Ungarndeutsche in Totiser Kolonie
Multikulturelle Stadt und wertvolle Traditionen
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17. Juli 2009
Im Komitat Komorn-Gran werden die ungarndeutschen Traditionen immer noch bewußt und mit frohem Herzen gepflegt und geschützt. Am östlichen Rande der Stadt Totiser Kolonie/Tatabánya liegen Obergalla und Untergalla, zwei Siedlungen, in denen seit nun 275 Jahren die deutsche Minderheit ansässig ist. Die Vorfahren der heutigen Ungarndeutschen in Ober- und Untergalla kamen aus dem Süden Deutschlands: den Bistümern Bamberg, Würzburg, Mainz, Speyer, Trier und Freiburg, aber vorwiegend aus der Umgebung von Ulm. 

Man behauptet, die ersten Ansiedler seien auf der Donau mit den sogenannten Ulmer Schachteln gekommen. Das Jubiläumsfest im vergangenen Jahr war Anlaß zu Bühnenaufführungen, zum fröhlichen Tanzen und Singen, zu Erinnerungen an alte Zeiten und zu einem Projekttag in der Széchenyi-István-Grundschule. Das Dorffest wurde auf dem Bodischberg oberhalb von Obergalla gehalten, von wo aus man eine schöne Sicht nicht nur auf die Siedlung, sondern auf die ganze Stadt genießen kann.
Getanzt und gesungen wird allerdings nicht nur zu wichtigen Jubiläumsfesten. Ungarndeutsche Tanzgruppen und Chöre machen heute noch einen wichtigen Teil des Alltags der Stadt aus. Da gibt es z. B. die deutsche Singgruppe und die deutsche Jugendtanzgruppe von Untergalla und den deutschen Chor in Obergalla. An bedeutenden Feiertagen dominieren bei Veranstaltungen immer Gesang und Tanz. Und Hochzeiten sowie Weinlesen finden nie ohne - wenigstens eine - Kapelle statt. Apropos: Die Blaskapelle, die im Sommer 2008 mit acht Mann gegründet wurde, nennt sich Obergalla-Kapelle. Leiter ist Tibor Márton. Der Vorgänger der Kapelle waren die 1992 ins Leben gerufenen Galla Schramli. Die Veranstaltungen bereiten sowohl jüngeren als auch älteren Leuten Vergnügen, den jüngsten Mitgliedern der ungarndeutschen Gemeinschaft werden aber auch immer wieder Spezialprogramme geboten. Es kommt häufig zu Rezitationswettbewerben, die aus mehreren Runden bestehen. „Zuerst müssen sich die Kinder in der Schule (in Totiser Kolonie gibt es zwei ungarndeutsche Nationalitätenklassen, eine in der Széchenyi-István-Grundschule in Obergalla und eine in der Móra-Ferenc-Grundschule) durchsetzen, dann können sie auf regionaler und schließlich auf landesweiter Ebene ihr kulturelles bzw. literarisches Wissen und Talent beweisen. Die Széchenyi-Grundschule in Obergalla kann fast jedes Jahr talentierte Kinder in die Endrunde schicken, die sie sehr oft mit einer hervorragenden Leistung meistern", sagt Renate Harasta, Leiterin des LdU-Regionalbüros in Tatabánya, die gerade die neueste Ausgabe der Neuen Zeitung vor sich hat.
Die Kinder in Obergalla haben es gut. Im Rahmen einer Partnerschaftsbeziehung, die zwischen den Grund- und Hauptschulen von Obergalla und Fachsenfeld/Aalen/Baden-Württemberg seit 1999 besteht, können sie Jahr für Jahr an einem Austauschprogramm teilnehmen. Ungefähr 20 Schüler haben die Möglichkeit, eine Woche in der Partnerschule zu verbringen. Auch die deutschen Schüler besuchen dann eine ungarndeutsche Schule für eine Woche. Eine sehr gute Gelegenheit, um Sprachkenntnisse aufzufrischen bzw. weiterzuentwickeln. Die jüngere Generation redet nur noch ungarisch miteinander, die älteren Leute pflegen ihre Kultur und Sprache dennoch so sehr, daß man auf den Straßen von Obergalla vereinzelt den süddeutschen Dialekt zu hören bekommt.
Die hiesigen Ungarndeutschen haben auch zu anderen ungarndeutschen Gemeinden Kontakte. So reisen die Chöre und Tanzgruppen oft in die Komitate Tolnau oder Raab-Wieselburg-Ödenburg, und mit den anderen Gemeinden im Komitat Komorn-Gran kommen sie beinahe täglich in Berührung. Es gibt große Veranstaltungen, für die sich oft 5-600 oder sogar noch mehr Leute interessieren. Da ist es etwas schwer, einen geeigneten Ort zu finden, aber meistens erweisen sich Turnhallen, geräumige Kulturhäuser oder sogar Sportplätze als geeignet.
Woher kommt die nötige finanzielle Unterstützung für soviel tolle Veranstaltungen? Meistens sind es Privatpersonen oder Freundschaftskreise, die als Förderer auftreten. Staatliche Unterstützung ist kaum zu erhoffen. Zwar könnte man sich vom Staat durch Bewerbungen etwas Geld holen, aber manche Bewerbungen werden aus unerklärlichen Gründen abgewiesen. Die lokale griechische Selbstverwaltung erhalte viel öfter staatliche Hilfe, beschwert sich Gáspár März, Vorsitzender der Ungarndeutschen Selbstverwaltung des Komitats Komorn-Gran. Nichtsdestotrotz stehen die lokalen Minderheiten in freundschaftlicher Beziehung zueinander. Zu Weihnachten wird immer das Fest der Völker gefeiert. Jedes Jahr ist eine andere Minderheitenselbstverwaltung für das Programm verantwortlich. Man kann nur hoffen, daß das bunte multikulturelle Bild der Stadt und die wertvollen ungarndeutschen Traditionen auch in Zukunft nicht verblassen.
Gergely Bánszky


Aus dem Inhalt

„Wir haben die Burg zurückerobert"
Neuer Investor, neue Pläne in Petschwar

Die tausend Jahre alten Mauern gammelten in den letzten Jahrzehnten nur noch vor sich hin, der Betreiber war nicht daran interessiert, Renovierungsarbeiten durchzuführen. Zuletzt waren die Tore der Burg vor Gästen und Einwohnern ganz einfach geschlossen und das Wahrzeichen von Petschwar war dem Verfall geweiht. Die Geschichte wendete sich nun doch zum Guten, als ein Investor mit Ideen und sicherem finanziellen Hintergrund die Burg besichtigte und sich in das Objekt verliebte.
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Podiumsgespräch in Berlin
Zukunft der deutschen Minderheiten

„Zwanzig Jahre nach dem Paneuropäischen Picknick" lautete das Motto eines Podiumsgesprächs, das am 4. Juli in der Katholischen Akademie in Berlin in Organisation des Deutschen Kulturforums östliches Europa (Potsdam) stattfand. Daran nahmen Vertreter von deutschen Minderheiten aus Ostmitteleuropa teil. Mit dem Titel „Die Wiederentdeckung der Regionen im östlichen Europa nach der Wende 1989 und die Chancen kultureller Vielfalt" hielt Dr. Koloman Brenner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten in der FUEV, ein Impulsreferat.
Mit der Perestrojka eröffneten sich für ethnische und nationale Minderheiten im östlichen Europa zunehmend Möglichkeiten, sich zu artikulieren. Die politische Wende von 1989 - ein Dammbruch, für den das „Paneuropäische Picknick" vom 19. August 1989 an der ungarisch-österreichischen Grenze als Symbol gewählt wird - ließ schließlich in den bis dahin sozialistischen Ländern Europas Pluralismus und damit auch neue kulturelle Entwicklungen zu.
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Hochrangiger Besuch aus Paumasch
Antrittsvisite von Bürgermeister László Vicsi

Mit einer Delegation von 6 Personen waren der Paumascher Bürgermeister László Vicsi, sein ehemaliger Kollege Imre Kulin, die Vorsitzende des Heimatvereins Dr. Rosemarie Sztrányay und weitere Vorstandsmitglieder zu Gast beim Pomázer Heimatverein in Sinsheim-Waldangelloch.
Die Besucher waren am 12. Juni nach ihrer Ankunft zunächst persönliche Gäste der Familie Géza Melzer in Mingolsheim. Am selben Nachmittag folgte ein Empfang durch Bürgermeister Büchner im Rathaus Oberhausen-Rheinhausen mit interessanten Gesprächen. Paumasch und Oberhausen-Rheinhausen verbindet seit vielen Jahren eine enge Partnerschaft mit intensiven Beziehungen von Vereinen und Privatpersonen.
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Kurztrip nach Bautzen

Das internationale Folklorefestival in der Lausitz bot für den Bürgermeister aus Kokesch/Kakasd, Károly Bányai, eine günstige Gelegenheit, in die Oberlausitz zu kommen. Denn die Tanzgruppe Kränzlein aus Bonnhard, die zum ersten Mal teilnahm und die Ungarndeutschen würdig vertrat, hatte in ihrem Bus noch einen Platz frei. Da noch einiges für den Gegenbesuch seiner Gemeindevertretung in der Partnergemeinde Radibor zu tun war, fuhr er frohen Herzens gen Bautzen.
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Ein langwieriger Prozeß: "Preßburger Zeitung" ins Netz
Digitales Forum Mittel- und Osteuropa will auch Mittler zwischen Technik und Wissenschaft sein

Vielleicht hat es der eine oder andere Sonnenanbeter schon selbst erlebt. Sein Lieblingsschmöker war nach einem wunderschönen Tag am Meer nicht mehr derselbe, weil um einige Buchstaben ärmer. Die Lettern wurden aber gerade nicht vom Salzwasser dahingerafft, sondern von der Sonneneinstrahlung. Papier bleicht eben aus, und das je nach Intensität der Lichteinstrahlung sogar relativ schnell. Deshalb galt das in Bibliotheken gehortete Wissen bis vor geraumer Zeit nur als zeitlich begrenzt haltbar.
Mit Hilfe der Informationstechnologie wurde inzwischen ein Gegenmittel gefunden: Digitalisierung. Bücher, vor allem Werke aus früheren Jahrhunderten, werden Seite für Seite gescannt und so für die nachfolgenden Generationen gesichert. Inzwischen ist die Technik weit fortgeschritten. Dank des Einsatzes von LED-Lampen, die ohne Ultraviolett- oder Infrarot-Strahlung arbeiten, können die Daten einer Seite, die an sich nach einem Tag unablässiger Sonneneinstrahlung ausgeblichen wäre, theoretisch über einen Zeitraum von 50 Jahren hinweg ununterbrochen erfaßt werden, ohne daß die Qualität des Erscheinungsbildes der Buchstaben darunter litte. Auf diesem Wege lassen sich in einer Stunde durchaus 1.600 Seiten scannen.
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Tempelanlagen auf Malta - älteste Relikte menschlicher Zivilisation

Sie sind tausend Jahre älter als Stonehenge und zweitausend Jahre älter als die ägyptischen Pyramiden - die Tempelanlagen auf Malta. Doch während Stonehenge und die Pyramiden die einschlägigen Seiten aller Geschichtsbücher füllen, sind Maltas Tempel nur den an Vor- und Frühgeschichte interessierten Kennern und Liebhabern ein Begriff.
Die Liste der megalithischen Tempelanlagen auf Malta und Gozo - der kleineren Schwesterinsel Maltas - ist beträchtlich: Über zwanzig finden sich im gesamten maltesischen Archipel, etwa ein halbes Dutzend davon steht auf der UNESCO-Liste für Weltkulturerbe. Die Anordnung der Tempelräumlichkeiten gleicht sich überall: rund um eine Mittelachse sind halbrunde Kammern symmetrisch angeordnet, der Eingang ist immer aus großen Steinblöcken monumental gestaltet. Das Material ist Globigerina Kalkstein, ein weicher, fahlgelber Muschelkalkstein; der harte, graue Korallenkalkstein wurde nur einmal, in Gigantija verwendet.
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