Bayernreise der Schemlinger Tänzer Drucken
31. Juli 2009
Als Tänzer hat man jede Woche zur Probe zu gehen. Das ist aber für mich kein Muß, ich genieße es, unter Freunden zu sein, ich mag die Volksmusik und die schönen Tänze unserer Minderheit. Es macht mir nichts aus, bei der Kindertanzgruppe, aber im letzten Jahr auch bei den Erwachsenen mitzumachen. Wir brauchen Ausdauer, um alle Choreographien schön zu erlernen, bei Auftritten unser Können zu zeigen, die Zuschauer zu unterhalten.

Schemlinger Tänzer beim Festumzug in Wörthsee

Meine Mutter gibt mir immer das frisch gestärkte und gebügelte Hemd, Anzug, Hut und Stiefel sind meine Aufgabe, ich hänge bzw. stelle sie immer sorgfältig in den Schrank, um sie vor einem Auftritt im Nu rausholen zu können. Bei den Mädchen ist es viel komplizierter, wenn ich an die vielen Unterröcke denke, an die schneeweiße Schürze oder an den in den Falten gelegten Rock.
Kaum hatten wir das schöne Jubiläumsfest unserer Gemeinde hinter uns gebracht (NZ 22/2009), fuhren wir Anfang Juli nach Bayern los. Wir haben fleißige Eltern, die für uns Anträge schreiben, neue Trachtenstücke besorgen, Reisen organisieren.
Am Donnerstag, dem 9. Juli, ging es bis Salzburg, wo wir Unterkunft hatten. Den ganzen Nachmittag hatten wir dafür, diese wunderschöne Stadt zu erkunden, auf die Festung zu spazieren, in der Getreidegasse zu schlendern und nach dem Abendessen den Mirabellgarten aufzusuchen.
Am Freitag machten wir zuerst in Herrenchiemsee Halt. Mit einem Kombiticket hatten wir die Möglichkeit, die Schlösser Ludwigs zu besuchen. Das Wetter war uns gnädig, denn es regnete nur, als wir im Schloß die Ausstellungen besichtigten, dann nicht mehr. Ich möchte diese Insel noch einmal aufsuchen, da man meiner Meinung nach mehr Zeit braucht, um so vieles richtig aufarbeiten zu können.
Am Nachmittag fuhren weiter nach Wörthsee, da wir zum 56. Housigaufest und zum 25. Geburtstag des Vereins d'Donarbichler eingeladen waren. Unser alter Bekannter Eduard Bittlinger organisierte in Deutschland alles für uns, wir danken ihm auch auf diesem Wege. Er fand sehr nette Gastgeber für uns, wir wohnten bei Familien, wurden gut versorgt, es gab warmes Abendessen, im Festzelt ein köstliches Mittagessen, zum Abschied leckere Kuchen, für den Nachhauseweg Brötchen und Getränke. Der Bürgermeister der Gemeinde Peter Flach unterstützte unseren Aufenthalt, Frau Kronner war die Person, die unserer Gruppe beistand. Ein recht herzliches „Vergelt's Gott" an alle, die daran beteiligt waren, uns die drei Tage in Wörthsee zu schenken!
Am Freitagabend hatten sowohl Kinder als auch Erwachsene einen Auftritt, ich denke mal, das Publikum war begeistert! Am Samstag fuhren wir nach Neuschwanstein, Linderhof und zur Wieskirche. Ich kann gar nicht sagen, welches der Schlösser mir besser gefiel. Ich versuchte, viele Fotos zu knipsen, um hier in Ungarn noch lange meine Freude an der Reise haben zu können, Erlebnisse immer wieder in Erinnerung rufen zu können.
Am Sonntag versammelten sich mehr als 60 Vereine in der Ortschaft! Am Vormittag gab es einen ökumenischen Gottesdienst, nach dem Mittagessen hatte die Kindertanzgruppe noch einen Auftritt, dann kam der Höhepunkt der Veranstaltungsreihe, nämlich der Festumzug. So was muß man einmal erlebt haben!! Bunt, die verschiedenen Trachten, alle freundlich, man winkte uns zu. Mir war's direkt schwer ums Herz, daß wir Abschied nehmen mußten.
Ich kann nur hoffen, daß man bald die guten Freunde wiedertrifft, und im Namen aller Tänzerinnen und Tänzer sage ich Danke schön, daß wir diese erlebnisreichen Tage geschenkt bekommen haben! Die Gemeinnützige Stiftung für Nationale und Ethnische Minderheiten unterstützte unsere Fahrt.
Peter Pfiszterer


Aus dem Inhalt

Berechtigte Zukunftsperspektiven
X. Landesfestival der Blaufärber in Großnarad

„Ein Jubiläum handelt auch immer ein bißchen davon, in die Vergangenheit zurückzublicken, denn wer starke Wurzeln hat, wird überleben und hat auch eine Zukunft." Mit diesen Worten eröffnete Éva Szabó, Bürgermeisterin von Großnarad/Nagynyárád, am 25. Juli das X. Landesfestival der Blaufärber. In ihren Grußworten betonte die Gemeindevorsteherin die Wichtigkeit der Blaufärberkunst für die Bürger von Großnarad, die den Gemeinderat und die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung bei der Organisation des Festivals jedes Jahr tatkräftig unterstützen.
Als Blaufärbermeister Johann Sárdi und die damalige Leiterin des Kulturhauses Gisella Zsifkovics 1999 das erste Festival der Blaufärber ins Leben riefen, haben wahrscheinlich nur wenige gedacht, daß mit dieser Veranstaltung der Grundstein für eine Tradition gelegt werden würde. Das Ziel war vielmehr die Pflege und Erhaltung der Blaufärberkunst sowie die Erhöhung der touristischen Anziehungskraft der Gemeinde.
Seite 1-3


Landesselbstverwaltungen zum Budget 2010

In einem Brief an den zuständigen Fachstaatssekretär Ferenc Gémesi im Ministerpräsidentenamt legte im Namen aller Landesselbstverwaltungen der Verband der Landesselbstverwaltungen deren gemeinsamen Standpunkt in bezug auf das Budget 2010 dar. Ihrer Meinung nach müssen die Betriebskosten der Landesselbstverwaltungen und die Zuschüsse für ihre Institutionen weiterhin im Kapitel „Parlament" des Haushaltsgesetzes untergebracht werden. Sie sind dagegen, die Zuschüsse für die Institutionen der Landesselbstverwaltungen gesondert zu behandeln. Dadurch würden die Kompetenzen, die Budget- und Organisationshoheit beschränkt.
Seite 1


Simontornya - Marpingen 10 Jahre Partnerschaft
„Ungarnfahrer nannte man die Reisenden"

Durch einen Zufall und durch persönliche Kontakte entstand die Freundschaft zwischen den Orten Marpingen in Deutschland und Simonsturm/Simontornya in Ungarn. Marpingen liegt im Saarland, im Südwesten Deutschlands, hat etwa 12000 Einwohner und besteht aus vier Ortschaften. Von der Struktur her sind die beiden Partnerorte ähnlich, deswegen funktioniert diese Partnerschaft so gut. Es haben sich inzwischen sehr viele Freundschaften gebildet im Kreis der Ungarnfahrer. Vereine und die Bildungseinrichtungen tragen die Partnerschaft. Werner Laub, Bürgermeister von Marpingen, besuchte Mitte Juli Simonsturm, um die Feier zum 10jährigen Jubiläum zu besprechen. NZ befragte ihn über die vergangenen Jahrzehnte des Kontaktes.
Seite 2


Museumspläne in Sagetal zum Greifen nah

Die Selbstverwaltung von Sagetal hat ein altes Bauernhaus gekauft, welches in nächster Zukunft in ein lebendiges ungarndeutsches Heimatmuseum umfunktioniert werden soll. Johann Ritterwald, Vorsitzender der hiesigen Deutschen Minderheitenselbstverwaltung, ist Initiator der Gründung eines Heimatmuseums.
Seite 3


Zu Besuch in Deutschland
Weinfest und Fußballturnier

Die Kinderfußballmannschaft von Großestegai/Nagyesztergár und die Mitglieder des Deutschen Kreises verbrachten eine schöne Woche in Deutschland. Sie waren vom 17. bis 24. Juni einer Einladung des Verbandsgemeindebürgermeisters von Bad-Kreuznach, Peter Frey, gefolgt.
Die Delegation ist nach zwölfstündiger Fahrt gegen 17 Uhr in Neu-Bamberg angekommen, dort erwarteten uns unsere Gastfamilien mit einem köstlichen Abendessen. Am nächsten Tag besuchten die Kinder die Schule in Wöllstein, wo sie mit den deutschen Kindern zusammen an verschiedenen interessanten Stunden teilgenommen haben.
Seite 4


Gedenktafel für Verschleppte in Kascha
Die Jugend muß mehr von der Geschichte der Volksgruppe erfahren

Eine Gedenktafel für die verschleppten Ungarndeutschen wurde am 26. Juli in der Kirche von Kascha/Kiskassa eingeweiht. Die traditionelle Annentags-Kirmes verlief im Zeichen des Gedenkens. Im Deutschklub des Dorfes war eine Ausstellung von Kinderzeichnungen sowie Dokumenten und Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg zu sehen. Wer aber auf der Kirmes feiern wollte, denjenigen haben die Organisatoren einen Ball und ein Bauchtanzfestival angeboten.
Musikalisch umrahmt vom Lenau-Chor aus Wakan und von der Festivalblaskapelle „Schwarzes Gold" hat die Deutsche Selbstverwaltung von Kascha einen Kranz an der Gedenktafel niedergelegt. Die Gedenkstätte wurde zur Erinnerung an die Ungarndeutschen errichtet, die nach und während des Zweiten Weltkrieges in sowjetische Arbeitslager verschleppt worden waren.
Seite 6


Lugio/Seetsche/Dunaszekcsô - eine Zeitreise in die altrömische Provinz Pannonia

In malerischer Umgebung liegt das Dorf Seetsche. Das wunderbare Panorama vom Schloßberg, das Donauufer mit dem Hafen und die in die steilen, oft gefährlichen Lößmauern gegrabenen Weinkeller bieten einen seltsamen Anblick. Die Region gehört zum Donau-Drau-Naturschutzgebiet. In der Römerzeit hieß die Gemeinde Lugio. Lugio war eine der wichtigsten Stellen des Donau-Limes' und wichtiger Handels- und Verkehrsknotenpunkt. Darauf deuten zahlreiche ausgegrabene Fundstücke.
Die Wiege des mittelalterlichen und modernen Europas war das römische Reich. Die kulturellen Errungenschaften haben über eine lange Zeit das Leben des Kontinents geprägt. Mehrere Jahrhunderte hindurch war auch Transdanubien Teil des riesigen Reiches. Die natürliche Grenze Pannoniens war die Donau. Lugio, heute Seetsche/Dunaszekcsô, war eine bestimmende Basis der Handels- und Militärrouten.
Seit 2003 werden hier die Lugio-Tage veranstaltet.
Seite 11


Interkulturelle Begegnung in Ravensburg

Vom 9. bis 16. August findet das Projekt „Check in Europa" im Rahmen des Förderprogramms „Jugend in Aktion" in Ravensburg (D) statt. Das Projekt wird auch vom Bundesland Baden-Württemberg gefördert. Die Teilnehmer kommen aus Rumänien, Ungarn, Südtirol, Polen und Deutschland, wobei die Mitarbeiter von „aha" mitwirken.
Das Jugendinformationszentrum „aha"- Tipps&Infos für junge Leute ist neuer Partner von Eurodesk Deutschland. Das Zentrum ist die Informations- und Vermittlungsstelle für alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Landkreis Ravensburg. Dort bekommen die Jugendlichen schnelle und professionelle Antworten auf jugendbezogene Fragen. Das „aha" bietet eine umfassende Sammlung von Informationsmaterialien und verschiedenen Broschüren und Katalogen aus allen Bereichen jugendlicher Lebenswelt sowie Ausland, Jugendszene, Weiterbildung, Gesundheit, Medien, Politik oder Sport, Musik und Ferien. Im „aha" können die Jugendlichen kostenlos das Internet benutzen und die Ferienjob-, Praktikums- und Nebenjobbörse des aha - Tipps&Infos für junge Leute recherchieren.
Das Programm „ich check Europa" bietet den Teilnehmern die Gelegenheit, die deutschsprachigen Minderheiten in Europa aktiv kennenzulernen und die zukünftigen Pläne in die Tat umzusetzen. Alle Länder sind mit einem Projektleiter vertreten. Aus Ungarn beteiligen sich sechs Jugendliche von der GJU daran.
Seite 13

Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung unter
www.neue-zeitung/publikationen

Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen.
Kontakt: neueztg@hu.inter.net