Ödenburger Familien im Porträt
Die Bruckners
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12. Juni 2009
Es gibt in Ödenburg/Sopron viele Weinbauern, aber nur selten findet man eine Familie, deren Mitglieder sowohl mütterlicher- wie auch väterlicherseits über Generationen hinweg den Weinanbau als Hauptbeschäftigung betrieben haben. Solch eine echte Ponzichterfamilie sind die Bruckners, in deren Ausschank ich neulich einkehrte. Ich ließ mir von Ferdinand Bruckner, dem "Feri bácsi", und seiner Ehefrau Karoline Trackl, der "Lincsi néni", über die Familie und die Arbeit eines Weinbauers erzählen.

Lincsi und Feri Bruckner

Die Bruckners kamen im 17. Jahrhundert aus Deutschland nach Ödenburg. Johann Bruckner leistete 1682 den Bürgereid. Die Vorfahren mütterlicherseits, die Zügns, siedelten sich sogar noch früher, im Jahre 1604, hier an. Die Familie baute seit dem 18. Jahrhundert Wein an. Diesem Beruf blieben die Bruckners wie die Zügns bis in die heutige Zeit treu.
Ferdinand Bruckners Großvater besaß eine große Weinwirtschaft mit Kellereien, in denen auch mein Erzähler Feri bácsi als Kind gerne mithalf. Er erinnert sich, daß er bereits mit elf zu Fuß in den Weingarten beim "Rastkreuz" ging, um mit Schwefelstaub gegen Mehltau ("Gravi") zu "stauben". Am Abend durfte er sich dann nicht waschen, weil sonst der Schwefel höllisch in den Augen gebrannt hätte.
1946 blieb auch Großvater Mathias nicht von der Vertreibungswelle verschont. Er konnte aber in Deutschland nicht Fuß fassen, und bald flüchtete er nach Hause. Als Flüchtling mußte er sich aber in Ödenburg verstecken. Sein Haus und die Weingärten wurden selbstverständlich enteignet. Er hielt diese Demütigungen nicht lange aus und nahm sich schließlich das Leben. Die Eltern von Feri bácsi hingegen entgingen der Vertreibung nur deshalb, weil die Behörden sie nicht fanden.
Im Laufe der Zeit wurde die Familie dreimal enteignet. Ihre Weingärten wurden mehrmals verstaatlicht. Dennoch konnten die Bruckners immer wieder neu beginnen.
Ferdinand Bruckner, mein Erzähler, heiratete 1959 Karoline Trackl, die Tochter von Michael Trackl und Karoline Preischinger. Die Familie der Braut beschäftigte sich ebenfalls seit Generationen mit Weinanbau, deshalb lag es auf der Hand, daß die Eheleute in den sechziger Jahren gemeinsam eine Weinwirtschaft aufbauten.
Heute besitzen sie 3,5 Hektar Land in den Rieden Kohlenberg, Erdburger, Langen Magerler und Neuberg. Es zu bebauen, dauerte lange und bedurfte vieler Arbeit. Sie pfropften Weinreben, woraus die "Veredle" entstanden, die sie einerseits verkauften, andererseits anbauten. Aus dem Erlös der jährlich zehntausend verkauften "Veredlen" konnten sie immer wieder neues Land für den Weinbau kaufen.
Die Erfahrungen und das Wissen bezüglich des Weinanbaus wurden in der Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Die beiden Kinder, Nándor und Karolin, verschrieben sich ebenfalls der Weinwirtschaft. Nándor ist diplomierter Weinbauingenieur. Er betreibt heute mit seiner Frau zusammen das Familienunternehmen. Karolin hat ihren eigenen Ausschank. Die Weingärten selbst stehen aber noch immer unter der Obhut der Eltern.
Die Arbeit beginnt im Weingarten schon im Februar mit dem Stutzen. Man muß damit früh anfangen; denn das ist die Voraussetzung für eine "große Tschiritschari", also für große und gesunde Weintrauben, erklärt mir Lincsi néni. In alten Zeiten schnitt man ebenfalls noch im Winter die "Reb'n" zurück und verbrannte, was abgeschnitten wurde. Heutzutage werden sie gehäckselt und als Dünger in den Boden eingearbeitet. Dann folgt das Binden und das "Einstecke" in die Draht; denn die Weinstöcke werden nach der Guyot-Methode angebaut.
Im Jahr muß man durchschnittlich zehnmal spritzen. Damit man unter den Reben das Unkraut vertilgen kann, muß man "die Stöcke o'putzn". Vor der Weinlese werden noch die "Reb'n aussiputzt", damit die Trauben schön reifen können. Nur die heilen und reifen Trauben werden gelesen; das sichert einen guten Blaufränkischen. Wenn die Trauben gepreßt werden, gärt der Most; dann wird er in Fässer gefüllt. Zu Weihnachten kann man schon den heurigen Wein kosten. Im Januar kann man den Wein "o'zuin", und von da ab erwartet der Ausschank seine Gäste.
Der Brucknersche Blaufränkische wurde 2007 mit der großen Goldmedaille ausgezeichnet, was für die Familie eine besonders schöne Wertschätzung ihrer Arbeit bedeutet.

Judit Bertalan


Aus dem Inhalt

Sachverständigenausschuß des Europarats traf Vertreter der Minderheiten

Um sich über die Lage der verschiedenen Regional- und Minderheitensprachen in Ungarn zu informieren, lud der Sachverständigenausschuß des Europarats am 4. Juni Vertreter der 13 Minderheiten Ungarns ins Budapester Haus der Ungarndeutschen ein. Beim Ortsbesuch konsultierten die Ausschußmitglieder - der Vorsitzende Stefan Oeter sowie Alberto López Basaguren, Gábor Kardos und Cosekretär Jörg Horn - die Vorsitzenden der Landesselbstverwaltungen der 13 Minderheiten, die mit ihren Experten über Erfahrungen in den Bereichen Kultur, Medien und Bildung berichteten.
Am Gespräch über die deutsche Minderheit nahmen Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, LdU-Geschäftsführerin Olivia Schubert, Monika Ambach, Direktorin des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums sowie Johann Schuth, Chefredakteur der Neuen Zeitung, teil. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen der Unterricht, die Verwendung der Sprache im Verkehr mit Behörden und die Lage der Medien.
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Chance für konstruktive Arbeit

Auf dem Bogen für die Volkszählung im nächsten Jahr soll auch nach der Zugehörigkeit zu einer Nationalität gefragt werden. Eine entsprechende Erklärung hat das Nationalitätenforum bei seiner ersten Arbeitssitzung am 5. Juni verabschiedet.
Diese Frage sei wichtig für Bestandsaufnahme und Planung, und das sowohl für die Minderheiten als auch für die staatlichen Stellen, so der stellvertretende Vorsitzende des Nationalitätenforums und LdU-Vorsitzende Otto Heinek gegenüber NZ. Zur nächsten Sitzung des Nationalitätenforums im August sollen Vertreter des Statistischen Amts eingeladen werden. Außerdem will das Forum über den Haushalt für 2010 beraten, wobei man Heinek zufolge schon signalisiert hat, daß die staatlichen Zuwendungen an die Minderheiten, konkret die staatlichen Bildungsnormativen oder die Ausstattung der Gemeinnützigen Minderheitenstiftung, erhöht werden müssen.
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Germanica 2009 ein großer Erfolg

Alle zwei Jahre veranstaltet der Deutschkanadische Kongreß Ontario Germanica, der dazu dient, die deutschkanadische Gemeinde zu vereinen und Personen aus den eigenen Reihen für ihre Verdienste zu ehren. Das Programm Germanica 2009 begann am 16. Mai um 16 Uhr mit einem Empfang. Alle Gäste wurden von Ernst Friedel, Präsident des Deutschkanadischen Kongresses, Ontario und Anton Bergmeier, Nationaler Präsident begrüßt. Werner Schlueter, Präsident des Kitchener Concordia Clubs leitete die Gäste mit Humor und Geschick durch das Programm.
Ernst Friedel dankte für die erstklassige Arbeit, die das Planungskomitee für Germanica 2009 geleistet hat. Er wies darauf hin, daß die Deutschen stolz auf die eigene Kultur, auf die Herkunft und auf die eigenen Leistungen zum Aufbau Kanadas sein können.
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Partnerschaft zwischen Radibor und Kockers vertieft

Vincenz Baberschke, Bürgermeister von Radibor, hielt sein Wort. Bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung mit der ungarndeutschen Gemeinde Kockers/Kakasd hatte er versprochen, mit einer Delegation seines Dorfes zum Pfingstfest nach Südungarn zu kommen, und tatsächlich reiste eine Abordnung aus Sachsen an.
Das Pfingstfest wird alljährlich von den Ungarndeutschen im Komitat Tolnau organisiert. Diesmal stand es unter dem Motto „Alle Menschen werden Brüder". Eine Delegation aus Kockers will übrigens schon im Juli nach Radibor kommen.
Trotz der relativ großen Entfernung zwischen den Partnergemeinden und der Wirtschaftskrise werden mit Sicherheit beide Seiten von den neuen Kontakten profitieren.
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Auszugshaus in der Branau
„Frier woar tes anescht"

Die Seniorenleute (Eltern und Großeltern) werden, wenn sie sich nicht mehr versorgen können, leider zur Last der Familie. Viele der Kinder und Enkelkinder wohnen - auch durch ihre Arbeit bedingt - weit weg, eventuell sogar im Ausland, und könnten beim besten Willen nicht beistehen, wenn es die Situation erfordert. Am leichtesten wäre es, die betagten Angehörigen in einem Altersheim unterzubringen, wo sie verpflegt und betreut werden. Auch dies ist abhängig vom Budget der Familie, denn die Rente einer alten Person reicht nicht immer dafür aus und von einer besseren Unterbringung kann überhaupt keine Rede sein. Dabei ist noch kein Wort darüber gesprochen worden, wie sehr die alten Leute ein Streicheln, ein warmes, nettes Wort von ihren Angehörigen nötig hätten. Doch Arbeitsplätze, Arbeit braucht man, und darauf sind die Kinder und Enkel bedacht, weil auch die eigene engere Familie unterhalten werden muß.
„Frier woar tes anescht", hat meine Großmutter immer gesagt, und tatsächlich war das anders und die alten Leute wurden bis zu ihrem Tode in der Familie versorgt.
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Auf der Suche nach der eigenen Identität

Wie definieren wir unsere Identität? Was bekommen wir bei der Identitätsbildung von außen, was passiert unbewußt und was bewußt? Wann bildete sie sich in uns heraus und wie wurde sie Bestandteil von uns?
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Resi, Marie, Hans und Josef - welche Namen bekamen früher unsere Kinder?

Der Grundstock unserer deutschen Rufnamen stammt noch aus altgermanischer Zeit. Mit der Verbreitung des Christentums kamen zahlreiche fremdsprachige biblische bzw. christliche Namen in Gebrauch, die heute noch ein bestimmendes Element unserer Namensgebung bilden. Als Taufnamen blieben Heiligennamen bzw. biblische Namen mit manchen Variationen und auch in Kurzformen über alle Zeitläufe hinweg und bis in die Gegenwart hinein recht beständig.
Zwar werden heute Schlagerstars, Sportler, Schauspieler aus Filmen und Fernsehserien nicht selten zu Namensgebern für unsere Kinder, auch wenn oft auf Drängen der Großeltern doch noch ein zweiter "normaler" Vorname hinzugefügt wird. Dennoch ist bemerkenswert, daß sich unter den beliebtesten Vornamen der letzten 20 Jahre nach wie vor "alte", traditionelle Namen befinden wie Maria, Katharina, Franziska und Therese bzw. Johannes, Michael, Martin und Stefan.
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Das sonderbare Leben des Kötschinger Kantorlehrers Heinrich Bernhard/Benyhárt

Kötsching/Kötcse ist ein kleines Dorf südlich vom Plattensee (Komitat Schomodei) mit ca. 550 Einwohnern. Im wesentlichen unterscheidet sich dieser Ort nicht von vergleichbaren Ortschaften der Schwäbischen Türkei. Seine deutschen Kolonisten sind um 1730 aus dem deutschen Imperium gekommen, die Mehrheit der heutigen Dorfgemeinschaft kann auf ostfränkische Ahnen zurückschauen. Eine sehr lange Zeit galt Kötcse als einsame Sprachinsel im Meer des Magyarentums der Nordschomodei. Einen Unterschied zwischen den ähnlichen ungarndeutschen Nestern und Kötsching erkennt man aber trotzdem, und zwar in zweierlei Hinsicht: Das Dorf hat seine Mundart bis zu den 1890er Jahren treu bewahrt, andererseits hat es mit dem deutschen Sprachgebrauch ab Mitte der 90er drastisch aufgehört. Ein Wunder, daß die Menschen so lange auf dem deutschen Sprachgebrauch beharrten, auf der anderen Seite ist es aber nicht weniger merkwürdig, daß die Dorfgemeinschaft binnen einiger Jahre in die einseitige magyarische Sprachkultur versank. Auf Grund der öffentlichen Meinung und der Dokumente ist dieser tragische Wandel der pädagogischen und politischen Tätigkeit eines schwäbischen Kantorlehrers namens Heinrich Bernhard zu verdanken. Er war nämlich der schicksalhafte „Magyarmacher", der aus den Kötschinger Schwaben selbstbewußte Ungarn machte.
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