20l1 wird in Ungarn erneut eine Volkszählung durchgeführt. Der im Entstehen begriffene Gesetzentwurf enthält Fragen, wo die Menschen nicht - wie 2001 - über ihre Nationalitätenidentität, sondern über ihre Abstammung Auskunft geben sollen. Um dies zu ändern, hat Ombudsmann Ernô Kállai verlangt, die Frage nach der nationalen Identität wieder zu stellen. Sein Vorstoß wurde von den Minderheiten selbst vorbereitet, der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen Otto Heinek (Foto) ersuchte in einem Brief an die betreffenden Stellen die Veränderung des Entwurfes.
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NZ: Herr Heinek, welche Gründe haben Sie motiviert, den Brief zu schreiben?
OH: Abgefragt werden sollte laut Entwurf nur das, was die europäischen Vorschriften verlangen. Daraufhin habe auch ich einen Brief an das statistische Amt geschickt, in dem wir verlangen, daß die Fragen, die 2001 gestellt worden waren, wieder gestellt werden sollen. Für uns wäre es sehr wichtig, in einer Zehn-Jahres-Periode Vergleiche ziehen zu können. Es ist für die Planung unserer Arbeit sehr wichtig, wie sich etwa die regionale Verteilung verändert hat, ob Migrationsprozesse auch bei den Ungarndeutschen stattgefunden haben und wie es bei der Altersstruktur und bei den Kindern ausschaut. Zugleich ist es ein Gradmesser der Minderheitenpolitik und unserer Arbeit. Volkszählungen sind aber nicht nur Zahlen, sondern auch die Grundlage für wissenschaftliche Analysen, die dann vom Minderheitenforschungsinstitut der Akademie der Wissenschaften durchgeführt werden. Diese sind wichtig für uns, aber auch für die Planung der staatlichen Aufgaben.
NZ: Aber die Frage nach der Nationalitätenidentität ist bei den bisherigen Vorbereitungen doch verlorengegangen. Wo mögen die Gründe dafür liegen?
OH: Es geht hier darum, daß man mit möglichst wenig Geld eine Volkszählung durchführen will und sich deshalb nur auf die international vorgeschriebenen Fragen und Angaben konzentriert. Ich vermute keine anderen Absichten dahinter. Ich habe in diesem Brief auch ein Treffen mit den Vorbereitern des Gesetzentwurfes vorgeschlagen, damit auch ein persönliches Gespräch stattfindet. Historisch ist es ja auch so, daß immer nach der Nationalität und vor allem nach der Muttersprache gefragt wurde, und es wäre schade, wenn diese jahrhundertealte und bewährte Methode plötzlich nicht mehr dasein würde.
NZ: Gibt es einen zumindest theoretischen Unterschied, ob man nach der Nationalität oder nur nach der Abstammung fragt?
OH: Sicherlich kann man aus den unterschiedlich gestellten Fragen unterschiedliche Schlußfolgerungen ziehen. Bei der letzten Volkszählung wurden auch vier Fragen gestellt, die direkt oder weniger direkt mit der Minderheitenzugehörigkeit zusammenhingen, wie etwa die Nationalität, die Muttersprache, die kulturelle Bindung und der Sprachgebrauch. Bei den Serben oder Bulgaren sind auch die Fragen nach der Religionszugehörigkeit von einer gewissen ethnischen Relevanz. Ich glaube auch nicht, daß man sich nur nach Abstammung definieren kann. Die Zugehörigkeit zu einer Minderheit ist auch eine Frage des Bekenntnisses und nicht eine Frage der Ahnenforschung. Man muß Fragen stellen, die eine bewußte Identifikation mit der betreffenden Volksgruppe voraussetzen.
NZ: Fragt man nach der Abstammung, ließe doch sagen, daß es etwa zehn Millionen Ungarn mit unterschiedlichen Abstammungen gibt, fragt man aber nach der Nationalität, so muß man doch von existenten Nationalitätengruppen sprechen. Ist nicht das der springende Punkt?
OH: So kann man das auch deuten. Ich sehe das auch deshalb differenzierter, weil sehr viele ungarische Staatsangehörige aus gemischten Familien kommen, in denen die Elternteile verschiedenen Nationalitäten angehören. Man kann also nur mit gezielten Fragen auf die tatsächliche ethnische Bindung, auf das tatsächliche Bekenntnis schlußfolgern und daraus Konsequenzen ziehen. Rein die Frage nach den Ahnengenerationen würde nur einen Wirrwarr bewirken und keine zuverlässigen Angaben ergeben.
NZ: Wird die LdU auch diesmal an die Ungarndeutschen herantreten, um ihnen die Bedeutung der Volkszählung zu erklären?
OH: Ganz bestimmt, und das wird ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Arbeit werden, wenn das Gesetz kommt und wenn wir sehen, welche Fragen wie gestellt werden. 2001 haben wir eine große Werbezettelaktion gemacht, wir haben versucht, unsere Leute zu mobilisieren, damit sie auch als Aktivisten in den Gemeinden mit den Leuten reden. Damals gab es auch noch sehr, sehr viele Ängste und Vorbehalte vor allem bei der Erlebnisgeneration, die noch die Vertreibung und die Repressalien der 50er und 60er Jahre erlebt hatte. Wir haben auch an den Ergebnissen gesehen, daß sich die ältere Generation nicht sehr gerne zum Ungarndeutschtum bekannt hat. Seitdem sind acht Jahre verstrichen und viele ältere Menschen, die dies erlebt hatten, weilen leider nicht mehr unter uns, andererseits haben diese acht Jahre auch bewiesen, daß niemand Nachteile hat erleiden müssen, wenn er sich zur deutschen Minderheit bekannt hat. Die Fragen waren anonym und mir ist kein einziger Fall bekannt, daß diese anonymen Angaben mißbraucht worden wären. Ich denke, das Vertrauen ist da und soll auch da sein. Die Volkszählung ist für uns sehr-sehr wichtig, damit wir sehen, wo wir stehen, in welchen Regionen wir mehr arbeiten müssen. Auf der anderen Seite ist es sicherlich nicht egal, wie viele Ungarndeutsche es im Jahre 2011 in Ungarn geben wird.
NZ: Herr Heinek, vielen Dank für das Gespräch! ani
Aus dem Inhalt
9. Regionaler Deutschsprachiger Theatertag in Werischwar
Der 24. April war für die Amateurtheaterfreunde in Schomberg und Werischwar ein großes Event, denn an diesem Tag fanden die deutschsprachigen Grundschultheatertage für die nördliche und die südliche Region Ungarns statt. Wer sich für die Nordregion entschied, konnte im Theatersaal des Friedrich-Schiller-Gymnasiums von 10 bis 14 Uhr 12 Aufführungen von 8 Grundschulen, unter Teilnahme von etwa 250 Grundschulkindern erleben. Großzügige Förderer des Grundschultheatertages - wie auch Hauptträger des Gymnasialtheatertreffens vor einer Woche - waren die Donauschwäbische Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg, das Auswärtige Amt, die Deutsche Botschaft in Ungarn und der Deutsche Kindergarten- und Schulverein in Budapest. Organisiert wurde der Theatertag - wie immer - von der Deutschen Nationalitätengrundschule am Marktplatz, Werischwar. Seite 1-6
Wo? - Männer im Park - spinne(n) Abgedreht - Ungarndeutsches Jugendfilmfest 2009
Sehr aufgeregt erwarteten die Mitarbeiter des Ungarndeutschen Kultur- und Informationszentrums die Gäste im Mûvész-Kino in Budapest. Sie sind auch gekommen, in großer Zahl, ebenfalls aufgeregte Teilnehmer, Lehrer und Lehrerinnen, Verwandte und Freunde der jungen Talente und natürlich auch interessierte Filmliebhaber, um die deutsche Minderheit von einer neuen Seite kennenlernen zu können. Abgedreht war auch zum 4. Mal ein riesiger Erfolg! Das Publikum konnte am 24. April die neuesten Werke über die Ungarndeutschen sehen. Anschließend wurden die besten Abgedreht-Filme und U35sec-Spots prämiert. Moderiert wurde der Kinotag von Frau Socke, Frau Söckchen und Herrn Schmidt, drei Sockenpuppen, die wirklich ihr Bestes gegeben haben, damit es auch zwischen den Filmen etwas zum Lachen gibt. Dieses Jahr meldeten sich fünf Schulen in der Kategorie der Mittelschüler mit neun Filmen für „Abgedreht". Seite 1-4
Aussichtsturm in Altglashütten Ein einmaliges Panorama
Den Aufstieg zum neuen Aussichtsturm in Altgtlashütten/Óbánya am ersten Mai konnte man wahrlich als ein Abenteuer betrachten. Die heftigen Regenfälle hatten die Feldwege aufgeweicht, so wurde die Wandertour zur Übergabefeier eine rutschige Angelegenheit, die nur sehr wenige auf sich nahmen. Doch die Mutigen wurden mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt, die ganze Schönheit des Altglashüttener Tales lag ihnen zu Füßen. Seite 3
Weinkrug und Regenschirm beim 9. Kretzelfest
Wochenlang bereiteten sich die Grundbesitzer der Kellerreihe im Schlawaker Grund in Nadasch auf das Weinfest am ersten Maiwochenende vor, gerade deswegen waren sie sauer wegen dem naßkalten Wetter und befürchteten schon, die Gäste würden wegbleiben. Doch über 400 Weinliebhaber waren dabei. Ausgerüstet mit warmer Kleidung, Regenschirm, Regenmantel und manche gar mit Gummistiefeln ließen sie sich die Stimmung nicht verderben. Die Blaskapelle Alte Kameraden sorgte ab den Nachmittagsstunden für beste Unterhaltung und verleitete viele zum Tanzen. Und als die Musikanten mal eine Pause machten, vereinten sich spontan über 70 Chormitglieder aus Fünfkirchen, Wemend und Nadasch und stimmten bekannte deutsche Weisen an. Seite 3
TAKS 2009 ein niveauvoller Wettbewerb Siebenmal Gold mit Auszeichnung auch in der Region Nord
Das V. Takser Bläsertreffen zog in diesem Jahr viele Blasmusikbegeisterte an. Acht Blaskapellen nahmen am Wettbewerbsprogramm teil, das einerseits eine Bewertung für sie bedeutete, andererseits wurde dabei auch entschieden, wer zum Landeswettbewerb (am 24. Oktober) nach Großmanok eingeladen wird. Juryvorsitzender István Sztán bewertete den Regionalentscheid als sehr niveauvoll und meinte, man könne spüren, daß Kapellmeister-Fortbildungen ihre Ergebnisse im Zusammenspiel zwischen Orchester und Dirigent zeigten. Seite 4
Gesichter in St. Peter-St. Johann
Die erste selbständige Ausstellung der jungen ungarndeutschen Diplomkunstmalerin Veronika Wennesz (Foto) unter dem Titel „Arcok" (Gesichter) wurde am 25. April in St. Peter-St. Johann/Mosonszentpéter eröffnet. Die Künstlerin stammt aus St. Peter-St. Johann, nach der Grundschule besuchte sie die Fachmittelschule für bildende Kunst in Raab, danach studierte sie in Budapest, wo sie das Diplom für Kunstmalerei erwarb. Seite 5
Eine Tracht muß man tragen können Zur 3. Auflage des Ungarndeutschen Trachtenbuches
Kleider machen Leute, besagt ein altes deutsches Sprichwort. Und wirklich, oft kann man aufgrund der Bekleidung der Menschen fast mit 100prozentiger Sicherheit feststellen, in welcher Umgebung man sich befindet. Heute trifft man allerdings nicht einmal mehr auf Wochenmärkten in Kleinstädten Frauen in schwäbischer Kleidung. Außer es ist irgendwo ein Dorffest, eine ungarndeutsche Veranstaltung. Hier hüpfen dann auch kleine Kinder in Trachten auf der Bühne herum und werden von allen Zuschauern bewundert. Freilich können auch sie ihre Tracht noch nicht tragen, aber allmählich gewöhnen sie sich während der Auftritte daran. Seite 6
Europatagung der Studentenverbindungen in Ödenburg
Die Studentenverbindungen von Deutschland, Österreich, Polen und Ungarn veranstalteten ihr jährliches Treffen vom 1. - 3. Mai in Ödenburg. Die Organisatoren und Leiter der Veranstaltung waren András Krisch, Kai Kranich, Tilman Schäfer und Uli Wagner. Heuer wurde dieser Tagungsort deshalb gewählt, weil hier vor zwanzig Jahren mit der Grenzöffnung der Eiserne Vorhang fiel und damit eine neue Zeitrechnung begann. Die 60 Teilnehmer gedachten am Ort des "Paneuropäischen Picknicks" dieses Ereignisses. Als Auftakt der Tagung gab es an der ehemaligen Grenzstelle einen Brunch. Seite 12
Im Mittelpunkt der Präsidiumssitzung: Besprechung der Sommerprogramme
Zu Beginn der Präsidiumssitzung der GJU - Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher wurde Bilanz gezogen über die Aktivitäten des Präsidiums im Frühjahr. Da fanden wenig Programme der GJU statt, die aber vor allem auf neue Kontaktaufnahme ausgerichtet waren, wie z. B. die Präsentation der GJU an der Pädagogischen Fakultät der Universität in Szegedin, das Vorführen aktueller deutscher Kurzfilme sowie der Besuch in den sathmarschwäbischen Gemeinden Merk und Wahlei und die Kontaktanbahnung mit dortigen Jugendlichen. Vom Präsidium nahmen Emil Koch und Veronika Takács an einem Rundtischgespräch mit Jugendvertretern der Minderheiten in Ungarn teil. Die GJU-Mitglieder waren in den Arbeitsgruppen der JEV auf dem Youth Leadthe Comitte Meeting im Februar und April sehr aktiv. Beim 25jährigen JEV-Jubiläum sowie auf dem danach folgenden Osterseminar der JEV war die GJU selbstverständlich vertreten. Seite 13
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