Die 46 Jahre alte Reiseleiterin Eva Stumpf (Foto) ist seit 2006 die Vorsitzende der Deutschen Komitatsselbstverwaltung in Borschod-Abaujwar-Semplin. Sie stammt aus der Umgebung von Moor und war vorher in keiner Minderheitenselbstverwaltung tätig.
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NZ: Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Vorsitzende?
ÉS: Ich rufe die Deutschen Selbstverwaltungen dem Gesetz nach öfter im Jahr zusammen, und da besprechen wir die aktuellen Aufgaben und Probleme.
NZ: Wie viele Minderheitenselbstverwaltungen betreuen Sie?
ÉS: Im Komitat sind zehn deutsche Minderheitenselbstverwaltungen, das sind: Bodvaszilas, Ináncs, Trautsondorf/Hercegkút, Rakomas/Rakamaz, Miskolc, Ratka/Rátka, Sajószentpéter, Potok/Sárospatak, Sátoraljaújhely und Szendrô. Neun von ihnen kommen zur Komitatssitzung.
NZ: Gibt es auch viele Kulturgruppen im Komitat?
ÉS: Die meisten Kulturgruppen kommen aus Trautsondorf, Ratka und Karlsdorf/Károlyfalva bei Sátoraljaújhely, hier gibt es sowohl Tanzgruppen als auch Chöre, nur Chöre haben aber auch noch andere Ortschaften.
NZ: Wie steht es mit dem Deutschunterricht?
ÉS: Der erfolgt in mehreren Orten, in den drei vorher erwähnten Gemeinden gibt es auch Nationalitätenunterricht.
NZ: Was sind die größten Probleme in Ihrem Komitat?
ÉS: Die Minderheitenselbstverwaltungen bekommen zu wenig Geld vom Staat. Die kleinen Ortschaften erhalten auch von der örtlichen Selbstverwaltung zu wenig, weil die ebenfalls kein Geld haben. Mit diesen knappen Mitteln müssen wir die Aufgaben lösen. Die Sprachübung machen wir unter anderem durch Nationalitätenfestivale, dieses Jahr hatten wir schon das zweite in unserem Komitat, dort konnten die Chöre ihre schöne Arbeit präsentieren. Das kostet sehr viel Geld. Das Komitat Borschod-Abaujwar-Semplin hat den Minderheiten eine gewisse Summe zur Verfügung gestellt, für die Deutschen waren es 500.000 Forint, und das ist sehr gut.
NZ: Wie arbeiten Sie mit dem Verband der Deutschen Selbstverwaltungen zusammen?
ÉS: Wir arbeiten eng zusammen, die Mitglieder sind in beiden Gremien fast die gleichen. Wir treffen uns oft mit der Vorsitzenden des Verbandes und es besteht regelmäßiger telefonischer Kontakt. Die Aufgaben sind zwar ähnlich, aber die betreffenden Gesetze sind in beiden Gremien anders.
NZ: Was ist Ihr Ziel für die Zukunft?
ÉS: Wir wollen die deutsche Sprache bewahren, das können wir durch verschiedene Programme erreichen, zum Beispiel haben wir die Deutsche Bühne Ungarn nach Potok eingeladen, und so konnten über 400 Kinder das Stück „Lebkuchenmann" sehen. Wir wollen die DBU auch im nächsten Jahr in unser Komitat einladen, denn Seksard ist ja sehr weit weg von uns. Auch Kultur- und Traditionspflege ist für uns sehr wichtig.
NZ: Fühlt man sich da manchmal einsam als deutsche Minderheit so weit von allen anderen ungarndeutschen Zentren? Viele wissen gar nicht, daß auch in diesem Komitat, also in Borschod-Abaujwar-Semplin, Deutsche leben.
ÉS: Ja, das ist so. Deswegen wollen wir Kontakt zu anderen Selbstverwaltungen aufnehmen, aber das geht schwer, weil wir eben so weit entfernt von allen sind. Trautsondorf hat schon Verbindungen mit Tarian ausgebaut, im Jänner haben sie uns bereits besucht, und zwar die Kapelle und der Vorsitzende des dortigen deutschen Gremiums. Eine Partnerschaft in Deutschland streben wir ebenfalls an. Trausondorf hat schon ein Partnerdorf, dieser Austausch funktioniert seit sechs Jahren, darin ist auch die Jugend eingebunden.
Chr. A.
Aus dem Inhalt
10 Jahre Partnerschaft zwischen Pößneck und Baje Eine Chor-Freundschaft mit Zukunft
Um die 200 gutgelaunte Kinder trafen sich am 25. September im Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baje zu einem Jubiläumskonzert der besonderen Art. Zu Ehren der zehnjährigen Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium „Am Weißen Turm" in Pößneck und dem UBZ in Baja kam der Chor aus Deutschland und brachte, wie immer, schöne Lieder mit. „Wir haben damals nicht gedacht, daß wir einmal zehnjähriges Jubiläum feiern würden", so die Direktorin des UBZ Dr. Elisabeth Knab, in ihrer Eröffnungsrede, „doch nun hoffen wir auf weitere 10, 20... Jahre Zusammenarbeit." Seite 1
Enge und vertrauensvolle Beziehungen
Aus Anlaß des deutschen Staatsfeiertages führte NZ ein Gespräch mit Dorothee Janetzke-Wenzel, der Botschafterin der Bundesrepublik Deutschland in Budapest. Seite 1-2
Nadwarer Jungweinfest zum heiligen Michael Ein Ort für Tanz, Musik und guten Wein
Seit 20 Jahren wird am letzten Septemberwochenende in Nadwar ein dreitägiges Weinfest gefeiert. Seite 2
„Reger Erfahrungsaustausch, mehr Möglichkeiten"
Die Schulschließung stand in Gereschlak zwar nicht direkt bevor, doch die Schulleitung wollte vorausschauend denken und sicherte sich das langfristige Überleben durch die Integration der Schule in das Petschwarer János Kodolányi Bildungs- und Kulturzentrum. Seite 3
Ein Platz im Grünen
An einem heißen Augusttag war NZ-Autor Heinz Noack mit dem mittleren der drei Oppermannbrüder, dem Johann, in seinem Gartengrundstück im Bautzener Humboldhain verabredet. Die Familie Oppermann (Großeltern, Eltern und die beiden Söhne Heinrich und Johann) wurde 1948 aus ihrem Heimatdorf Sektschi/Kaposszekcsô vertrieben. Der dritte Sohn erblickte in Deutschland das Licht der Welt. Die Oppermanns mußten 1945 ihr Haus verlassen und kamen bei einem Bauern unter, der sein unbeheizbares Preßhaus nicht mehr benutzte. Ihr Haus bezogen Ungarn, die aus der Tschechoslowakei im Zuge des „Bevölkerungsaustausches" umgesiedelt wurden. Mit weiteren acht Familien wurden die Oppermanns in einen verplombten Viehwaggon gepfercht und kamen zu Pfingsten in Pirna an. Mit Grauen erinnert sich der jetzt 73jährige noch an die strapaziöse Bahnfahrt, denn wenn der Zug stand, bekamen die Insassen kaum Luft. Nach der Eingewöhnungsphase wurde die Familie nach Bautzen in die Martin Hoopstraße in das Haus von Dr. Schwerk eingewiesen, dessen Sohn Holdi oft und gerne mit den Kindern der Familie aus Ungarn Fußball spielte. Seite 4
53. Almascher Heimattreffen in Backnang
„Wer über Heimat spricht, spricht über seine Geschichte, über das Woher und Wohin. Wer über seine Heimat spricht, spricht über seine Identität." Das sagte der baden-württembergische Landesbeauftragte für Vertriebene, Flüchtlinge und Aussiedler, Innenminister Heribert Rech am 26. September beim 53. Bácsalmáser Heimattreffen in Backnang. Zehn Jahre nach der Vertreibung der Deutschen aus Almasch am 22. September 1957 hätten sich die vertriebenen Deutschen zum ersten Mal getroffen, um zusammen das Heimattreffen zu feiern. Nach Ende des Krieges hätte die Hälfte der damaligen 13.000 Einwohner den Ort verlassen müssen. „Das war eine Vertreibung, die für viele nicht nur den Verlust ihres Hab und Gutes, sondern auch den Verlust ihrer Wurzeln, ihres Halts und ihrer Heimat bedeutet hat", sagte Rech. Die Heimat sei jedoch stets lebendig im Bewußtsein der Menschen gewesen, da noch Verwandte in Ungarn gelebt hätten. Die Idee von Landsmann Josef Gstalter, ein Heimattreffen zu veranstalten, ermöglichte ein Wiedersehen mit ihnen. „Das Heimattreffen ist nach 52 Jahren zu einer wunderbaren Tradition für die Deutschen aus Bácsalmás geworden. Es ist ein Stück gelebte alte Heimat in der neuen Heimat", sagte Rech. Und wer von Heimat spreche, spreche gleichzeitig von Identität. Seite 4
Konferenz über „Malenkij Robot" in Fünfkirchen
„Wege zu den Wurzeln" war der Titel der Konferenz über die Verschleppung der Ungarndeutschen. Die Tagung am 25. und 26. September in Fünfkirchen war ein Teil des Forschungsprojektes, das der Nationalitätenkreis der Deutschen in Pécs und in der Branau organisiert hat und das durch eine europäische Bewerbung zustandegekommen ist. Seite 11
„Erlebe Haydn" - im ÖBZ
Schon wieder lockte eine anziehende Einladung Lehrer und Schüler aus dem Komitat Bekesch am 25. und 26. September ins Österreichische Bildungszentrum in Jula. Der Leiter Roland Mittag und Fachreferentin, Deutschlehrerin Mária Nagy hatten sich zum Gedenken an den 200jährigen Todestag Joseph Haydns so einiges einfallen lassen. Seite 11
Kavalkade Sásder Kulturen
Für das friedliche und freundschaftliche Zusammenleben in einer Gemeinschaft kann man trotz kultureller, religiöser oder auffassungsmäßiger Unterschiede gemeinsam viel tun - das hat die Kavalkade der Sásder Kulturen eindeutig bewiesen. An der Veranstaltung am 26. September nahmen nämlich Roma, ungarndeutsche und ungarische Kulturgruppen teil und lernten dabei nicht nur Tanz und Musik des anderen kennen. Seite 11
Andreas Hofers Wiederkehr nach Tirol Zweihundert-Jahr-Jubiläum der Freiheitskämpfe von 1809
Andreas Hofer wäre wahrscheinlich vor Dankbarkeit in die Knie gesunken, hätte er bei der 3. Bergiselschlacht am 13. August 1809 dreißigtausend Schützen zur Verfügung gehabt. Er hatte nur halb so viele - und die Schlacht gegen die bayerischen, französischen und sächsischen Truppen trotzdem gewonnen. Am 20. September 2009 feierte nun Tirol seinen Freiheitshelden mit einem dreitägigen grandiosen Fest, dessen Höhepunkt der Festumzug in Innsbruck mit fast 30.000 Mitwirkenden war. Es war eine Besinnung auf die eigene Geschichte, ein Fest der Tiroler für die Tiroler; nicht für Touristen und Zuschauer - aber wohl gerade deshalb fanden sich an die hunderttausend davon ein und verdoppelten mit den Akteuren zusammen in etwa die normale Einwohnerzahl der Stadt am grünen Inn. Seite 12
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