Komitatsverband Batsch-Kleinkumanien
Josef Manz „Wir bräuchten mehr aktive Vereine"
Drucken
4. September 2009
Der Verband der Deutschen Minderheitenselbstverwaltungen des Komitats Batsch-Kleinkumanien wird seit drei Jahren von Josef Manz (Foto) geleitet, davor war er lange Jahre Mitglied des Vorstandes. NZ fragte ihn über die Arbeit des Vorsitzenden.

NZ: Welche Aufgaben hat der Komitatsverband in Ihrem Komitat?

JM: Wir haben 25 Selbstverwaltungen in unserem Komitat, Tschongrad hat auch noch zwei, die gehören noch zu uns, es sind zum Glück viele. Der Verband hat die Aufgabe, die Tätigkeit dieser Selbstverwaltungen zu unterstützen, hauptsächlich Programme zu koordinieren, zu helfen, wenn Probleme auftauchen. Wir wollen die vereinzelten ungarndeutschen Inseln zueinanderführen, damit ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht. Das finde ich sehr wichtig. Wir werden leider immer weniger, diese kleinen Inseln muß man sprachlich und im Selbstbewußtsein stärken, dies sind die Hauptaufgaben des Vorsitzenden und des Regionalbüros. Natürlich braucht man da aktive Gemeinschaften, die mitmachen.

NZ: Wie sieht denn das in der praktischen Arbeit aus, klingelt bei Ihnen ständig das Telefon?

JM: Ja, hauptsächlich telefonisch läuft der Informationsaustausch. Andrea Bakonyi ist unsere Büroleiterin, sie macht eigentlich die alltägliche Arbeit. Ich rufe sie oft an, informiere mich darüber, was los ist, und wir besprechen die Probleme und versuchen, Lösungen zu finden.

NZ: Welchen Einfluß hat ein Komitatsvorsitzender?

JM: Das ist wahrscheinlich sehr unterschiedlich in den Komitaten. In den einzelnen Ortschaften sind die Sprachkenntnisse nicht mehr so gut, oder es fehlt an Identität, die Leute sind unsicher in der Frage, was es heißt, ein Ungarndeutscher zu sein, da braucht man Fingerspitzengefühl, damit man das überbrücken kann. Man braucht aktive Leute und Gemeinschaften, die sich zum Ungarndeutschtum hingezogen fühlen und da etwas machen wollen. Und dann kann man ihnen auch mehr helfen und könnte auch mehr zusammenarbeiten. Aber diese Gemeinschaften sind oft nicht das ganze Jahr über aktiv. Sie organisieren vielleicht nur ein Programm im Jahr, so ist es jedenfalls in unserer Gegend.

NZ: Sehen Sie sich als Kontaktperson zwischen LdU und Vereinen?

JM. Ja schon, weil man ja die Region gut kennt und weil ich selbst Mitglied der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen bin. Die Informationen erreichen mich und ich kann sie auch weiterleiten.

NZ: Haben Sie ein besonderes Erlebnis in Ihrer Amtszeit, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

JM: Wir veranstalten jedes Jahr im November den ungarndeutschen Kulturabend, da wird die Auszeichnung für das Ungarndeutschtum in Bács-Kiskun verliehen. Diese Abende waren wirklich sehr interessant, denn wir waren schon in mehreren Ortschaften und das Publikum war zahlreich, viele Ungarndeutsche kamen, und oft war der Saal zu klein. Da sieht man, das Interesse ist vorhanden.

NZ: Was würden Sie sich wünschen, um noch besser arbeiten zu können?

JM: Was ich mir wünschen würde, sind aktivere Gemeinschaften in den Ortschaften. Also daß beispielsweise eine Tanzgruppe nicht nur dann Proben hält, wenn ein Auftritt bevorsteht, sondern kontinuierlich als aktive Gemeinschaft lebt, denn ohne diese Gemeinschaften kann man keine Traditionen pflegen. Natürlich wäre auch mehr Geld nötig, denn es ist oft so im Komitat, daß wir den Gruppen ihre Reisen nicht bezahlen können, zum Rezitationswettbewerb oder nach Budapest, oder zum Landesrat zu Auftritten. Das sind große materielle Probleme. Aber wir wissen ja, in Ungarn gibt es überall Geldprobleme, die werden sich nicht so schnell lösen.

NZ: Ermutigen Sie die Landsleute, Sie jederzeit mit Problemen anzurufen?

JM: Genauso ist es.

NZ: Wenn jetzt eine Tanzgruppe Probleme hat, die Schuhe sind zum Beispiel kaputt, bittet man Sie dann um Hilfe?

JM: Ja, ich bin offen für solche Fragen, aber in der Praxis gehen diese Fragen im Regionalbüro ein, und die Büroleiterin leitet diese dann zu mir weiter. Das Regionalbüro kann man am leichtesten erreichen, aber ich bin auf dem Handy auch immer erreichbar.

NZ: Wie ist die Zusammenarbeit zwischen dem Verband der deutschen Selbstverwaltungen und der Deutschen Komitatsselbstverwaltung?

JM: Ich bin auch Mitglied der Komitatsselbstverwaltung, einige sind in beiden Gremien Mitglieder, so deckt sich oft die Arbeit der beiden Gremien.

Christina Arnold


Aus dem Inhalt


Tradition und Moderne
Sommerendfestival in Sásd

Mit einem bunten Programm für alle Nationalitäten wurde in Sásd der Sommer 2009 verabschiedet. Trotz des stark windigen und später sogar regnerischen Wetters kamen zahlreiche Besucher zu der Veranstaltung am 29. August auf dem Sportplatz der Stadt. Während die Hobbyköche beim Fischsuppen-Kochwettbewerb ihr Können maßen, nahmen die Sportlicheren an den Fußballspielen auf dem Sportplatz teil. Für die Kleinen standen eine Luftburg, Gesichtsmalerei, Bogenschießen und ein Piratenschiff zur Auswahl. Die meisten Besucher verfolgten jedoch die Kulturprogramme auf der Bühne, die sowohl traditionelle als auch moderne Elemente enthielten.
Seite 1-2


Waidmanns Heil
18. Komitatsjagdtag in der Tolnau

Hunderte grün gekleidete Männer, manche mit Gewehr, traf man am letzten Sonntag des Monats August in Sioagárd an, dem größten Jägerfest des Komitats. Doch beim genauen Hinsehen wurde schnell klar, die Jägerei ist viel mehr als nur Schießen, es gehören umfangreiche Traditionen dazu, die bis heute ehrwürdig gepflegt werden.
Seite 1


Informations- und Erfahrungsaustausch:
Ungarndeutsche Delegation aus dem Komitat Weißenburg in Geretsried

Das Hauptaugenmerk des Besuches war auf den Informationsaustausch bezüglich Schulsystem und Kindergartenalltag in Geretsried gerichtet. Da Geretsried eine Partnerschaft mit Pußtawam/Pusztavám hat - die hiesigen vertriebenen Ungarndeutschen kamen größtenteils aus Pußtawam -, war ein Delegationsbesuch aus dem Komitat Weißenburg leicht zu organisieren. Die Gruppe bestand überwiegend aus Pädagogen, ihr gehörte aber auch Franz Schmidt, Abgeordneter im ungarischen Parlament und Vorsitzender der Deutschen Komitatsselbstverwaltung, an.
Seite 2


Komitatspreis für Traditionspflege an Eva Treitz
Mit der Kulturarbeit will und kann sie auch gar nicht aufhören

Der Branauer Komitatstag feiert den 20. August traditionell außerhalb von Fünfkirchen. Dieses Jahr fiel die Wahl auf Mohatsch, wo am Nachmittag des Nationalfeiertages im Rathaus die Auszeichnungen der Stadt und des Komitats überreicht worden sind. Eva Treitz konnte im Rahmen der Feierstunde von Dr. Johann Hargitai den Preis des Vorsitzenden der Komitatsselbstverwaltung für ihr Engagement beim Erhalt der ungarndeutschen Traditionen übernehmen.
Die Auszeichnung wurde wohl vom Kulturausschuß des Komitats vorgeschlagen. Eva Treitz leistet im Dienste der ungarndeutschen Kultur seit der Gründung der Bawazer Ungarndeutschen Volkstanzgruppe, seit 1981, vollen Einsatz. Doch bevor sie als Gründungsmitglied in die Tanzgruppe einstieg, spielte sie in der Bawazer Pionierblaskapelle Trompete. Die gebürtige Bawazerin widmete sich mit den Jahren immer mehr dem Tanz und übernahm 1986 die Leitung der Jugendtanzgruppe und 1989 die der Erwachsenengruppe. 1992 erhielt das Ensemble die goldene Qualifikation beim Landestanzfestival in Százhalombatta (dem Wettstreit, an dem nicht nur ungarndeutsche Tanzgruppen aus ganz Ungarn teilnahmen).
Seite 3/4


Bawazer Kirmes ein außerordentlich wichtiges Gemeinschaftsereignis

Daß die Kirmes in Bawaz ganz groß gefeiert wird, ist keine Neuigkeit. Der 20. August bedeutet für die Bewohner der kleinen Gemeinde in der Branau nicht nur den Nationalfeiertag, sondern auch den Feiertag des Schutzpatrons der katholischen Kirche, des heiligen Stephan.
Während in den Morgenstunden auf der Stephans-Wiese noch die Freilichtbühne aufgebaut wurde, versammelten sich die Dorfbewohner bei der Altentagesstätte. Die Bawazer präsentierten alte Gegenstände bzw. eine Fotostaffel aus den Werken von Melinda Schnell, die von Mitgliedern des Ungarisch-Deutschen Freundeskreises und Bawazern in alten schwäbischen Trachten gemacht worden sind. "Wir dachten uns, jetzt ist es noch möglich, die Trachten zu sammeln, und auch die älteren Frauen, die sich in ihrer Jugend noch in Tracht kleideten, können uns dabei beraten, wie man diese trägt", sagte die Mitorganisatorin Lívia Tóth-Schiebelhut.
Seite 4


Die Radialstraße
Symbol einer Epoche

Der Band ist ein historisch-architektonischer Reiseführer der Radialstraße, der Andrássy út in Budapest. Ein Jahr nach dem Ausgleich (1867) kam die Idee zur Eröffnung einer mit Villen und Mietshäusern geschmückten Straße, dies paßte in das Programm des Ministerpräsidenten des Ausgleichs (Graf Julius Andrássy), die damals noch nicht vereinigte Hauptstadt zu einer Großstadt von europäischem Niveau zu entwickeln. Die Straße wurde nach dem Plan angelegt, die Innenstadt (Leopoldstadt) mit dem Stadtwäldchen zu verbinden, der damals schon sechzig Jahre alte Park diente als Ausflugsort der Bürger. Die elegante Straße - als Vorbilder dienten die Pariser Champs-Élysées und der Wiener Ring - wurde am 1. Mai 1885 feierlich übergeben.
Seite 6


Johann Genersich - der Schriftsteller (1761-1823)

In der letzten Folge unserer Serie, in der wir die berühmte Zipser Familie Genersich vorstellen, widmen wir uns Johann, dem mittleren von drei erfolgreichen Brüdern (Christian, Johann und Samuel).
Johann Genersich, Pädagoge, pädagogischer Fachschriftsteller, Philosoph und Historiker, war ein Pionier der deutschsprachigen Zipser Literatur - das läßt sich mit Hilfe der gängigen Online-Lexika über ihn in Erfahrung bringen. Dieser Mann mit seiner heute kaum mehr faßbar erscheinenden Interessensvielfalt wurde in Käsmark geboren. Seine Schulzeit verbrachte er dort sowie in Preßburg und Debrezin. Sein Diplom erwarb er an der Universität zu Jena, wo er bei Griesbach, Döderlein und Eichborn Theologie und Philosophie studiert hatte.
Nach den Universitätsjahren wurde er Privatlehrer. 1788 bekam er eine Stelle im berühmten Lyzeum von Käsmark. Nicht weniger als 33 Jahre lehrte er dort Historie und Philosophie, zwischen 1818 und 1821 war er auch Rektor des Lyzeums. Die letzten vier Jahre seines Lebens verbrachte er in Wien, wohin er als Professor für Kirchenrecht und Kirchenhistorie an die neu gegründete Protestantische Theologische Universität berufen worden war.
Seite 11


Biwakieren auf texanisch

Was haben Schnecken und viele Amerikaner gemeinsam? Sie tragen etwas mit sich: Schnecken ihr Haus und Amerikaner ihren Ventilator und ihre Klimaanlage, wenn sie zelten. Oder sie fahren ihr Domizil zum Campen.
Romanze da drinnen? „Ssssssrrrrrr", surrt es heraus. Liebesgeräusche hören sich anders an. Beim Reißverschluß unten sieht man einige orangefarbige Kabel verlaufen, die draußen in einen Stromanschluß münden: den einzigen auf dem primitiven Campingplatz. Primitiv, weil hier weder Wasser noch Strom vorhanden sind - außer für zwei Zelte. 20 könnten hier stehen, 18 Stellen gähnen vor Leere.
Seite 12


Sehenswürdigkeiten Münchens
Schloß Nymphenburg, die zauberhafte Sommerresidenz der Wittelsbacher

Münchens Schönheit liegt offenbar auch an den vielen Grünflächen, das Schloß Nymphenburg ist hierfür keine Ausnahme: Der Schloßpark bietet Freizeitmöglichkeiten für Joggende, Spazierende und ist eine würdige Kulisse zum einfachen Lesen. Allerdings sind die Prachtbauten auch sehenswert. Fünf Generationen der Familie Wittelsbach ließen das jetzige Antlitz der Schloßanlage gestalten: Kurfürst Ferdinand Maria beschenkte seine Ehegattin Henriette Adelaeide zur Geburt ihres Sohnes (Max Emanuel) 1662 mit dem Gebiet. Kurz darauf wurden die Architekten Agostino Barelli (Erbauer der Münchner Theatinerkirche) und Henrico Zuccalli mit dem Bau betraut.
Seite 12


Europäisches Jugendtreffen in Ravensburg
Der Platz wurde für kurze Zeit Europa

Die fünf Länder, die vom 9. - 16. August in der oberschwäbischen Stadt Ravensburg am Projekt „Ich check Eruopa“ teilgenommen haben, waren Deutschland - die Gastgeber, Südtirol - die Freundlichsten, Rumänien - die Unermüdlichen, Polen - die Zurückgezogenen, und Ungarn - also wir.
Die Woche, die wir zusammen verbracht haben, war für alle lehrreich. Während dieser Tage haben wir enge Freundschaften geschlossen, sowohl in unseren Ländergruppen als auch international. Anfangs waren wir nicht so offen, aber mit der Zeit änderte sich das mächtig. Bald wagten sich auch diejenigen, die sich fürchteten, deutsch zu reden, wir haben einander gegenseitig neue Wörter beigebracht (wie z. B. schnorren und lästern oder „most nem"). Auch sprachlich hat es sich gelohnt.
Kulturell und geographisch wurden wir auch erfahrener. Wir können schon Europa zeichnen, es ist gar keine einfache Aufgabe!
Seite 13

Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung unter
www.neue-zeitung/publikationen

Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen.
Kontakt: neueztg@hu.inter.net