Vor zehn Jahren wurde die „Deutsches Haus GmbH" gegründet, deren Eigentümerin fast zu hundert Prozent die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ist. Vermietet werden von der Firma die Immobilien in der Budapester Nagymezôstraße (der ehemalige Sitz des Verbandes der Ungarndeutschen und der Neuen Zeitung), die seinerzeit für 50 Millionen Forint gekauft wurden, und das Haus der Ungarndeutschen in der Lendvaystraße. Geschäftsführer der GmbH ist von Anfang an Artur Beck (Foto).
Geschäftsführer der GmbH ist von Anfang an Artur Beck
|
NZ: Herr Beck, wie läuft zur Zeit das Vermietungsgeschäft der „Deutsches Haus GmbH"? AB: Die Bedingungen in den zwei Immobilien sind unterschiedlich. In der Lendvaystraße haben wir eine glücklichere Situation, das Haus ist schöner und die Umstände besser, deshalb haben wir hier seit der Gründung eine hundertprozentige Auslastung. Darauf bin ich sehr stolz. In der Nagymezôstraße ist die Lage schwieriger, dort ist das Haus älter und deshalb haben wir nur eine Auslastung von etwas über siebzig Prozent. NZ: Beide Immobilien gehören der LdU, aber es heißt wohl trotzdem, daß die Mieter unter Marktbedingungen gefunden werden müssen? AB: Das ist absolut so. In den letzten Jahren ist die Konkurrenz sehr groß geworden, und dazu kommt jetzt noch die Finanz- und Wirtschaftskrise, so daß wir beide Umstände bei der Preisgestaltung berücksichtigen müssen. Dabei geht es nicht nur um die Mietpreise, sondern auch um die Instandhaltungsarbeiten und besondere Kundenwünsche. NZ: Wie geht man an die Interessenten ran? Werden diese gefunden oder wird man gefunden? AB: Nach zehn Jahren Amtszeit ist es ein Plus für mich, daß mich bereits viele kennen und auf diese Weise einfach durch persönliche Kontakte Verträge abgeschlossen werden können. Andererseits gibt es auch noch die Werbung im Internet, Zeitungsannoncen werden aufgegeben und wir nutzen auch andere diesbezügliche Möglichkeiten. NZ: In den letzten Jahren haben internationale Großfirmen den ungarischen Immobilienmarkt unter ihre Herrschaft genommen, Namen, die jeder kennt. Wie ist es, wenn Sie den Kunden erzählen, wem die Immobilien und die GmbH gehören? Ist es ein Plus oder guckt man ein bißchen verwundert? AB: Das wird meistens positiv zur Kenntnis genommen. Sie glauben, daß durch eine solche Eigentümerin einfach die Sicherheit größer und garantiert ist, daß eine ernstzunehmende Partnerin auf der anderen Seite steht. Ich hatte noch nie Probleme damit, daß die Eigentümerin der Immobilien die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ist. NZ: Das Haus der Ungarndeutschen ist für viele Leser auch durch die Programme bekannt, die hier stattfinden, und auch als Sitz mancher landesweiter Organisationen. Aber wer sind generell die Mieter in den beiden Immobilien? AB: In der Lendvaystraße sind mehrere ungarndeutsche Vereine und Organisationen, die ihre Tätigkeit landesweit ausüben: der Bund Ungarndeutscher Schulvereine, die Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher, der Landesrat der Ungarndeutschen Chöre, Kapellen und Tanzgruppen, die Jakob-Bleyer-Gemeinschaft und die Redaktion der Neuen Zeitung. Das sind Namen, die hoffentlich jeder kennt. Außerdem haben wir auch Mieter, die absolut unabhängig sind von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen und die natürlich für die Miete auch einen anderen Preis zahlen. Wir einen Mieter, der in der Apothekenbranche tätig ist, eine Buchhaltungsfirma und wir vermieten auch das Restaurant im Keller. NZ: Hat die GmbH die Chance, durch die Vermietung anderer Immobilien ihre Tätigkeit zu erweitern? AB: Das hängt in erster Linie von der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ab. Wenn die LdU bereit ist, noch andere Immobilien zu kaufen, und die GmbH beauftragt wird, diese zu verwalten, dann wäre ich jeder Zeit daran interessiert und möchte das gerne machen. Aber eine solche Entscheidung muß natürlich die Landesselbstverwaltung treffen. NZ: Könnte eine Firma dieser Art, von der Landesselbstverwaltung getragen, auf dem Markt bestehen? AB: Wir machen das seit zehn Jahren. Die GmbH wurde im Mai 1999 gegründet und das bedeutet schon etwas. Wir gehören nicht zu den größten, aber wir sind anständig, solide, bei uns gibt es keine negativen Überraschungen. Das wird seit zehn Jahren akzeptiert, und die Firmen, die Leute, die mit uns seit einem Jahrzehnt Verträge abschließen, haben die Marktchancen bewiesen. NZ: Herr Beck, vielen Dank für dieses Gespräch! Ani Aus dem Inhalt „Seitensprünge" in Brüssel Von der Schnapsidee zum europäischen Literaturprojekt In den imposanten Räumlichkeiten der Gemeinsamen Vertretung der Europaregion Tirol - Südtirol/Alto Adige - Trentino bei der Europäischen Union in Brüssel fand am 24. März die Präsentation der Anthologie „Seitensprünge" statt. Wie der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Karl-Heinz Lambertz, erklärte, war das literarische Projekt wortwörtlich eine Schnapsidee, die zum 25jährigen Jubiläum der Regierungsbildung der Deutschsprachigen Gemeinschaft mit zwei Partnern innerhalb eines halben Jahres realisiert wurde. Ein wahrlich europäisches Literaturprojekt der deutschsprachigen Minderheit aus Ostbelgien, Südtirol und Ungarn. „Über dieses Projekt können sich alle sehr freuen, die etwas mit der deutschen Sprache zu tun haben", sagte Lambertz. Dr. Georg Mühlberger, Stellvertretender Vorsitzender des Südtiroler Kulturinstituts, sprach auch seinen Glückwunsch aus und lobte die bedacht getroffene Auswahl der Texte. Die Grußworte von Dr. Karl Manherz, Staatssekretär für Hochschulwesen und Wissenschaft Ungarns, übermittelte Péter Guba, 1. Sekretär der Ungarischen Botschaft (Brüssel). Seite 1-6 Pietätsverletzung in Schorokschar In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts siedelten in größerer Zahl Deutsche in nach der Türkenherrschaft entvölkerte Gebiete Ungarns. Dazu gehörte auch Schorokschar, und dank der fleißigen Arbeit der deutschen Kolonisten erfuhr auch dieses Gebiet eine rapide Entwicklung und erlangte die Großgemeinde den Rang eines Markfleckens. Die Nachkriegszeit brachte auch für Schorokschar durch die Vertreibung von etwa 6500 Menschen viel Leid und Unheil, fast jede Familie wurde zerrissen, die nicht nur ihr Hab und Gut, ihre Angehörigen hier lassen mußten, sondern es gab auch keine Nachkommen, die die Gräber der Ahnen gepflegt hätten. Schorokschar wurde an Pesthelisabeth angeschlossen (XX. Bezirk von Budapest), und auf dem dortigen Friedhof wurden dann alle Gestorbenen beigesetzt. Nun hat der Minderheitenombudsmann Ernô Kállai in einem Bericht schwerwiegende Verletzungen des individuellen und des kollektiven Rechtes auf Identität festgestellt. Seite 1-3 Als „Dédisitter" im Westen Frauen über 50, arbeitslos und ohne gute Ausbildung, haben wenig Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Deswegen entschließen sich viele zu einem gewagten Schritt und nehmen einen Job im Ausland als Altenpflegerin für alleinstehende, alte Menschen an. Seite 2 "Den gegenseitigen Vertrauensvorschuß gilt es zu erhalten" Österreichischer Botschafter Michael Zimmermann im NZ-Gespräch - Herausforderung Budapest Noch nicht einmal ein Vierteljahr ist Michael Zimmermann, der österreichische Botschafter in Ungarn, in Amt und Würden. Trotzdem hat sich der zweifache Familienvater, der sich in seiner Freizeit gern beim Wandern und Skilaufen entspannt, in Budapest offenbar überaus schnell zurechtgefunden und auch zurechtfinden müssen. Diplomaten zeichnen sich berufsbedingt ohnehin durch eine besondere Anpassungsfähigkeit aus, Zimmermann ist zudem in einer sehr turbulenten Zeit nach Ungarn gekommen. Seit 19. Januar ist er in Budapest, am 18. Februar überreichte er Staatspräsident Sólyom sein Beglaubigungsschreiben. Seite 3 Solide Firma mit guten Marktchancen Vor zehn Jahren wurde die „Deutsches Haus GmbH" gegründet, deren Eigentümerin fast zu hundert Prozent die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen ist. Vermietet werden von der Firma die Immobilien in der Budapester Nagymezôstraße, (der ehemalige Sitz des Verbandes der Ungarndeutschen und der Neuen Zeitung), die seinerzeit für 50 Millionen Forint gekauft wurden, und das Haus der Ungarndeutschen in der Lendvaystraße. Geschäftsführer der GmbH ist von Anfang an Artur Beck. Seite 3/4 Häuser, die erzählen... Vor Jahren gab es im Ethnographischen Museum von Budapest eine Ausstellung (arrangiert vom Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm), in der es um donauschwäbische Häuser ging, deren Einwohner im Sturm der Geschichte während des Weltkrieges und danach gezwungen waren, umzuziehen. Ein ähnliches Gefühl wie seinerzeit auf dieser Ausstellung weckt die Ausgabe von Gabrielle Jaszmann, Koordinatorin der ungarndeutschen Heimatmuseen in Wudersch: Häuser, die uns erzählen. Seite 6 Antal Genersich, ein großer Pathologe (1842 - 1918) Prominente Vertreter siebenbürgischer Wissenschaft, die Nachkommen und Verwandten der Familie Genersich und Teilnehmer der 150. Vollversammlung des Siebenbürgischen Museum-Vereins (SMV), angeführt von Ákos Egyed, Akademiker und Präsident des SMV, legten am 7. März auf dem Friedhof Házsongárd in Klausenburg am neulich renovierten Grab von Antal Genersich Kränze nieder. Seite 11 Die Radwandernden Die „Radwandernden" Veronika Janke und Matthias Riedel haben etwas Mutiges geträumt, möchten sie doch von Heidelberg bis an den Baikalsee in Sibirien reisen. Die Verkehrsmittel dazu sind ihre Fahrräder und ein Tourenkajak. Veronika (26) - vom Beruf her Schreinerin - war 2002 in Bishkek/Kirgisistan, dann in Irkutsk am Baikalsee sowie in der Mongolei und in Peking/China unterwegs. Die Reisen haben ihr Interesse für die Kulturen an derer Völker geweckt. Matthias (30) hat seine Uni-Studien in Landwirtschaft, Biologie, Geographie und Philosophie im Jahr 2008 abgeschlossen. Reiselust, Liebe zur Natur, Lebensfreude und soziales Engagement charakterisieren diese sympathischen Menschen. Wenn sie über ihre Weltreise sprechen, strahlen ihre Augen. Ihre Vision einer Weltreise war die Motivation für ihr spezielles Abenteuer. Seite 12 Die Nachfahren deutscher Siedler in Spanien Am 2. April des Jahres 1767 unterzeichnete der damalige spanische König Karl III. (Carlos III) ein Gesetz, welches die Einwanderung von 6000 Siedlern aus Deutschland und seinen westlichen und südlichen Nachbarländern zur Besiedlung eines großen, weitgehend unbewohnten Landstriches im Süden Spaniens gestattete. Man versprach sich von der Durchführung dieses Siedlungswerkes die wirtschaftliche Aufwertung einer bisher agrarisch lediglich durch sehr extensive Schafzucht genutzten Region und auch die Sicherung der zu jener Zeit meistbenutzten Straße Spaniens, welche in diesem Teil des südlichen Gebirges des Sierra Morena, sehr unter der Einwirkung von Straßenräuber (Bandoleros) zu leiden hatte. Seite 12 Die GJU in Szegedin Neue Freunde gewinnen Die GJU besuchte am 19. März die Erziehungswissenschaftliche Fakultät Gyula Juhász Lehrstuhl für deutsche Sprache und Literatur der Universität in Szegedin. Der Germanistikunterricht und die Deutschlehrerausbildung an der Universität in Szegedin haben eine lange Tradition. Erst 1985 startete hier die Ausbildungsform für Deutsch als Nationalitätensprache (für die deutsche Minderheit). Innerhalb des Bolognaprozesses bekam die Fakultät für Erziehungswissenschaft eine besondere Rolle in der Ausbildung für Deutsch als Nationalitätensprache in der südostungarischen Region. Der Schwerpunkt des Lehramtsstudiums basiert auf dem Studiengang für Deutsch als Nationalitätensprache. Seite 13 Wollen Sie mehr erfahren? Bestellen Sie die Neue Zeitung unter www.neue-zeitung/publikationen Sie können die Neue Zeitung auch als pdf-Datei abonnieren und per E-Mail zugeschickt bekommen. Kontakt: neueztg@hu.inter.net
|