Verdienste des damaligen Bürgermeisters Wilhelm Eberhard, der bezeichnenderweise „Vili bácsi" genannt wurde. Die Ungarndeutschen hätten sich aktiv am Aufbau des neuen Deutschland beteiligt, sagte der aus Elek stammende Prof. Paul Strifler, Ehrenvorsitzender der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn. Sie hätten ja nach zehn Generationen überwiegend in die Heimat ihrer Vorfahren zurückkehren müssen. Vor allem die Kirchen leisteten - trotz Koalitionsverbot der Alliierten - wichtige Integrationsmaßnahmen. In der Caritas-Flüchtlingshilfe wurde Ludwig Leber aktiv, der bereits daheim im Volksbildungsverein tätig war. Er setzte sich für die Entlassung der Gefangenen im berüchtigten Lager Tiszalök ein. Im Evangelischen Hilfskomitee in München arbeitete Friedrich Spiegel-Schmidt am Aufbau einer landsmannschaftlichen Organisation. In den Referaten wurden immer wieder die über 120 Städte- und Gemeindepartnerschaften zwischen Baden-Württemberg und Ungarn genannt, die überwiegend von den Ungarndeutschen initiiert wurden. Auch der neue Direktor des Instituts für Donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, Prof. Dr. Reinhard Johler, sprach darüber in seinem Vortrag „Die Ungarndeutschen im alten und neuen Europa. Perspektiven - Ziele - Aufgaben". Zu den guten Traditionen der seit 20 Jahren von Klaus Loderer moderierten Kulturtagung gehört, daß Referenten aus Ungarn eingeladen werden. Diesmal war es der junge Geschichtslehrer am Berzsenyi-Lyzeum in Ödenburg, Gábor Gonda, der seine Forschungsergebnisse über die Tätigkeit der „Dreierkommissionen" im Komitat Tolnau präsentierte, welche die Ungarndeutschen auf Individualschuld überprüfen sollten. Man darf gespannt sein auf die Doktordissertation über diesen gescheiterten Versuch. Über wiederbelebtes Brauchtum, neue Feste und Rituale der Ungarndeutschen nach der Wende sprach Csilla Schell vom Johannes-Künzig-Institut für ostdeutsche Volkskunde in Freiburg. sch
Aus dem Inhalt
Bücher machen Leute Frankfurter Buchmesse 2009
Regelmäßig kommen die Busse an, gießen ihren „Inhalt" in die Hallen, beim Einlaß werden Taschen kontrolliert, Taschenmesser und kleine Scheren in Sicherheitstüten aufbewahrt, Besucher abgetastet. Dann in den Hallen das ständige Auf und Ab, elegante und sportliche Fachbesucher mit ihren rollenden Koffern, Tausende von bunten Broschüren, fast unübersehbare Flut von Büchern, Neuerscheinungen und antiquarischen, Leseproben, Kalender, Angebote, Veranstaltungen, Medientreffen, Gespräche. Am Ende des Tages schmerzende Füße und bleierne Müdigkeit. Doch geht's am nächsten Tag von vorne los: Das ist die Frankfurter Buchmesse. Seite 1-4
Gockelschlagen in Altglashütten Keramik statt lebendigem Gockel
Mehr als hundert neugierige Altglashüttener und Gäste von nah und fern kamen zusammen an diesem winterlich kalten Oktobersonntag, um die alte Tradition des Gockelschlagens wiederzubeleben. Gespannt warteten die Zuschauer auf den Wettstreit der Männer, welcher einst jedes Jahr ausgetragen wurde. „Vor etwa acht, neun Jahren hat man uns verboten, lebendige Gockel zu schlagen", informiert Maria Heim, Organisatorin des Dorffestes. Deswegen entschlossen sich die Altglashüttener, um die Tradition nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, anstatt der lebendigen von nun an Keramikgockel zu nehmen, ansonsten aber alles wie früher zu machen. Seite 1-4
Internationales Parlamentsstipendium
Seit 1990 bietet der Deutsche Bundestag zusammen mit der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität Berlin politisch interessierten Hochschul- und UniversitätsabsolventInnen in Ungarn die Möglichkeit, das deutsche parlamentarische System und die politischen Entscheidungsprozesse kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Durch die Zusammenarbeit mit den Abgeordneten können die Jugendlichen in die Arbeit des deutschen Parlaments einblicken und später ihre Erfahrungen im Heimatland anwenden. Seite 2
Josef Wekerle - Zeitzeuge eines Jahrhunderts
Eine markante Persönlichkeit der Deutschen aus Ungarn ist von uns gegangen. Am 1. Oktober verstarb in Greding Dipl.-Ing. Josef Wekerle mit 96 Jahren. Seite 2
Kastanien und Wein Ausstellung beim Mädchenmarkt in Petschwar
Kastanien mit Weißwein gespritzt und über offenem Feuer gebacken gehört zu den leckersten Traditionen der Petschwarer Gegend. Diese Köstlichkeit wird beim alljährlichen Herbstrummel in Petschwar auch den von weither angereisten Gästen angeboten. Tanz, Musik und gute Laune von früh bis spät charakterisieren den Mädchenmarkt in Petschwar von Jahr zu Jahr, und all das wird mit der Kastanienerntezeit verbunden. Seite 2
Donauschwäbischer Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg vergeben Monika Ambach Hauptpreisträgerin
Die Jury zur Vergabe des Donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg hat die Preisträger des Jahres 2009 im Bereich Darstellende Kunst (Theater, Film und Medien) ermittelt. Der mit 5.000 Euro dotierte Hauptpreis wird an die in Budapest lebende ungarndeutsche Publizistin, Moderatorin und Autorin Monika Ambach vergeben. Förderpreise, die mit je 2.500 Euro dotiert sind, erhalten der in Agram/Kroatien lebende Historiker Dr. Vladimir Geiger und der in der donauschwäbischen Siedlung Entre Rios in Brasilien geborene Publizist Stefan Teppert aus Meßstetten. Seite 3
Jubiläumskonzert des Wandorfer Chors
In der Bergkirche von Wandorf/Sopronbánfalva feierte der Wandorfer Chor sein zehnjähriges Bestehen. Die Zahl der Mitglieder hat sich seit der Gründung verdoppelt. Der Chor probt wöchentlich unter der Leitung von Tormáné Bakody Noémi und besteht aus Lokalpatrioten, die das gemeinsame Singen, die Traditionspflege und die örtlichen Werte für wichtig halten. Der Chor tritt bei jeder bedeutenden Veranstaltung von Wandorf in der traditionellen Tracht auf. Seite 3
Partnerschaft erneuert
Auf Einladung des Kreistages weilte am Wochenende eine 40köpfige Delegation aus dem Partnerkomitat Tolnau im Landkreis Bautzen. Ziel war es, die nun schon seit Jahren bestehende erfolgreiche Partnerschaft zu erneuern. Seite 3
Münchens Auswirkungen auf ungarische Kunststudenten
Die Entwicklung der Kunst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus einem bisher weniger untersuchten Gesichtspunkt erforscht die Ungarische Nationalgalerie mit der Ausstellung „München auf ungarisch. Ungarische Künstler in München 1850 - 1914", die bis zum 10. Januar 2010 zu sehen ist. Der kunsthistorischen Forschung ist es bekannt, daß während dieser Periode beinahe alle ungarischen Kunststudenten nach München reisten, um das Fehlen der heimischen Bildung durch das Studium an der dortigen Akademie der bildenden Künste aufzuholen. Bisher wurde weniger untersucht, inwiefern die Akademie oder die Stadt als Kunstzentrum auf die Studenten wirkte. In der Ausstellung wird aufgezeigt, welche Momente, Charakteristika und eindeutigen Züge in der Entwicklung der zweiten Hälfte des Jahrhunderts es sind, die sich mit der bayrischen Metropole verknüpfen lassen, die die ungarischen Maler/Bildhauer geprägt haben, und die in der Herausbildung der Nagybánya-Bewegung, d. h. in der modernen ungarischen Malerei und Kunst, eine unmittelbare Rolle spielten. Seite 6
Klimawandel und die Herausforderungen für die Minderheiten
Etwa 60 Jugendliche aus ganz Europa kamen mit der Fähre auf die wunderschöne nordfriesische Insel Föhr, um an dem Youth Leader Seminar der JEV vom 13. bis zum 18. Oktober teilnehmen zu können. Das Thema des Seminars war „Klaar Kimming die Herausforderung des Wandels". Klaar Kimming heißt auf nordfriesisch klarer Horizont. Als Schwerpunktthema des Seminars wurden der Klimawandel und dessen Auswirkungen und die Herausforderungen für die Minderheiten behandelt. Seite 13
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