Bautzen: Das internationale Folklorefestival wurde bereits zum 8. Mal in der Lausitz ausgetragen, diesmal hatte die Ungarndeutsche Tanzgruppe aus Bonnhard mit ihrer Leiterin Ilona Köhler-Koch die Gelegenheit, ihr Können zu präsentieren. Organisiert wurde das Festival von der „Domovina", dem Dachverband der Sorben, einer nationalen Minderheit mit einer Stärke von 60.000 Menschen in der Lausitz. Schirmherr war der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen Stanislaw Tillich, der selbst ein Sorbe ist und auch der Abschlußveranstaltung in Crostwitz beiwohnte. Über 100 Anmeldungen lagen vor, aber nur zehn konnten zugelassen werden. Da die Gruppen aus Indien und Kenia kein Visum erhielten, waren letztlich acht ausländische Ensembles vertreten und zwar aus Kolumbien, Österreich, Tschechien, Weißrußland, Georgien, Slowenien, Rumänien und Ungarn. Ergänzt wurden sie durch zahlreiche sorbische Ensembles der Region.
Tanzgruppe Kränzlein vor dem Haus der Sorben
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Zum Auftakt in Bautzen spielte leider das Wetter nicht mit, so fand der Festumzug durch die Stadt bei strömendem Regen statt, Oberbürgermeister Christian Schramm konnte deshalb nur eine kurze Eröffnungsrede halten. Aber viele Bautzener säumten die Straßen und sparten nicht mit Beifall, die Teilnehmer dankten es ihnen mit spontanen Tanzeinlagen. Die geplante Eröffnungsveranstaltung auf der Freilichtbühne auf der Ortenburg mußte daher kurzfristig ins Theater verlegt werden. Gleich als erste mußte die Tanzgruppe „Kränzlein" auf die Bühne und die Ungarndeutschen entfachten ein wahres Feuerwerk und ließen so den Funken zum Publikum überspringen. Das Repertoire der 14-21jährigen setzte sich aus bekanntesten ungarndeutschen Tanzchoreographien zusammen. Auch die anderen Gruppen standen in der Leistung nicht nach, so wurde das Finale zu einem mitreißenden Höhepunkt und die Auftretenden wurden mit Riesenbeifall gefeiert. Zweite Station war am nächsten Tag der Spreewald mit einer Kahnfahrt, wobei bei jeder Begegnung der Kähne wie unter Bekannten üblich freundschaftlich abgeklatscht wurde. Diese kleine Szene soll Freundschaft unter den Teilnehmern dokumentieren. Am Abend hatten die Gruppen auf einer Hauptbühne und auf Bauernhöfen in Drachhausen wieder ihre gefeierten Auftritte. Bemerkenswert, daß „Kränzlein" seine eigenen Musiker mitgebracht hatte, und diese gestandenen Herren legten sich auch tüchtig ins Zeug. Erst in den frühen Morgenstunden wurde das Quartier in Bautzen erreicht, aber dies tat der großartigen Stimmung keinen Abbruch. Am Samstag Nachmittag ging es nach Crostwitz, wo die Veranstaltungen - diesmal auf sechs verschiedenen Bauernhöfen - stattfanden. Die Aufteilung des Geschehens auf das ganze Dorf war eine geniale Sache, denn so hatte jeder Zuschauer Gelegenheit, alle Gruppen zu sehen. Da auch das Wetter mitspielte und die Beköstigung vorzüglich war, konnten an diesem Abend 5.000 begeisterte Zuschauer gezählt werden. Am Sonntag gab es einen gemeinsamen Gottesdienst in der Kirche von Crostwitz und am Nachmittag den Abschluß auf der Freilichtbühne. Hier fand der beliebte Kuhtanz vom „Kränzlein" besondere Beachtung und forderte starken Applaus heraus. In den verschiedenen Ständen rund um die Bühne konnten die Gruppen die spezifischen Produkte aus ihren Ländern zum Verkauf anbieten. Zum Ausklang ging es dann für alle Teilnehmer zum Fischessen nach Wittichenau und zu einer gemeinsamen beeindruckenden Feier, die noch lange nachwirken wird. Den Organisatoren gilt Dank für diese schönen Tage, die doch einiges zur Völkerverständigung beitrugen. So war in der Lausitz vom Schicksal der vertriebenen Ungarndeutschen kaum etwas bekannt, denn zu DDR-Zeiten war dies ein Tabuthema. Die Gruppe „Kränzlein" tat durch ihr engagiertes Auftreten einiges, daß es zu spontanen Begegnungen mit in der Lausitz lebenden Ungarndeutschen kam, ja es wurden sogar verwandtschaftliche Beziehungen festgestellt. Und so wird es mit Sicherheit zur Erweiterung oder Aufnahme von neuen Verbindungen kommen. Die mitgereiste Klara Burghardt fand bei ihrer Vorlesung in Drachhausen ihr Publikum und wurde von Radio Brandenburg interviewt. Auch in Crostwitz konnte sie zahlreiche Gespräche führen und betreute sehr liebevoll den ungarndeutschen Stand. Nach diesen anstrengenden, aber wundervollen Tagen erreichte die Gruppe über Dresden und Prag, verbunden mit einem Kurzaufenthalt, total übermüdet wieder die Heimat, aber auch mit dem Gefühl, einiges für das friedliche Zusammenleben geleistet zu haben. Heinz Noack
Aus dem Inhalt
LdU-Vollversammlung: Haushaltsmodifizierung, Projekte, Minderheitenforum
Mit der Feststellung der Beschlußfähigkeit begann die Sommersitzung der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen am 4. Juli in Budapest, bei der 35 Mitglieder der Vollversammlung anwesend waren. Nachdem LdU-Vorsitzender Otto Heinek die Sitzung eröffnet hatte, stellte er die neue Mitarbeiterin der Geschäftsstelle vor. Edina Reiszner arbeitet ab dem 15. Juni in der LdU und leitet das Sekretariat. Die junge Dame aus Jeine löst die langjährige Kollegin Susanne Nagy ab, die in der Wirtschaftsabteilung Aufgaben übernimmt. Danach ging man zum ersten und wichtigsten Tagesordnungspunkt über, nämlich die Modifizierung des Jahreshaushaltes 2009 der LdU. Seite 1-2
Kindergarten „Wunderland" in Seksard Ein Methodik-Zentrum soll entstehen
Der deutsche Nationalitätenkindergarten „Wunderland" in Seksard wird innen und außen erneuert. Aus Mitteln der Europäischen Union wird das Gebäude saniert, ab Juli führt der Kindergarten ein neues pädagogisches Erziehungsprogramm ein, das die Kompetenz der Kinder fördern soll. Die zwei Projekte kosten 97 Millionen Forint - hat der Träger, die Deutsche Selbstverwaltung von Seksard, am 26. Juni bei der Präsentation der Pläne mitgeteilt. Seite 1-3
Volkskunde der Ungarndeutschen ein beliebtes Wahlfach beim Abitur
Am 24. Juni gingen die mündlichen Maturaprüfungen im Klara-Leôwey-Gymnasium in Fünfkirchen zu Ende. Mehr als die Hälfte der zwei Nationalitätenklassen wählte das Fach Volkskunde der Ungarndeutschen als Abiturfach. Neue Zeitung fragte dazu Agnes Hertrich, stellvertretende Direktorin, Leiterin des Ungarndeutschen Klassenzuges. Seite 3
Tourismusprojekt „Verborgenes Weindorf" in Nadasch
Orfû, Bikal und Nadasch werden in letzter Zeit wegen einem erfolgreichen Tourismusprojekt oft zusammen erwähnt. Unter die großen Touristenhochburgen schaffte es Nadasch mit einem traditionsgebundenen Projektplan. Die Bewerbung war erfolgreich und die ersten Arbeiten haben auch schon begonnen. Neue Zeitung sprach mit dem Bürgermeister der Ortschaft Dr. Franz Wekler. Seite 4
Ludwig Fischer 80 Jahre alt Nadwar ehrt seinen ehemaligen Deutschlehrer
Am 2. Juli feierte Ludwig Fischer, der in Seksard lebende bekannte ungarndeutsche Schriftsteller, seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde auf Initiative von Elisabeth Heltai Panyik und seiner ehemaligen Schüler in Nadwar/Nemesnádudvar eine innige Feier veranstaltet. Ludwig Fischer unterrichtete neun Jahre lang in dieser Batschkaer Gemeinde und hinterließ dort tiefe Spuren in der Erinnerung der Einwohner. Seine Schüler und die Eltern liebten ihn sehr, und dieses Gefühl ist auch nach so vielen Jahren nicht verblaßt, deshalb luden sie ihn und seine Frau nach Nadwar ein und bereiteten ihm eine Überraschung vor. Seite 5
25 Jahre Deutsche Bühne Ungarn!
25 Jahre sind im kollektiven Bewußtsein zwar keine bedeutende Zeitspanne, man könnte sagen, auch im Leben einer kulturellen Einrichtung ist diese Zeit nicht so beachtlich. Wenn es jedoch um Bestehen der Deutschen Bühne Ungarn geht, müssen die Zeitbegriffe überdacht werden. Wie Otto Heinek in seinem Grußwort zum Jubiläumsjahrbuch feststellt, war die Gründung der DBU im Jahre 1983 ein Meilenstein in der ungarischen Nationalitätenpolitik. Die Volkszählung im Jahre 1980 hatte positive Auswirkungen auf die Minderheitenpolitik: neben der Einführung des zweisprachigen Unterrichtes und den sich vermehrenden Nationalitätengymnasien bekam durch die Deutsche Bühne auch das deutschsprachige Theater neue Möglichkeiten. Seite 6
20 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs Test der Großmächte oder Tat stiller Helden
Vor 20 Jahren war in Europa der große Umbruch. Es sei Ungarn gewesen, wo "der erste Stein aus der Mauer geschlagen" wurde - hat Helmut Kohl am 4. Oktober 1990 gesagt. Etwas mehr als ein Jahr zuvor hatten ungarische Oppositionelle eine Friedensdemonstration an der österreichisch-ungarischen Grenze bei Ödenburg abgehalten, wo für wenige Stunden das Tor des Eisernen Vorhangs geöffnet wurde. Etwa 600 DDR-Flüchtlinge nutzten die Gelegenheit und durchbrachen die Grenze. Das Ereignis ging in die Geschichte als das „Paneuropäische Picknick" ein. Eine Tat stiller Helden, oder hatten die Großmächte ihr Hand im Spiel? Auch heute gibt es noch viele offene Fragen. Seite 11
Arzt, Botaniker und Forscher
Unsere Leser konnten neulich das Leben und die Laufbahn von Prof. Dr. Anton Genersich, einer hervorragenden Persönlichkeit der zipserdeutschen, ungarländischen und europäischen Pathologie, kennenlernen. Nun sei ein weiteres Mitglied der Zipser Familie Genersich vorgestellt: Dr. Samuel Genersich. Seite 11/12
Viele Übungen, viel Erfahrung
Das Kulturhauptstadtprojekt in Fünfkirchen und Museen der Umgebung waren die Themen des Seminars vom 29. Juni bis zum 5. Juli im Funkhaus der Stadt. Und da es das zehnte war, handelte es sich um ein Jubiläumsseminar. Seite 12
Krea-Camp Wer nicht dabei war, hat was verpaßt!
Zusammen mit meinen Freundinnen Tina und Timi sowie mit Bence aus dem Deutschen Nationalitätengymnasium Budapest beschlossen wir, einen Film fürs Jugendfilmfest „Abgedreht 2009" zu machen. Für unseren Streifen „(alt)modisch" bekamen wir den GJU-Sonderpreis, nämlich kostenlose Teilnahme am Krea-Camp – schreibt Eszter Katona! Seite 13
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