Wäre das ungarndeutsche Theaterfest ein Kind, hätte es dieses Jahr absolut berechtigt sich selbst anmelden können; 2009 tritt der Theatertag der ungarndeutschen Gymnasien ins Alter eines Mittelschulkindes. Zum 15. Geburtstag am 17. April im Budapester Deutschen Nationalitätengymnasium sind die beiden Hebammen, Eva Mayer (Organisatorin) und Anna Kerner (Ideenstifterin), wie jedes Jahr erschienen. Auch die Pateneltern Stefan Schäffer (der Gastgeberdirektor) und Ildikó Frank (Intendantin der Deutschen Bühne Seksard) waren da. Der Freund der Familie, Matthias Gruber (Referent für Kultur und Bildung an der Deutschen Botschaft), hat bereits zum dritten Mal seine feierliche Ansprache zu Ehren des Geburtstagskindes gehalten. Onkel Frigyesi hat zwar - leider - entschuldigt gefehlt, aber die Großfamilie aus Baje (UBZ), Budapest (DNG), Fünfkirchen (Leõwey und Valeria Koch), Temeswar (Nikolaus Lenau) und Werischwar (Friedrich Schiller) war wie immer da. Die meisten in der feiernden Gesellschaft kannten sich schon, aber auch einige neue Gesichter sind aufgetaucht: Lilla Méder (Theatergruppenleiterin des Leõwey-Gymnasiums in Fünfkirchen) und Gyöngyi Meszlényi (Theaterpädagogin der PaThália junior aus Werischwar).
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Zur Feier gehörte natürlich auch eine großartige Show. Angefangen hat es mit den beiden Werischwarer Schiller-Truppen. Die Seniorgruppe PaThália (Gruppenleitung: Tímea Faragó) brachte eine selbstgeschriebene Hommage an Friedrich Schiller. Sie ließen ihn wieder nicht auf den errungenen Lorbeeren ruhen, beschworen seinen Geist auch nach etwa 200 Jahren erneut herauf. Ein imaginärer Spaziergang Schillers durch unser modern genanntes Leben überzeugte Mitspieler und Zuschauer, daß mit der Welt immer noch nicht alles in Ordnung sei. (Es gab zwar im Publikum einige, die die Produktion auch schon am ARCUSFEST gesehen haben, allerdings mit einer anderen Besetzung.) Von Ildikó Frank (Vorsitzende der Jury) wurde in der Abschlußbesprechung die Spielfreude der Gruppe hervorgehoben. Die Juniorgruppe PaThália zeigte eine gekürzte, aber doch vollständige Variante von Georg Büchners Leonce und Lena. Die satirische Komödie des klassischen Rebellen in der Inszenierung von Gyöngyi Meszlényi-Bodnár fand im Publikum ein gutes Echo. Das karikaturistische Bild des Königs Peter mit dem Riesen-Kuschelbären und die Marionettentheaterelemente ernteten Beifall und lautes Lachen. Pflegte man an einer Geburtstagsparty den besten Spaßvogel zu prämieren, hätte diesen Preis ohne Zweifel Rita Balkó (17) für die Gestaltung des Bonvivants Valerio erhalten. Ildikó Frank würdigte unter anderem das gutgelungene Bühnenbild der Aufführung. Einen ganz anderen Stil im Geburtstagsprogramm vertrat die Gruppe aus Rumänien. Die Temeswarer NILer spielten „Die weiße Magnolie", eine mutige Collage über Liebe, Leidenschaft, Betrug und Tod. Wie es von der Leiterin Izolde-Daniela Cobet (Schauspielerin am Deutschen Staatstheater in Temeswar) gewohnt ist, erlebte man wieder eine sehr präzise Choreographie von Tanz und Bewegung, tiefgehenden Text und Sinn sowie diszipliniert-konzentrierte Bühnenpräsenz seitens der Mitspielenden. Obwohl der Großteil der NIL wieder aus Neulingen mit wenig Bühnenerfahrung besteht, konnte man das am Niveau der Vorstellung kaum spüren. Die jungen Schauspieler aus Baje brachten als Geburtstagsgeschenk das Stück „Die Globen". Die kleine Gruppe von Petra Fischer faszinierte die Zuschauer mit einer wunderbaren Kooperation. Die Rahmengeschichte - die Verfilmung einer Szene - verlangte die mehrmalige Wiederholung einer Handlung, die ohne höchste Konzentration und Vertrauen der Spielenden zueinander unmöglich gewesen wäre. Ildikó Frank lobte an der Produktion auch noch die wirklich hervorragende Bühnensprache. Schon der geistreiche Titel „Pandorra" des Stückes von der Leõwey-Truppe weckte die Aufmerksamkeit des Publikums. Das Ineinanderspielen der Assoziationen von Max Frischs Andorra und der Büchse von Pandora ist genauso gelungen wie die vielen Annäherungen zum Thema „Anderssein". Die Aufführung war als Nachspiel auf Andris Tod zu verstehen, mit Hilfe von allen nützlichen (theater)pädagogischen Elementen wie Interview, Tagebuch und Reflexion. Ildikó Frank bedankte sich bei Lilla Méder und ihrer Gruppe eben für diesen Ideenreichtum. Ein Glanzpunkt ist jedes Jahr der Auftritt der Valeria-Koch-Schule. Den unverkennbaren Stil von Fábián Vörös wissen die Zuschauer zu schätzen: Die Gruppe von ihm und Josef Weigert bringt jedes Jahr Splitter, Momentaufnahmen aus unserem Alltagsleben. Wie letztes Jahr Terror, wurde dieses Jahr die Liebe thematisiert; den Mitspielenden angepaßter Text und Bewegungen, sprudelnder Humor, keine Sekunde Leergang und flotter Umbau zwischen den Szenen charakterisieren den Profismus der Gruppe. Waren die Koch-Schüler die Sahne auf der Torte des Geburtstagskindes, so bedeutete die Vorstellung der KO (Kulturelle Offensive) des Budapester Deutschen Nationalitätengymnasiums das Feuerwerk, die würdige Krönung des Tages. Die einstündige Darbietung „Der Bohemien" - geschrieben von der talentierten „Hausdichterin" Edit Szabó (18) - ist vom Anfang bis zum Ende ein komponiertes Meisterstück. Eine anerkennenswürdige Zusammenarbeit von Verfasser, Mitspielern, Lehrern und Eltern (sprich: Schauspielern, Regisseur, Masken- und Bühnenbildnern, Musikern, Sprecherziehern sowie Licht- und Tontechnikern). Eine Vision über Wolfgang Amadeus Mozart als Menschen, eine breite Palette von Darstellungsmöglichkeiten von der klassischen Musik bis zum Falco-Rap, von der verzaubernden Welt der Mannheimer Oper bis zum Irrenhaus. Der Applaus tönte minutenlang für das Ensemble von Fanni Örkényi. Und was man nach einer so gutgelungenen Geburtstagsparty noch wünschen kann? Hoch lebe das Geburtstagskind und erreiche ein hohes Alter! indian
Aus dem Inhalt
Mit der Beilage Ungarndeutsche Christliche Nachrichten Seite 11-12
LdU gründet Minderheitenforum mit
Die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen wird am 13. Mai das von Parlamentspräsidentin Katalin Szili initiierte Minderheitenforum mitbegründen. Die Ermächtigung zur Unterschrift erhielt LdU-Vorsitzender Otto Heinek auf der Vollversammlungssitzung am 18. April, auf der auch der Bericht über die Haushaltsbilanz 2008 einstimmig verabschiedet wurde. Seite 1-2
„Es war ein Erlebnis"
Über 400 Kinder warteten am vergangenen Wochenende in der Sporthalle von Wemend gespannt auf ihren großen Auftritt. Aufgeregt tuschelten sie mit den Freundinnen, begutachteten die Mitstreiter und summten leise die Melodien vor sich hin. Aufgeregter waren nur noch die Chorleiterinnen und -leiter, die versuchten, die Kinderschar bis zu den frühen Abendstunden zu beschäftigen. Der Landesrat der Ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen hatte zum 4. Mal die Jugendchöre des ganzen Landes zu einer Qualifizierung zusammengerufen. Seite 1-4
Die Wurzeln geraten nie in Vergessenheit 20 Jahre Städtepartnerschaft Eislingen - Willand
„Aus dem anfänglich zarten Pflänzchen ist ein starker Baum gewachsen", so bezeichnete Günther Frank, Bürgermeister der Stadt Eislingen/Fils, die nunmehr 20 Jahre lang andauernde Partnerschaft mit Willand. Das Jubiläum wurde am 4. April mit einem Festabend in der Stadthalle von Eislingen gebührend gefeiert. Neben Bürgermeister Gyula Takáts waren auch Mitglieder des Stadtrates, die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung von Willand, die ungarndeutsche Tanzgruppe des Kulturvereins sowie einige örtliche Winzer in die deutsche Stadt eingeladen. 1981 wurde in Eislingen mit dem Antrag einiger Heimatvertriebenen auf Übernahme einer Patenschaft für Willand/Villány und Umgebung der Grundstein für die spätere Städtepartnerschaft gelegt, die seitens des damaligen Ratsvorsitzenden von Willand, Georg Maurer, unterstützt wurde. Die Kontakte zwischen den Kulturgruppen (wobei dem Willander Frauenchor eine wichtige Rolle zukam), Schulen und Gemeinderäten wurden gezielt gefördert, bis 1989 die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet wurde. Seitdem werden die Beziehungen der Partnerstädte, deren organisatorischer Part von Willander Seite die Deutsche Minderheitenselbstverwaltung unter der Leitung von Elisabeth Troszt übernommen hat, stets von beiden Seiten unterstützt. Das beweisen unter anderem die gemeinsamen Programme, Schüleraustausche und die gegenseitigen Besuche der Stadträte. Seite 3
Vertriebene Ungarndeutsche in Sachsen Eva-Maria Bien: ein Teil ihrer Gefühle wurzelt in der „Schwäbischen Türkei"
Werdau nennt sich auch das „Tor zum Vogtland", einer bergigen Landschaft in der Nähe der Grenze nach Bayern. Hierhin hat es die meisten der Ungarndeutschen verschlagen, die in 33 Zügen, beladen mit jeweils 1 500 Menschen, nach Sachsen kamen. Ein Ort, in dem etwa 300 von ihnen hängen blieben, ist das Städtchen Auerbach. Eva-Maria Bien lebte damals noch nicht. Sie wurde schon in der Ersatzheimat geboren, vor 51 Jahren kam sie im Kreiskrankenhaus Rodewisch zur Welt. Doch von klein auf wurde sie von ihren Eltern und Großeltern als „Schwobin" erzogen. Was gut zehn Jahre zuvor mit der Familie geschehen war, ging schon früh in ihr Bewußtsein ein. Sie mag ein Beispiel dafür sein, daß die Vertreibungsgeschichte mit der Erlebnisgeneration nicht beendet ist. Sie spürt, daß ein Teil ihrer Gefühle in der „Schwäbischen Türkei" wurzelt, auch wenn sie weit entfernt der Familienheimat zur Welt kam und aufgewachsen ist. Seite 3
Die Stärke liegt in der Vielfalt VUdAK-Präsentation und Vernissage im Budapester Kulturzentrum
Anläßlich des 125. Jahrestages der Vereinigung von Pesth und Ofen - zwar mit einem Jahr Verspätung, aber besser später als vergessen - startete das Budapester Kulturzentrum (XI., Etele út 55) eine Programmreihe mit dem Titel „Multi-Kulti Budapest", in deren Rahmen sich die einzelnen Minderheiten präsentieren konnten. Alle Minderheitenselbstverwaltungen der Hauptstadt und des Bezirks halfen bei der Kontaktsuche, so wurde durch die Vorsitzende des Budapester Deutschen Selbstverwaltung, Eva Mayer, die VUdAK-Präsentation im BMK ermöglicht. Seite 5
Ein niveauvoller Wettbewerb Siebenmal Gold mit Auszeichnung
Das V. Masaer Bläsertreffen zog in diesem Jahr auch viele Interessenten an. Zehn Blaskapellen und Blasorchester nahmen am Wettbewerbsprogramm teil, das einerseits eine Bewertung für sie bedeutete, andererseits wurde auch entschieden, wer zum Landeswettbewerb (am 24. Oktober) nach Großmanok eingeladen wird. Juryvorsitzender Árpád Apáthy bewertete den Regionalentscheid als sehr gut gelungen: man könne spüren, daß Kapellmeister-Fortbildungen ihre Ernte im Zusammenspiel zwischen Orchester und Dirigent hätten. Apáthy hob hervor, daß es wunderbare Dirigentenleistungen gab und die Klangkultur niveauvoll gestiegen wäre - betonend, daß vor drei Jahren der Wettbewerb auch sehr niveauvoll gewesen sei. Seite 6
Web-Projekt „Zeitenwechsel-Seitenwechsel" Schüler interviewten Zeitzeugen im Grenzgebiet Sathmar zum Thema Wende
Wie verlief die Wende 1989 in Rumänien und Ungarn? Wie haben die Menschen dieses Ereignis erlebt? Ist heute alles besser oder sehnen sich die Menschen nach den alten Zeiten? Zwanzig Jahre nach dem Systemwechsel in Mittel- und Osteuropa suchten Jugendliche aus Rumänien und Ungarn Antwort auf diese Fragen. Im Rahmen des ifa-Medienprojektes „Zeitenwechsel-Seitenwechsel" haben sie zwischen 1. und 6. April in der Grenzregion Sathmar Zeitzeugen besucht, Audiointerviews gemacht, Videofilme gedreht und ihre Eindrücke mit der Fotokamera festgehalten. Im Vorfeld der Zeitzeugeninterviews hatten die Schüler von dem Budapester Historiker Gábor Tollas eine inhaltliche Einführung in die komplexe Thematik erhalten. Das gesammelte Material wurde anschließend unter der Leitung der Medienpädagogin Anne Bott aufbereitet und wird in der zweiten Arbeitsphase in Budapest (21.-24. Mai) auf eine eigene Homepage gestellt. Seite 13
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